Windows 11 im Test: Darum solltet ihr updaten

Kurz vor dem Start von Windows 11 zeigen wir euch die Verbesserungen. Lohnt sich das Update? Entscheidet selbst!

Windows 11 im Test: Darum solltet ihr updaten

Sechs Jahre nach dem erfolgreichen Start von Windows 10 kommt der heiß ersehnte Nachfolger. Windows 11 bietet viel, macht so manches besser als sein Vorgänger und wirft alte Funktionen über Bord. Uns gefallen die bessere Gaming Performance, das neue Interface und die verbesserten Widgets – die Browser-Wahl und das Verschwinden etablierter Features sorgen aber auch für Stirnrunzeln. Wir zeigen euch die wichtigsten Änderungen.

Top:

Neutral:

Negativ:

Top: Neues Interface, verbesserte Komfortfunktionen

Zunächst das Offensichtliche: Microsoft beschreitet neue Design-Pfade. Windows 11 ist aufgeräumter und minimalistisch. Anders als bei der 8er-Revision vor einem Jahrzehnt haben die Programmierer etablierte Workflows berücksichtigt. Ihr kommt also auf gewohnten Wegen zu den Einstellungen, in die Shell oder ihr ordnet Verzeichnisse dem Schnellzugriff zu.

Des Redesign überzeugt mit modernem Anstrich. Links Windows 10, rechts Windows 11.

Die gängigen Shortcuts funktionieren nach wie vor. Neu sind das Fenster-Arrangement namens Snap Layout und die flotte Einrichtung virtueller Desktops. Fahrt einfach mit dem Mauszeiger über die Schaltfläche zur Fenstermaximierung.

Optisch ist Windows 11 ein edler Augenschmaus. Abgerundete Kanten, hohe Kontraste, klare Schriftfonts und ein alternativer, zeitgemäßer Dark Mode prägen das Erscheinungsbild.

Light und Dark Mode sind nur zwei der vielen vorkonfigurierten Designs.

Das im Vorfeld viel kritisierte, in der unteren Bildschirmmitte platzierte Startmenü könnt ihr mit wenigen Klicks klassisch links ausrichten. Auch hier kein Grund zur Beanstandung.

Auf Wunsch rückt das Startmenü von der Mitte nach links.

Top: Widgets

Erneut an Bord sind Widgets, kleine Zusatzprogramme, die euch übers Wetter, mit Nachrichten oder zu Sportereignissen informieren. Ihnen spendierte Microsoft ein eigenes Icon in der Taskleiste. Klickt ihr auf einen der Links, öffnet sich der eigentliche Text dahinter im vorinstallierten Netz-Browser Edge.

Die Widgets sind zurück – diesmal übersichtlich hinter einem eigenen Icon versteckt.

Top: Mehr Barrierefreiheit

Microsoft hat den Anspruch, bei der Barrierefreiheit Vorreiter zu sein. Das unterstreicht das Unternehmen mit dem Adaptive Controller und dem Adaptive Kit. Windows 10 bot einige Funktionen, um Kontraste zu erhöhen und die Bedienung zugänglicher zu gestalten. Einen zentralen Anlaufpunkt gibt es aber erst unter Windows 11 in Einstellungen – Barrierefreiheit.

Windows 11 senkt weiter die Hürden für körperlich eingeschränkte Menschen. Ein Beispiel gefällig? Links die regulären Farbeinstellungen, rechts ist das Bild für Menschen mit Rot-Grün-Schwäche eingefärbt, um ihnen ein vollwertiges Windows-Erlebnis zu ermöglichen.

Zu den positivsten Beispielen gehören die verschiedenen Farbblindheitsfilter und die integrierte Umwandlung von Bildschirmtext in die Blindenschrift Braille, die Sehbehinderte über spezielle Lesegeräte ertasten können.

Top: Mehr Kontrolle über Daten und Sicherheit

Zugänglich und nachvollziehbarer gestaltet Windows 11 die Einstellungen zu Datenschutz und Sicherheit. Unter Einstellungen > Datenschutz & Sicherheit könnt ihr nahezu jede Datenschutz-Schraube feinjustieren und verhindert so den ungewünschten Daten-Abfluss.

Datenschutz und Sicherheit könnt ihr unter Windows 11 noch präziser steuern.

Top: Bessere Gaming-Performance

Windows 11 ist auf Gamer-Bedürfnisse zugeschnitten. Zockt ihr euer Lieblings-Game, stellt Windows 11 so viel Rechenleistung und Arbeitsspeicher wie nur irgendmöglich zur Verfügung. In ersten Benchmarks ist das bereits nachvollziehbar. Unter der Timespy-Demo im 3DMark zeigt sich, dass Windows 11 zielgerichtet Prozessor und Grafikkarte anspricht und diese wesentlich konstanter auslastet. Zum Gamer-Zauberkasten gehört das Win-11-exklusive DirectX 12 Ultimate mit DirectStorage für schnellere Grafikberechnungen und Ladezeiten sowie Auto HDR für ein breites Farbspektrum im eigenen Farbraum.

Reicht die Leistung nicht aus, springt ihr einfach ins Cloud-Gaming, das Microsoft in der Xbox-App integriert. Mit unserem Testgerät Lenovo Yoga Slim 7 Pro konnten wir ohne spürbare Latenz in Forza Horizon 4 England unsicher machen, in Quake rumballern oder in PES 2021 schöne Tore schießen. Ein Controller ist aber Pflicht.

Dennoch: Erst mit der Final-Version sollte Windows 11 in der Lage sein, seine Muskeln zu zeigen, wenn CPU- und Grafikkarten-Hersteller erste Treiber dafür bereitstellen.

Neutral: Feste Teams-Integration

Langsam trägt Microsoft Skype zu Grabe und ersetzt die Telefonie-Software durch das mächtigere Teams. Unter dem Vorgänger-Betriebssystem nur eine von vielen Anwendungen, wertet Windows 11 die App zu einem zentralen Bestandteil auf, der langfristig mit Office verschmilzt, um so den hybriden Arbeitsalltag zu unterstützen.

Etikettenschwindel: Als „Chat“ in der Taskleiste getarnt ist Microsoft Teams.

Neutral: Android-Apps unter Win 11

Windows 11 unterstützt erstmals offiziell Android-Apps und führt diese in einem eigenen Subsystem auf Basis des Android Open Source Projects (AOSP) aus. An und für sich eine schöne Sache, da ihr so über verschiedene Geräte hinweg in den gleichen Mobil-Anwendungen arbeiten könnt. Der Wermutstropfen ist die Anbindung an den Amazon App AppStore, über den ihr die Android-Pakete bezieht. Bislang sieht es so aus, als habe Microsoft der Installation von Android-APKs aus freien Quellen einen Riegel vorgeschoben. Ganz anders als Huawei im neuen Harmony OS.

Da wir die Andorid-Unterstützung nicht zeigen können, gibt es eine Büroklammer mit Augen. Wie wollen wir sie nennen? Dlippy? Ach, da war ja was… (Foto: Pexels / Ann H)

Selbst wenn ein Workaround möglich wäre, hat Google wiederum „vorgesorgt“: App-Pakete hat der Android-Anbieter von APK auf AAP umgestellt und Microsoft zusätzlich den Zugang zu Google-Diensten verweigert, die viele Apps für ihren Betrieb voraussetzen.

Wie sich der Win-11-Alltag mit Android anfühlt, können wir übrigens erst nach dem offiziellen Start Anfang Oktober berichten. Bis dahin ist diese Funktion noch nicht freigeschaltet.

Neutral: Cortana gehört nicht mehr zum Starterlebnis

Microsoft hält an der Sprachassistentin Cortana fest, stuft sie aber zum optional installierbaren Gadget ab. Nur in den Unternehmensversionen von Win 11 ist Cortana vorinstalliert. Wollt ihr als Privatperson mit der KI sprechen, müsst ihr sie manuell installieren und gegebenenfalls in der Taskleiste festtackern.

Negativ: Die Browser-Wahl – und der verhinderte Wechsel

Standard-Browser unter Windows 11 ist das hauseigene Edge. Keine schlechte Wahl, viele User vertrauen aber auf Opera, Firefox oder Chrome. Den Wechsel zur Konkurrenz gestaltet Microsoft besonders eklig. Statt unter dem Reiter Standard-Apps als Webbrowser die Alternative einzustellen, müsst ihr unter Windows 11 für jeden Netzdatei-Typ den Browser eures Vertrauens einstellen. Das ist machbar, aber zeitaufwendig und daher nicht sonderlich nutzerfreundlich.

Das nervt! Selbst wenn ihr einen Dritt-Browser zum Standard erklärt, müsst ihr fummelig jeden Datei-Typ mit dem Browser eurer Wahl verknüpfen. Und Win 11 bettelt dann immer noch darum, doch bitte Edge auszuprobieren.

Negativ: TPM 2.0 als Voraussetzung? Ja, nein, vielleicht

TPM 2.0 steht für Trusted Plattform Module und und garantiert über einen speziellen Chip, dass Unbefugte euren eigenen Rechner nicht so leicht knacken können. Unter Windows 11 ist dieser Schutz-Standard offizielle Systemvoraussetzung. Eigentlich.

Ausnahmen sind Computer in Russland und China, bei denen TPM 2.0 nicht vorausgesetzt ist. Eine weitere Ausnahme ist das Upgrade von Windows 10 auf 11 ohne echte Neuinstallation, das ihr ohne TPM 2.0 aufspielen könnt.

Kein TPM 2.0 auf dem Board? Einige Mainboards könnt ihr nachrüsten. Und wenn nicht, könnt ihr TPM 2.0 auch umgehen… (Foto: Wikicommons / smial)

Das Hin und Her ist aus markttechnischer Perspektive nachvollziehbar. So gefährdet Microsoft nicht die lukrativen Wachstumsmärkte. Andererseits schwächt es das Vertrauen ins neue Betriebssystem, da nicht zwangsläufig garantiert ist, dass in jedem Win-11-Gerät der TPM-Chip verbaut ist.

Negativ: Etablierte Features verschwinden (für immer)

Ein paar alte Zöpfe schneidet Microsoft ab. In einer neu aufgesetzten Windows-11-Installation fehlen der (veraltete) Microsoft Internet Explorer, das Wallet und die Timeline. Skype glänzt ebenfalls mit Abwesenheit, ist aber nachrüstbar. Den S-Modus gibt es nur noch in den Home-Editionen von Windows 11, viele Taskbar-Individualisierungen übernimmt das OS nicht. Auf Tablets mit 18 Zoll oder mehr dockt die Bildschirm-Tastatur nicht mehr an und ab.

Das sind Kleinigkeiten, die den Kreis schließen zu dem, was wir am Artikelanfang positiv hervorgehoben haben: Eine aus Microsofts Sicht optimierte Nutzerführung mit neuem Design. Für viele dieser Änderungen haben die Entwickler gute Gründe, sie lösen veraltete Lösungen durch neue Programme ab oder befreien Win 11 von kaum genutztem Software-Ballast.

Symbolfoto: Hier könnte Microsoft Skype beerdingen. (Foto: Pexels / Micael Widell)

Es gibt viel mehr Gründe, sich auf Windows 11 zu freuen als das Upgrade zu verschmähen. Das System ist schlank, gut gestaltet und hoch kompatibel zu nativen Win-10-Apps und anderen, darunter laufenden Programmen. Wie gut die Android-Implementierung ist, muss sich zeigen, der inkonsequente Umgang mit TPM 2.0 stößt etwas auf.

Windows 11 erscheint am 5. Oktober 2021 und ist für Nutzer der Vorgängerversion gratis. Bis das Update für euren Rechner verfügbar ist, kann es allerdings noch einige Wochen dauern.

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