Solar Challenge: Wie lange könnt ihr ein Smartphone nur mit Solarenergie laden?

Jürgen Vielmeier hat sein Smartphone nur noch mit Solarstrom geladen. Die Solar Challenge endet nach 25 größtenteils grauen Tagen im Januar – und wird nicht das Ende gewesen sein.

Diesen Beitrag haben wir ursprünglich am 12. Januar 2020 mit dem Aufruf zur Challenge veröffentlicht und mit den Endergebnissen am 4. Februar 2020 umfassend aktualisiert.

Der 1. Januar 2020 war ein sonniger Tag. Beeinflusst durch Greta und ökologische Aufbruchstimmung kam mir die spontane Idee, das neue Jahrzehnt mit einer Solar Challenge zu beginnen: Wie viele Tage könnte ich es wohl schaffen, mein Smartphone nicht mehr an der Steckdose aufzuladen, sondern nur noch mit Solarstrom?

Viel braucht es dazu nicht:

  1. Solarladgerät
  2. Powerbank
  3. Ladekabel
  4. Smartphone
  5. Sonne

Vor allem letzte Zutat ist in diesen Breiten ein rares Gut, nicht nur im Winter. Es ist schlicht nicht jeden Tag blauer Himmel mit bestem Sonnenschein – was für tägliches Aufladen nötig wäre. Also muss eine Powerbank her, die ihr natürlich ebenfalls mit Solarstrom ladet und an trüben Tagen als Puffer verwendet.

Notwendige Ergänzung für eine Solar Challenge: Eine Powerbank

Notwendige Ergänzung für eine Solar Challenge: Eine Powerbank

Die Herausforderung an der Solar Challenge erhöht ihr noch, wenn ihr, wie ich, ein Smartphone mit einem nicht übermäßig ausdauernden Akku besitzt. Genau der ist in meinem Samsung Galaxy S10 der Pferdefuß, besonders seit dem Update auf Android 10. Es muss fast täglich ans Netz.

Solar Challenge? Macht keinen Sinn!

Lust auf ein wenig Ernüchterung gleich vorweg? Gerne doch: Eine Solar Challenge lohnt sich kaum, weder finanziell noch ökologisch. Ladet ihr euer Smartphone täglich an der Steckdose wieder auf, kostet euch das bei aktuellen Strompreisen ein paar Euro im Jahr. Mehr nicht.

Wie ihr das ausrechnet? Leistung eures Ladegeräts x Ladezeit x Ladefrequenz x Strompreis. Mein Smartphone etwa verwendet ein Ladegerät mit 10 Watt (also 0,01 KW). In 1,5 Stunden ist der Akku wieder voll, ich lade täglich, für eine Kilowattstunde Strom zahle ich 29 Cent. Macht: 0,01KW x 1,5h x 365d x 0,29 Euro = 1,59 Euro – pro Jahr!

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Das Netzteil verbraucht mehr Strom, wenn ihr das Smartphone nach dem Laden noch am Netz hängen lasst (etwa über Nacht). Und moderne Schnelllademodi laden teils mit 25, 50 oder gar 100 Watt, also der 5- bis 10-fachen Menge meines Ladegeräts. Dafür ladet ihr wahrscheinlich kürzer oder seltener. Selbst bei hohem Verbrauch reden wir über Kosten pro Jahr im einstelligen Euro-Bereich.

Solarladegeräte haben sich erst nach Jahrzehnten amortisiert

Für ein halbwegs leistungsfähiges Solarladegerät mit 28 Watt oder mehr (nehmt nicht weniger!), zahlt ihr um die 70 Euro. Dazu kommt noch eine Powerbank mit 10.000 mAh Kapazität und Schnelllademodus (der Faktor Zeit entscheidet) für 20 bis 30 Euro. Rund 100 Euro also für ein halbwegs ordentliches Solarvergnügen. Gehen 10 Euro eurer Stromkosten im Jahr für das Laden eines Smartphones drauf, hätte sich das erst nach 10 Jahren amortisiert. In meinem Falle (100 Euro/1,59 Euro/Jahr) nach über 60 Jahren.

"Schweres Gerät": eine tragbare 100-Watt-Solarzelle

„Schweres Gerät“: eine tragbare 100-Watt-Solarzelle hilft, ein Smartphone schnell zu laden, ist aber unter 100 Euro kaum zu haben.

Hinzu kommt noch eine gar nicht einmal so tadellose CO2-Bilanz für Solarzellen. Tragbare Solarladegeräte mit meist monokristallinen Wafern zu bezahlbaren Preisen stammen heute in den meisten Fällen aus China, werden dort aus einem Strommix produziert, der in den letzten Jahren nicht sauberer geworden ist, und müssen danach natürlich noch hierher geschippert werden. Danach laufen sie Kohlestrom über die Zeit den Rang ab. Viel sinnvoller und dazu noch günstiger als Kauf und Nutzung eines Solarladegerätes wäre es, das Smartphone mit reinem Ökostrom aus der Steckdose aufzuladen.

Wozu also eine Solar Challenge?

Ihr spart kein Geld und kaum CO2, also warum dann überhaupt so etwas wie eine Solar Challenge? Ich gebe euch einige Gründe, die mir am Herzen liegen:

  • Es fordert euch heraus. Wie richte ich einen Solarzelle am besten aus, wann und wie lade ich am besten? Wie helfe ich mir, wenn mal nicht die Sonne scheint? Das alles erweitert euren Erfahrungshorizont. Ihr lernt zu improvisieren.
  • Ihr lernt Verzicht. Hui, ein böses, völlig aus der Mode gekommenes Wort, dieses „Verzicht“. Das sind wir heute nicht mehr gewöhnt. Essen, Wasser, Strom… Alles steht uns immer in genügender Menge zur Verfügung. Und nicht nur deswegen leben wir krass über unsere Verhältnisse. Aber was macht ihr, wenn ihr mal nicht genug Strom zur Verfügung habt? Bei einer Solar Challenge lernt ihr, mit weniger auszukommen.
  • Es macht euch fit für die Zukunft. Die ferne Zukunft wird nicht so aussehen, dass wir weiterhin fossile Brennstoffe verfeuern. Alternative Energien werden gewinnen. Und das bedeutet auch: mehr Solarenergie. Dass die Technik ihre – nun ja – Schattenseiten hat, schrieb ich hier bei Zeiten auf. Ihr könnt euch also heute schon einmal anschauen, wie die Zukunft aussehen wird, und auch was mit Solarenergie alles geht und was nicht.
  • Es macht Spaß. Hängt ihr ein Smartphone an die Steckdose, ist die Freude begrenzt. Es wird halt wieder aufgeladen und es kostet Geld. Ich kann nicht genau erklären warum, aber das Smartphone mit Hilfe der Sonne wieder aufzuladen, ist wie Strom aus dem Nichts zu produzieren. Wenn die Sonne strahlt und endlich alles lädt, fühlt es sich richtig gut an.
  • Wenn alle es täten, ergäbe es Sinn. Klar, ein wenig Hoffnung „Fridays for Future“-Style: Wenn alle oder zumindest sehr viele Menschen öfter ihr Smartphone mit Solarzellen lüden, müssten die Erzeuger weniger Energie zur Verfügung stellen und wir könnten theoretisch das eine oder andere Kraftwerk einsparen.

Manchmal ist es alleine das gute Gefühl, ohne bauliche Maßnahme ein wenig Strom einzusparen und sich damit ein (ganz kleines) Stück unabhängiger von eurem Stromanbieter zu machen. Selbst wenn es nur 1-2 Euro im Jahr sind. Wenig gegen eine solche Aktion spricht auch in dem Falle, wenn ihr sogar schon ein Solarladegerät habt. Vergangenes Jahr habe ich an dieser Stelle 4 Solarladegeräte getestet und immerhin zwei davon für vielseitig tauglich befunden.

Die ersten Tage der Solar Challenge

Der 1. Januar brachte den perfekten Start ins Jahrzehnt. Bei bestem Sonnenschein lud ich mein fast leeres Smartphone und meine halb volle Powerbank an meiner 100-Watt-Zelle und einem 28-Watt-Solarlader auf. In den Tagen danach war es das aber auch schon mit dem schönen Wetter. Es regnet zu Weilen, mittags klart es ein wenig auf. Am 2.1. bringt die 100-Watt-Zelle das Galaxy S10 binnen 2 Stunden von 22 auf 44 Prozent und am Tag danach von 25 auf 50. Meine Powerbank muss hier schon etwas hinzuzuschießen. Und an den Tagen danach ist es so grau, dass an ein Laden nicht zu denken ist.

Solarladegerät für Smartphones

Solarladegerät für Smartphones

Ich schleppe mich bis zum 6.1., einem wunderbar sonnigen Tag, an dem ich Smartphone und Powerbank an der 100-Watt-Zelle wieder voll auflade (was im Falle der Powerbank aber auch stolze 5 Stunden dauert). Dass ich am gleichen Tag wieder in die Arbeit einsteige, hilft zusätzlich. Ich brauche mein Smartphone an Arbeitstagen deutlich weniger als in der Freizeit. Zweieinhalb Tage steht das S10 sogar ohne Aufladen durch, danach hilft die Powerbank.

Ende der Solar Challenge nach 25 Tagen

In den Tagen danach wechseln Licht und Schatten (im wahrsten Sinne des Wortes). Das graue Wetter geht meist über ein paar Tage, und bei solchem Wetter kann nur die Powerbank das Smartphone laden. Aber danach kommt fast immer pünktlich wieder die Sonne zum Vorschein. Und noch eine interessante Entdeckung mache ich: Blauer Himmel ist zwar das Optimum, aber selbst ohne sie kommt manchmal noch ein wenig dabei herum. An einem Tag, an dem es eigentlich bloß mal etwas heller wird, versuche ich mein Glück, indem ich das Smartphone direkt an der 100-Watt-Zelle lade. Nach 1 Stunde ist der Ladestand tatsächlich um immerhin 10 Prozent gestiegen.

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Das Ende kommt derweil recht unspektakulär. Der 25. Januar, ein Samstag, ist einfach nur ein Tag zu viel, an dem es grau ist. Obwohl ich es kommen sehe, das Smartphone schon in den Tagen davor nur noch eingeschränkt benutze und für den nächsten Tag Sonne angekündigt ist, geht mir am späten Nachmittag der Saft aus. Die Powerbank ist leer, der Smartphone-Akku bei unter 20 Prozent und ich bin für den Abend noch verabredet. Ich habe jetzt nur noch die Wahl, das Smartphone zuhause zu lassen, es mitzunehmen und zu nutzen, bis es leer ist. Oder es zur Sicherheit noch einmal aufzuladen.

Ich entscheide mich für Letzteres: Ich hole meiner Monster-Powerbank aus dem Schrank und lade das Smartphone noch einmal fast voll auf. Fairerweise sei hier gesagt, dass ich meine Riesen-Powerbank im vergangenen Sommer noch selbst an der Solarzelle voll aufgeladen habe. Was also jetzt das Smartphone lädt, ist reiner, selbst produzierter Solarstrom. Aber eben nicht aus diesem Jahr. Von daher ein Verstoß gegen meine selbst auferlegten Regeln und das eigentliche Ende der Solar Challenge nach immerhin 25 Tagen.

Die nächste Solar Challenge: Einfach etwas größer denken?

Die Tage nach dem 25. Januar sind sonniger. Ich lade Smartphone und Powerbank noch einmal voll auf und komme damit über den Monat. Bis hin zum 4. Februar, an dem ich dieses Update schreibe, habe ich mein Smartphone kein einziges Mal an der Steckdose geladen – und ich habe es auch weiterhin nicht vor. Ich werde weiter machen und sehen, wie weit ich mit dem Experiment noch komme, und auch, wie lange die Reserven der Monster-Powerbank noch halten, die ich jetzt auch einfach ohne schlechtes Gewissen verwenden werde.

Mit dieser recht wuchtigen, aber mobilen 100-Watt-Zelle von Suaoki habe ich Smartphone und Powerbank meist geladen. Es geht auch kleiner, dauert aber dann länger.

Mit dieser recht wuchtigen, aber mobilen 100-Watt-Zelle von Suaoki habe ich Smartphone und Powerbank meist geladen. Es geht auch kleiner, dauert aber dann länger.

Zum Ende kommt mir der Gedanke, dass ich das Ganze womöglich einfach zu klein aufgezogen habe. Nur das Smartphone an einer über 100 Euro teuren Solarzelle aufzuladen, amortisiert sich nicht. Aber wie weit könnte ich kommen, wenn ich weit mehr technische Geräte aus meinem Haushalt mit Solarstrom laden könnte? Etwa 500 Euro Stromkosten habe ich im Jahr. Stelle ich mir vor, ich könnte 250 Euro davon im Jahr mit Solarstrom produzieren und würde dafür Technik im Wert von ca. 1.000 Euro einsetzen, dann hätte sich das nach 4 Jahren amortisiert. Klingt schon besser.

Wir werden sehen, was der Sommer 2020 noch bringt.

Probieren lohnt sich

Drei Dinge müssen euch für eine solche Challenge klar sein:

  1. Leistungsfähige Technik muss her. Ein starkes Solarladegerät mit mindestens 28 Watt (je mehr, je besser). Ich habe meistens eine 100-Watt-Zelle eingesetzt. Eine Powerbank mit viel Kapazität und Schnelllademodus (dann lässt es sich auch schneller aufladen). Wenn die Sonne dann endlich mal da ist, sollte es schnell gehen.
  2. Alle paar Tage braucht ihr blauen Himmel. Sonst hilft die stärkste Powerbank nichts.
  3. Das ganze wird sich im Leben nicht amortisieren. Oder, Update: Vielleicht doch, wenn ihr das Ganze nur etwas größer aufzieht.

Ja, gerade der letzte Punkt tut weh. Aber dann auch nicht so lange. Denn die Freude, wenn dann alles läuft, die Sonne scheint und ihr damit das Smartphone ladet, ist unbeschreiblich.

Auf meinem Privatblog Junglenotes.com habe ich zur Solar Challenge ein wenig Tagebuch geführt.

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