Farbräume erklärt: So findet ihr den perfekten Monitor für euren Zweck

10-Bit-Farbunterstützung, DCI-P3, CMYK oder RGB: Hier erfahrt ihr die Grundlagen zu Farbräumen, Einsatzmöglichkeiten – und wie ihr den passenden Monitor findet.

Farbräume erklärt: So findet ihr den perfekten Monitor für euren Zweck

Was sind Farbräume?

Am ehesten stolpert ihr über den Begriff Farbraum. Dieser definiert alle Farben und deren Abstufungen, die ein bildverarbeitendes Gerät verarbeitet, weiter- und ausgibt. Sinnverwandt ist damit der Teil des Lichtspektrums gemeint, den das menschliche Auge erfassen kann.

Farbe ist gleich Farbe? Mitnichten! Jeder Standard stellt das sichtbare Lichtspektrum anders, gesättigter oder farbechter dar. (Bild: EIZO)

Es gibt unterschiedliche Systeme, um diese Farben zu bestimmen und zu klassifizieren.

RGB und CMYK

Ansatzweise alle Farbordnungssysteme aufzulisten, hätte tatsächlich den Rahmen dieses Artikels beschränkt. So viele gibt es. Beschränken wir uns daher auf zwei weitere Begriffe.

Farbmischsysteme stützen sich auf herstellungstechnische Vorgaben. RGB und CMYK sind die prominentesten Beispiele.

RGB (links) und CMYK (rechts) mischen Farben anders. Während RGB das Licht addiert, subtrahiert CMYK die Grundfarben.

Rot, Grün und Blau sind die additiven Grundfarben des RGB-Modells. Alle Farben, die Menschen sehen, setzen sich aus ihnen zusammen. Farbmonitore, Kameras und Scanner nutzen es. Gängig sind die Farbabstufungen in 256 Werten für R, G und B – was 8 Bit pro Kanal entspricht. Der höhere Dynamikumfang HDR nutzt 10 Bit und transportiert damit mehr Informationen.

An anderer Stelle hier im Trendblog erklären wir euch, was HDR ist und welche HDR-Typen es gibt.

Cyan, Magenta, Gelb (Yellow) und Schwarz (BlacK oder K) bilden das CMYK-Modell. Dieses nutzen beispielsweise Drucker.

Farbauswahlsysteme – wie zeigt das Gerät Farben an?

Ausreichend Theorie für heute? Fast. Ohne ein Verständnis von Farbauswahlsystemen erklärt sich nicht, wie Ein- und Ausgabegerät sowie die zwischengeschaltete Software kommunizieren.

Ein Beispiel für Farbkonvertierung ist der Import-Dialog von Photoshop. Hier möchte das Programm den Farbraum ändern. Das steigert den Bearbeitungskomfort, andererseits gehen Informationen verloren.

Farben sind nach additiven oder subtraktiven Farbmischung zusammengesetzt. Ein Gerät nimmt die Informationen in einer spezifischen Farbpalette entgegen. Das können die angesprochenen Werte für Rot, Grün und Blau auf einer Skala von 0 bis 255 sein. Dann spräche man vom sRGB, dem standardisierten RGB-Modell, das seit 1998 als Farbpalette bewährt ist.

Neben sRGB gibt es eine Vielzahl an Farbpaletten, die vorrangig in der Medienproduktion relevant sind. Sind diese Auswahlsysteme kompatibel zueinander? Ja. Hard- und Software konvertieren die Paletten von einem ins andere Format. Ganz ohne Probleme geht das nicht vonstatten. Farbverluste und -verfälschungen sind die Folge des Palettenwechsels.

Extrembeispiel für Farbverfälschungen: In Super Mario Bros. (1985) sind Büsche und Wolken identisch. Nur die Farbpalette änderte Nintendo.

Ein anschauliches Beispiel für Farbverfälschungen sind die Wolken und Büsche in Super Mario Bros. Sie sind identisch. Zugegeben, das lag an der begrenzten Speicherkapazität der Module. Was Nintendo aber tat, war, die Farbpaletten zu tauschen.

Der Farbverlust ist extremer an einem eigenen Foto zu illustrieren. Nach der Konvertierung von True Color mit 16,7 Millionen auf eine 256 Farben umfassende Palette bleibt von der Laterne ein fahler Zauber.

Auf kleinem Bildschirm nicht immer sichtbar: Eine Konvertierung führt oft zum Farbverlust. In diesem Beispiel ist die Laterne links von 16,7 Millionen auf 256 Farben im rechten Bild runter gerechnet. Sieht okay aus? Im Detail nicht…

Der ideale Monitor? Eine Zielraumfrage

Bis hierher ist alles graue Theorie. Und dieser zufolge sind Bildeingabe (Kamera, Software), Verarbeitung (Grafikkarte) und Ausgabe (Monitor, Smartscreen) idealerweise in einem Standard aufeinander abgestimmt. In jedem Anwendungsszenario, ob nun Spiel oder Medienbearbeitung. In der realen Welt eine Wunschvorstellung.

Aktuelle Monitore versprechen, diesen Informationsverlust auszugleichen. Mit unterschiedlichen Methoden. Dabei ist ein großer 10-Bit-Farbraum ein wichtiges Merkmal, nicht jedoch das einzige, das über die Darstellungsqualität entscheidet.

Die verbaute Displaytechnologie, Konvertierungsfunktionen und native Farbraumunterstützung sind ebenso wichtig.

IPS, TN und VA

TN, VA und IPS sind die stärksten verbreiteten Typen. TN-Panels sind günstig und reaktionsschnell – ideal für Gamer. Als Nachteile gelten der schwache Kontrast, die für Medienbearbeitung unbrauchbare Farbwiedergabe und instabile Blickwinkelabhängigkeit.

IPS-Bildschirme sind aufgrund umfangreichen Kontrasts, exzellenter Farbechtheit und hoher Blickwinkelunabhängigkeit ideal, um Medien wiederzugeben. Dass sie langsamer als ihre TN-Pendants sind, fällt in diesem Bereich nicht so sehr ins Gewicht.

VA gilt als gesunder, derzeit noch kostspieliger Kompromiss zwischen beiden Typen. Meist sind sie blickwinkelunabhängig und bieten schnelle Reaktionszeiten, tolle Farben und beste Schwarzwerte sowie Kontraste.

Zwischen Konvertierung und nativer Unterstützung

Monitore sind Spezialisten, und die verbaute Displaytechnologie bietet Vor- und Nachteile für den jeweiligen Einsatz als Spielebildschirm oder zur Medienbearbeitung. Ein Blick ins Datenblatt verrät, welchen Typ der Hersteller verbaut. Außerdem gibt es Aufschluss darüber, ob der Bildschirm von einem Farbraum in den anderen konvertieren kann. Ist das nicht der Fall, so ist die Wiedergabe verfälscht. Beherrscht der Monitor eine Palettenumwandlung, entspricht die Ausgabe eher der Eingabe.

Und dann wären da die Farbräume sRGB, AdobeRGB, Rec.709 oder DCI-P3, die das Panel „nativ“ versteht, also daraufhin konzipiert ist.

  • sRGB deckt einen Großteil des sichtbaren Lichts ab und liefert gute Ergebnisse. Der Nachteil ist, dass dieser Standard zu einer Zeit entstand, als Röhrenmonitore den Markt beherrschten. Da TN-, IPS- und VA-Panels anders funktionieren, ist sRGB nur noch ein lauer Kompromiss. Schwarz- und Grauwerte wirken stark verfälscht.
  • AdobeRGB passte die Darstellung von Druckfarben (subtraktive Farbmischung) an PC-Monitore mit ihrer additiven Farbausgabe an. Dieser Farbraum kann erheblich mehr Farben darstellen. Monitore mit AdobeRGB-Unterstützung eignen sich für die Medienbearbeitung.
  • Obwohl nicht exakt definiert, avancierte Rec.709 zu einem Quasi-Standard, der in der Film- und Videobearbeitung für hochauflösende Fernsehsignale zum Zug kommt. Neben den Farbwerten, sind Gamma- und Gamut-Verläufe festgelegt. Ohne die zwischen Herstellern getroffene Vereinbarung über Rec.709 wäre die Farbwiedergabe auf jedem Fernseher anders.
  • Dagegen ist DCI-P3 für die Filmwiedergabe über einen Projektor definiert. Er bildet den größten Farbraum aller weit verbreiteten Formate ab, ist aber nur im Highend-Bereich angesiedelt. Sonys BVM-Reihe wäre als Beispiel zu nennen – mit vierstelligen Preisen für die Einstiegsmodelle.

Der ideale Monitor? Eine Einsatzfrage

Kurzum: Auch ein Einstiegsmonitor stellt Farben dar. Irgendwie. Wenn ihr aber mehr aus eurem Setup rausholen möchtet, lohnt ein genauer Blick ins Monitor-Datenblatt, auf euren Einsatzzweck und die Software, die zwischen Ein- und Ausgabe vermittelt.

Ihr habt weitere Fragen und Anmerkungen zum Thema? Dann schreibt es uns in die Kommentare!

Sichtbares an der Oberfläche

Dieser Beitrag soll einen Einstieg in die sehr umfassende Materie von Farbräumen geben. Der einschlägige Wikipedia-Artikel, sowie die Infoseiten des Monitorherstellers EIZO empfinde ich als empfehlenswert zum weiterlesen.

Falls ihr angehende Medienschaffende seid, sei euch daneben das Kompendium der Mediengestaltung von Böhringer, Bühler und Schlaich empfohlen. Das zweibändige Mammutwerk bietet der Verlag als eBook an.

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