Fitness-Armbänder und Smartwatches für Senioren: Das solltet ihr beim Kauf beachten

Smartwatches für Senioren können ein echter Mehrwert sein. Vorausgesetzt, ihr trefft beim Kauf die richtige Wahl. Welche Funktionen benötigt ihr und worauf könnt ihr verzichten?

Fitness-Armbänder und Smartwatches für Senioren: Das solltet ihr beim Kauf beachten

Ein Blick auf aktuelle Fitness-Armbänder, Smartwatches und ähnlich geartete Wearables macht es deutlich: Es gibt zahllose Lösungen, die uns dabei helfen wollen, ein aktiveres Leben zu führen. Dagegen ist erst einmal nichts einzuwenden, schließlich bewegen sich viele von uns zu wenig.

Wer sich schon als Senior sieht und mit dem Kauf einer Smartwatch liebäugelt, wird zwangsläufig mit einem Überangebot an Produkten konfrontiert. Viele solcher Wearables bieten kaum Mehrwerte für Menschen Ü50. Bei der Auswahl solltet ihr daher genau darauf achten, was der potenzielle Fitnesstracker oder die Smartwatch für Senioren bietet.

Was ist besser? Der Unterschied zwischen Fitness-Armband und Smartwatch

Die allererste Frage, die ihr euch stellen müsst: Sollte es ein Fitness-Armband oder eine Smartwatch sein? Mittlerweile sind die Übergänge fließend, wie zum Beispiel die Galaxy Watch Active oder die Garmin Venu zeigen. In der Regel konzentriert sich ein Fitness-Armband auf das Darstellen der Uhrzeit und das Aufnehmen sowie Anzeigen gewünschter Bewegungs- und Gesundheitsdaten.

Hier im Bild: Die Galaxy Watch 3. Es ist eher eine klassische Smartwatch mit vielen Funktionen. (Foto: Samsung)
Hier im Bild: Die Galaxy Watch 3. Es ist eher eine klassische Smartwatch mit vielen Funktionen. (Foto: Samsung)

Eine Smartwatch dagegen möchte ein Lifestyle-Accessoire sein, das eine herkömmliche Armbanduhr ersetzt, meist viel teurer ist und im Alltag getragen werden will. Fitnesstracker nutzt ihr dagegen bei (sportlichen) Aktivitäten und nicht selten in der Nacht – wenn ihr zum Beispiel eure Schlafgewohnheiten analysieren wollt.

Der Fitbit Charge 4 ist ein typischer Vertreter eines Fitness-Trackers. (Foto: Fitbit)

Einfach gesagt: Smartwatches wollen attraktive Begleiter sein, die allerlei smarte Elemente mitbringen – darunter natürlich auch das Tracken von Sensordaten. Fitnessarmbänder sind ebenfalls stylisch, doch im Vergleich zweckmäßiger, leichter und unauffälliger. Was ihr favorisiert? Das ist eurer Vorliebe und eurem persönlichen Ästhetik-Empfinden überlassen.

Gesundheit im Blick: Die richtigen Sensoren

Bei Fitness-Trackern und Smartwatches für Senioren müsst ihr nicht den Fitness-Aspekt in den Vordergrund stellen, auch wenn Funktionen wie Hinweise zu richtigen Trainingsmethoden, virtuelle Lauftrainer oder das Zusammenstellen eigener Trainings nützlich sein können. Dennoch: Den Fokus sehe ich zum Beispiel bei Rentnern eher beim gesundheitlichen Aspekt. Mit den richtigen Sensoren erhaltet ihr von euch bzw. eurem Körper nützliche Informationen.

Auf der Rückseite der Uhr befinden sich meist die Sensoren für die Puls-Messung. (Foto: Samsung)
Auf der Rückseite der Uhr befinden sich meist die Sensoren für die Puls-Messung. (Foto: Samsung)

Beim Kauf einer geeigneten Uhr halte ich folgende Sensoren für wichtig:

Beschleunigungssensor & Gyroskop: Sie dienen zum recht genauen Zählen eurer Schritte bzw. Aktivitäten. Ein zusätzliches Barometer kann die Präzision erhöhen und nimmt zusätzlich Höhen wahr.

Pulsmesser (Pulsuhr, Pulsoximeter, Blutsauerstoffsensor): Häufig LEDs, die Haut durchleuchten, um mittels einer Fotodiode Farbveränderungen des Blutes zu erkennen. Dient der Pulsmessung, aber auch zum Feststellen der Sauerstoffsättigung im Blut sowie dem Erkennen des Stress-Levels.

Herzfrequenz-Sensor: Bei den meisten smarten Uhren mit Herzfrequenz-Messung kommt der Pulsmesser zum Einsatz, der auch die Herzfrequenz analysieren kann. Wer’s präziser mag, benötigt spezielle Wearables zum Beispiel mit Multiwellenlängen-PPG-Sensoren.

(Optional) Sturzsensor: Normalerweise helfen Beschleunigungssensor und Gyroskop bei einer automatischen Sturzerkennung (bei Unfällen), die zum Beispiel die Apple Watch hat. Die Bembu GPS-Watch Pro verfügt wiederum über einen eigens entwickelten Sturzsensor, der sich auf diese Funktion spezialisiert hat.

Meiner Auffassung nach sollte eine Smartwatch für Senioren mindestens über Beschleunigungssensor und Pulsmesser verfügen, damit die Träger*innen überhaupt etwas mit ihr anfangen können. Enorm viele Funktionen, darunter zum Beispiel das automatische Erkennen gerade getätigter Aktivitäten, der Kalorienverbrauch, eine Trink-Erinnerungsfunktion oder die zurückgelegten Strecken bei Spaziergängen oder beim Sport – all das sind berechnete Informationen basierend auf den Sensordaten.

Smartwatches für Senioren sind KEINE medizinischen Produkte

Was euch unbedingt bewusst sein sollte: Obwohl euch Hersteller suggerieren, ihr würdet ggf. ein Gesundheitsprodukt erwerben, so sind die wenigsten Fitness-Armbänder und Smartwatches wirklich medizinische Geräte. Viele Unternehmen wie Garmin erklären allerdings offen und transparent, wo es zu Ungenauigkeiten kommen könnte. Die Angaben von Herzfrequenzsensoren sind daher eher eine hilfreiche Orientierung – sie sind aber weniger für Diagnose, Behandlung oder Heilung von Krankheiten geeignet.

Die ScanWatch ist teuer, aber eine der interessanten Smartwatches für Senioren. (Foto: Withings)
Die ScanWatch ist teuer, aber eine der interessanten Smartwatches für Senioren. (Foto: Withings)

Aber es gibt die eine oder andere Ausnahme: Die Withings ScanWatch beispielsweise wirbt sogar mit einem „klinisch validiert“ und einer medizinisch genauen Sauerstoffsättigung samt EKG. Legt ihr darauf größten Wert, habt ihr nicht die Qual der Wahl – es sind eben kaum passende Geräte mit einem entsprechenden Anspruch erhältlich.

Weitere Merkmale passender Smartwatches für Senioren

Neben dem Design und den geeigneten Sensoren zählen für den Alltag ganz pragmatische Aspekte, die bei der Wahl der „richtigen“ Smartwatch für Senioren eine Rolle spielen:

Großes Display

1,2 Zoll klingen nach wenig, doch bei einer Smartwatch bedeutet das einen Durchmesser von gut und gerne 30mm – das ist am Handgelenk unter Umständen nicht mehr winzig. Andererseits ist dies meiner Auffassung nach eine gute Mindestgröße, um auch etwas auf dem Display erkennen zu können. Aktuelle Fitness-Armbänder bieten bei sonst minimalen Ausmaßen sogar noch deutlich mehr, zum Beispiel das Huawei Band 6 einen 1,47 Zoll großen OLED-Bildschirm. Optimal, wenn die Augen nicht mehr die allerbesten sind.

Das Huawei Band 6 mit großem Bildschirm. (Foto: Huawei)
Das Huawei Band 6 mit großem Bildschirm. (Foto: Huawei)

Robuste Bauweise

Generell zu favorisieren ist eine gewisse Robustheit. Achtet beim Kauf einer Uhr darauf, dass sie vor Wasser und/oder Staub geschützt ist. Viele Fitnesstracker und Smartwatches, die für Senioren geeignet sind, verfügen ohnehin über eine entsprechende IP-Zertifizierung.

Das Gewicht ist in den seltensten Fällen ein Problem. Ein Fitness-Tracker bringt ungefähr 20 Gramm auf die Waage, eine Smartwatch wie die Apple Watch kommt auf rund 40 Gramm.

Lange Akkulaufzeit

Gerade Smartwatches, die über GPS oder gar eine Anbindung ans Handynetz verfügen, haben keine allzu lange Akkulaufzeit. So toll eine Apple Watch auch ist – ihr müsst sie jeden Tag aufladen. Ähnliches gilt für die Galaxy Watch von Samsung. Stört euch das nicht – alles bestens.

Möchtet ihr den Akku dagegen nicht gefühlt ständig füllen, schaut euch bei den Fitness-Armbändern oder spezialisierten Smartwatches wie erwähnter Withings ScanWatch um. Gerade die kleinen, leichten Tracker schaffen zwischen 5 und 30 Tagen, abhängig von der Nutzung, den Funktionen und natürlich dem Akku selbst.

Einfache Bedienung

Habt keine Angst davor, dass euch eine Smartwatch oder ein Fitness-Tracker überfordern könnten? Seid ihr mit der Verwendung eines Smartphones soweit sicher, klappt es garantiert mit einem solchen Wearable. Manche smarten Armbanduhren sind sogar bewusst simpel gehalten, um Träger*innen die alltägliche Verwendung zu erleichtern.

Meiner Ansicht nach sind die eingesetzten Betriebssysteme heutiger Armbänder und Smartwatches alle ähnlich gut zu bedienen. Es macht also nur einen geringen Unterschied, ob ihr eine Uhr mit Wear OS (Google), watchOS (Apple), Tizen (Samsung) oder Fitbit OS (Fitbit) wählt.

Abhängigkeit zum Smartphone

Das muss euch bewusst sein: Eine Smartwatch setzt immer ein Smartphone voraus. Abgesehen von der Apple Watch, das zwingend ein iPhone verlangt, ist es dabei egal, ob es eines mit Android oder eines mit iOS ist. Kaum eine smarte Uhr oder ein Fitness-Armband ist komplett autonom nutzbar, zumindest müsst ihr die Wearables über ein Mobiltelefon einrichten.

Die Apple Watch SE ist unter Umständen ein geeigneter Kandidat für Senioren. (Foto: Apple)
Die Apple Watch SE ist unter Umständen ein geeigneter Kandidat für Senioren. (Foto: Apple)

Smart Feature Phones mit KaiOS, mit denen oftmals Senioren-Smartphones ausgestattet sind, bleiben außen vor. Die könnt ihr nicht zum Einrichten und Abrufen der Statistiken der Sensordaten nutzen.

Aber: Im Alltag muss nicht ständig eine Bluetooth-Verbindung zum Smartphone vorhanden sein, eine regelmäßige Synchronisierung ist dagegen unabdingbar. Und auch hier gibt es Ausnahmen wie zum Beispiel die Cares.Watch, die allerdings auch nur sehr reduzierte Funktionen bietet.

Worauf ihr gut und gerne bei Smartwatches für Senioren verzichten könnt

Den größten Mehrwert von Fitnesstrackern und Smartwatches für Senioren sehe ich darin, dass euch ein solches Gadget über euren aktuellen Gesundheits- und Bewegungszustand  informiert. Deshalb bin ich auch davon überzeugt, dass ihr vieles nicht braucht, was Hersteller stolz bewerben. GPS und SIM-Kartenslot (LTE) halte ich nur für sinnvoll, wenn das Objekt eurer Begierde auf diese Weise Notrufe absetzen kann. Dazu sind ausgewählte Smartwatches wie die Galaxy Watch oder die Apple Watch in der Lage.

Das A und O einer guten Smartwatch sind die richtigen Sensoren. (Foto: Apple)
Das A und O einer guten Smartwatch sind die richtigen Sensoren. (Foto: Apple)

Worauf ihr dagegen verzichten könnt (aber natürlich nicht müsst):

  • Smart-Home-Steuerung
  • Integrierter Musicplayer
  • Vollständige Telefonier-Funktion
  • Integration von Sprachassistenten
  • Mobile Bezahlung (nett, aber kein Must-Have)

Ich bin kein Freund billiger China-Produkte unbekannter Herkunft von Herstellern, von denen man noch nie etwas gehört hat. Bei denen wisst ihr nie, ob die nötige App überhaupt funktioniert oder es bei Problemen einen seriösen Support gibt. Das solltet ihr nicht unberücksichtigt lassen.

Welche Smartwatch für Senioren ist die beste?

Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, denn gerade Senioren haben individuelle Bedürfnisse. Der eine ist im höheren Alter sportlich noch sehr aktiv, der andere dagegen weniger. Nicht jeder braucht daher die Möglichkeit, 100 verschiedene Sportarten zu tracken. Oder Kartenmaterial zum Wandern oder einen Menstruationskalender.

Überlegt euch, was ihr braucht - dann fallen viele Fitness-Armbänder oder Smartwatches weg. (Foto: Apple)
Überlegt euch, was ihr braucht – dann fallen viele Fitness-Armbänder oder Smartwatches weg. (Foto: Apple)

Zusammengefasst die Empfehlung für Senioren-Smartwatches:

  • Achtet auf das Vorhandensein von für Gesundheits- und Bewegungsdaten nötige Sensoren
  • Legt Wert auf ein robustes, wasserdichtes Gehäuse und ein Gewicht bis um die 40-50 Gramm
  • Das Display sollte für optimale Lesbarkeit mindestens 1,2 Zoll groß sein
  • Die Smartwatch bzw. der Tracker muss mit eurem Smartphone kompatibel sein
  • Greift nicht zum erstbesten Produkt, sondern prüft, ob es sich um einen Hersteller handelt, der auch Garantie und Support bietet

Ich selbst suchte für meine Eltern auch eine Smartwatch bzw. ein Fitness-Armband. Beide sind über 70 Jahre alt und sie sind eigentlich nicht mehr allzu aktiv. Vermutlich entscheide ich mich für das Honor Band 6 bzw. Huawei Band 6 mit dem riesigen Bildschirm. Aber auch die deutlich kostspieligere ScanWatch wäre ein Kandidat für meine Mutter, da ihr Herz einige altersbedingte Probleme bereitet.

Und welche Smartwatch für Senioren wird es bei euch?

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