iPhone X Langzeittest

Das iPhone X im Langzeittest: Apple hat Wort gehalten

Ein Smartphone für über 1.000 Euro? Mit dem iPhone X löste Apple anno 2017 breite Diskussionen aus. Zwei Jahre später zeigt sich: Das Konzept ist aufgegangen.

Von einer neuen Ära sprechen Produktpräsentatoren recht schnell. Das iPhone X bedeutete vor zwei Jahren aber zumindest eine Zäsur. Die Abkehr vom bewährten Home-Button, dafür eine Gestensteuerung auf einem nahezu randlosen Display. Vor allem aber ein Smartphone für deutlich über 1.000 Euro. Das war ein Wagnis. Und selbst für das erfolgsverwöhnte Apple ohne Garantie, dass das gut gehen würde.

iPhone X: Ist das wirklich schon zwei Jahre alt?

Schaue ich mir das iPhone X heute an, das Apple mir vor gut einem Jahr als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt hatte, kann ich kaum glauben, dass diese Technik schon zwei Jahre alt ist. Bei den allermeisten Mobiltelefonen, die ich in meinem Leben hatte, war der Spaß nach spätestens zwei Jahren vorbei und ich wollte gerne etwas Neues. Beim iPhone X ist das nicht der Fall.

iPhone X: Auch zwei Jahre nach dem Start noch ein hochmodernes Smartphone

iPhone X: Auch zwei Jahre nach dem Start noch ein hochmodernes Smartphone

Die geneigte Leserin/der geneigte Leser darf mich in den kommenden Tagen gerne noch einmal fragen, nachdem Apple die neue iPhone-Generation vorgestellt haben wird. Der Punkt aber ist, dass das iPhone X sehr gut gealtert ist. Es präsentiert sich mir immer noch flink wie am ersten Tag. Beim Starten der Apps, bei 3D-Anwendungen, bei Videowiedergabe, -schnitt oder Bildbearbeitung merke ich keine Verzögerung. Der Speicher ist kaum voll zu kriegen (ich habe die Version mit 256 GB und davon 30 GB belegt). Es bietet nach wie vor ein ausgezeichnetes Gesamterlebnis und es ist auch immer noch ein wunderschönes Smartphone.

5,8 Zoll: Damals groß, heute fast schon winzig

Display-Maße von 5,8 Zoll klangen vor zwei Jahren noch gigantisch. Heute sind Smartphones über 6 Zoll der Standard. Und das iPhone X wirkt in der Galerie moderner Geräte fast schon klein. Handlich ist es, auch dank seines dünnen Formfaktors. Vieles lässt sich mit einer Hand erledigen. Und mit seiner Glasrückseite und den abgerundeten Ecken ist es irgendwo auch ein Hingucker.

Schöne Glasrückseite des iPhone X, die allerdings für Macken und Kratzer anfällig ist.

Schöne Glasrückseite des iPhone X, die allerdings für Macken und Kratzer anfällig ist.

Eine noch kleinere Notch wäre mittlerweile natürlich möglich. Die Kamera könnte nicht mehr störend einige Millimeter aus dem Gehäuse herausragen (was ein passendes Cover allerdings wieder ausgleicht). Und trotz weniger Stürze des Geräts im Jahr meines Tests hat das Glasgehäuse meines Test-iPhone-X mittlerweile leider doch einige Macken und Kratzer. Hier könnte Apple in künftigen iPhones mit robusterem Material nachbessern.

iPhone X: Tolle Kamera, Technik mit Luft nach oben

Dass auch bei der Kamera nach zwei Jahren mittlerweile etwas Luft nach oben ist, sollte sich von selbst verstehen. Anforderungen wachsen, und die Konkurrenz schläft bekanntlich nicht. Erste Hersteller bieten Smartphone-Kameras mit größeren Sensoren, mit einem optischen 5x-Zoom und einem verlustfreien 10x-Hybridzoom an, der selbst bei schlechten Lichtverhältnissen funktioniert. Selbst das kaum über 100 Euro teure Gigaset GS 110, das ich neulich im Test hatte, verfügt über einen Nachtmodus. Das iPhone X und seine Nachfolger iPhone Xs, iPhone Xs Max und iPhone Xr bisher nicht.

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Und sind wir ehrlich: Gerade diese Schmankerl machen Sinn und werten eine Smartphone-Kamera auf. Das iPhone X verfügt (nicht als erstes iPhone) über einen 2x optischen Zoom. Aber oft hätte ich mir gewünscht, noch etwas näher an ein Motiv heranzoomen zu können, vielleicht auch noch zusätzlich mit einer Ultraweitwinkellinse eine Dreifachkamera an Bord zu haben.

Der neueste Schrei ist Time of Flight (ToF), eine weitere Kameratechnik, die Abstände zu Gegenständen messen und die mit Hilfe künstlicher Intelligenz errechnete Unschärfe besser anpassen kann. Wäre in einem kommenden iPhone ebenfalls schön zu haben, auch wenn der Porträtmodus im iPhone X schon ausgezeichnet arbeitet, zumindest hier eigentlich alle Konkurrenten alt aussehen lässt und ich ihn längst nicht mehr nur zum Fotografieren von Personen einsetze. Schöne Unschärfe-Effekte erzielt ihr damit auch bei Gegenständen. Die Ergebnisse des iPhone X sind manchmal nur auf dem zweiten Blick von denen einer Vollformat-Systemkamera zu unterscheiden.

Schmerzlich vermisst: Touch ID

Gibt es Smartphones mit noch besseren Displays, Kameras und Prozessoren? Ja. Habe ich das iPhone X trotz anderer Möglichkeiten kürzlich mit auf einen Kurzurlaub genommen? Ebenfalls ja. Weil ich wusste, dass ich viele Fotos machen und mich der Akku dabei trotzdem sicher über den Tag bringen würde. Und dass die Kamera vielleicht nicht die besten aber immer noch verdammt gute Fotos macht.

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Etwas schade finde ich Apples Abkehr von Touch ID. Die Idee, den Fingerabdrucksensor in alten iPhones im ohnehin benötigten Home-Button zu integrieren, war genial. Der Ersatz, die Gesichtserkennung Face ID, arbeitet meistens zuverlässig, aber in meinem iPhone-X-Testgerät eben nicht immer. Und in manchen Fällen wäre Touch ID schlicht schneller und zuverlässiger. Kurz den Finger drauflegen, als das iPhone immer erst vors Gesicht zu halten. Das spart Zeit.

iPhone X

iPhone X

Die von Apple neu erdachte Gestensteuerung indes ist schnell und erstaunlich intuitiv erlernt. Es geht ohne Home Button. Recht gut sogar. Allenfalls einfache Gesten, die doch noch einen oder mehrere Knöpfe benötigen, wie ein Neustart des Geräts, ein Screenshot oder das Anordnen von Apps, passen noch nicht so ganz ins Gestenkonzept. Aber vielleicht fällt Apple da in Zukunft noch eine Lösung ein.

iPhones in fast allen Preisklassen

Mit der Präsentation des iPhone X ist Apple auch auf eine neue Verkaufsstrategie umgeschwenkt. Ja, das teuerste iPhone kostet jetzt jeweils weit über 1.000 Euro und das wird sich wohl auch so schnell nicht mehr ändern. Aber es gibt für die schmaleren Geldbeutel anderer Apple-Fans preiswertere Alternativen: das iPhone 8 oder seinen inoffizieller Nachfolger, das iPhone Xr. Und auch das weiterhin verfügbare, ältere iPhone 7. Vielleicht sogar im kommenden Jahr eine Neuauflage des seinerzeit erstaunlich preiswerten iPhone SE. Ein iPhone für beinahe jeden Geldbeutel also. Und ein bestmöglich ausgestattetes für mehr Geld, von dem ihr aber länger etwas habt.

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Von daher hat Apple-Chef Tim Cook vor zwei Jahren Wort gehalten, als er passend zum zehnjährigen Jubiläum des ersten iPhones das iPhone X als den Grundstein für die nächsten zehn Jahre angekündigt hatte. Der Home Button war erstaunlich schnell vergessen. Die Gestensteuerung funktioniert zumindest in der ersten Generation besser als auf Android 9. Und von einem teureren iPhone X habt ihr tatsächlich länger etwas.

Wäre natürlich schön, wenn das bei kommenden iPhones wieder der Fall wäre.

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2 Kommentare zu “Das iPhone X im Langzeittest: Apple hat Wort gehalten
  1. Moin! Das man das Handy nicht mehr nach 2 Jahren auswechselt ist mittlerweile schon fast Standard. Zum einen sind kaum noch nennenswerte Technologiesprünge vorhanden, die den „willhaben“-Reflex auslösen, zum anderen sind die Geräte erstaunlicherweise technologisch langlebiger geworden, auch nach 3 Jahren läuft meist alles flüssig ab. Ein Gerät mit ca. SE-Abmessungen und „randlosem“ Display wäre ein Traum, aber wahrscheinlich nicht zu erwarten, wenn man sich den aktuellen Markt der Kehrbleche anschaut. Wenn, dann wird wahrscheinlich das 8er-Chassis verwendet.

    • Stimmt. Ein randloses Smartphone mit SE-Maßen wäre genial. Dass es da weder mit iOS noch in der Android-Liga auch nur ein einziges gibt, ist schon schwer nachvollziehbar. Gerade weil jeder Hersteller heute ja gleich ein paar Dutzend Geräte für vermeintlich alle Ansprüche auf Lager hat, aber für kleine Hände einfach nicht.

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