Samsung Galaxy S10

Erfahrungsbericht: Drei Wochen mit dem Samsung Galaxy S10

Lassen wir die Kamera außen vor, ist das Samsung Galaxy S10 das technisch derzeit wohl am besten ausgestattete Smartphone. Dennoch sticht eigentlich nur eine Eigenschaft besonders hervor: das Display. Und das kann durchaus ein Kaufargument sein, wie unser Erfahrungsbericht zeigt.

Vieles war mir an einem Smartphone bislang wichtig: Eine handliche Größe, eine starke Kamera mit Nachtsicht, optischer Zoom und natürlich eine schnelle Reaktionszeit. Die Qualität des Displays aber interessierte mich bestenfalls am Rande – bis das Samsung Galaxy S10 kam.

Galaxy S10: Alle Hüte ab vor diesem Display!

Hier sei kurz zusammengefasst: Die Kamera ist toll, Apps öffnen ohne spürbare Verzögerung, selbst die Software-Oberfläche macht mittlerweile durchaus Spaß. Aber das Display im Galaxy S10 übertrumpft alles.

Das Samsung Galaxy S10 hat ein hervorragendes Display.

Das Samsung Galaxy S10 hat ein hervorragendes Display.

Mir war klar, dass OLED-Displays einfache LED-Displays in den Schatten stellen. Das war mir auch am Vorgänger Galaxy S9+ und dem iPhone Xs Max (hier unser Erfahrungsbericht) nicht entgangen. Das Galaxy S10 aber zeigt, dass OLED keinesfalls gleich OLED ist. Das neue Dynamic Amoled im S10 geht einen Schritt weiter. Es filtert unangenehme Blautöne fast vollständig heraus. Und das Ergebnis ist unglaublich angenehm zu betrachten.

Natürliche Farben, aber auch ein wenig Spiegelung

Als ich das Galaxy S10 auspackte und auf dem Display das Markenlogo erschien, glaubte ich zunächst, es hier mit einer am Display aufgebrachten Folie zu tun zu haben. Es wirkte zu echt für ein Display. Als ich erste Webseiten damit betrachte, ein ähnliches Gefühl. Teilweise hat man hier gar nicht das Gefühl, mit einem Display zu arbeiten. Es wirkt wie Papier, das man zu allen Tages- und Nachtzeiten hell erleuchtet erleben kann.

Sieht aus wie die Rückseite, auf der etwas aufgedruckt wäre, ist aber das Display des Galaxy S10.

Sieht aus wie die Rückseite, auf der etwas aufgedruckt wäre, ist aber das Display des Galaxy S10.

Mit Foto-Apps wie Instagram macht das am allermeisten Spaß. Auch die selbst aufgenommenen Fotos sehen auf dem Display verdammt gut aus (und sogar etwas besser als später am Rechner ;). Und auch bei hellster Helligkeit in gleißendem Sonnenlicht wirkt auf dem Display nichts zu dunkel. Wofür man die Helligkeit aber auch fast ganz nach oben pegeln muss und das Display dann schon ein wenig spiegelt. Es ist also nicht perfekt, aber für mich ohne Zweifel das derzeit beste Display auf dem Markt.

Display-Loch? Popkultur!

Mit den Abrundungen links und rechts hatte ich im Galaxy S10 weniger Probleme, Funktionen auf dem Display versehentlich auszulösen, als noch in den Vorgängern S8 und S9+.

Und das Loch im Display? Samsung nennt es „Infinity O“. Hier beherbergt das Galaxy S10 seine Frontkamera. Und so eigenwillig Samsungs Lösung hier auch ist. Das Loch wirkt nicht störend. Es hat dank passender Hintergrundbilder sogar schon Popkultur-Status erreicht. Wenn etwa die Augen von Kim Jong-Un oder Wall-E auf Höhe des Lochs pranken (das Schwestermodell Galaxy S10+ hat sogar zwei Löcher). Ich habe das Hintergrundbild einer aufgehenden Sonne gewählt, die das S10 sogar mit einen Lichtring ummalt, während das Gerät entsperrt.

Die "Sonne" auf diesem Bild ist in Wahrheit das Kamera-Loch des Galaxy S10. Im Netz finden Nutzer zahlreiche solcher Hintergrundbilder.

Die „Sonne“ auf diesem Bild ist in Wahrheit das Kamera-Loch des Galaxy S10. Im Netz finden Nutzer zahlreiche solcher Hintergrundbilder.

Womit wir beim nächsten Thema und dem ersten kleinen Kritikpunkt wären: dem Fingerabdrucksensor. Den hat Samsung im Galaxy S10 ins Display integriert. Und so schön die Idee auch ist, so oft ließ mich der Sensor auch im Stich. Bei jedem zweiten Versuch monierte das System, meinen Finger nicht zu erkennen, oder bat, ihn noch einmal mit weniger oder mehr Druck aufzulegen. Selbst wenn das Entsperren gelang: Schneller als bei herkömmlichen Fingerabdrucksensoren – etwa im Motorola Moto G7 – war er nicht.

Gegen die ebenfalls integrierte Gesichtserkennung verlor der Fingerabdrucksensor im Galaxy S10 bei mir jedes Rennen deutlich. Schade, da hat Samsung offenbar noch nicht alles im Griff. Es sei aber erwähnt, dass der Sensor im Laufe meiner Nutzung durch einige Updates, die Samsung nachreichte, immer zuverlässiger wurde. Ich hoffe, Samsung arbeitet weiter daran. Updates zumindest kommen häufig. Das letzte vor wenigen Tagen.

Galaxy S10-Kamera: Schwer in Ordnung, aber nur 2x-Zoom

Als ich die Präsentation verfolgte, da war ich ein wenig enttäuscht: Samsung hatte der Kamera nur einen 2-fach-Telezoom spendiert. Zum Vergleich: Huawei baut ins neue P30 Pro bereits einen optischen 5-fach-Zoom ein. Trotzdem haben mich die Bilder im S10 fast durchweg überzeugt. Sehr lichtstark auch bei Nacht, auf einige der Detailfotos bin ich regelrecht stolz. Und anders als noch im ersten Eindruck vom Galaxy S10 vor drei Wochen habe ich mittlerweile auch für die Ultraweitwinkel-Linse eine Verwendung gefunden (den ganzen Kölner Dom auf einem Foto!). Wobei mir ein 5-fach-Zoom immer noch lieber wäre…

Die neue Oberfläche One UI ist Samsung gelungen. Gerade das flachere Design der Icons wirkt auf dem Infinity-O-Display nahezu hübsch. Im Menü suchte ich dafür immer noch recht lange nach einigen Einstellungen. So befand sich beispielsweise die Funktion „einhändiger Modus“ nicht in dem Untermenü, das diesen ankündigte. Ich musste in den Einstellungen zunächst danach suchen.

Im Galaxy S10 gibt es eine Linkfreigabe zum Teilen großer Dateien, aber nur nach Registrierung, Download und auch nur, wenn es mal funktioniert...

Im Galaxy S10 gibt es eine Linkfreigabe zum Teilen großer Dateien, aber nur nach Registrierung, Download und auch nur, wenn es mal funktioniert…

Auch erschließt sich mir nicht, warum ich mir erst ein Samsung-Konto erstellen bzw. mich damit anmelden soll, nur um ein anderes Hintergrund-Theme auszuwählen. Möchte ich mehrere Fotos verschicken, bietet Samsung mir an, hierzu einfach einen Link zu erstellen, auf den ich oder andere dann zugreifen könnten. Wie praktisch – eigentlich. Nur leider müsste ich diese Linkfreigabe erst herunterladen und mich dafür wieder erst mit einem Samsung-Konto anmelden. Bei meinem Versuch, das zu tun, meldete Samsung, die Funktion sei vorübergehend nicht verfügbar.

Zusammenfassung: Ausstattung vom Feinsten und dann dieses Display

Am Samsung Galaxy S10 habe ich kaum etwas zu mäkeln. Samsung hat eigentlich an alles gedacht: einen schnellen Prozessor, eine tolle Grafik-Einheit, neuestes WiFi 6, Mobilfunk-Downloadgeschwindigkeiten bis 2 Gbit/s (wo verfügbar), eine noch bessere Verarbeitung als in den Vorgängermodellen. Und ganz nebenbei ist das Design diesmal besonders gut gelungen, sowohl was das Gehäuse anbelangt, als auch die Software.

Kameramodul im Galaxy S10 mit Protective Standing Cover

Kameramodul im Galaxy S10 mit Protective Standing Cover

Wenig sticht dabei heraus. Nicht die Kamera, die sehr schöne Aufnahmen macht, dabei allerdings auch nur auf Höhe der gleich teuren Konkurrenz rangiert. Nicht der Funktionsumfang, der zwar vom besten ist, die Konkurrenz aber nur knapp abhängt. Und auch nicht der Prozessor, bei dem es sich in Europa um den Exynos 9820 handelt, der in Benchmarks gegenüber dem Snapdragon 855 verliert.

Was dafür herausragt, ist das Display. Ich hätte nie gedacht, dass dieses einmal wesentlich zur Kaufentscheidung beitragen könnte. Aber hat man erstmal mit dem tollen Display des Galaxy S10 gearbeitet, kommen einem die Farben auf anderen Geräten langweilig und verwaschen vor. Ihr werdet nicht mehr zurück wollen.

Samsung Galaxy S10: Weiße Rückseite

Samsung Galaxy S10: Weiße Rückseite

Ganz nebenbei hat das Galaxy S10 auch ausgezeichneten Stereo-Sound. Ich verbrachte ganze Stunden auf YouTube mit der hervorragenden Kombination aus Display, Sound und dem Protective Standing Cover (als Zubehör erhältlich) und kam gar nicht auf die Idee, die Videos via Chromecast auf meinen Fernseher zu spiegeln. Die drei Wochen mit dem S10 haben mir sehr viel Spaß gemacht.

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