Chromecast mit Google TV ausprobiert: Android (TV) für jeden Fernseher

„Einfach anschließen, verbinden, streamen“ – das ist der Slogan vom neuen Chromecast mit Google TV. Ist wirklich alles so simpel? Wir haben den Streamingplayer ausprobiert.

Chromecast mit Google TV ausprobiert: Android (TV) für jeden Fernseher

Fazit: Stimmiges System, das Spaß macht

Sieht gut aus, ist leicht einzurichten und macht auch ältere Fernseher mit HDMI-Anschluss zu einem simpel zu bedienenden Smart TV für Streaming und Unterhaltung: Der Chromecast mit Google TV ist ein rundum stimmiges System zum fairen Preis. Braucht ihr einen unkomplizierten Streamingplayer und bewegt euch selbst mit eurem Smartphone oder Smart Home im Google-Universum, seid ihr mit diesem „Gadget“ absolut richtig beraten. Google hätte dem neuen Chromecast nur etwas mehr Speicher spendieren können.

Google ist bemüht, das hauseigene Betriebssystem für Fernseher in die Haushalte zu bringen. Smart TVs von Sony, Philips und anderen Herstellern sind bereits mit Android TV ausgestattet. Wer seinen alten HDTV in einen smarten TV verwandeln möchte oder wem die Oberfläche seines aktuellen Fernsehgeräts nicht gefallt, kann jetzt zum neuen Chromecast mit Google TV greifen. Nicht von den Namen verwirren lassen: Google TV ist bloß eine neue Oberfläche für Android TV.

Für unter 70 Euro gibt’s einen Mini-Streamingplayer, der sehr viel Flexibilität verspricht. Aber der Reihe nach…

Chromecast mit Google TV: Klein, attraktiv, erstmal keine Besonderheit (mehr)

Packt ihr den neuen Chromecast aus, fällt vor allem eines auf. Das Gerät ist knuffig und in Rosa echt stylisch. Wer’s klassischer mag – in Weiß und Blau ist er auch erhältlich. Google legt eine ansprechende Fernbedienung bei, auf der sich auch speziell gekennzeichnete Tasten für YouTube, Netflix und den Google Assistant befinden. Glücklicherweise bekommt ihr auch ein USB-Type-C-Netzteil mitsamt eines ausreichend langen Kabels.

Das USB-Kabel ist auch ausreichend bemessen. Der Chromecast ist schnell eingerichtet. (Foto: Sven Wernicke)
Das USB-Kabel ist auch ausreichend bemessen. Der Chromecast ist schnell eingerichtet. (Foto: Sven Wernicke)

Der Chromecast mit Google TV benötigt einen freien HDMI-Eingang am TV und eine Steckdose. Das eierförmige Gebilde hängt nach dem Anschluss am Fernseher, das Kabel selbst ebenfalls. Das mag nicht sonderlich hübsch aussehen, gerade wenn ihr einen HDMI-Port an der Seite eures TV-Geräts benutzt. Aber das ist bei ähnlichen Lösungen wie dem Amazon Fire TV, dem Magenta TV Stick oder dem Nvidia Shield Stick nicht anders.

Abhängen am TV. Hübsch ist das nicht... (Foto: Sven Wernicke)
Abhängen am TV. Hübsch ist das nicht… (Foto: Sven Wernicke)

Der Chromecast mit Google TV konkurriert mittlerweile mit vielen anderen Streamingplayern, darunter auch dem Apple TV. Im Falle der Nvidia Shield ist er sogar mit dem gleichen Betriebssystem versehen. Im Jahr 2020 ist das Gebotene also längst nichts Besonderes mehr oder gar innovativ.

Eingerichtet und losgelegt

Die Installation ist flott erledigt und selbsterklärend. Nutzt ihr die Google-Home-App auf eurem (Android-)Smartphone, verspricht der Chromecast mit Google TV eine simple Einrichtung. Tatsächlich: App auf dem Telefon starten, nach neuer Peripherie suchen, den Anweisungen folgen und… Fehlermeldung bestaunen. Zumindest bei mir klappte die Konfigurationsmethode nicht, bei meiner Shield TV Pro allerdings schon.

Eine Erklärung fand ich nicht, daher entschied ich mich für die reguläre Einrichtung mit der Eingabe meines WLAN-Passworts sowie meiner Google-Konto-Daten. Sehr praktisch: Ihr könnt auch gleich beliebte Apps direkt auswählen und installieren lassen.

Schon während der Einrichtung könnt ihr gewünschte Streamingdienste auswählen. (Foto: Sven Wernicke)
Schon während der Einrichtung könnt ihr gewünschte Streamingdienste auswählen. (Foto: Sven Wernicke)

Ist der erste Start erledigt, erwartet euch eine schön-aufgeräumte Benutzeroberfläche, bei der ihr die volle Pracht von Google TV zu Gesicht bekommt. Im Hintergrund läuft unverändert Android TV mit Android 10 als Basis, Google TV ist die Bezeichnung des frischen Interfaces. Das ähnelt dem der Nvidia Shield und von Amazon Prime sehr, bietet aber hier und da eigene Nuancen.

Etwas lahm, der Chromecast

Was mir beim Verwenden des Chromecast mit Google TV immer mal wieder auffiel, ist doch die dezent verzögerte Ausgabe von Inhalten. Benutzt ihr die Fernbedienung, reagiert die Auswahl sporadisch zu langsam. Es ist gut möglich, dass hier dem nicht näher bezeichneten Prozessor etwas die Luft ausgeht, vielleicht benötigt der Chromecast auch etwas mehr RAM? Zumindest halte ich die 8GB Flash-Speicher für etwas zu gering bemessen – gerade in Anbetracht der Tatsache, dass ihr zahlreiche Apps herunterladen könnt.

Lustig ist die Form auf jeden Fall... (Foto: Sven Wernicke)
Lustig ist die Form auf jeden Fall… (Foto: Sven Wernicke)

Trotzdem: Im alltäglichen Betrieb stört das minimale, seltene Ruckeln kaum bis gar nicht. Denn entscheidend ist, dass die gestarteten Apps und Streaming-Angebote flutschen. Und das tun sie.

Solide Auswahl an Apps

Um es vorweg zu betonen: Der Chromecast mit Google TV bietet keinen regulären, vollwertigen Zugriff auf den Google Play Store, ihr erhaltet bei Android TV eher eine „Light“-Variante. Aber es gibt ein solides Angebot an Programmen und sogar Spielen zum Verwenden und Ausprobieren. Ein Download erfolgt direkt über den integrierten App-Bereich oder über den Browser am Rechner – dann über play.google.com.

Positiv fällt die schöne, selbsterklärende Oberfläche von Google TV auf. (Foto: Sven Wernicke)
Positiv fällt die schöne, selbsterklärende Oberfläche von Google TV auf. (Foto: Sven Wernicke)

Auf dem Chromecast bekommen ihr alle wirklich relevanten Streamingangebote, also von YouTube, über Spotify, Amazon Prime, Joyn bis hin zu Deezer und sämtliche wichtigen Mediatheken der Privatsender und Öffentlich-Rechtlichen. Und da ist das nach wie vor große Highlight, das sein Potenzial vor allem auf Android-Smartphones ausspielt: Ihr könnt zahllose Inhalte von Mobiltelefon-Apps direkt zum TV senden – von Browser-basierten Inhalten, dem gesamten Smartphone-Bildschirm bis hin zu Bildern von Google Fotos.

Das klappt mit Einschränkungen auch mit dem iPhone, hier ist die Flexibilität allerdings nicht ganz so groß wie mit Apples eigenem Angebot AirPlay.

Chromecast hat zu wenig Speicher für große Apps

Zurück zu den Apps: Google ist bemüht, das Angebot an Apps für Android TV fortlaufend zu erweitern. Spiele, Fitness-Programme, Nachrichten, Wetter – das ist einerseits beachtlich, anderseits habt ihr alle Bereiche schnell durchgeschaut. Und gerade bei Games bemerkt ihr wieder: Der Chromecast mit Google TV hat zu wenig Speicher. Mehr als ein Blockbuster-Game, zum Beispiel „Asphalt 8“, könnt ihr nicht installieren. Das verdeutlicht, worauf Google den eigenen Schwerpunkt setzt: aufs Streaming.

Mit der hübschen Remote könnt ihr auch viele Spiele nutzen. (Foto: Sven Wernicke)
Mit der hübschen Remote könnt ihr auch viele Spiele nutzen. (Foto: Sven Wernicke)

Seid ihr bastelfreudig, könnt ihr auf Apps wie Plex zugreifen und so auch Musik, Filme und Serien aus eurer privaten Bibliothek zum TV bringen. Ebenso ist das sogenannte Sideloaden möglich, zum Beispiel mittels der App Downloader. Dadurch lassen sich APK-Dateien, also Apps, manuell installieren – auch die, die nur für Android, nicht aber für Android TV freigegeben sind. Das kann zu Fehlfunktionen führen. Muss aber nicht. Allzu viel Spielraum habt ihr aufgrund des limitierten Speichers ohnehin nicht.

Ausreichende Technik für die nächsten Monate und Jahre

Dass Google nicht verrät, was im Chromecast mit Google TV steckt, mag für Technik-Freaks unbefriedigend sein. Aber bezogen auf die Hardware gibt es nicht viel zu nörgeln. Das Gerät unterstützt 4K-Auflösungen mit HDR bei 60 Bildern pro Sekunde, auch gibt’s Unterstützung für HDR10+ und Dolby Vision. WLAN funkt mit dem nicht mehr taufrischen 802.11ac (WiFi 5), Bluetooth benötigt ihr zum Beispiel zum Anschluss separater Game-Controller.

Das Design der Geräte ist ohne Frage ansprechend. (Foto: Sven Wernicke)
Das Design der Geräte ist ohne Frage ansprechend. (Foto: Sven Wernicke)

Richtig gut gefällt mir die Fernbedienung, die gerade im Schweinchenrosa wirklich knuffig aussieht, wunderbar in der Hand liegt und tadellos funktioniert. Mit ihr könnt ihr auch euren TV ein- und ausschalten sowie die Lautstärke regeln. Das eingebaute Mikrofon kommt auf Knopfdruck zum Einsatz – wenn ihr den Google Assistant zur Suche verwenden wollt. Oder zur Steuerung eures Smart Homes. Das geht freilich auch, sofern der Chromecast eingeschaltet ist.

Übrigens ist der neue Chromecast technisch nicht allzu weit weg vom „alten“ Chromecast Ultra, ihr erhaltet aber zum vergleichbaren Preis neben der frischen Google-TV-Oberfläche auch die Remote dazu. Ihr müsst also nicht mehr euer Smartphone zur Bedienung verwenden, was allerdings unverändert eine Option ist.

Cloudgaming kommt

Spannend könnten die kommenden Monate sein. Der neue Chromecast mit Google TV ist für den Cloudgaming-Service Stadia vorbereitet, der für die Peripherie in der ersten Jahreshälfte 2021 starten soll. Und auch ähnliche Angebote wie das Streaming von Xbox-Spielen dürften nur eine Frage der Zeit sein, bis passende Apps erhältlich sind. Zukunftssicher ist der 2020er-Chromecast auf jeden Fall – und das macht ihn zu einer Empfehlung.

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19 Kommentare zu “Chromecast mit Google TV ausprobiert: Android (TV) für jeden Fernseher

  1. In Euren Fotos ist zu sehen, dass bei Euch sowohl die ARD als auch die ZDF Mediathek als Dienst auszuwählen und offenbar auch in das Vorschlagssystem integriert ist.

    Bei mir werden nur die Dienstag Netflix, Joyn, Disney und Amazon zur Auswahl angeboten, obwohl ich sowohl die ARD als auch die ZDF App installiert habe.

    Was mache ich falsch und

    1. Wähle mal bei „Meine Apps“ den Punkt „Alle ansehen“. Werden dort die Mediatheken angezeigt? Wenn nicht – vielleicht mal deinstallieren (sodern vorhanden) und neu installieren?

  2. Ich habe das gleiche Problem, nur Netflix, Disney, Amazon sowie Joyn werden berücksichtigt.
    ARD, ZDF, TVNOW und MagentaTV werden nicht berücksichtigt 🙁

  3. Ja, die Apps sind alle unter „Meine Apps – Alle ansehen“ vorhanden und ich bin auch in jeder der Apps eingeloggt. Deinstallieren/neu installieren habe ich schon ausprobiert – keine Änderung 🙁

    1. Wie Andreas schon im allerersten Kommentar geschrieben hat, geht es im die Integration ins Vorschlagssystem.
      Diese scheint bei Euch zu funktionieren, aber Andreas und mir aber nicht.

      1. Ah, sorry. Stand etwas auf dem Schlauch. Hmm, das kann ich mir ehrlich gesagt nicht so recht erklären. Gerade noch einmal geschaut, aber es gibt auch keine expliziten Einstellungen dafür. Was habt ihr denn bei der Ersteinrichtung des Chromecast gemacht? Dort auch schon die angebotenen Streaming-Apps ausgewählt? Oder habt ihr die Apps erst nachträglich installiert?

    2. Ich habe die Dienste schon bei der Einrichtung ausgewählt. Die Apps an sich funktionieren auch.

      Ich kann mir vorstellen, dass die Integration der Mediatheken in das Vorschlagssystem (Google typisch) so ein Feature Rollout in „Wellen“ ist.

    3. Sehr guter Punkt, Andreas! Das halte ich auch für wahrscheinlich bzw. realistisch! Auf jeden Fall beobachte ich das mal. Seit dem Kauf des Chromecast gab’s allerdings auch keine Updates…

  4. Ich habe den Chromecast auch seit gut 2 Wochen. Alles gut soweit, nur wenn ich fertig gestreamt habe und normal über Satellit weiterschauen will habe ich den Chromecast ausgeschaltet mit dem untersten linken Button der Fernbedienung. Dadurch geht der Chromecast zwar aus, und die LED leuchtet nicht mehr so stark, aber der TV geht dann auch mit aus, und das will ich nicht. Oder kann der Chromecast quasi an bleiben und ich wechsle nur den HDMI Eingang vom TV?
    Oder schaltet er sich nach einer gewissen Zeit der Inaktivität von selbst in den Standby?
    Vielleicht habt ihr ja ne Idee😁

    1. Hey Dieter,

      das klingt mir ganz nach einem Thema für HDMI-CEC. Dein Chromecast kann auch den Fernseher steuern, also Lautstärke und Ein/Aus. Schau mal in den Einstellungen, ob du das Ein/Ausschalten hier deaktivieren kannst. Damit wäre das Problem behoben. Ansonsten kannst du natürlich jederzeit auch den HDMI-Port wechseln, dann bleibt der Chromecast an bzw. schaltet sich dann selbst in den Standby-Modus.

      1. Vielen Dank für die schnelle Antwort,
        also ich habe jetzt den Energiesparmodus auf 15 Minuten gestellt, dass dann das Display ausgeschaltet wird. Meintest du das mit Standby? Dann wäre das Problem gelöst?!
        LG Dieter

        1. Ne, das meinte ich nicht direkt. Aber wäre eine Idee. Kannst du mal in den Einstellungen nach der Remote schauen? Dort kannst du die Steuerung des TVs erlauben oder nicht. Die Fernbedienung des Chromecasts schaltet eben den TV aus.

  5. Wie schalte ich denn den Chromecast in den Standby bzw. nach welcher Zeit macht er das selbst. Das würde mir schon helfen, dann kann ich HDMI Cec aktiviert lassen, ist ja auch nicht ganz unbequem diese Möglichkeit.

    1. Er macht das meines Wissens nach 30 Minunten Inaktivität. Aber ich müsste jetzt nochmal schauen, glaube allerdings, dass man diese Zeit nicht einstellen kann. Ein manuelles Ausschalten wäre: Aus der Steckdose ziehen (oder z.B. eine smarte Steckdose nutzen).

      1. OK, vielen Dank, Sven. Dann kann ich ihnja beruhigt anlassen und etwas anderes schauen, ohne irgend etwas machen zu müssen. Der Chromecast Ultra HD 4K war ja auch permanent „an“, da hatte ich bei Google gelesen, dass er auch dafür konzipiert wurde, eben immer da zu sein. Vielen Dank und einen schönen Advent morgen.
        LG Dieter

        1. Ich bin es nochmals, ich habe ein wenig in den Einstellungen bei der Fernbedienung geschaut, da kann man alles so konfigurieren, wie es einem gefällt, u.a. auch das Ein und Ausschalten nur des Chromecast ….eine tolle Sache mittlerweile. Wenn er jetzt noch das Dolby Atmos Signal von Disney+ verarbeiten könnte, wäre das noch das i-Tüpfelchen obendrauf.
          LG Dieter

        2. Genau das meinte ich: Das sind alles die CEC-Einstellungen. 🙂 Ja, stimmt – Dolby Atmos geht wohl (noch) nicht. Aber sicher etwas, was man via Update nachreichen könnte…

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