Smartwatches mit Sturzerkennung und SOS-Funktion: Lebensretter fürs Handgelenk

Eine Armbanduhr kann euer Leben retten! So funktionieren Smartwatches mit Sturzerkennung. Aber nur wenige Uhren besitzen diese praktische Funktion.

Smartwatches mit Sturzerkennung und SOS-Funktion: Lebensretter fürs Handgelenk

Smartwatches aus dem höheren Preissegment haben zig Sensoren, die präzise Gesundheitswerte liefern oder eure Aktivitäten tracken. Sie sind aber auch in der Lage, Gefahrensituationen zu erkennen – zum Beispiel einen Sturz von der Treppe oder vom Fahrrad. Selbständig informiert die Armbanduhr wichtige Kontaktpersonen oder ruft gar den Notdienst an. Das ist vor allem für Senioren praktisch. Jüngere, aktive und sportliche Menschen stoßen dagegen hin und wieder an die Grenzen heutiger Technik. Trotzdem sind Smartwatches mit Sturzerkennung in vielen Bereichen sinnvoll.

Sensoren können Leben retten. (Foto: Sven Wernicke)
Sensoren können Leben retten. (Foto: Sven Wernicke)

Wie funktioniert die Sturzerkennung an der Smartwatch?

Bei nahezu allen Smartwatches mit Sturzerkennung und meist dazugehöriger SOS-Funktion finden die integrierten Bewegungs- und Beschleunigungssensoren Verwendung. Kommt es zu einer ungewöhnlich schnellen Abwärtsbewegung, reagiert die Uhr darauf entsprechend.

Die Apple Watch besitzt eine Sturzerkennung. (Foto: Apple)
Die Apple Watch besitzt eine Sturzerkennung. (Foto: Apple)

In der Regel folgen weitere Maßnahmen, die die Smartwatch nach dem Sturz eines Nutzers bzw. einer Nutzerin ausführt. Zuvor festgelegte Kontakte erhalten eine SMS-Nachricht mit weiteren Hinweisen wie dem GPS-Standort der möglicherweise verletzten Person. Auch können manche Smartwatches direkt einen Notdienst anrufen und diesen in Form einer Sprachnachricht informieren. Wie das gelöst ist, ist von Smartwatch zu Smartwatch verschieden.

Es ist normalerweise auch möglich, nach einem Sturz oder einem ausgelösten Fehlalarm das Anrufen eines Arztes oder das Kontaktieren von Familienmitgliedern abzubrechen oder zu verhindern.

Wozu brauche ich eine Sturzerkennung?

Die Frage klingt banal, doch in vielen Lebensbereichen kann eine Smartwatch mit automatischer Sturzerkennung im wahrsten Sinne des Wortes ein Lebensretter sein. Allein in der Gruppe der Über-65-Jährigen kommt es pro Jahr in Deutschland zu fünf Millionen Stürzen – häufig im Alltag oder bei sportlichen Aktivitäten wie Wandern, Radfahren und Spazieren.

Für Senioren mag eine solche Smartwatch auch aufgrund der Puls- und Sauerstoff-Sättigungs-Messungen ein großer Mehrwert sein. Sportlich sehr aktiven Menschen kann eine Sturzerkennung mit SOS-Funktion ebenso helfen. Durch das Senden der eigenen GPS-Koordinaten spüren Sanitäter auch abgestürzte Kletterer oder im Straßengraben liegende Fahrradfahrer auf – der Smartwatch sei Dank.

Eine Sturzerkennung ist also vor allem für diejenigen ratsam, die Sport treiben oder gesundheitlich eingeschränkt bzw. älter sind. Denn hier ist die Wahrscheinlichkeit eines gefährlichen Sturzes erhöht. Das gilt sicherlich auch für einige Berufsgruppen.

Grenzen der Sturzerkennung

Obwohl neuere Smartwatches sehr wohl den Unterschied zwischen einer schnellen Radfahrt bergab und einem wirklich Sturz erkennen können, dürfte die SOS-Funktion bei ruckartigen Bewegungen und anderen unerwarteten Situation fälschlicherweise auslösen – letztlich sind die zuständigen Sensoren nicht intelligent.

Aus diesem Grund gibt’s meist noch die Option, einen Notruf auf Knopfdruck oder durch Tippen auf den Touchscreen der Uhr abzubrechen. Alternativ lässt sich die SOS-Funktion manuell durch bestimmte Tastenkombinationen auslösen. Doch ob ihr in einer gefährlichen Situation drei Mal hintereinander einen Knopf drücken könnt (Galaxy-Watch-Reihe), ist fraglich.

Bereits die Galaxy Watch 3 verfügt über einen Sturzsensor. (Foto: Samsung)
Bereits die Galaxy Watch 3 verfügt über einen Sturzsensor. (Foto: Samsung)

Ein weiterer Aspekt: Smartwatches ohne eigenes Funkmodul benötigen stets eine Bluetooth-Verbindung zum Smartphone, das bei einem Sturz auch schon einmal das Zeitliche segnen könnte. Dann ist ein Kontakt zur Außenwelt, also zu Angehörigen oder Sanitätern, nicht mehr möglich. Und natürlich ist klar: Geht die Smartwatch (mit oder ohne Funkmodul) bei einem Unfall zu Bruch, kann sie den Sturz nicht mehr rechtzeitig erkennen.

Ob Smartwatches mit Sturzerkennung weitere Daten wie Herzfrequenz, Puls oder Sauerstoff-Sättigung berücksichtigen, verraten Hersteller solcher Uhren leider nicht.

Was ihr beim Kauf einer Smartwatch mit SOS-Funktion beachten solltet

Steht der Kauf einer Smartwatch an, die eine Sturzerkennung mit SOS-Funktion besitzen sollte, rate ich zu den meist teureren Varianten mit (LTE-)Funkmodul für eine Verwendung der Uhr unabhängig von einem Smartphone. Der autonome Betrieb sorgt dafür, dass die Smartwatch eigenständig Nachrichten verschicken und Anrufe ausführen kann.

Empfehlenswert ist eine grundsätzlich robuste Bauweise. Die Smartwatch sollte Erschütterungen, Stürzen und Schlägen standhalten, vielleicht auch wasserdicht sein. Denn wie gesagt: Ist die Armbanduhr schon vor dem Notruf kaputt, ist sie keine Hilfe.

Treibt ihr viel Sport, ist eine Smartwatch nützlich, die klar zwischen Training und Sturz differenzieren kann. Das beherrscht beispielsweise die Apple Watch.

Technisch weniger versierten Senioren empfehle ich speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Smartwatches, die über größere Displays und vereinfachte Menüs verfügen.

Aktuelle Smartwatches mit Sturzerkennung

Obwohl die meisten Smartwatches über geeignete Sensoren verfügen, ist die Sturzerkennung bisher vorrangig bei höherpreisigen Uhren zu finden.

Die wohl bekannteste Smartwatch, bei der Hersteller Apple das SOS-Feature explizit bewirbt, ist die Apple Watch. Seit der Apple Watch SE bzw. der Series 4 gehört das Element von Haus aus dazu. Auch internationale Notrufe berücksichtigt die Apple Watch. Vorbildlich: Die Uhr erkennt Radfahren und andere Trainings und ruft einen Notdienst bei einem Unfall während des Sports.

Die aktuelle Apple Watch SE verfügt auch über eine Sturzerkennung. (Foto: Apple)
Die aktuelle Apple Watch SE verfügt auch über eine Sturzerkennung. (Foto: Apple)

Die Samsung Galaxy Watch4 verfügt ebenfalls über eine Sturzerkennung. Im Gegensatz zur Apple Watch könnt ihr bei der Smartwatch selbst eine Notruf-Nummer eingeben. Das kann zum Beispiel ein Angehöriger oder eine Freundin sein. Wie ihr die Sturzerkennung auf der Samsung Galaxy Watch4 einrichtet, haben wir euch in einer kleinen Anleitung erklärt.

Die Garmin Venu SQ verzichtet auf Notrufe, bei der sogenannten Unfallbenachrichtigung schickt die Smartwatch eine SMS oder Email an zuvor festgelegte Kontakte.

Die Huawei Watch 3 verfügt über eine Sturzerkennung sowie ein manuelles Betätigen der Notruftaste. Hierzu müsst ihr 5x hintereinander die Ein/Aus-Taste drücken. Habt ihr euch das Handgelenk gebrochen, dürfte das keine Leichtigkeit sein. Ansonsten aber gibt’s auch hier Benachrichtigungen an Kontakte oder ein Anruf zum Notdienst. 

Die Senioren-Smartwatch von TCL bietet auch eine Sturzerkennung. (Foto: TCL / Deutsche Telekom)
Die Senioren-Smartwatch von TCL bietet auch eine Sturzerkennung. (Foto: TCL / Deutsche Telekom)

Hinter dem sperrigen Namen Safety Watch TCL MT434AX verbirgt sich eine Smartwatch für Senioren, die ähnliche Funktionen wie andere Smartwatches bietet. Eine Besonderheit ist die spezielle SOS-Taste zum Starten eines Notrufes an Angehörige. Gedacht ist diese für Erwachsene ab 65 Jahren, dennoch verfügt sie über allerlei Komfort-Elemente und ein attraktives Design.

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9 Kommentare zu “Smartwatches mit Sturzerkennung und SOS-Funktion: Lebensretter fürs Handgelenk

  1. Hört sich alles gut an🙂Aber welche Uhr mit Sturzerkennung ist für Senioren einfach zum bedienen🙄Schönen Tag

      1. Die Safety Watch TCL MT434AX ist nicht Wasserdicht,das heist wenn ich unter der Dusche ausrutsche,kann die Safety Watch TCL MT434AX keinen Notruf absetzen.

  2. Interessant an der zuletzt genannten Safety Watch TCL MT434AX ist für mich, daß sie unabhängig von einem Smartphone mit einem eigenen Vertrag funktioniert. Denn z.B. meine 92jährige Mutter besitzt gar kein Smartphone.
    Gut finde ich auch, daß ich zu der Uhr eine App auf MEINEM Smartphone laufen habe, wo ich – wenn es denn klappt – sehen kann, wo sie sich befindet und auch Einstellungen vornehmen kann.
    Was ich so gesehen habe, ist die Bedienung für den Träger der Uhr wirklich einfach (siehe Videos dazu). Das hängt natürlich von dem jeweiligen Senior ab – Erfahrungen mit einem Tablet sollte er m.E. schon haben.
    Für den Notruf muss man auch nicht 5x einen Knopf drücken.
    Leider habe ich jetzt einiges gelesen, wonach die Sturzerkennung entweder zu sensibel ist oder mit der anderen Einstellung bei einem user anscheinend den schweren Sturz seiner Mutter dann nicht mehr erkannt hat.
    Außerdem scheint das GPS z.T. nicht sehr genau zu sein.
    Die Akkulaufzeit scheint z.T. auch sehr kurz zu sein, obwohl nicht benötigte Dienste (Schrittzähler etc.) abgeschaltet wurden.
    Nun habe ich Zweifel bekommen. Sonst hätte ich die Uhr schon längst gekauft für meine Mutter.
    Ich wäre sehr dankbar für seriöse Benutzer-Tests zu der Uhr.

    1. Meiner Schiegermutter haben wir die gekauft: Die sensibelste Einstellung gab beim Kartenkloppen Fehlalarme, etwas weniger geht bisher gut. Ob sie so eine Sturz übersieht, mussten wir noch nicht herausfinden. Die Laufzeit ist mit etwas über einem Tag allerdings wirklich kurz, trotz Beschränkung auf die Grundfunktion als Uhr mit Sturzsensor. Eine Einstellung, dass die energiefressende Ortung nicht ständig läuft, sondern nur bei Sturz oder aktiver Überwachung der Position, habe ich nicht gefunden.

  3. Auch bei der Apple Watch kann man zwei individuelle Notrufnummern eingeben, aber zusätzlich zu der allgemeinen Notrufnummer.

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