Faltbares Smartphone Huawei Mate X

Falt-Displays? Dual-Screens sind die Lösung!

Faltbare Displays stehen vor einer großen technischen Herausforderung. Ginge es nicht auch einfacher? Trendblog-Redakteur Peter Giesecke liebt Geräte mit zwei Bildschirmen und einem ordentlichen Scharnier dazwischen.

Das sah schon toll aus: Auf der Bühne Ende Februar 2019 holt ein Samsung-Manager das Galaxy Fold aus der Tasche. Er startete Maps und klappte es dann auf. Die Karte war jetzt auf einem 7,3 Zoll großen Smartphone-Bildschirm zu sehen:

Dann bekamen die ersten Redaktionen das Galaxy Fold in die Hand. Unter realen Bedingungen war bald die Falz zu erkennen. Die ständige Belastung an der gleichen Stelle hinterließ sichtbare Spuren. Zudem gelangten Staubkörner ins Innere, weil sich die Stelle, an der das Display gebogen wird, nicht völlig abdichten ließ. Samsung verschob den Verkaufsstart.

Mittlerweile könnt ihr das Galaxy Fold in einer überarbeiteten Version kaufen. Zudem könnte Motorola in Kürze einen faltbaren Nachfolger des legendären Motorola Razr vorstellen. Auch das Samsung Flip Phone scheint in Planung.

Faltbare Displays sind offenbar der neue heiße Scheiß. Aber ist die Technik schon ausgereift und ist es wirklich das, was die Nutzer brauchen?

Motorola Razr

Sieht so das Motorola Razr aus? Ein Leak behauptet dies (Bild: evleaks)

Das Feature ist ein Bug

Ich halte Smartphones mit faltbaren Displays noch für mehr Schein als Sein. Mit viel Ingenieurskunst lassen sich die Probleme des Galaxy Fold vielleicht mindern, aber es wird aufwändig, sie vollständig zu beheben.

Doch bei einem Verkaufspreis von 1.500 oder gar 2.000 Euro für ein Smartphone muss ich verlangen können, dass es dauerhaft hält. Tritt innerhalb von ein, zwei Jahren ein Schaden auf, vielleicht noch nach der Gewährleistungsfrist, dann würde ich vor Wut toben und am liebsten das Teil gegen die Wand werfen. Ist es das wert?

Huawei hat das Mate X deshalbt etwas anders konstruiert. Zugeklappt liegt das 8 Zoll große Display nicht innen wie beim Galaxy Fold, sondern außen. Es wird daher in einem größeren Radius gebogen. Das verringert die Belastung und erhöht dadurch die Langlebigkeit. Vermutlich.

Meine Sorge ist jedoch, dass das Plastik-Display für Kratzer anfällig sein wird. Gorilla Glass ist eben nicht flexibel. Und auch Huawei scheint mit der Konstruktion Probleme zu haben, den Start haben die Chinesen immer weiter nach hinten verschoben. Faltbare Smartphones: Wohl doch eher ein Ding für das nächste Jahrzehnt.

Liebe Hersteller, warum so pushy?

Hier hat dennoch ein kleiner Wettbewerb begonnen. Aber warum drücken die Hersteller nun Produkte in den Markt, die offenbar noch nicht ausgereift sind? Der erste am Markt holt den Sieg eher selten für sich allein. Oft bekommt doch die zweite Maus den Käse.

Das Problem ist ein anderes: Die Konkurrenz ist hart geworden und bei Smartphones gleicht beinahe ein Ei dem anderen. Also muss etwas Neues her: ein Shiny New Thing, mit viel Feenstaub drauf.

Huawei Mate X

Das Huawei Mate X lässt sich auffalten und ist dann recht dünn (Bild: Huawei)

Offensichtlich ist das die Kamera. Die bekommt immer mehr Linsen und einen fest verbauten KI-Chip. Letztlich macht erst Software die Smartphone-Bilder schön. Doch die Hersteller achten darauf, dass das nur mit ihrer Hardware funktioniert.

Die Außenseiterwette in diesem Spiel ist das faltbare (oder foldable) Display. Gute Idee. Fühlt sich auch gut an, wenn ich so ein Gerät aufgeklappt in der Hand halte. Mehr Display ist immer gut. Wenn es denn funktioniert.

Was würde Steve Jobs tun?

Ein Smartphone muss mich als Ganzes überzeugen. Mit dem Display auf der Innenseite liegen beide Hälften des Galaxy Fold nicht genau aufeinander. Es bleibt ein Spalt, und der stört mich. Mit 15,5 Millimetern ist es zudem reichlich dick.

Pro und Contra faltbare Smartphones: Ein Streitgespräch

Das Huawei Mate X hat diesen Spalt nicht und misst auch nur 11 Millimeter. Motorola scheint das Problem ebenfalls besser gelöst zu haben – trotz innen liegendem Display. Die ersten Bilder des Razr Fold sehen zumindest so aus. Doch warten wir die ersten Tests mal ab.

Wir Nutzer wollen möglichst viel Bildschirm auf einem möglichst kleinem Gerät. Was dabei herauskommt, ist zwangsläufig ein Kompromiss. Hätte Steve Jobs einem iPhone mit faltbarem Display sein Okay gegeben, das einen schlechten Kompromiss macht? Ich glaube nicht.

Microsoft bietet die Lösung

Die Lösung kommt für mich erstaunlicherweise nicht von Apple, sondern von Microsoft. Das Surface Duo lässt sich ebenfalls aufklappen, doch ihr habt dann zwei 5,6 Zoll große Displays vor euch. Zusammen ergibt dies 8,3 Zoll in der Diagonalen. Doch ihr habt noch einen kleinen Spalt in der Mitte, weil es eben kein faltbares Display ist.

Filme ließen sich auf der großen Fläche dann nicht schauen. Doch Maps kann ich mir auf dem Microsoft Surface Duo gut vorstellen – zumal ich meist die Karte links und die Infos dazu rechts hätte. Zum Beispiel die Öffnungszeiten eines Shops oder die einzelnen Schritte einer Routenplanung.

Meistens hätte ich wohl zwei Apps nebeneinander geöffnet, wobei es mir nicht um Multitasking ginge. Ich fände es nur praktisch, die App nicht ständig wechseln zu müssen, wenn ich zum Beispiel ein E-Book lese und mit meiner Frau nebenbei abspreche, was wir abends essen werden. Ihre Antworten lassen mitunter auf sich warten.

LG G8X ThinQ Dual Screen

Das LG G8X ThinQ Dual Screen hat noch einen recht großen Zwischenraum zwischen den beiden Bildschirmen (Bild: LG)

Das LG G8X ThinQ Dual Screen sieht dagegen etwas improvisiert aus. Das Smartphone wird mit einer Hülle geliefert, in dem ein zweites Display steckt. Es erinnert an das Surface Duo, doch beide Bildschirme liegen recht weit auseinander. Ich bin gespannt, wie die LG-Geräte in zwei Jahren aussehen werden, denn das LG G8X als Einzelgerät spricht mich durchaus an.

Es geht auch größer

Sogar das erste Notebook mit flexiblen Display wurde bereits angekündigt. Journalisten haben erste Prototypen des Lenovo X1 Foldable schon getestet. 2020 soll es dann auch zu kaufen sein. Passt nicht in die Hosentasche, aber doch in die Handtasche.

Lenovo X1 Foldable

Das Lenovo X1 Foldable bietet aufgeklappt einen 13,3 Zoll großen Bildschirm (Bild: Lenovo)

Im Grunde ist das aber nichts anderes als Samsung Galaxy Fold und Huawei Mate X – nur größer: ein Tablet, das sich aufklappen lässt und dann 13,3 Zoll misst. Ein richtiges Notebook, auf dem sich stundenlang tippen ließe, wäre das nicht.

Das Microsoft Surface Neo geht in die gleiche Richtung. Es sieht aus wie das kleinere Surface Duo, nur das jeder Bildschirm 9 Zoll misst.

Fazit: Ein neues Format für Apps

Vielleicht verschätze ich mich. Dafür müssten Ingenieure die aktuellen Probleme faltbarer Displays lösen. Das wird aufwändig – und teuer. Das Shiny New Thing wird kein Smartphone sein, nur wenn es sich plötzlich aufklappen lässt. Was wird so mind blowing anders, wenn ich nun 8,3 Zoll satt 6,3 Zoll in den Händen halte? Wenn Steve Jobs „one more thing“ sagte, lag die Überraschung darin, dass sich ein Stück Technik plötzlich ganz anders nutzen ließ.

Dann eher ein Klapp-Smartphone: Die fast quadratische Form lässt die Apps neu denken: Links eine Timeline, rechts ein Bild daraus im Hochformat. Links eine Karte, rechts die Infos zu einem Café. Links die Kontakte, rechts die letzte Nachricht eines Freundes.

Ich bin gespannt, was sich damit alles machen lässt. Ein Klapp-Smartphone mit zwei Displays links und rechts wie das Microsoft Surface Duo scheint mir dafür das richtige Format zu sein.

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