Der große Cloud-Gaming-Mini-Test: 4 Anbieter im Vergleich

Wir haben vier bekannte Cloud-Gaming-Anbietern einem Mini-Test unterzogen.

Der große Cloud-Gaming-Mini-Test: 4 Anbieter im Vergleich

Um die Cloud-Gaming-Bewegung ist es mittlerweile still geworden. Nachdem die großen Anbieter ihre Projekte angekündigt und veröffentlicht haben, scheint das Interesse der Gamer geringer als erwartet. Aber neue Technik muss sich oft erst einmal entwickeln. Gerade in der Pandemie-Zeit ist es doch schön, mit lediglich einem Bildschirm und einer Internetverbindung alle neuen Blockbuster-Titel zu spielen. 

Wir haben uns einige der größten Cloud-Gaming-Anbieter noch einmal angesehen, um zu schauen, wie sich die Technik entwickelt hat und ob sich ein Abo lohnt. Wir haben die Anbieter auf einem Windows-10-PC mit einer Internetleitung von 16 Mbit/s getestet. 

Diese Services haben wir getestet:

Google Stadia: Schneller Einstieg und gute Qualität

Google Stadia habe ich bereits vor einiger Zeit ausprobiert, als der Service noch neu war. Für unseren Cloud-Gaming-Kurztest habe ich noch einmal ein paar Stunden mit Googles Dienst verbracht. Ich besitze die Spiele Cyberpunk 2077 und Red Dead Redemption 2 auf der Plattform.

Cyberpunk habe ich mir zum Release des Spiels auf Stadia gekauft, weil ich wusste, dass mein damaliger PC das Spiel nicht hätte zum Laufen bringen können. Mit Stadia war ich aber in der Lage, das Zukunfts-RPG ohne größere Probleme, aber mit zwei bis drei Abstürzen, in rund 80 Stunden Spielzeit durchzuspielen. 

Endlich wieder ein Besuch in Night City dank Stadia.

Jetzt habe ich mich noch einmal für einige Zeit nach Night City und in den Wilden Westen begeben, um zu sehen, wie sich Stadia einige Zeit nach dem Release macht. Die Erfahrung lässt sich nur als reibungslos beschreiben. Ich arbeite und zocke mittlerweile an einem anderen PC als zu dem Zeitpunkt, in dem ich die Spiele das erste Mal gekauft und gespielt habe. Trotzdem legt mir Stadia keine Steine in den Weg. 

Ich gehe einfach auf die Stadia-Website, logge mich ein und sehe die beiden Spiele in meiner Bibliothek. Jetzt klicke ich den Play-Button und los geht die wilde Fahrt. Keine Downloads, keine Updates, kein Installieren. Dazu laden die Spiele schnell und die Grafik sieht fantastisch aus. Abstürze oder Verbindungsprobleme habe ich in den rund drei Stunden mit Stadia nicht erlebt. Wenn eure Verbindung schwankt, geht die Grafikqualität kurzzeitig runter, aber damit kann ich leben. 

Auch Gaunereien im Wilden Westen werden einfach mit Google Stadia.

Der größte Nachteil gegenüber einem lokal installierten Spiel ist nach wie vor der Input-Lag. Der ist spürbar, aber man gewöhnt sich relativ schnell dran. Und für Einzelspieler-Games ist das meiner Meinung nach kein Problem. Der Dienst macht vor allem dann Sinn, wenn ihr keinen leistungsstarken PC habt. Mein größter Kritikpunkt ist die immer noch recht überschaubare Spielebibliothek. 

Magenta Gaming: Da ist noch Luft nach oben

Der nächste Service, den ich getestet habe, ist Magenta Gaming von der Telekom. Wo ihr euch bei Stadia, einfach mit dem Google-Account einloggen könnt, braucht ihr bei Magenta Gaming erst einmal einen Telekom-Account. Bei der Erstanmeldung möchte die Telekom schon einige Daten von euch. Auch für einen Probeaccount müsst ihr eure Kreditkartendaten oder eine andere Zahlungsmethode hinterlegen. Zusätzlich müsst ihr Daten eures Personalausweises oder Reisepasses als Altersverifizierung hergeben.

Magenta Gaming sieht gut aus, hat aber starke Ruckler.

Aber dann könnt ihr immer noch nicht spielen. Für Magenta Gaming müsst ihr nämlich einen eigenen Klienten oder eine App für das Smartphone herunterladen, bevor ihr auf den Service zugreifen könnt. Nach dem langwierigen Onboarding-Prozess kann es dann losgehen. Ich habe für meinen Mini-Test die Spiele Control und Garfield Kart angezockt. 

Leider kann Magenta Gaming auch beim Spielerlebnis nicht punkten. Schon beim Intro von Control kommt es alle paar Sekunden zu kleinen Rucklern, die das Erlebnis stören. Anfangs hatte ich noch gehofft, dass die Ruckler bald verschwinden, aber das taten sie leider nicht. Bei beiden Spielen musste ich damit leben, dass das Bild ohne Vorwarnung ständig kurz anhält, bevor es weitergeht. Auch der Sound ist davon betroffen. 

Wenn Action ins Spiel kommt, machen sich die Lags noch stärker bemerkbar.

Das mindert den Spielspaß natürlich enorm und in actionreichen Szenen ist es kaum möglich, die Kontrolle über das Spiel zu behalten. Bei Control bin ich somit schon im Tutorial in den Abgrund gefallen, weil das Timing der Sprünge mit den Rucklern recht schwierig ist. Auch bei Garfield Kart verschaffen euch die Ruckler keinen Vorteil. Mein Kollege Jürgen Vielmeier hat beim Spielen auf dem Mac mit Magenta Gaming ganz ähnliche Probleme erlebt.

Magenta Gaming ist ausschließlich im Abo erhältlich, dafür sind die Spiele auf der Plattform aber auch direkt freigeschaltet, sobald ihr dieses abschließt. Mit knapp sieben Euro ist dieses relativ günstig. Allerdings steht für mich der Spielspaß an erster Stelle, weshalb ich erst mal einen Bogen um Magenta Gaming machen werde. 

GeForce Now: Wo ist der Input-Lag geblieben? 

Weiter ging es mit GeForce Now, dem Cloud-Gaming-Anbieter von Nvidia. Hier stellt der Grafikkartenhersteller euch keine Spielebibliothek bereit, sondern nur die Server. Das heißt, ihr könnt GeForce Now mit eurem Steam-Account, Epic-Games-Account oder anderen Plattformen verbinden und dann die Spiele, die ihr dort besitzt, auf den Servern von Geforce Now spielen. 

Auch im alten Griechenland auf meinem brennenden Ross war ich schon lange nicht mehr.

Auch hier müsst ihr erst einmal einen GeForce-Account einrichten. Dafür braucht ihr aber keine Kreditkarte oder einen Personalausweis, was den Vorgang relativ flott macht. Dazu bietet der Service die Option, die Spiele im Chrome-Browser zu zocken. Das Feature ist aber noch in der Beta-Version. Leider konnte ich mich über den Browser nicht in meinen Steam-Account einloggen, weshalb ich mir den Klienten heruntergeladen habe. 

Und gleich zu Anfang gibt es schlechte Nachrichten: Nvidia empfiehlt Streaming über mein Netzwerk nicht, da nur eine maximale Auflösung von 1280 x 720 bei 30 Bildern pro Sekunde möglich sei. Das ist zwar schade, aber sollte mich vom Testen nicht abhalten. Ich habe erst Assassin’s Creed: Odyssey gespielt, gefolgt von dem Rennspiel The Crew 2. 

Rennspiele wie The Crew 2 spielen sich sehr gut ohne Input-Lag. Wenn jetzt noch die Grafik stimmen würde..

Wie in der Warnung angekündigt, war die Auflösung in beiden Spielen sehr niedrig, genau wie die Framerate. Zumindest mit meiner Verbindung bekomme ich hier also keine gut aussehenden Spiele. Trotzdem bin ich schon in den ersten Minuten positiv überrascht, denn ich spüre so gut wie keinen Input-Lag. Die Eingaben fühlen sich sehr reaktionsschnell an, sowohl mit Maus und Tastatur als auch mit meinem Xbox-One-Controller

Die Verbindung selbst war recht stabil. Hin und wieder gab es einen kleinen Ruckler, aber das war kaum spürbar. Wenn hier noch die Grafikqualität gestimmt hätte, wäre es der perfekte Cloud-Gaming-Service für mich. Man kann nicht alles haben. 

PlayStation Now: PS-Exklusivität auf dem PC

Auf PlayStation Now habe ich mich sehr gefreut, da es mir erlaubt, PlayStation-Exklusiv-Spiele auf meinem PC zu spielen. Vor meinem Mini-Test konnte ich aber noch nicht ahnen, dass Sony mich auf eine Achterbahn der Gefühle mitnimmt. Im ersten Schritt habe ich mich natürlich über das Angebot informiert und ein PlayStation-Now-Abonnement abgeschlossen. Danach habe ich mir die App heruntergeladen, mit der ich dann alle im Abo enthaltenen Spiele streamen kann. Zumindest sollte es so sein. 

Als ich die App geöffnet habe, musste ich mich erst einmal einloggen. So weit, so gut. Allerdings hat die PS-Now-App nach der Anmeldung wie ein Browser fungiert, der mir ausschließlich die PlayStation-Webseite anzeigt. Von dieser kann ich aber keine Spiele starten, herunterladen oder sonst irgendwas machen, was ich mit PlayStation Now machen können sollte. Nachdem ich mir einige Tutorials zu PS Now im Internet angesehen habe, war mir klar, dass mit meiner App irgendetwas nicht stimmt. Und was macht der erfahrene Tech-Journalist in dem Fall? Richtig: den PC Neustarten. 

Mein Start mit PS Now war holprig.

Nach dem Neustart lief die App dann zum Glück so, wie sie sollte. Naja fast zumindest. Meine ersten rund sieben bis acht Versuche, ein Spiel zu starten, endeten mit der Meldung “Dein Spiel wurde nicht wie erwartet gestartet. Versuche erneut, es zu starten:” Okay, das hab ich dann mit verschiedenen Spielen gemacht. 

Kurze Zeit später konnte ich Detroit: Become Human starten und spielen. Das hat mich sehr erfreut. Das Spiel lief gut und auch der Input-Lag war kaum störend. An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass ich nach wie vor einen Xbox-One-Controller verwende, da ich keinen Dualshock-Controller besitze. Denn nach circa zehn Minuten im Spiel komme ich an eine Stelle in der Tutorial-Mission, wo es heißt “Wische zum Interagieren über das Touchpad”. Mein Controller hat aber kein Touchpad und in den Einstellungen kann ich nichts dazu finden. Das bedeutet Game Over für mich. 

Ein Dualshock-4-Controller ist mit PS Now zu empfehlen.

Fairerweise muss ich dazu sagen, dass PlayStation euch rät, einen Dualshock-Controller zu verwenden und jetzt weiß ich auch warum. Die Spiele von PS Now laufen nun mal auf einer PlayStation und arbeiten deshalb auch am besten mit dem systemeigenen Controller zusammen. Danach habe ich noch ein wenig God of War Remastered gezockt, wo ich nichts zu meckern und viel Spaß hatte. 

Anfangs hatte ich einige Probleme mit PlayStation Now und ein sehr frustrierendes Erlebnis. Als ich den Service dann aber zum Laufen bringen konnte, hatte ich viel Spaß damit. Die Grafik sieht gut aus und der Input-Lag ist vollkommen okay. Gerade wenn euch die Bibliothek mit PS-Exklusiv-Games gefällt, ist der Dienst interessant. Kleiner Geheimtipp: Besorgt euch einen Dualshock-4-Controller, wenn ihr mit PS Now zocken wollt.

Fazit: Cloud-Gaming-Mini-Test

Die Technik ist nicht perfekt und die Qualität schwankt stark von Anbieter zu Anbieter. Am besten hat mir der Service von Google Stadia gefallen, da ich hier am schnellsten reinkomme, direkt im Browser spielen kann und die Grafik sehr gut aussieht. Bei GeForce Now war ich vom Input-Lag überzeugt, da dieser fast nicht zu spüren ist. Ich konnte kaum einen Unterschied zu lokal installierten Spielen spüren.

Magenta Gaming von der Telekom konnte mich leider in keinem Punkt überzeugen. Aber auch diese Technik kann sich mit der Zeit noch entwickeln. Mit PS Now bekomme ich Zugriff auf Spiele, die mir sonst als PC-Spieler verwehrt bleiben. Dazu stimmen Grafikqualität sowie Input-Lag.

Ich denke Cloud Gaming ist jetzt schon eine alternative zu Gaming-PCs und die Technik wird sich wahrscheinlich noch weiter entwickeln. 

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2 Kommentare zu “Der große Cloud-Gaming-Mini-Test: 4 Anbieter im Vergleich

  1. Wieso wird der X-Box Game Pass nicht mit aufgeführt.
    Allein schon das da cloud gaming nicht nur auf das Endgerät PC beschränkt ist

    1. Hallo Mirko, das ist eine sehr gute Frage. Der Cloud-Gaming-Dienst von Xbox befindet sich momentan noch in der Beta-Phase. Das heißt Microsoft arbeitet noch fleißig daran und optimiert. Wir wollten den Dienst nicht testen bevor er fertig ist.

      Du kannst alle genannten Dienste, außer PS Now, auf verschiedenen Endgeräten wie Smartphones, Tablets, Fernsehern oder PCs nutzen. Diese Funktion ist nicht auf den Dienst von Xbox beschränkt.

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