Wieviel Watt braucht ein Staubsauger?

Mehr Watt ist nicht immer besser. Die tatsächliche Saugleistung eines Staubsaugers hängt von ganz anderen Faktoren ab.

Wieviel Watt braucht ein Staubsauger?

Immer diese Flusen auf dem Teppich! Sogar Staubsauger mit 2.400 Watt haben da Probleme. Dabei soll es die gar nicht mehr zu kaufen geben. Seit 2017 dürfen neue Staubsauger nur noch mit maximal 900 Watt arbeiten. Von ihnen kommen dennoch viele mit den Flusen klar. Warum?

Der Grund ist einfach: Die Saugleistung des Staubsaugers hängt nicht von der Wattzahl ab. Es kommt auf andere Eigenschaften an, um eine hohe Reinigungskraft zu erzielen.

Wieviel Watt darf ein Staubsauger haben?

Früher gab es Staubsauger mit 2000 Watt oder sogar 3000 Watt zu kaufen. Die Hersteller haben seinerzeit die Wattzahl immer weiter hochgeschraubt, weil sie sie als Verkaufsargument genutzt haben – ohne dass die Saugleistung in gleichem Maße gestiegen wäre.

Die EU-Regelung zur Drosselung der Staubsaugerleistung hat die Leistungsaufnahme dann begrenzt. Seit September 2014 dürfen es laut Verordnung (EU) Nr. 666/2013 nicht mehr als 1.600 Watt sein, seit 2017 sogar nur noch maximal 900 Watt.

Die Staubsaugerverordnung der EU, die Energieverbrauch sowie Lärm- und Staubemissionen regeln sollte

Seitdem haben viele neue Staubsauger 800–900 Watt und liegen damit an der Obergrenze. Daneben gibt es auch etliche, die noch mehr Energie sparen und mit 500–600 Watt auskommen. All diese Geräte können eine gute Saugleistung aufweisen.

Statt beim Kauf auf die Wattzahl zu schauen, solltet ihr euch auf gut gemachte Tests verlassen – zum Beispiel von der Stiftung Warentest.

Diese Begrenzung der Wattzahl gilt übrigens nur für Bodenstaubsauger, die ihr hinter euch herzieht, und ausdrücklich nicht für Akkustaubsauger, Staubsaugroboter oder Nass-/Wischsauger.

Wie entsteht eine hohe Saugleistung?

Die Wattzahl benennt die Leistung des Motors und seinen Energieverbrauch, nicht die effektive Saugleistung. Die beschreibt die Kraft, die am anderen Ende des Geräts auf Staub, Krümel und Flusen einwirkt.

Einen großen Einfluss auf die tatsächliche Saugleistung hat die Bodendüse eines Staubsaugers (Bild: Miele)

Die (Ingenieurs-)Kunst ist es nun, den Luftstrom möglichst verlustfrei durch das Gerät zu leiten. Wie gut das funktioniert, hängt von einigen Faktoren ab:

  • Saugrohr
  • die unterschiedlichen Düsen
    • Universaldüse
    • Parkettdüse
    • Teppich-Tiefenreinigungsdüse
    • Fugendüse
    • Polsterdüse
    • Möbelbürste (rundliche Saugöffnung).
  • Wirkungsgrad des Motors
  • Gebläse
  • Ansaugkrümmer
  • Filtersystem
    • Hauptfilter (filtert grobe Schmutzpartikel)
    • Motorschutzfilter (verhindert, dass Staub ins Gebläse gelangt und den Motor schädigt)
    • Mikrofilter (filtert kleinere Staubpartikel)
    • HEPA-Filter (besondere Form des Mikrofilters, die auch mikroskopisch kleine Schwebstoffe zurückhält)
    • Aktivkohle-Filter (bindet u.a.schlechte Gerüche wie Zigarettenrauch)
  • Größe und Befüllung des Filterbeutels

Dennoch ist die Saugwirkung nicht komplett von der Leistung des Motors und damit von der Wattzahl getrennt. Je mehr Filter ihr in eurem Staubsauger habt, desto stärker muss der Motor arbeiten, wenn ihr eine saubere Wohnung haben wollt. Habt ihr überall Parkett liegen, reicht oft das einfache 600-Watt-Modell. Bei anspruchsvollen Teppichen oder Haustieren wie Hund oder Katze, könnte durchaus das 900-Watt-Modell mit HEPA-Filter das richtige sein.

Energieeffizienzklassen bei Staubsaugern

Ein Energielabel hilft euch leider nicht mehr, um die Leistung eines Staubsaugers beurteilen zu können. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) hat das Label Anfang 2019 gekippt. Die dort angegebenen Verbrauchswerte bezogen sich lediglich auf Staubsauger mit leeren Beuteln.

Energielabel (oberer Teil) (Bild: commons.wikimedia.org)
Erst 2024 soll es wieder ein Energielabel für Staubsauger geben (Bild: commons.wikimedia.org)

Staubsauger, die seitdem neu auf den Markt kommen, brauchen kein Label mehr. Achtet stattdessen auf eine niedrige Wattzahl, wenn ihr den Energieverbrauch einschätzen wollt, und auf unabhängige Produkttests, wenn ihr etwas über die Saugleistung erfahren wollt. Wenn die zu gering ist, müsst ihr länger saugen und verbraucht dadurch wieder mehr Energie.

Vor dem Gerichtsurteil gab es ein Label mit mehreren Kategorien:

  • Hersteller- und Modellkennzeichnung
  • Energieeffizienzklasse
  • Stromverbrauch (geschätzter Jahresverbrauch)
  • Lautstärke in Dezibel
  • Teppich (Saugleistung auf höchster Stufe)
  • Hartboden (Fliesen, Parkett, Laminat)
  • Staub in der Ausblasluft

Grundlage für die Verbrauchswerte war die Annahme, dass eine Fläche von 87 Quadrat­metern 50 Mal pro Jahr gereinigt wurde. Die alte Skala reichte von A+++ bis D.

Mit der Einführung der neuen Energieeffizienzklassen im März 2021 wird es immer noch kein neues Energielabel für Staubsauger geben. Dies soll voraussichtlich erst 2024 geschehen.

Die Stromkosten von Staubsaugern

Wenn ihr eine Stunde lang mit einem Staubsauger arbeitet, dessen Motor 900 Watt Leistung bringt, dann verbraucht ihr 0,9 Kilowattstunden (kWh). Ein örtlicher Stromversorger bei mir in Hannover verlangt in einem Standardtarif mit geringer Grundgebühr und Ökostrom 27,43 Cent pro kWh.

Auch mit nur 600 Watt kann der Staubsauger Siemens VS06A212 einen ordentlichen Unterdruck erzeugen (Bild: Siemens)

Eine Stunde saugen mit dem 900-Watt-Staubsauger kostet dann 24,69 Cent, mit einem 600-Watt-Staubsauger nur 16,46 Cent. Wenn ihr 50 mal im Jahr eine Stunde saugt, kommt ihr auf 12,34 Euro bzw. 8,23 Euro. So wurde der Verbrauch für das frühere Energielabel berechnet.

Finanziell ist es kein großer Unterschied, ob ihr mit 600 Watt oder mit 900 Watt saugt. Die Umwelt dankt es euch trotzdem, wenn ihr weniger Energie verbraucht.

Worauf solltet ihr beim Kauf noch achten?

Die Verordnung im Rahmen der Ökodesign-Richtlinie von Staubsaugern hat noch mehr geregelt: Ab 2017 sollten auch neue Grenzwerte für Staubemission, Staubaufnahme und Mindesthaltbarkeit der Motoren gelten. Die Geräte durften maximal 80 Dezibel laut sein.

Tatsächlich sind viele Staubsauger laut und kommen nach Kippen dieser Regel auf 70 bis 80 Dezibel. Es gibt aber auch Modelle unter 65 Dezibel. Der Unterschied ist nicht gerade gering, denn 10 Dezibel mehr werden oft als doppelte Lautstärke wahrgenommen.

Akkustaubsauger und Wischsauger

Alles bisher bezog sich auf Staubsauger mit Filterbeutel. Bei Akkustaubsaugern dagegen, also bei Staubsaugern ohne Kabel, ist die Wattzahl nicht begrenzt. Die Hersteller geben sie meist nicht an, denn sie liegt in der Regel weit unter denen der Bodenstaubsauger zum Hinterherziehen.

Akku-Staubsauger Bosch Unlimited Serie 6
Akku-Staubsauger kommen mit weniger Watt aus. Hier der Bosch Unlimited Serie 6 (Bild: Stephanie Giesecke)

Ihr könnt sie aus den Daten zu Akku und Laufzeit errechnen. Aber auch hier ist entscheidend, wie gut letztlich die Saugleistung ist. Wir haben deshalb einige Akkustaubsauger für euch getestet:

Der Vollständigkeit halber seien hier noch zwei Tests von Wischsaugern erwähnt (auch Nasssauger genannt). Auch hier steht die Wattzahl nicht im Vordergrund.

Fazit: Wenig Watt kann trotzdem gut staubsaugen

Schaut beim Kauf eines Staubsaugers auf die Wattzahl, um den Energieverbrauch einschätzen zu können. Ihr helft damit der Umwelt. Arm werdet ihr aber nicht werden, staubsaugen kostet nicht viel.

Über die tatsächliche Saugleistung sagt die Wattzahl allerdings nichts aus. Um die beurteilen zu können, solltet ihr euch Tests anschauen – am besten aus vertrauenswürdigen Quellen.

Energiesparsame und leise Staubsauger sind durchaus schon Testsieger geworden.

close

Neue Beiträge abonnieren!

Täglich frisch um 17 Uhr im Postfach

Änderungen jederzeit über die Abo-Verwaltung möglich – weitere Themen verfügbar

Jetzt kommentieren!

Schreibe einen Kommentar

*
*
Bitte nimm Kenntnis von unseren Datenschutzhinweisen.