Huawei P40 und P40 Pro: Top-Smartphones ohne Google

Mit den neuen Flaggschiffen P40 und P40 Pro möchte der chinesische Smartphone-Gigant Huawei einen Spagat bewältigen: attraktive Technik zum guten Preis – aber ohne Google-Services. Kann das gelingen?

Huawei P40 und P40 Pro: Top-Smartphones ohne Google

Bereits diese Woche möchte Huawei hierzulande mit der Auslieferung der beiden Geräte P40 und P40 Pro beginnen. Es ist ein Wagnis, denn wegen der US-chinesischen Spannungen darf Huawei neue Smartphones ausschließlich mit der Open-Source-Version von Android bestücken. Google-Services und -Schnittstellen sind tabu. Es sei denn, Huawei überarbeitet bestehende Geräte nur behutsam, wie zuletzt beim P Smart Pro.

Huawei P Smart Pro: Überraschende Rückkehr der Google-Dienste

Huaweis nächste Smartphone-Generation umfasst derzeit fünf Geräte. Die schon erhältlichen Telefone Huawei P40 Lite und P40 Lite E sind die Einsteigergeräte. Das P40 Pro+ ist die Deluxe-Variante. P40 und P40 Pro platzieren sich dazwischen.

Brachiale Leistung und neue Standards

Huawei vertraut auf die Rechenleistung des hauseigenen HiSilicon Kirin 990 5G Octacore. Die Namensbezeichnung des Chips verrät, dass neben den acht Kernen die 5G-Konnektivität heraussticht. Doch Obacht: Dies gilt für P40 und P40 Pro, die ihr direkt in Europa kauft. Aus anderen Weltregionen importierte Modelle sind eventuell nur LTE-fähig.

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Speichererweiterung mit Huawei-Bindung

Die Speicherausstattung liegt weit über dem, was ein Smartphone heutzutage braucht. 8 GB Arbeitsspeicher reichen selbst für aufwendige Video- und Bildbearbeitung locker. Die 128 GB oder 256 GB interner Speicher sind ebenfalls gut dimensioniert.

Die Auswahl zwischen beiden Speichergrößen habt ihr beim P40 Pro. Das „kleinere“ Modell bietet nur die geringere Bestückung. Zwar könnt ihr die Kapazitäten erweitern, jedoch nur mit herstellerspezifischen Huawei-Speicherkarten.

Eine handelsübliche microSD-Speicherkarte passt also nicht. Das proprietäre Format Huawei Nano Memory Card 2 liest mit 90 MB/s. Es ist in den Größen 128 GB (UVP: 49,99 Euro) und 256 GB (UVP: 99,99 Euro) erhältlich. Ob P40 und P40 Pro mit der ersten Generation der Huawei-Speicherkarten kompatibel sind, ist derzeit noch nicht klar.

Huawei Nano Memory Card 2
Die Nano Memory Card 2 ist ein proprietäres Format von Huawei. (Fotos: Huawei)

Hier enden die Hardware-Gemeinsamkeiten zwischen P40 und P40 Pro. Gehen wir also auf die einzelnen Geräte ein.

P40 Pro: Top-Ausstattung auch im Detail

Der AMOLED-Bildschirm des P40 Pro bietet auf 6,58 Zoll Diagonale eine Auflösung von 2.640 mal 1.200 Pixeln. Wie viele andere Hersteller nutzt Huawei die gebogenen Seiten des Deckglases, um den Rahmen zu minimieren. Oben und unten ist der Rahmen gut 2,6 mm dünn.

Wichtiger noch als diese Kosmetik ist die Reduktion augenschädlichen blauen Lichts und die Bildwiederholrate von 90 Hz. Bewegte Bildschirminhalte wie das Browser-Scrolling wirken dadurch weicher. Spiele können ebenfalls profitieren, wenngleich Asus‘ ROG Phone II ein auf Gamer zugeschnittenes Display bietet. Unter dem Bildschirm befindet sich der Fingerabdrucksensor.

Huawei P40 Pro
Das P40 Pro folgt designtechnisch der Konkurrenz. Die Kamera hingegen entwickelten die Ingenieure mit einer anderen Philosophie. (Fotos: Huawei)

RYYG-Sensoren: die neue Kamera-Philosophie

Wenn es eine Ausstattungskategorie gab, um die sich die Smartphone-Präsentationen der vergangenen Jahre drehten, so ist das die Foto-Ausstattung. Samsungs S20-Familie baut auf hochauflösende Sensoren mit 100fach-Zoom, Apple auf abgestimmte Linsen im iPhone 11.

Und die P40s? Setzen auf eine Weiterentwicklung der RYYB-Sensoren. Nie gehört? Die meisten Kameras nutzen Bayer-Sensoren und folgen der additiven Farbmischung mit Rot-Grün-Blau (RGB). Eine darauf basierende Matrix bietet auf 2×2 Pixeln eine Zelle für Rottöne, eine für Blautöne und zwei für grüne Farbeindrücke. Grüntöne sind demnach mit 50 Prozent dominant. Erst durch aufwendige Optimierungen durch die Kamera-Software hebt sich diese Schieflage auf.

Was in einem „normalen“ Kamerasensor abläuft: Helligkeitsinformationen und SW-Sensorbild auf Bayer-Filter (ganz links und links) produzieren ein Farbbild (rechts). Erst durch nachträgliche Berechnungen filtert die Software die dominanten Grüntöne heraus (ganz rechts). Das Beispiel ist um den Faktor 10 vergrößert. (Bild: Wiki Commons)

CYM- oder CYYM-Filter als Alternative brachten nur geringfügig bessere Resultate zustande. Huawei entwickelte schon für den Vorgänger P30 Pro deshalb einen RYYB-Sensor, der die dominierenden Grüntöne durch zwei Gelb-Kanäle ersetzte. Das mindert das Bildrauschen und erhöht die Fotoqualität. Auch beim ISO-Maximalwert von 51.200, den die P40-Modelle anpeilen.

Die Kameras des P40 Pro: Anders als die Konkurrenz

Das P40 Pro setzt gleich auf zwei RYYB-Sensoren. Der 50 MP auflösende Sensor ist für Fotos zuständig, die 40-MP-Knipse für Videoaufnahmen. Eine „reguläre“ Zoom-Linse mit 12 MP und Tiefensensor ergänzen das neu gestaltete Kamera-Array. Wie gut die beworbenen 50fach-Zooms auf Fotos ausschauen, muss ein Praxistest zeigen. Dank Dual-Video View könnt ihr Close ups und Weitwinkelaufnahmen gleichzeitig verfolgen.

Kamera-Array des Huawei P40 Pro
Das Kamera-Array folgt einer anderen Philosophie als viele Konkurrenten. (Screenshot: Huawei)

Für Selfie-Begeisterte haben die Ingenieure ebenfalls nachgelegt. Selbstportäts mit 32 Megapixeln Auflösung könnt ihr anfertigen – und auf die Dienste einer Kamera für Tiefeneffekte setzen. Die Pro-Version kombiniert das mit einem Autofokus und der Gesichtserkennung via Infrarot-Sensor.

Huawei demonstrierte die Foto-Eigenschaften mit verschiedenen Motiven und Szenarien. (Fotos: Huawei)

Das P40 Pro stellt zwei SIM-Kartenslots zur Verfügung, Gigabit-WLAN und einen 4.200 mAh starken Akku. Das mitgelieferte Schnellladenetzteil feuert mit 40 W, alternativ nutzt ihr Wireless Charging.

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Für eine optimale Kühlung nutzt Huawei im P40 Pro einen kleinen Graphen-Kühlkörper auf der CPU. Das Hightech-Material ist damit in handelsüblicher Elektronik angekommen.

Mit 209 Gramm ist das P40 Pro dezent schwerer als andere Top-Smartphones. Wie die Konkurrenten ist das Gerät IP68-zertifiziert und damit wasser- und staubdicht.

ProzessorHiSilicon Kirin 990 5G (Achtkern-CPU mit maximal 2,86 GHz)
Hauptbildschirm6,58 Zoll AMOLED-Display (Auflösung 2.640 x 1.200 Pixel, 90 Hz)
Speicher8 GB Arbeitsspeicher, 128/256 GB interner Speicher
BetriebssystemAndroid 10 in Open-Source-Version ohne Google-Services
Akku4.200 mAh
Hauptkamera- 50 MP Ultravision mit RYYB
- 40 MP Video- und Ultraweitwinkel-Kamera (F1.8)
- 12 MP Telefoto (F/3.4, mit OIS)
Frontkamera32 MP (F/2.0) mit Tiefensensor, IR-Sensor, TOF-Sensor und Autofokus
USB-AnschlussUSB Typ-C
ExtrasBluetooth 5.1, WiFi AX, NFC, e-SIM, Fingerabdruck-Sensor

P40: Trotz Abspeck-Kur ein Top-Modell

Das P40 ist günstiger. Stellt sich die Frage, wo Huawei Funktionen strich oder an der Ausstattung sparte. Zwei SIM-Karten passen rein, die Speichererweiterung für Huawei Nano Memory Card 2 gibt es ebenso. Dass man bei 128 GB Flashspeicher von einer geringeren Kapazität spricht, spottet der Konkurrenz.

Huawei P40
Das kleinere Flaggschiff Huawei P40 ist trotz abgespeckter Ausstattung ein technisch exzellentes Smartphone. (Fotos: Huawei)

Der OLED-Bildschirm misst 6,1 Zoll in der Diagonalen und bildet 2.340 mal 1.080 Pixel ab. Ein kleiner Rahmen ist zu erkennen, die Seiten sind nicht gebogen.

Dem Frontkamera-Array fehlt nur die 3D-Gesichtserkennung via Infrarot-Sensor. Die Rückseite bestückt Huawei mit dem erwähnten RYYB-Sensor (50 MP), dem allerdings die Bildstabilisierung fehlt. Als Ausgleich sind eine Ultraweitwinkelkamera (16 MP, F/2.2) und eine Teleoptik (8 MP, F/2.4, OIS) verbaut. Unschwer ist zu erkennen, dass Huawei das P40 als potentes Foto-Modell platziert:

175 Gramm bringt das Huawei P40 auf die Waage. Die Gewichtsersparnis ist auch dem kleineren Akku (3.800 mAh) zu verdanken. Dieser lädt mit maximal 22,5 Watt.

ProzessorHiSilicon Kirin 990 5G (Achtkern-CPU mit maximal 2,86 GHz)
Hauptbildschirm6,58 Zoll AMOLED-Display (Auflösung 2.640 x 1.200 Pixel, 90 Hz)
Speicher8 GB Arbeitsspeicher, 128 GB interner Speicher
BetriebssystemAndroid 10 in Open-Source-Version ohne Google-Services
Akku3.800 mAh
Hauptkamera- 50 MP Ultravision mit RYYB
- 16 MP Ultraweitwinkel-Kamera (F1.8)
- 8 MP Telefoto (F/2.4, mit OIS)
Frontkamera32 MP (F/2.0) mit Tiefensensor
USB-AnschlussUSB Typ-C
ExtrasBluetooth 5.1, WiFi AX, NFC, e-SIM, Fingerabdruck-Sensor

Huaweis App Gallery als Google-Alternative?

So großartig die Technik auch ist – die Software stellt euch vor Probleme. Dass Huawei gezwungenermaßen auf Open-Source-Versionen von Android 10 setzt, ist geschenkt. Einige (Nischen-)Hersteller haben das als Aushängeschild für sich entdeckt. Huawei jedoch ist gezwungen, alle Google-Dienste rauszuwerfen. Viele Apps sind nach Auslieferung nicht mit dem P40 und P40 Pro kompatibel. Huawei bewirbt daher die Spitzenmodelle mit einer eigenen Software-Plattform.

Die hört auf den Namen Huawei App Gallery, soll bereits unzählige Anwendungen bieten und lockt mit großzügigen Subventionen viele Entwickler. Schnittstellen für Windows, das eigene Betriebssystem Harmony OS und die neu vorgestellten Workflows setzen eine neue Vision für Huaweis Zukunft. Ob das Unternehmen Android-User überzeugen kann, die Plattform zu wechseln? Das zeigt sich in den kommenden Monaten.

Hauwei P40 und P40 Pro erscheint in Deutschland zunächst in den Farben Silber, Rosegold und Schwarz. Später folgen noch weiße und blaue Varianten. Die UVP für das Huawei P40 liegt bei 799 Euro, für das P40 Pro ruft der Hersteller 999 Euro auf. Die Auslieferung soll ungeachtet Corona Anfang April erfolgen.

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