Apple TV als Spielkonsole: So spielt ihr mit dem Streamingplayer

Legt ihr euch einen Apple TV zu, holt ihr euch damit auch eine Spielkonsole ins Haus. Das ist eine sehr gute Idee, wie unser Praxistest zeigt.

Wieso solltet ihr einen Apple TV als Spielkonsole verwenden? Nun, weil ihr es könnt! Davon abgesehen eignet sich der Streamingplayer hervorragend als Gerät zum Zocken nicht nur simpler Spiele. Ich hab’s ausprobiert und war doch sehr positiv überrascht. Aber der Reihe nach.

Apple TV als Spielkonsole: Welches Modell sollte es sein?

Möchtet ihr einen Apple TV auch in den kommenden Jahren zum Spielen und Genießen von Medieninhalten verwenden, rate ich zum Kauf des Apple TV 4K – auch dann, wenn ihr gar kein Fernsehgerät mit 4K-Auflösung besitzt. Der Grund ist ein einfacher: Die neueste Generation verfügt über einen A10X Fusion Chip, der eine ganze Ecke leistungsstärker ist als der A8 des Apple TV HD.

Darüber hinaus ist der Apple TV 4K natürlich auch für TV-Geräte mit Full-HD-Auflösung geeignet. Er besitzt zudem mehr Arbeitsspeicher (3GB RAM statt 2GB RAM), Gigabit-Ethernet und Bluetooth 5.0. Das neueste Modell ist also besser ausgestattet und im Direktvergleich nur geringfügig teurer.

Hier zu sehen: Schnell ist der Speicher des Apple TV voll. (Foto: Sven Wernicke / Screenshot)

Hier zu sehen: Schnell ist der Speicher des Apple TV voll. (Foto: Sven Wernicke / Screenshot)

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Der Flash-Speicher des Apple TV lässt sich nicht erweitern. Viele Spiele verbrauchen entsprechend Platz, sodass ich euch zum 64GB-Modell des Apple TV 4K rate. Das sind meiner Auffassung nach die optimalen Bedingungen, nicht nur aufs Spielen bezogen.

Der richtige Controller für Apple TV

Seit iOS 13 bzw. tvOS 13 gibt sich Apple etwas offener, was euer Glück ist. Denn so seid ihr in der Lage, den aktuellen Xbox One-Controller oder gar den DualShock 4 der Playstation 4 zu verwenden. Gerade erstgenanntes Eingabegerät liegt wunderbar in der Hand und eignet sich prima für Einsteiger. Das Koppeln ist in beiden Fällen schnell erledigt, euer Apple TV gibt die passenden Infos beim Verbindungsaufbau preis. Oder ihr schaut auf der extra eingerichteten Webseite nach.

Der beste Controller für Apple TV ist (subjektiv betrachtet) der Xbox One Controller. (Foto: Sven Wernicke)

Der beste Controller für Apple TV ist (subjektiv betrachtet) der Xbox One Controller. (Foto: Sven Wernicke)

Alternativ könnt ihr auch zu einem sogenannten MFi-Controller greifen. MFi steht für „Made for iPhone/iPad“ und verdeutlicht die Kompatibilität zwischen dem Gamepad eines Drittherstellers und eurem Apple-Produkt. Exemplarisches und hochwertiges Beispiel wäre der SteelSeries Stratus Duo.

Auch günstige Lösungen können geeignet sein, manche ohne MFi-Hinweis funktionieren womöglich – dank Bluetooth-Standard. Möchtet ihr nicht experimentieren, investiert ein paar Euro mehr für wirklich gute Controller. Mein persönlicher Favorit ist und bleibt der Xbox One Controller.

Hinweis: Kabelgebundene Controller funktionieren nicht, da euer Apple TV gar keinen USB-Port besitzt. Dafür könnt ihr für Multiplayer-Games mehrere Gamepads verbinden. Praktisch.

Das bietet Apple Arcade

Apple möchte mit Apple Arcade explizit Spieler ansprechen, die bereit sind, ähnlich wie beim Xbox Game Pass Spiele im Abo zu nutzen. Anders gesagt: Ihr bekommt für 4,99 Euro im Monat über 100 Games, die ihr uneingeschränkt verwenden dürft. Regelmäßig gesellen sich weitere Titel dazu, viele sind (zeitlich) exklusiv für die Plattform gedacht. Und: Sie sind perfekt auf die Apple-Plattform zugeschnitten, also nicht nur für Apple TV, sondern gleichermaßen für iPhone, iPad oder Mac-Rechner.

Was mir persönlich besonders an diesem Service gefällt, das ist der nahtlose Wechsel zwischen den Plattformen. Beginnt ein Spiel auf dem Apple TV und zockt es auf dem iPhone später weiter. Bis zu sechs Familienmitglieder können Apple Arcade zusammen verwenden, Werbung oder In-App-Käufe gibt’s nicht. Und wichtig: Ihr streamt die Spiele nicht auf euer Gerät, sondern ladet sie vorher herunter. Ich sehe das als Vorteil – zum Beispiel, wenn ihr mal kein Internet unterwegs habt, aber etwas spielen wollt.

Spannende Indie-Hits auf Apple TV

Apple ist zwar bemüht, bekannte Lizenzen wie Sonic, Lego, Frogger, Pac-Man oder Rayman für Apple Arcade zu gewinnen, mir gefallen allerdings die unbekannten, kleinen, kreativen und unkonventionellen Spiele weniger prominenter Studios besser. Wichtig war den Verantwortlichen eine hohe Qualität der Apps, was ihr von Anfang an bemerkt. Zusätzlich lassen sich alle Titel mit dem Controller und sehr viele auch nur mit der Remote spielen. Das fühlt sich wie eine „runde Sache“ an.

Ein großer Vorteil ist es, dass ihr Apple Arcade einen Monat kostenfrei nutzen dürft. Wenn ihr viel Zeit habt, könnt ihr innerhalb der Testphase vermutlich alle Spiele einmal ausprobieren. Danach dauert es aber einige Zeit, bis wieder Nachschub kommt. Hier zeigt sich auch: Apple richtet sich mehr an Gelegenheitsspieler, die ab und an mal was spielen möchten. Dabei sind gerade manche Multiplayer-Titel und Rollenspiele durchaus für ein anspruchsvolleres Publikum gedacht. Letztlich ist es eine erstaunlich gelungene Mischung.

Noch mehr Spiele im AppStore

Der gute, alte AppStore – das ist fast schon wörtlich zu nehmen, denn in ihm findet ihr allerlei „alte Kamellen“, die bereits vor drei, vier Jahren erschienen. Die Anzahl der Neuheiten ist überschaubar, dennoch tummeln sich im klassischen Store hunderte Klassiker und kostenpflichtige Spiele, die in Ausnahmefällen auch mal 10 Euro kosten.

Mit der Remote könnt ihr zwar auch spielen, für Action-Titel ist sie aber eher ungeeignet. (Foto: Sven Wernicke)

Mit der Remote könnt ihr zwar auch spielen, für Action-Titel ist sie aber eher ungeeignet. (Foto: Sven Wernicke)

Gegenüber Apple Arcade empfinde ich die Qualität der Apps sehr viel schwankender. Da sind etliche Flops dabei, die sich auch gar nicht mal so gut auf Apple TV mit Controller spielen lassen. Aber spätestens dann, wenn ihr mal nach Abwechslung sucht, werdet ihr hier gewiss fündig. Im Vergleich zum Google Play Store für Android TV ist das Angebot sehr viel größer, abwechslungsreicher und besser.

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Praktisch ebenfalls: Viele bereits auf iPhone und iPad erworbenen Spiele funktionieren auf dem Apple TV.

Familienfreundliche Unterhaltung

Apple TV steht für Familienfreundlichkeit. Bei Apple Arcade entdeckte ich keinerlei gewaltdominierende Spiele. Manche Apps mögen sich eher an ein älteres Publikum richten, allerdings vorrangig bezogen auf Anspruch, Textlastigkeit oder Atmosphäre. Im AppStore findet ihr dagegen ein paar Shooter und Zombie-Titel, wirklich fragwürdige Inhalte existieren nicht.

Schön ist außerdem, dass Apple TV die Funktionen Bildschirmzeit und Kindersicherung zum Beispiel bei Apple Arcade berücksichtigt, ihr könnt also den Medienkonsum eures Nachwuchses steuern.

PC-Spiele auf Apple TV nutzen

Im Arbeitszimmer steht noch ein potenter Rechner mit zahlreichen Blockbuster-Hits, die ihr bei Steam erworben habt? Holt sie mit der App Steam Link auf euren Apple TV und damit ins Wohnzimmer auf den großen Fernseher. Über das heimische Netzwerk streamt ihr das gewünschte Spiel vom Windows-, Linux- oder macOS-Computer.

Streamt PC-Spiele auf Apple TV. (Foto: Valve)

Streamt PC-Spiele auf Apple TV. (Foto: Valve)

Bei meinen Versuchen klappte das insgesamt recht gut, im Optimalfall sind PC und Apple TV über Ethernet-Kabel mit eurem Router verbunden. Dann sind sogar 4K-Auflösungen bei bis zu 60 Bildern pro Sekunde drin, sofern eure PC-Hardware dazu in der Lage ist. Über meine WLAN-Verbindung musste ich häufiger eine dezent schwankende Bildqualität feststellen. Für meinen Geschmack (mit einem Router, der auch das schnellere 5GHz-WIFI unterstützt) ist das eine nette, funktionierende Angelegenheit, mit der ihr die Spieleauswahl noch einmal deutlich vergrößert. Ihr verwendet zum Zocken übrigens den mit Apple TV verbundenen Controller.

Nachteile, die euch bewusst sein sollten

Ihr könnt es euch sicherlich denken, dass ein Apple TV 4K für etwas über 200 Euro nicht wirklich mit einer Xbox One X oder eine PS4 Pro mithalten kann. Das bezieht sich einzig und allein auf die visuelle Opulenz der Spiele, denn der Streamingplayer hat nun einmal deutlich weniger Arbeitsspeicher, eine viel schwächere Grafikeinheit und einen stromsparenden Hauptprozessor. Grafische Perlen wie „Red Dead Redemption 2“, „Death Stranding“, „Gears 5“ oder „Assassin’s Creed Odyssey” solltet ihr also nicht erwarten.

Doch viele Spiele haben ein grafisches Niveau, das euch schon erstaunen lässt. Und nicht wenige Indie-Entwicklungen erschienen auf Apple TV und PS4/Xbox One gleichermaßen – dann stellt ihr keinerlei Unterschiede fest.

Übrigens: USB-Controller könnt ihr nicht anschließen. (Foto: Sven Wernicke)

Übrigens: USB-Controller könnt ihr nicht anschließen. (Foto: Sven Wernicke)

Ein Aspekt, der mich tatsächlich ein klein wenig stört: Apple TV unterstützt keine Vibrations-Effekte, auch wenn die Controller über diese verfügen. Auf das haptische Feedback müsst ihr also verzichten. Ich denke, das ist verschmerzbar.

Persönliche Spiele-Highlights

Während meines Tests probierte ich zahllose Games aus, viele haben mir gut bis sehr gut gefallen. Meine Liste der Highlights könnte also relativ lang sein, ich beschränkte mich an dieser Stelle daher auf meine derzeitige Top 3 von Apple Arcade.

Sneaky Sasquatch

„Sneaky Sasquatch“ ist der ideale Spielesnack für zwischendurch. Ihr übernehmt die Rolle eines Bigfoots, der Besucher eines Naturparks ärgern soll. Klaut Proviant auf dem Campingplatz, flüchtet vor dem Park-Ranger, fahrt mit einem Golf-Mobil über den Golfplatz und erlebt allerlei skurrile Abenteuer. Das ist herrlich-knuffig und ideal zum Abschalten. Und trotz einer Extraportion Schabernack bleibt es immer friedlich und witzig.

Oceanhorn 2

Die Entwickler von „Oceanhorn 2“ orientierten sich gewiss nicht zufällig an „The Legend of Zelda“. Ihr steuert euren Helden durch schöne Landschaften, öffnet Truhen, sucht Schlüssel, bekämpft Monster, sammelt Erfahrungspunkte. Es ist ein auch grafisch ein sehr schönes Action-Adventure mit dezenten Rollenspiel-Elementen, das ordentlich herausfordert und ein feines Konsolen-Flair aufkommen lässt.

Over the Alps

Ein interessantes Konzept, das mich sofort fesselte. Ihr schlüpft zu Beginn des 2. Weltkrieges in die Rolle eines Agenten, der eine Frau in den Alpen retten muss. Schnell entwickelt sich eine verzwickte Geschichte, die ihr in Form bewegter Postkarten erlebt. Die Handlung schreitet durch eure Entscheidungen voran, meist stehen euch mehrere Optionen zur Auswahl, wie euer Held agieren soll. Viel Text, keine Action, ansehnliche Bilder. Klingt nach wenig, ist aber eine erstaunlich spannende Odyssee.

Apple TV als Spielkonsole? Eine tolle Sache!

Obwohl Apple TV im Vergleich zu Android TV und vor allem Fire TV recht spät eine umfassende Spieletauglichkeit seines Streamingplayers integrierte, haben die Verantwortlichen echt gute Arbeit geleistet. Das Anschließen schnurloser Controller geht mittlerweile (seit tvOS 13) sehr unkompliziert und Apple Arcade ist ein großartiges Sammelsurium an kleinen und größeren Spieleperlen. 5 Euro im Monat sind fair, auch wenn ihr damit die Spiele niemals besitzt. Das gefällt sicherlich nicht jedem. Alternativ sind viele Games regulär im AppStore enthalten – locker über 500 Titel.

Apple TV ist ein gelungener Streaming-Player, mit dem ihr auch zocken könnt. (Foto: Sven Wernicke)

Apple TV ist ein gelungener Streaming-Player, mit dem ihr auch zocken könnt. (Foto: Sven Wernicke)

Persönlich bin ich der Auffassung, dass ihr euch Apple TV nicht allein als Spielkonsole zulegen solltet. Da wärt ihr bei Xbox One, Nintendo Switch oder PS4 vermutlich besser aufgehoben, wenn euch fordernde, große, aufwändige Spiele reizen. Apple TV ist und bleibt ein (sehr guter) Streamingplayer, mit dem ihr auch spielen könnt. Und sollt. Das Gesamtpaket ist stimmig, die Auswahl groß, die Qualität überzeugend. Was wollt ihr mehr?

Mein Tipp zum Abschluss: Legt euch unbedingt einen Controller zu. Die Fernbedienung mit Touchpad und integrierten Bewegungssensoren (Gyroskop) eignet sich zwar für einige Spiele gut, kommt aber schnell an ihre Grenzen. Und für viele Spiele braucht ihr eh zwingend ein Gamepad.

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