Bokeh im Foto

Mehr als nur ok: Fotos mit Bokeh

Was ist eigentlich dieses Bokeh, von dem man in der Fotografie immer wieder hört und wie wird es erzeugt? Eine kleine Erklärung.

Der Begriff „Bokeh“ kommt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie unscharf, verschwommen. Wieso soll das die Qualität von Fotos steigern? Sollte die nicht gerade schön knackig scharf sein? Wir klären, was Bokeh bedeutet.

Die Unschärfe macht den Unterschied

Spricht man von Bokeh, meint man damit in der Regel nicht die Stärke der Unschärfe, sondern die ästhetische Qualität. Klar, dass bei einem Portrait ein Gesicht vor unscharfem Hintergrund stärker in den Fokus rückt und besser zur Geltung kommt, als wenn alles gleich scharf ist.

Vor allem Porträtfotos, aber auch Fotos ohne Blitz mit vorhandenem Licht oder Nachtaufnahmen profitieren von einem schönen Bokeh.

Denn Bokeh ist nicht gleich Bokeh. Die Unschärfe kann ganz unterschiedlich aussehen. Helle Punkte im Hintergrund erscheinen nicht klein und scharf, sondern in der Unschärfe größer und weicher. Wie sie genau aussehen, hängt unter anderem von der Art der Blende ab. Besitzt sie nur wenige Lamellen und bildet so z.B. eine sechseckige Öffnung, können auch die unscharfen Bokeh-Lichtpunkte sechseckig wirken. Auch die Stärke der sphärischen Aberration des Objektivs spielt eine Rolle. Genaueres dazu findet man auf einer Schweizer Seite, die das sehr schön erklärt.

Bokeh im Foto

Woher kommt der Begriff Bokeh?

Das japanische Wort „boke“ bedeutet unscharf, verschwommen. In der Ausgabe März/April 1997 der Zeitschrift Photo Techniques erschienen drei Artikel darüber. Der Redakteur Mike Johnston ergänzte das „h“, um eine falsche Aussprache zu verhindern und prägte so nach eigener Aussage den Begriff „Bokeh“, den wir heute kennen.

Bokeh per Hardware

Generell ist es einfacher, mit weit geöffneter Blende und mit Objektiven mit langer Brennweite (Tele) den Hintergrund in schöne Unschärfe zu tauchen. Das passiert mehr oder weniger automatisch. Spiegelteleobjektive (eine besonders kompakte Bauform) sind dafür bekannt, dass sie ein ganz eigenes Bokeh erzeugen. Dabei verwandeln sich unscharfe Lichtpunkt in Lichtringe. Und zu analogen Zeiten griffen manche Fotografen zu besonderen Filtern, um Lichtpunkt z.B. in Sternchen zu verwandeln.

Bokeh per Software

Heute wird für Bokeh häufig mit Software nachgeholfen. Gibt man den Begriff im Google Play Store oder im Apple App Store ein, stößt man gleich auf eine ganze Reihe von Apps, die Fotos nachträglich mit dem Bokeh-Effekt versehen. Schließlich sind die meisten Smartphones mit einem Weitwinkelobjektiv und vergleichsweise kleinem Sensor ausgerüstet. Darum wird fast alles scharf abgebildet. Für einen Bokeheffekt markiert man in der jeweiligen App das Motiv (oft ein Porträt), das scharf bleiben soll, der Rest wird von der App in die Unschärfe geschickt. Das wirkt je nach Motiv, App und Stärke des Effekts relativ natürlich.

Einige Apps begnügen sich nicht mit der Unschärfe sondern bieten die Möglichkeit, zusätzliche Lichtpunkte zu setzen oder den Punkten verschiedene Formen zu geben, z.B. Herz, Kreis, Stern oder Sechseck.

Smartphones mit Bokeh

Bokeh im Foto

In der letzten Zeit sind auch Smartphones aufgetaucht, die mit dem Porträt-Modus ihrer integrierten Kameras und auch dem Begriff „Bokeh“ werben. Das iPhone 7 Plus ist eines der bekanntesten. Es ist mit 2 Objektiven ausgestattet, einem Weitwinkel und einem Tele. Der Unschärfe-Effekt wird dabei aber nicht allein vom Zusammenspiel der Kameras erzeugt, sondern eher von der Software errechnet, wenn man den Porträtmodus verwendet.

iPhone 7 Plus mit Dual Kamera

Apple selbst beschreibt das auf seiner Website so:

Im Porträtmodus wird automatisch ein Effekt für die Tiefenschärfe angewendet, der die Gesichter scharf lässt, während der Hintergrund unscharf wird. Dieser Effekt wird „Bokeh“ genannt und entsteht normalerweise bei Spiegelreflexkameras. Das iPhone 7 Plus nutzt das Dual-Kamerasystem und fortschrittliches maschinelles Lernen für diesen Effekt. Damit gelingen tolle und professionell aussehende Porträtaufnahmen einfacher als je zuvor

Aber natürlich ist Apple nicht der einzige Hersteller, der diesen Trick beherrscht. Auch andere Hersteller nutzen den unscharfen Hintergrund als Werbeargument.

Huawei P10 mit Dual-Kamera und Bokeh

Die Modelle P10 und P10 Plus sind die Flaggschiffe von Huawei. Auch diese Smartphones sind mit zwei Kameras ausgestattet. Das Huawei P10 besitzt eine Frontkamera mit acht Megapixeln für Selfies und eine Dualkamera auf der Rückseite, die gemeinsam mit Leica entwickelt wurde. Wie beim iPhone 7 Plus gibt es auch hier einen Porträtmodus. Huawei wirbt damit, dass das P10 mit der neuen Leica Dual Camera 2.0 Porträt-Fotografie neu definiert, allerdings ohne den Begriff Bokeh zu verwenden. Der fällt dafür häufiger im YouTube-Kanal, wie der Screenshot zeigt:

Bokeh im Foto

Ändere die Art, wie andere dich sehen – durch die Kamera des HUAWEI P10. Definiere die moderne Porträt-Fotografie neu.

ZTE Blade V8 – günstig zu Bokeh

Auch das vergleichsweise sehr günstige ZTE Blade V8 ist mit einer Doppelkamera ausgerüstet. Oder wie ZTE schreibt:

Die Dual-Lense Technik Deines Blade V8 ermöglicht so einzigartige Bokeh-Aufnahmen, bei welchen du entscheidest welcher Teil des Bildes scharf gestellt wird …

Verglichen mit den beiden anderen Smartphones kommt man hier am günstigsten zu seinem Bokeh-Effekt.

Bokeh ist nicht gleich Bokeh

Ich hoffe, der Artikel hat ein wenig dazu beigetragen, den Begriff zu erklären. Google wirft ungefähr 48.000.000 Ergebnisse in 0,63 Sekunden dafür aus. Aber wenn ich von mir auf andere schließen kann, dürften die meisten Nutzer nur einen ganz ungefähre Ahnung davon haben, was er eigentlich bedeutet. Mir ist es durch die Recherche für diesen Beitrag etwas klarer geworden. Ich hoffe, Euch auch. Und wenn Ihr etwas zu ergänzen oder zu korrigieren habt: gerne einen Kommentare hinterlassen.

Bilder: Pexels.com/ Huawei

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