Fernbedienungen im Bildvergleich: Wo ist die Schlichtheit?

Fernbedienungen sind ein elementarer Bestandteil moderner Streaming-Player. Unser Rat: Wählt euren zukünftigen Player auch danach aus.

Fernbedienungen im Bildvergleich: Wo ist die Schlichtheit?

Die Fernbedienung von Amazons erstem Fire TV versetzte Designer in Entzücken: nur wenige Tasten, Übersicht, alles auf das Nötigste beschränkt, dazu angenehm schwer und robust. Bis zur dritten Generation des Fire TVs, der ersten Fire TV Sticks und des ersten Fire TV Cube sahen die Fernbedienungen aus wie hier:

Mit dem Sprachsymbol konntet ihr (ohne Alexa zu sagen) Filme und Serien suchen. Mit der Home- und Zurück-Taste navigieren. Die untere Reihe mit Play/Pause, Vor- und Zurück hätte Amazon sogar noch oben im Steuerrad unterbringen können. Aber schlicht ist die Bedienung auch so. Was für die aktuellen Fire-TV-Player leider nicht mehr ohne weiteres gilt, denn Amazon baute in ihre Fernbedienungen über die Jahre immer mehr Tasten ein:

Die neueste Fernbedienung des 2021er Fire TV Stick hat inzwischen mehr als doppelt so viele Tasten wie das Ursprungsmodell:

Amazon Fire TV Stick 2021

War das wirklich notwendig?

Ein moderner Fire TV Stick kann deutlich mehr als die Ursprungsversion. So sollt ihr mit der Fernbedienung etwa auch die Lautstärke eures Fernsehers regeln können, nicht nur des Fire TV Sticks selbst. Hätte Amazon Lauter/Leiser nicht trotzdem ins Steuerrad integrieren können? Ebenso wie Start/Stop, Vor und Zurück?

Das Leben wird komplexer, Fernbedienungen auch

Den Trend zu „mehr ist mehr“ geht aber auch Apple mit. Die Fernbedienungen für die erste Generation Apple TV (links) von 2007 hatte keine Taste mehr als nötig:

Bild: Ocrho via Wikimedia Commons

Schon die Fernbedienung für die 2. Generation (rechts) warf die Frage auf, warum für eine Play/Pause-Taste in Mitten des Steuerrads plötzlich offenbar klein Platz mehr war. Die 4. Generation Apple TV hatte schon 6 Tasten (oder 5, wenn ihr die Lauter/Leiser-Wippe als 1 Taste zählen wollt) und sparte das eigentlich praktische Steuerrad ein:

Besonders überladen wirkt das auf mich allerdings nicht. Auch nicht die überarbeitete Fernbedienung für den neuen Apple TV 4K (2021), die das Steuerrad zurückbringt und es berührungsempfindlich macht:

Warum Play/Pause nicht auch im Steuerrad Platz gehabt hätte… geschenkt.

Und warum immer mehr Tasten? Hier kann ich nur spekulieren. Aber wenn Form Funktion folgt und die Verbraucher Vielseitigkeit erwarten, dann müssen Streaming-Player immer mehr Funktionen unterbringen. Neben YouTube und Apple TV+ gibt es heute immer mehr Streaming-Dienste wie Netflix, Prime Video, Disney Plus oder Sky Ticket. Auch Spielen ist mit einem Apple TV längst möglich und erfordert neue Möglichkeiten der Fernbedienung.

Fernbedienungen als Highlight?

In der Zwischenzeit war Google so elegant, Play/Pause im neuen Chomecast mit Google TV direkt oben im Steuerrad einzubauen (und das Design der Fernbedienung passend für das Rad oben abzurunden, sehr schön). Acht weitere Tasten befinden sich oben und zwei (Lauter/Leiser) an der Seite:

Auch Nvidia ging in der 2019 generalüberholten Shield TV Pro den Trend zu deutlich mehr Tasten mit – 11 sind es nun an der Zahl. Der Vorgänger (rechts) war neben dem berührungsempfindlichen Steuerrad noch mit ganzen 3 ausgekommen:

Die neue Fernbedienung (links) ist größer und mit mehr Knöpfen ausgestattet. Das kommt der Bedienung zugute. Bild: Daniel Wendorf, mit Material von Nvidia
Die neue Fernbedienung der Nvidia Shield TV Pro (links) ist größer und mit mehr Knöpfen ausgestattet. Das kommt der Bedienung zugute. Bild: Daniel Wendorf, mit Material von Nvidia

Mein Kollege Daniel Wendorf war in seinem Test der Nvidia Shield TV Pro (2019) dennoch höchst angetan von der prismenförmigen Fernbedienung, die auch Feedback liefern kann und die Hintergrundbeleuchtung erst dann einschaltet, wenn ihr sie anhebt.

Die Fernbedienung der Nvidia Shield TV (2019) ist prismenförmig.

Recht viele Tasten findet ihr auch auf der Fernbedienung des Magenta TV Sticks der Telekom. Ich habe aber tatsächlich schon weit hässlichere Designs gesehen:

Nokia: Streaming ist das neue Fernsehen

Der österreichische Anbieter StreamView vertreibt unter dem bekannten Markennamen Nokia seit einigen Jahren wieder Multimedia-Hardware wie die Streaming Box 8000. Deren Fernbedienung unterscheidet sich nicht wesentlich von einer TV-Fernbedienung:

StreamView möchte damit offenbar unterstreichen, dass Streaming das neue Fernsehen ist. Mein Kollege Sven Wernicke fand die Fernbedienung in seinem Test der Nokia Streaming Box 8000 gar nicht so verkehrt, stellte allerdings die Frage in den Raum, ob so viele Tasten wirklich notwendig seien.

StreamView baut hier etwa eigene Tasten für Netflix, YouTube, Google Play und Prime Video mit ein, versteckt Play/Pause und den zusätzlichen Stop-Button aber inmitten des unübersichtlichen, oberen Direktwahlfelds.

Der auch bei Euronics erhältliche Sky Ticket TV Stick verwendet ein angepasstes Design des hierzulande nicht erhältlichen Roku Streaming Stick+.

Spannend finde ich das Steuerkreuz beider Fernbedienungen. Sie sind mit zahlreichen Tasten belegt, aber sie wirken trotzdem nicht überladen auf mich.

Der Sky Ticket TV Stick hat im Vergleich zum Original übrigens angepasste Tasten. Statt der Roku-Shortcuts zu Netflix, Rakuten, YouTube und Spotify sind es beim Sky-Stick die auf das Konzept des Pay-TV-Anbieters zugeschnittenen Abkürzungen zu „Kids“, „TV Guide“, „Meine Inhalte“ und „Apps“.

Gar keine Fernbedienung? Auch nicht die Lösung!

Google war mit dem ersten Streaming-Stick aus eigenem Hause mehrfacher Vorreiter. Der Chromecast kam gleich ohne Fernbedienung daher und ist bis heute quasi unerreicht beim Anwendungszweck kabellos vom Smartphone auf den Fernseher zu streamen.

Der Chromecast von 2020 (s.o.) hat erstmals eine Fernbedienung spendiert bekommen. Aus mehreren Gründen: Zum ersten könnte Google künftig auch das Spielen auf dem Chromecast forcieren – dazu würde es eines Steuergeräts bedürfen. Zum zweiten erinnert das neue Google TV an ähnliche Oberflächen wie Amazon Fire TV und Apple TV und die ließe sich ohne Fernbedienung nicht wirklich elegant bedienen.

Und zum dritten ist eine Bedienung ohne Fernbedienung oft mühselig, träge und fehleranfällig. Eine der wenigen Schwächen der ersten Chromecasts.

Hama Streaming Tuner IT900MBT

Als eine der wenigen Streaming-Boxen noch auf dem Markt kommt der Hama Streaming-Tuner IT900MBT ohne Fernbedienung daher. Da er aber ohnehin zum Übertragen von Musikinhalten gedacht ist, geht das Bedienkonzept über das Smartphone sogar auf.

Positivbeispiele: Hama, TiVo und Xiaomi

Dass Hama es auch anders kann, zeigt die Universalfernbedienung Big Zapper: Sie ist in erster Linie für TV-Geräte gedacht und wirkt trotz vieler notwendiger Tasten keinesfalls unübersichtlich.

Schauen wir uns abschließend noch ein paar charakteristische Beispiele an: Zum einen zwei Fernbedienungen des US-Streamingplayers TiVo – denn die sind Licht und Schatten zugleich. Die alte Fernbedienung (links) für TiVo Player ist zwar keinesfalls hässlich, sondern sogar angenehm handlich geformt, wirkt aber völlig mit Funktionen überladen:

Die neue Fernbedienung rechts für den Tivo 4K-Streaming-Player behält die ergonomische Form der alten Remote zwar bei, hat die Tasten aber auf eine deutlich überschaubarere Anzahl reduziert. Es muss also nicht zwingend immer mehr werden.

Und noch eine Lichtgestalt: Der umtriebige chinesische Hersteller Xiaomi belässt es bei der Streaming Box S und dem Streaming Stick S bei einer angenehm aufgeräumten Fernbedienung:

Dass es hier endlich noch ein Hersteller geschafft hat, Play/Pause im Steuerrad unterzubringen, ist das fröhliche Schlusswort dieses Beitrags. Schaut beim Kauf eines Streaming Device nach der Technik und danach, ob es euren Lieblings-Streaming-Dienst unterstützt. Und dann werft auch einen Blick auf die Fernbedienung, denn mir der in der Hand werdet ihr die meiste Zeit verbringen. Und nun: Viel Spaß beim Streamen!

Bilder: Hersteller

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