Gigaset GS4 im Test: Schön, gut, made in Germany

Mit dem Gigaset GS4 präsentiert das Bocholter Unternehmen sein aktuelles Smartphone-Spitzenmodell für die Mittelklasse. Unser Test offenbarte einige Überraschungen.

Gigaset GS4 im Test: Schön, gut, made in Germany

Fazit: Gigaset legt sich mit dem GS4 wieder ins Zeug

Schön anzusehen, ordentlich ausgestattet, preislich verlockend. Möchtet ihr nicht viel Geld für ein aktuelles Smartphone ausgeben, das sich hochwertig anfühlt, trefft ihr mit dem Gigaset GS4 eine gute Wahl. Zwar könnte die Kamera auch in dieser Preisklasse etwas besser sein, doch abgesehen davon erhaltet ihr ein sympathisches Gesamtpaket „Made in Germany“.

Seit einigen Jahren produziert Gigaset Smartphones, aber der gewaltige Erfolg blieb bisher aus. Das hält die Entscheider nicht davon ab, weitere Modelle zu veröffentlichen. Das derzeitige Highlight im Portfolio ist das neue Gigaset GS4, bei dem es sich gewissermaßen um den Nachfolger des GS290 handelt. Aber es ist ein klein wenig mehr als nur ein Update.

Das fühlt sich ja gut an!

In der nachhaltigen Verpackung aus recycelter Pappe findet ihr neben einem Netzteil, einem USB-C-Kabel, einer SIM-Karten-Nadel und einem Handbuch natürlich das eigentliche Prunkstück – das Telefon. Nehmt ihr es heraus, fällt doch das erstaunliche Gewicht von etwas über 200 Gramm auf, das das Telefon sehr wertig anfühlen lässt. Die Glas-Rückseite, bis auf den Notch-Tropfen für die Frontkamera schmale Ränder und einen rosafarbenen Power-Button mit Textur bemerkt ihr sicherlich zuerst. Doch auch bei näherer Betrachtung zeigt sich deutlich: Das Gigaset GS4 hinterlässt einen edlen Eindruck.

Hui, ganz schön groß. Aber das Gigaset GS4 fühlt sich gut an. (Foto: Sven Wernicke)
Hui, ganz schön groß. Aber das Gigaset GS4 fühlt sich gut an. (Foto: Sven Wernicke)

Das eingravierte „Gigaset – Made in Germany“ sowie die Umrandung des Fingerabdruck-Sensors auf der Rückseite gefallen mir richtig gut. Die neue Triple-Kamera ragt nicht aus dem Gehäuse hervor, was ich begrüße. Denn dadurch liegt das GS4 prima in der Hand. Ja – das ist eine ordentliche Steigerung gegenüber dem Gigaset GS290, das sich in dem Bereich Design auch schon stimmig anfühlte.

Harte Fakten: Das steckt im Gigaset GS4

Bezogen auf die Hardware bekommt ihr für einen Preis von rund 230 Euro (UVP) natürlich keine Highend-Komponenten, allerdings mehr als solide Technik. Beim Prozessor setzt Gigaset auf den MediaTek Helio P70, der eine Ecke leistungsfähiger als der Helio P23 vom GS290 ist. Die Rückseiten-Kamera verfügt nun über drei Linsen – eine für reguläre Fotos, eine für Weitwinkel- und eine für Makro-Aufnahmen. 4GB RAM, 64GB Flash-Speicher, Android 10, auf Wunsch schnurloses Laden – das GS4 kann sich sehen lassen – im Mittelklasse-Segment. Mit der teils deutlich teureren Ober- oder Spitzen-Klasse will Gigaset (vorerst?) nicht konkurrieren.

Gigaset GS4: Technische Daten

Prozessor:MediaTek Helio P70
BetriebssystemAndroid 10
Arbeitsspeicher (RAM):4GB RAM
Interner Speicher (ROM):64GB Flash-Speicher
Display:6,3 Zoll FHD+-Display ( 2340 x 1080 Pixel)
Akku:4300 mAh (wechselbarer Akku, bis zu 18W Schnellladung oder 15W Wireless Charging)
Kamera Rückseite:Triple-Kamera mit:
- 16 Megapixel Hauptkamera (F1.8)
- 5 Megapixel Weitwinkel (F2.2)
- 2 Megapixel Makro (F2.4)
Kamera Front: 13 Megapixel
Funkstandards:- 4G/LTE
- Bluetooth 5 + NFC
- WIFI IEEE 802.11 a/b/g/n/ac 2,4 & 5GHz
Weitere Funktionen:- microSD-Speicherkartenslot
- DualSim-Einschub
- USB-Type-C-Anschluss (USB 2.0)
- 3,5mm Kopfhörer-Anschluss

Die Kamera des Gigaset GS4: Dem Preis angemessen

Es ist immer etwas fies, ein Smartphone aus der 200-Euro-Preisklasse mit einem zu vergleichen, was das 4-Fache oder gar mehr kostet. Natürlich kommt das Gigaset GS4 nicht an ein Samsung Galaxy S20 heran – in jedem Bereich. Das gilt vor allem für die Kamera, die sich trotzdem wacker schlägt.

Auffällig ist, dass der Hauptkamera bei diffusem Licht oder nicht optimalen Bedingungen recht schnell „die Puste ausgeht“, was ihr durch sehr verschwommene Details im Hintergrund bemerkt. Auch ist der Autofokus recht langsam bei Nahaufnahmen, wenn ihr nicht gleich zur flotteren Makrolinse wechselt. Die optional einschaltbaren KI-Funktionen holen nicht so viel raus, dass ihr deutlich bessere Ergebnisse erhaltet.

Aber: Im Alltag könnt ihr mit der Kamera des Gigaset GS4 auf jeden Fall etwas anfangen. Manchmal lassen sich sogar mit der Nachtfunktion ordentliche Resultate erzielen. Stärker ist das Telefon bei guten Lichtverhältnissen. Löblich sind übrigens die zahlreichen Funktionen in der Kamera-App. Beispielsweise gibt’s einen Pro-Modus, die Option, Bilder mit Bokeh-Effekt zu knipsen oder HDR einzusetzen. Schade dagegen, dass ihr die QR-Code-Erkennung immer manuell einschalten müsst.

Und die Front-Kamera? Nunja…vielleicht liegt es an mir, doch wirklich begeistern kann sie mich nicht.

Tipps: Haltet vor allem beim Modus „Nachtaufnahme“ das Telefon möglichst 2-3 Sekunden still, um Verwacklungen zu reduzieren. Und ich empfehle auch, vorzugsweise HDR-Fotos zu knipsen, da diese den besten Kontrast und die schönsten Farben bieten.

Im Alltag: Das GS4 macht Spaß

Erinnert ihr euch noch daran, welches Smartphone ihr vor vier Jahren für – sagen wir einmal 250 Euro – bekommen habt? Haltet ihr jetzt das Gigaset GS4 in den Händen, ist das schon erstaunlich. Das Telefon fühlt sich zwar minimal klobig an, doch auch bei mittelgroßen Fingern liegt es perfekt in der Hand und lässt sich gut bedienen. Es sind durchaus die Kleinigkeiten, die Freude bereiten: Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite ist präzise und schnell, die Power-Taste angenehm griffig – ähnlich wie der Lautstärke-Schalter bei den Smartphones von OnePlus. Und die dezenten Rosa-Nuancen passen optimal zu dem in Schwarz und Weiß erhältlichen GS4.

Das bekommt ihr für unter 250 Euro. (Foto: Sven Wernicke)
Das bekommt ihr für unter 250 Euro. (Foto: Sven Wernicke)

Für einen stimmigen Gesamteindruck gehört noch mehr. In Benchmarks mag das Gigaset GS4 keine neuen Maßstäbe setzen – dazu ist der verwendete Prozessor gar nicht in der Lage. Doch die Ergebnisse zeigen auch, dass das Telefon theoretisch ausreichend Performance bietet. Mit 4GB RAM sowie Android 10 ist das GS4 auf der Höhe der Zeit. Praktisch bemerkt ihr das auch: Ihr hangelt euch angenehm fluffig durch die Menüs, scrollt bequem durch die sozialen Netzwerke oder das Internet, zockt beliebige Spiele – das klappt reibungslos. Benchmarks zufolge ist das GS4 doppelt so schnell wie das GS290 und kommt an das über drei Jahre alte Samsung Galaxy S8 heran.

Das Display ist angenehm groß, leuchtstark und ausreichend hoch aufgelöst, um auch Serien und Filme gucken zu wollen. Klar, HDR und 2K/4K bekommt ihr nicht, aber wie gesagt: Wir reden hier über ein Smartphone für deutlich unter 300 Euro.

Die Sache mit dem „Made in Germany“

Gigaset legt so großen Wert auf „Made in Germany“, dass der Hersteller es sogar direkt aufs Smartphone prägen lässt. Dass viele Komponenten nicht aus Deutschland stammen, dürfte klar sein. Letztlich stecken im Inneren Teile und Chips aus China und anderen Ländern. Andererseits begrüße ich das Bestreben, möglichst viele Prozesse hierzulande zu realisieren, Mitarbeiter fair zu bezahlen und lokale Strukturen (Zulieferer etc.) zu nutzen. Das stärkt die regionale Wirtschaft.

Made in Germany ist Gigaset besonders wichtig. (Foto: Sven Wernicke)
Made in Germany ist Gigaset besonders wichtig. (Foto: Sven Wernicke)

Perspektivisch hoffe ich darauf, dass Gigaset das „Made in Germany“ gerade in Kombination mit dem firmeneigenen Nachhaltigkeitsansatz weiter ausbaut. Verwendung recycelter Rohstoffe sollte über die Verpackung aus wiederverwerteter Pappe deutlich hinausgehen. Genau hier könnten sich die Bocholter künftig gegenüber der großen Konkurrenz noch abheben. Und wie wäre es mit längerfristigen Updates, durch die es in zwei Jahren noch ein neues Android gibt? Das würde auch zum Thema Nachhaltigkeit passen.

Aber schon jetzt sind da noch weitere Aspekte: Der Akku lässt sich beispielsweise tauschen, was im Jahr 2020 leider keine Regel mehr ist. Ebenfalls legt Gigaset Wert darauf, dass sich die eigenen Produkte und damit auch das GS4 leicht(er) reparieren lassen. Zumindest direkt beim Hersteller.

Für wen eignet sich das Gigaset GS4?

An wen richtet sich das Gigaset GS4? Die Frage ist gar nicht mal so leicht zu beantworten, denn in der Einstiegs- und Mittelklasse tummeln sich zahllose Smartphones – auch von großen Herstellern wie Samsung oder Huawei. Gigaset lockt dagegen unverändert mit einem „Made in Germany“, was Kunden hierzulande vielleicht gar nicht mal so sehr interessiert, wie es das Unternehmen gerne hätte. Aber: Das GS4 kann mit dem Design auch eigene Akzente setzen und punktet zugleich mit einem guten Preis/Leistungsverhältnis. Persönlich würde ich mir noch mehr Nachhaltigkeit und vor allem eine tolle Kamera für unter 300 Euro wünschen. Doch es muss ja noch Luft nach oben für die Nachfolger geben.

Nachhaltige Packung - das ist schon einmal was. (Foto: Sven Wernicke)
Nachhaltige Packung – das ist schon einmal was. (Foto: Sven Wernicke)

Das Gigaset GS4 eignet sich prima als Zweit-Telefon, für Gelegenheitsnutzer, als Smartphone für (ältere) Kinder und für diejenigen, die ein schickes Gerät zum (relativ) schmalen Taler wünschen, das auch technisch angemessen ausgestattet ist.

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8 Kommentare zu “Gigaset GS4 im Test: Schön, gut, made in Germany

  1. Soweit ich das mitbekommen habe, handelt es sich bei dem GS 4 wohl um das Nachfolgegerät vom GS195. Der Nachfolger vom GS290 ist vielleicht im Laufe des nächsten Jahres fällig. Davon ab ein wirklich schickes Gerät. Hat es denn auch die Powerbank Funktion wie das GS290?

    1. Der Nachfolger vom GS195? Also das wundert mich etwas, weil das GS4 eigentlich eher ein Update des GS290 ist. So oder so: Gut ist es geworden und die Powerbank-Funktion ist wieder mit dabei. 🙂

    2. Ich denke auch, dass es eher der Nachfolger vom GS195 ist. Das GS4 hat z.B. die gleiche Menge RAM und internen Speicher wie das GS290 (GS195 hatte glaube ich 32 und 3 GB), insofern wäre also eher ein Rückschritt, finde ich.
      Auch wurde das GS195/GS190 letztes Jahr ein paar Wochen vor dem Topmodell GS290 vorgestellt. Deswegen schätze ich, dass in ein paar Tagen/Wochen ein GS5 mit 6 oder 8 GB RAM und 128 GB internem Speicher vorgestellt wird.

      1. Gut möglich, dass es so ist. Ich kann es selbst erstmal nur mit dem GS290 vergleichen. Beide Telefone sind in der unteren Mittelklasse angesiedelt – da sind 4GB RAM z.B. der Standard. Das GS4 hat aber einen Prozessor, der rund doppelt so schnell ist wie der vom GS290. Von daher ist das schon einmal eine deutliche Steigerung. Aber richtig – im Direktvergleich ist das GS4 kein großer Sprung vom GS290. Hier wäre dann eher die Frage, was Gigaset hier bezweckt: Der Nachfolger vom GS195 konkurriert dann für einige Wochen oder Monate mit dem GS4? Und welche Rolle spielt dann das GS3? Das sehe ich eigentlich eher als Nachfolger des GS195…

        So generell sieht es aber danach aus, als gehe es künftig mit GS3 und GS4 weiter…und die Smartphones mit dreistelliger Kennzeichnung verschwinden. Aber schauen wir mal. Vielleicht frage ich auch bei Gigaset einfach nach. 🙂

  2. Bei den Kamera-Funktionen wird ein Pro-Modus erwähnt. Ist es dort oder generell in der Kamera-App möglich in RAW aufzunehmen?

  3. Ich habe mir das Gigaset GS4 in Weiß gekauft. Mein Samsung Galaxy a70 habe ich meine Frau gegeben und sie schickt ihr Xiaomi Mi A1 in Rente.
    Im Alltag vermisse ich mein Samsung Galaxy a70 nicht. Von der Performance
    merke ich kein Unterschied zu a70.
    Ich bin positiv überrascht vom Gigaset GS4, die Kamera ist für meine Verhältnisse ausreichend.
    Solange Gigaset Smartphone baut, werde ich mir wieder ein Gigaset Smartphone kaufen. Gigaset sichert Arbeitsplätze in Deutschland und das ist für mich auch wichtig. Ich weiß nicht wie gut die Kamera vom Samsung Galaxy a51 ist! Aber von der Performance ist Gigaset GS4 genau so Stark, wie ein Samsung Galaxy a51.
    LG Thomas

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