Samsung Galaxy Fold

Pro und Contra faltbare Smartphones: Ein Streitgespräch

Es begab sich aber zu einer Zeit, als die Trendblogger Sven Wernicke und Jürgen Vielmeier im Teamchat plötzlich auf faltbare Smartphones zu sprechen kamen. Der eine weit enthusiastischer als der andere.

Der Vorabend des MWC 2019, ca. 1800 Uhr

Sven Wernicke: Die neue HoloLens 2 wird ja in Kürze auf dem MWC vorgestellt. Wir könnten mal vorstellen, was neu und besser ist, wozu man das brauchen könnte und wohin die Reise geht.

Jürgen Vielmeier: Gerne! Ich bin hier gerade noch beim Nokia 9 Pureview. Ist ganz pfiffig, aber vom Stuhl haut es mich auch nicht.

SW: Das Nokia 9, ja. 5 Kameras… Kommt es am Ende also doch wieder auf die Menge an? Nach dem Huawei-Klappfaltding und dem Nokia 9 hab ich mir die Frage gestellt: Was sollen diese Extreme? Und nach wie vor bekommt es kein Hersteller hin, dass ein Smartphone mal zwei, drei Tage am Stück hält, ohne dass ich es aufladen muss.

JV: Na ja, das schaffen diese billigen mit 5000-mAh-Monsterakku, wie das Gigaset GS280. Muss aber sagen, dass mich das Huawei-Faltdingen wirklich erstaunt hat. Kein Extra-Display, sondern nur eins, das du nach hinten faltest. Keine überflüssigen Kameras, sondern „nur“ 3, die du auch für Selfies nutzen kannst. Dabei nicht einmal übermäßig dick. Das ist genial! Nur der Preis…

SW: Ich habe das eine Video zum Mate X gesehen. Da sah alles noch ziemlich seltsam aus. Gerade der Klapp/Falt-Mechanismus. Ich weiß nicht so recht, wozu ich das brauche. Ich falte das Ding dann in der Bahn auf? Zu Hause? Also wo und wann genau? Oder wird mir da nur irgendein Nutzen suggeriert, praktisch aber ist das unnötig? Ich sehe da noch keinen richtigen Mehrwert.

JV: Nimm als einen Mehrwert, dass das Mate X keine Frontkamera mehr braucht. Das heißt, wir haben hier ein wirklich randloses Display ohne irgendwelches Brimborium wie Notch, Loch, Zweit-Display auf der Rückseite oder Pop-Up-Kamera. Du drehst das Gerät einfach um und nutzt die Hauptkamera(s) auch für Selfies. Perfekt!

Nimm als zweiten Vorteil, dass das Gerät zusammengeklappt wirklich nur unwesentlich dicker ist als ein normales Smartphone. Du kannst es also als ganz normales Gerät mit Volldisplay verwenden, wenn du willst. Und wenn es um Videos, Shopping, Gaming, gemütliches Lesen etc. geht, klappst du es aus.

Huawei Mate X

Huawei Mate X

SW: Das mit der Hauptkamera ist ein Argument, okay. Nur trotzdem hast du auf der Rückseite im zusammengeklappten Zustand ein Display. Wie bekommen die das hin, dass das auch robust ist und kratzfrei bleibt? Gerade auch bei der Klappfläche?

JV: Das ist allerdings eine gute Frage. Vielleicht machen sie es so wie Nokia und bieten Vorbestellern einen kostenlosen Displaytausch gleich mit an… Oder sie haben es aus besonders kratz- und bruchsicherem Material gefertigt. Es sollte natürlich schon was halten für den Preis.

SW: Einer der großen Hersteller macht jetzt auch noch besonders kratzfeste Displays? Na, das wäre ja wirklich mal was Neues.

Witzigerweise finde ich den Preis ja durchaus noch okay. Egal, ob die Innovation von den Faltsmartphones brauchbar ist oder nicht: Neue Technologien sind zu Beginn immer teuer und für ein eher ausgewähltes Publikum. Early Adopters und Menschen, die das für Prestigezwecke nutzen wollen, werden schon zugreifen. Die Preise sind nüchtern betrachtet schon ziemlich schockierend, zumal sie sowieso einen Trend andeuten: Die Spitzen-Smartphones der namhaften Hersteller werden im Laufe der Jahre immer teurer. Und nach oben scheint trotzdem immer noch Luft zu sein – verrückt.

Die Trendblogger Sven Wernicke und Jürgen Vielmeier uneins über den Nutzen faltbarer Smartphones

Die Trendblogger Sven Wernicke und Jürgen Vielmeier uneins über den Nutzen faltbarer Smartphones

JV: Den Preis kann ich ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen. Eine Innovation: ja. Eine clevere Umsetzung: auch. Dann aber am Ende doch nur eine Kombination aus Tablet und Smartphone, also eigentlich nichts, wofür über 2.000 Euro gerechtfertigt wären. Die Hälfte hätte es auch getan.

SW: Na, wieso? Highend-Tablet für 500 Euro plus Highend-Smartphone für 1000 Euro. Macht 1500 Euro = fast der Preis für das Galaxy Fold.

Ich glaube ja schon, dass das Falt-Smartphone auch so etwas wie die Notch ist. Eine Firma ist Vorreiter, nahezu alle ziehen nach und ein Jahr später will eigentlich niemand mehr sowas. Weil es doch gar nicht so schön aussieht, so nützlich ist oder doch im Alltag stört.

Eine runde oder kantige Display-Aussparung, genannt "Notch", wie hier im LG V50 ThinQ 5G: nicht hübsch, aber eine Notwendigkeit?

Eine runde oder kantige Display-Aussparung, genannt „Notch“, wie hier im LG V50 ThinQ 5G: nicht hübsch, aber eine Notwendigkeit?

JV: Aber die Notch war ja ein Kompromiss, kein Feature. Die hat keiner eingebaut, weil sie so hübsch ist. Das war ein Zwischenschritt auf dem Weg zum randlosen Display – das wir mit dem Mate X jetzt übrigens haben.

SW: Es mag ursprünglich ein Kompromiss gewesen sein, war dann aber nach Apple für viele ein Feature. Das hätte niemand machen müssen.

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JV: Okay, andere Frage zum Schluss: Gäbe es gute Foldables wie das Mate X irgendwann für 500 Euro: Würdest du zuschlagen?

SW: Hmm. Für 500 Euro würde ich also auch 8GB RAM und mehr, den aktuellen Top-Smartphone-Prozessor, mindestens 512GB Flash-Speicher, 5G und die besten Kameras der Gegenwart bekommen? Träum weiter. 🙂 Spaß beiseite: Sollte aus dem Trend eine Produktkategorie für den Massenmarkt werden und die Technik ausgereift sein, wäre das schon überlegenswert. Nur möchte ich mit dem Falt-System ein besseres Smartphone erhalten, nicht eines, das deutlich empfindlicher und womöglich unpraktischer ist als ein Standard-Telefon. Wenn das gegeben ist – klar, dann würde ich zuschlagen.

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3 Kommentare zu “Pro und Contra faltbare Smartphones: Ein Streitgespräch
  1. Mehr Streitgespräche! 🙂

    Ich bin irgendwie skeptisch. Nicht wegen dem Preis oder dem Nutzen, sondern wegen der Qualität und der Langlebigkeit. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Display, das zig tausende Mal „verbogen“ wird, nach ein paar Monaten noch gut aussieht. Wird das dann im ausgeklappten Zustand an der Biegestelle immer noch glatt sein? Werden sich die Farben irgendwie verändern? Hat man im schlimmsten Fall nach einem Jahr in der Mitte einen dunklen Streifen? Alles Fragen, die jetzt sicher noch niemand beantworten kann oder will. Das wird dann erst die Praxis zeigen. Aber da lasse ich gern andere den Beta-Test machen. Ich kann noch warten. 😉

  2. Wir leben in einer Marktwirtschaft die ständig auf der Suche nach dem perfekten Produkt ist (und nebenbei das Lebenswerte auf diesem Planten vernichtet): keiner braucht es aber jeder will es haben.

    • Na, ich habe schon Dinge gesehen, an denen ich weit weniger Nutzen gesehen hätte…

      Aber stimmt schon: Die Marktwirtschaft, die wir nun einmal haben, kümmert sich derzeit eher um Luxusprobleme und schafft damit auf der anderen Seite wieder neue. Wenn es nun einmal unser System ist, Dinge zu kaufen, um die Welt zu retten, dann müssen langsam mal Dinge erfunden werden, mit denen wir Umweltzerstörung und Klimawandel bremsen, sogar umkehren, statt beides weiter zu befeuern.

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