Smartphone-Kameras: Die Vorteile von 3, 4 oder 5 Linsen

Die ersten Smartphone-Kameras mit 3 oder 4 Linsen sind da. Machen die automatisch bessere Fotos? Nein, zeigt unsere Analyse, aber sie erhöhen die Vielseitigkeit.

Smartphone-Kameras mit zwei Linsen gibt es seit vier Jahren. Längst sind auch die ersten Geräte mit drei oder vier Kameras da. Vermutlich wird es dabei nicht einmal bleiben. Aber welche Vorteile haben Kameras mit mehr Linsen, und machen sie automatisch bessere Fotos? Schauen wir uns die Entwicklung und die unterschiedlichen Typen einmal an.

HTC One M8: Womit alles begann

Das HTC One M8 war Anfang 2014 das erste Smartphone mit einer Dualkamera. Während die Hauptkamera die Fotos schoss, setzte HTC die zweite ein, um eine künstlerische Unschärfe (Bokeh-Effekt) zu erzeugen. Die Software rechnete dann beide Bilder zusammen.

HTC One M8: Erstes Smartphone mit einer Dualkamera

HTC One M8: Erstes Smartphone mit einer Dualkamera

Es dauerte einige Zeit, bis auch andere Hersteller mit der Idee nachzogen. Heute nutzen mehrere Smartphones die zweite Kamera für diesen Bokeh-Effekt, der – wenn die Software mitspielt – sehr angenehme Fotos mit Tiefenwirkung erzeugen kann, wie man sie sonst von Spiegelreflexkameras kennt. Unter anderem kommt eine solche Dualkamera mit Tiefenwirkung auch im Motorola Moto G6 zum Einsatz.

Huawei P9: Monochromsensor

Dualkamera im Huawei P9

Dualkamera im Huawei P9

Das Huawei P9 sorgte zwei Jahre nach HTC mit einer Leica-Kooperation für Aufsehen. Und mit einer neuartigen Dualkamera. Diese nimmt Bilder mit einer höher auflösenden Monochrom-Linse auf, während die andere Kamera die Farben einfängt. Beide Bilder werden dann zu einem zusammengesetzt. Das Verfahren soll bessere Details und Kontraste ermöglichen und zusätzlich für künstlerische Unschärfeeffekte (wieder dieses Bokeh) eingesetzt werden können.

Huawei bleibt diesem Verfahren auch in Folgemodellen treu.

Apple iPhone 7 Plus: Optischer Zoom

Optischer Zoom in einem Smartphone: Apple bewerkstelligt dieses Kunststück seit September 2016 mit einer Dualkamera im iPhone 7 Plus (Shoplink). Der Zoom wird schlicht dadurch erzielt, dass die beiden Kameras unterschiedliche Brennweiten haben und die App vom Weitwinkel- auf die Telelinse umstellt. Ein Prinzip, dem Apple bis heute in aktuellen iPhones treu geblieben ist.

Huawei P20 Pro: Monochrom, Zoom und KI

Huawei setzt seit dem Frühling 2018 im P20 Pro (Kameratest) auf eine Triplekamera. Das Prinzip der Vorläufer P9 und P10 mit Monochrom- und Farblinse wurde beibehalten und um eine Telekamera erweitert.

Triplekamera im Huawei P20 Pro

Triplekamera im Huawei P20 Pro

Die Telekamera im P20 Pro hat im Vergleich zu den beiden Weitwinkellinsen (27mm) eine dreimal so hohe Brennweite (80mm). Das Umschalten von Weitwinkel auf Tele entspricht also einem dreifachen optischen Zoom. Die Monochrom-Linse sorgt zusätzlich für Tiefenwirkung, die Software rechnet Fotos mit geringer Lichtausbeute hell.

Da die Hauptlinse der Kamera mit stolzen 40 Megapixeln auflöst, lässt sich in Kombination mit der Telelinse außerdem ein beinahe verlustfreier 5-fach-Digitalzoom erzielen. Huawei nennt ihn Hybridzoom.

Huawei Mate 20 Pro: Ultraweitwinkel

Kamera im Mate 20 Pro

Kamera im Mate 20 Pro

Im ansonsten ähnlich ausgestatteten Huawei Mate 20 Pro (Shoplink) tauscht Huawei die Monochrom-Linse gegen eine Ultraweitwinkellinse mit 16mm Brennweite. Im Vergleich dazu wirkt das Umschalten auf die 80mm-Telelinse sogar wie ein fünffacher optischer Zoom.

Oppo R17 Pro: Eine Linse für 3D-Tiefenwirkung

Auch das Oppo R17 Pro verwendet eine Triplekamera – aber auf eine ganz andere Art und Weise als Huawei. Auf einen optischen Zoom verzichtet der chinesische Hersteller. Während die Hauptlinse – ähnlich wie im Samsung Galaxy S9 – zwei Blendenstufen unterstützt, dienen die anderen beiden Linsen der Tiefenwirkung.

Oppo R17 Pro mit Triplekamera für Tiefenmessung

Oppo R17 Pro mit Triplekamera für Tiefenmessung

Die dritte Linse ist eine TOF-3D-Kamera. TOF steht für Time of Flight, es handelt sich dabei um ein Lichtpuls-Messverfahren. Damit kann Oppo Entfernungen viel genauer messen und die anderen beiden Linsen damit unterstützen.

Samsung Galaxy A9

Zum Redaktionsschluss dieses Beitrags Mitte Oktober 2018 war Samsung der Hersteller mit den meisten Linsen in einer Smartphone-Kamera. Das Galaxy A9 (2018) bringt derer gleich vier mit. Neben der Hauptlinse im normalen oder leicht weitwinkligen Brennweitenbereich hat das A9 noch eine Ultraweitwinkel-Linse spendiert bekommen, außerdem ein Teleobjektiv mit 2-fach optischem Zoom. Die vierte Kamera im Bunde ist für die Tiefenwirkung und den Bokeh-Effekt zuständig.

Samsung Galaxy A9 Quad-Kamerasystem

Samsung Galaxy A9 Quad-Kamerasystem

Samsung macht hier also nichts Anderes, als drei Brennweiten anzubieten und Motive mit einem künstlerischen Unschärfe-Effekt aufzuhübschen.

Light L16: Größer als ein Smartphone, aber 16 Linsen

Die 2.000 Euro teure Light L16 ist eigentlich kein Smartphone. Die Kamera ist auch deutlich dicker. Ihr Prinzip erinnert aber leicht an das Wettrennen um mehr Kameralinsen. Dem setzt die L16 mit 16 Linsen denn auch die Krone auf.

Light L16

Light L16

Diese decken einen Brennweitenbereich von 28 bis 150mm ab. 13 Bilderreihen für eine HDR-Aufnahme ist das Optimum (bei gängigen Smartphones sind es heute meist 2-8). Nutzer können verschiedene Blendenstufen wählen oder nachträglich die Schärfentiefe mit Hilfe der Software noch anpassen. Bilder bis 52 Megapixeln sollen möglich sein.

Auf viel kleinerem Raum will Light mit der L16 die Funktionalität einer Spiegelreflexkamera simulieren. Tester waren allerdings von der Bildqualität nicht ganz so begeistert. Die L16 zeigt trotzdem, was so alles möglich ist und dass es in Smartphones bei 4 Linsen nicht bleiben muss.

Kameralinsen: Wie geht es weiter?

In der Gerüchteküche munkelt man bereits seit Längerem von einem Nokia-Smartphone mit 5 Kameras. Ganz sicher werden sich auch einige Hersteller „viel hilft viel“ denken. Sechs, sieben… zehn Kameralinsen? Alles denkbar.

Sinn machen mehr Linsen, wenn man mehr Funktionen darin unterbringen kann. Verschiedene Brennweitenstufen: Ultraweitwinkel, Weitwinkel, Normal, vielleicht auch zwei oder drei Telestufen? Für alles wäre nach derzeitigem Stand der Technik eine weitere Linse notwendig. Kombiniert man das noch mit Linsen für die Tiefenwirkung und Monochrom-Sensoren, kommt man hier schnell auf ein halbes Dutzend und mehr.

Dualkameras in Smartphones: Wofür sind sie gut?

Dadurch erhöht sich die Vielseitigkeit einer Smartphone-Kamera – nicht zwingend ihre Bildqualität. Meistens ist die Hauptlinse die mit den besten Ergebnissen dank des größten Sensors, der größten Pixel und dem meisten Lichteinfall. Telelinsen sind hier meist schlechter ausgestattet.

Wollt ihr mehr Möglichkeiten mit einer Smartphone-Kamera: dann spricht nichts gegen eine Kamera mit mehr Linsen mit den Funktionen nach eurem Geschmack. Geht es um die beste Bildqualität – lest Testberichte. Und da werdet ihr auch Smartphone-Kameras weit oben finden, die nur 2 oder 1 Linse haben.

Bilder: Hersteller

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