Outdoor-Handy Gigaset GX290 im Test: Endgegner Elbe?

Ihr seid auf der Suche nach einem Outdoor-Smartphone mit guter Technik und hohem Komfort? Vielleicht ist das Gigaset GX290 dann eure Wahl. Wir haben das in Deutschland entwickelte Android-Telefon auf Herz und Nieren getestet.

Fazit: Robust, ausdauernd und attraktiv

Riesiger Akku, helles Display, exzellente GPS-Ortung, induktives Laden, FM-Radio, gute Kamera… die Auflistung der Vorzüge des Gigaset GX290 ist ewig lang. Dass der Hersteller Features beim Fingerabdrucksensor kürzte und das Smartphone nur 32 GB internen Speicher aufweist, ist da fast geschenkt. Unterm Strich hat der Traditionskonzern Gigaset einen exzellenten Outdoor-Spezialisten in petto, bei dem ihr euch keine Gedanken machen müsst, ob Wasser, Staub und Sand dem Telefon etwas anhaben können. Eine klare Kaufempfehlung für all jene, die viel in der Natur oder auf dem Bau unterwegs sind.

Eines muss man dem deutschen Elektronikhersteller Gigaset lassen: Seine Telefone bilden eine ganze Bandbreite an individuellen Einsatzmöglichkeiten ab. Hier eines für den ganz schmalen Geldbeutel, da eines mit Premium-Ausstattung zum vernünftigen Preis. Und dann gibt es da noch das Gigaset GX290, das sich als Outdoor-Handy positioniert. Stoßfest, natürlich. Bruchsicher. Und wasserdicht.

Und so beginnt dieser Test nicht am heimischen Schreibtisch oder dem Redaktionsbüro. Sondern am Ufer der Elbe, wo ich skeptischen Blickes schaue, ob das Telefon wirklich 30 Minuten unter Wasser durchhält. So, wie von Gigaset angegeben. Ob das Telefon den Test überstand, erfahrt ihr am Textende.

Maße 162,4 x 79 x 15,3 mm
Gewicht279 Gramm
ProzessorMediaTek Helio P23 (acht Kerne bis 2,0 GHz)
Display6,1 Zoll (1.560 x 720 Pixel, IPS)
Speicher3 GB Arbeitsspeicher, 32 GB interner Speicher (erweiterbar via microSD-Karte bis zu 256 GB)
BetriebssystemAndroid 9.0 Pie
Akku6.200 mAh
SensorenKompass, Beschleunigung, Näherung, Umgebungslicht, Gyroskop, Fingerabdrucksensor auf Rückseite
Hauptkamera13 MP (Sony Sensor) + 2 MP Sensor für Tiefeneffekte
Frontkamera8 MP
USB-AnschlussUSB-C
ExtrasWireless Charging, vollständig wasser-, staub- und sandgeschützt

Ersteindruck: Understatement in mattgrau und orange

Gigasets GX290 ist pures Outdoor-Understatement. Schon der erste Blick auf das Telefon verrät, dass hier nicht ein filigraner Alleskönner vor einem liegt, sondern ein Smartphone, mit dem ihr notfalls Nägel ins Brett klopfen könntet. Harte, scharfe Kanten. Orangene Akzente auf einem mattschwarzen Gummiüberzug, hier und da durchblitzendes Metall. Optisch macht das GX290 richtig was her!

Ein nahezu pures Android ohne Bloatware – und ein wertiges Gehäuse. Das Gigaset GX290 ist optisch als Outdoor-Smartphone zu identifizieren.

Klassifiziert ist das Outdoor-Device nach IP68. Staub- und wassergeschützt ist das Telefon also und verzeiht es auch, wenn ihr es mal in den Sand oder ins Wasser schmeißt. Die sensiblen Anschlüsse (USB-C und 3,5mm-Klinkenbuchse) versteckt Gigaset unter einer Gummiabdeckung.

Das Gewicht von 279 Gramm liegt weit über dem, was Smartphones üblicherweise auf die Waage bringen. Das sehr gute ZTE Axon 10 Pro beispielsweise kommt auf gerade einmal 170 Gramm. Das zusätzliche Gewicht geht für den widerstandsfähigen Metallrahmen und die extra große Batterie drauf. Gigaset spendierte eine Akkukapazität von satten 6.200 mAh. Im Test hielt das Gigaset GX290 bei alltäglicher Nutzung mit Surfen, Schreiben, hier und da ein Foto Schießen grandiose sieben Tage durch. Die Kehrseite ist die recht lange Ladezeit, die selbst mit Schnellladegeräten (unterstützt ist Pump Express) nicht befriedigend abzukürzen ist.

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Was ein großes Plus ist, ist das Qi-Wireless-Charging. Das Gigaset könnt ihr ohne Kabel laden. Umgekehrt könnt ihr anderen Telefonen und Akku-betriebenen Geräten Strom spendieren.

Display: Niedrige Auflösung, hohe Helligkeit

Was das Display und die inneren Werte betrifft, ist das Gigaset GX290 solide Smartphone-Technik ohne herausstechende Highlights. Das 6,1 Zoll große Display ist extrem hell und kontrastreich, löst aber nur mit 1.560 mal 720 Pixeln auf und bietet keine Always-on-Funktion. Dafür spendiert Gigaset eine Schutzfolie, die ab Werk montiert ist. Entfernt ihr diese, schützt Gorilla Glass 3 den Bildschirm vor Kratzern und Schrammen. Aktuelle Smartphones im oberen Preissegment warten mit Gorilla Glass 5 auf, die frühere Iteration sollte aber die meisten Kratzer wegstecken können.

Seitenansicht des Gigaset GX290

Auch von der Seite ist das Display noch gut lesbar. Die Schrauben an der Seite sind übrigens nicht nur Zierde.

Die Kameras: Kleine Schritte vorwärts

Die bislang größte Baustelle der Gigaset-Smartphones waren die Kamerasensoren. Nutzer der Klugtelefone erwarten nun einmal mehr als nur Schnappschuss-Qualität wie vor zehn Jahren. Gut, dass das Unternehmen hier nachgebessert hat. Verbaut ist ein Sony-Sensor mit 13 Megapixeln Auflösung. Für gelungene Tiefen- und Bokeheffekte liegt noch ein weiterer Sensor auf der Rückseite. Für Selfies und die Gesichtserkennung steht eine 8-Megapixel-Knipse bereit.

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Die Hardware stimmt. Doch nutzt Gigaset das Potential? Die Antwort ist ein klares Jein. Im ursprünglichen Auslieferungszustand war die Foto-Qualität enttäuschend. Ausgewaschene Farben, verschwommene Ränder, hohes Rauschen. Auch wenn das GX290 kein Foto-Spezialist sein soll, gab es hier Nachholbedarf. Das sah Gigaset wohl auch so und rollte daher ein Update aus, das die Möglichkeiten des Sony-Sensors nicht vollständig, doch aber zu einem Großteil ausschöpfte. Seither sind die Farben etwas satter, ist das Bildrauschen reduziert und der Kontrastumfang gestiegen.

Als Bremsklotz betätigt sich einmal mehr die native Google-Foto-API. Die fokussiert nur sehr langsam und komprimiert die Schnappschüsse in mieser JPEG-Qualität. Treppchenbildung und unscharfe Konturen inklusive. Wollt ihr etwas mehr aus dem Gigaset GX290 rausholen, empfiehlt sich die Installation von Open Camera oder einer anderen Foto-Anwendung.

Gigaset GX290 Dresdner Frauenkirche

Die Frauenkirche als Fotomotiv. Schwächen? Verwaschene Kanten, Ghosting an den Rändern und Strukturen wie das Kopfsteinpflaster verwischen. „Schnappschussqualität“ hätte man früher dazu gesagt.

Die Bedingungen waren für eine Foto-Tour suboptimal – allerdings sollte ein Smartphone unter wolkigen Bedingungen vorzeigbare Resultate liefern. Die Kamera selbst neigte dazu, die Motive entweder unter- oder aber überzubelichten.

Gigaset GX290

Über- und unterbelichtet. Eine richtige Balance fand das GX290 nicht.

Benchmark- und Alltagsleistung

Als Outdoor-Handy entzieht sich das GX290 dem Rennen um die höchsten Benchmark-Scores. Nach einem Durchlauf mit dem bekannten AnTuTu Benchmark findet ihr das Gigaset-Telefon weit hinten vor. Als Ranking-Hinterbänkler erledigt das GX290 seinen Job dennoch zufriedenstellend. Der Prozessor MediaTek Helio P23 (8 Kerne, bis zu 2 GHz) und die 3 GB Arbeitsspeicher brillieren im schnellen App-Wechsel, unter Photoshop Express und Spielen wie Star Wars: Galaxy of Heroes. Für Spitzentitel wie Fortnite fehlt dem GX290 das letzte bisschen Leistung – sie laufen schlicht nicht.

Ob die dürftigen 32 GB interner Speicher noch zeitgemäß sind, hängt von eurem Nutzungsverhalten ab. Via microSD-Karte erweitert ihr die Kapazität um 256 GB, was dann wiederum ein ordentliches Volumen abbildet. Die Konnektivität fällt mit LTE, WLAN (2,4 und 5 GHz, 802.11a/b/g/n), Bluetooth 5.0, NFC und USB-C 2.0 (OTG) erwartbar aus. Zur Positionsbestimmung nutzt das GX290 sowohl A-GPS als auch Glonass. Im Geocaching-Praxistest erwies sich die Ortung als sehr genau. In der belebten Dresdner Innenstadt funktionierte die Lokalisierung auf einen Meter genau, in der Sächsischen Schweiz immerhin zwischen drei und fünf Metern. Nur Profi-Geräte wie die von Garmin liefern exaktere Positionsdaten.

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Prinzipiell gut finde ich die Integrierung eines klassischen FM-Radios. Für das braucht ihr Kopfhörer mit 3,5mm-Klinkenanschluss. Nachteil: Da diese Buchse unter der Schutzabdeckung liegt, ist das Telefon beim Radiohören nicht gegen alle Elemente geschützt. Das hätte Gigaset anders lösen können. Ein Feature, das das GX290 aufgewertet hätte, ist nach wie vor gestrichen. Vorab versprach Gigaset den NutzerInnen, mittels Fingerabdrucksensor im Browser zu scrollen, Anrufe anzunehmen oder die Kamera auslösen zu können. Das ist bisher aber nicht möglich. Ob Gigaset diese Funktion überhaupt nachgereicht, ist unklar.

Das hätte man besser lösen können. Die Kopfhörerbuchse befindet sich unter der Verschlusskappe.

Ist das GX290 wirklich outdoorfähig?

Bliebe eine letzte Frage zu klären: Hält das GX290 Wort und trotzt Staub, Wasser und Sand? Die klare Antwort: ja. Die 30 Minuten in der Elbe überstand es ebenso unbeschadet wie eine Session im Vogelsand und die Streuwinde einer Sandgrube. Dank cleverer Schutzsysteme und eines durchdachten Designs sind Abnutzungsspuren nicht feststellbar. Das Telefon selbst wirkte nach all den Torturen fabrikneu. Test bestanden.

Das Gigaset GX 290 ist bei Euronics erhältlich.

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