Mobile Luftreiniger gegen Corona: Geeignete Modelle und korrekte Anwendung

Mobile Luftreiniger gelten im Winter als Geheimwaffe im Kampf gegen Corona. Ein leistungsfähiger Filter ist dabei aber ebenso wichtig wie die korrekte Anwendung. Wir sagen euch, welche Geräte sich eignen und worauf ihr achten müsst.

Mobile Luftreiniger gegen Corona: Geeignete Modelle und korrekte Anwendung

Der Kampf gegen Corona dauert an und wird in der kalten Jahreszeit umso schwieriger. Denn bei der Kälte ziehen wir uns immer mehr in Innenräume zurück. Aerosole, die bei infektiösen Personen das Virus übertragen können, bleiben drinnen länger in der Luft und bergen ein hohes Ansteckungsrisiko. Um das zu vermindern, sind mobile Luftreiniger zunehmend im Gespräch. Doch bevor ihn in den nächsten Fachmarkt rennt, beherzigt zunächst unsere Tipps.

Tipps vor dem Kauf eines mobilen Luftreinigers gegen SARS-CoV-2

Passende, mobile Luftfilter, die die Viruslast von Covid-19 zuhause aktiv mindern können, müssen einige Voraussetzungen erfüllen:

  • Sie sollten in 1 Stunde mindestens das 6-fache der vorhandenen Raumluft filtern können.
  • Dazu müsst ihr sie so im Raum aufstellen, dass sie diese Arbeit auch leisten können, etwa 1 Gerät zentral oder mehrere Geräte an verschiedenen Stellen im Raum aufstellen.
  • Die Öffnung, aus der mobile Luftfilter gefilterte Frischluft abgeben, sollte nicht vor einer Wand stehen, damit sich die gefilterte Luft besser im Raum verteilen kann.
  • Mobile Luftfilter sollten mit einem Filter der Klasse HEPA-13 oder HEPA-14 mit einem Abscheidegrad von 99,95 Prozent oder höher ausgestattet sein. Nur damit haben sie die Möglichkeit, auch kleinste Aerosole mit einer Größe von 0,1 bis 0,3 µm zuverlässig herauszufiltern.
  • Es sollte ein mehrschichtiges Filtersystem zum Einsatz kommen.
  • Ein guter Luftreiniger filtert die Partikel nicht nur heraus, sondern tötet sie idealerweise auch gleich ab, etwa mit UV-Licht.
  • Ihr Betriebsgeräusch darf nicht zu laut sein. Anwender dürfen nicht in Versuchung kommen, das Gerät in der Leistung zu mindern oder ganz auszuschalten, nur um ihre Ruhe zu haben.
  • Die Filter müssen regelmäßig gewartet werden. Achtet hier auf die Angaben des Herstellers in der Gebrauchsanweisung.
  • Mobile Luftfilter können die Menge an Aerosolen in der Luft zwar deutlich reduzieren, aber nicht ganz beseitigen.
  • Die Filter ersetzen kein regelmäßiges Lüften. Stoßlüften wird weiterhin dringend empfohlen.

Natürlich bleiben auch beim Einsatz eines mobilen Luftwäschers die bekannten AHA-Regeln bestehen (Abstand halten, Hygieneregeln beachten, Alltagsmaske tragen). Bedenken solltet ihr auch, dass selbst ein geeigneter Luftfilter niemals alle schädlichen Aerosole in der Luft herausfiltern kann.

Fast schon unauffällig (ganz rechts) im Klassenzimmer: Ein Luftfilter von UlmAir
Fast schon unauffällig (ganz rechts) im Klassenzimmer: Ein Luftfilter von UlmAir

Was ist HEPA?

HEPA steht für High-Efficiency Particulate Air Filter oder auch: hocheffizienter Schwebstofffilter. Erst ab der Stufe H13 tragen die Filter die Bezeichnung HEPA für eine hohe Effizienz und einen Abscheidegrad von mindestens 99,95 Prozent. Die darunter liegenden Stufen 10-12 tragen die Bezeichnung EPA und eignen sich nicht zum Filtern von Aerosolen.

HEPA-Filter in den Klassen H13 und H14 sind nach EN 1822 und ISO 29463 genormt. Trotzdem finden sich manchmal irreführende Bezeichnungen mit dem Marketingbegriff „HEPA“ in den Produktbeschreibungen einzelner Hersteller. Achtet darauf, dass die Anbieter eures designierten Luftreinigers auch wirklich eine Normung nach EN 1822, einen vergleichbar hohen Abscheidegrad kleinster Partikel oder konkret eine der beiden HEPA-Klassen H13 oder H14 angeben.

Venta HEPA-Filter
Venta HEPA-Filter

Die HEPA-Klassen H13 und H14 eignen sich dazu, Partikel bis zu einer Größe von 0,1 bis 0,3 µm herauszufiltern. Entscheidend hierfür ist die kleinstdurchlässige Partikelgröße MPPS (most penetrating particle size) mit einer definiertren Größe von 0,21 µm. Das SARS-CoV-2-Virus hat nach jetztigem Wissen der Medizin eine Größe von maximal 0,16 µm.

Damit wäre das neuartige Corona-Virus zwar eigentlich schlanker als die MPPS. HEPA-Filter nach H13 oder H14 sind allerdings so aufgebaut, dass auch kleinere Partikel nicht einfach gerade durch das Material hindurchwandern können, sondern davon zurückgehalten werden. H13-Filter bieten so einen Abscheidegrad (Wirksamkeit) von 99,75 Prozent, H14-Filter sogar von 99,975 Prozent.

Welche Luftreiniger eignen sich gegen Covid-19?

Grundsätzlich gilt, dass der Reiniger das Sechsfache des Raumvolumens filtern können sollte. Bei einem Raum von 200 Kubikmetern würde das einer Reinigungsleistung von 1200 Kubikmetern pro Stunde entsprechen. Weitere notwendige Voraussetzungen sind HEPA-Filter nach H13 oder H14, ein mehrstufiges Filtersystem, ein geringes Betriebsgeräusch und idealerweise auch ein direktes Abtöten der Keime. Drei Geräte aus unserem Shop zur Auswahl:

Dyson PH01 Pure

Dyson PH01 Pure
Dyson PH01 Pure

Der Dyson PH01 Pure Humidify+Cool Luftreiniger, Befeuchter und Ventilator ist nach Angaben des Herstellers HEPA-zertifiziert nach EN 1822. Zusätzlich kann er die Luft befeuchten, kühlen oder (im Winter interessant) heizen. Zuschaltbares UV-Licht tötet die Keime ab, mit bis zu 61 dB Lautstärke ist er allerdings etwas laut. Er reinigt laut Dyson bis zu 350 Liter Luft pro Sekunde, was 1.260 m³ pro Stunde entspricht. Damit könnte er die Luft in einem 84 m² großen Raum (bei 2,5m Deckenhöhe) 6-mal umwälzen.

Venta Luftwäscher Hybrid LPH60 WiFi

Venta LPH 60
Venta LPH 60

Der Venta Luftwäscher Hybrid LPH60 WiFi verfügt laut dem Hersteller über einen HEPA-H13-Filter und eignet sich für den Kampf auch gegen Corona-Viren zuhause. Auch er kann die Luft zusätzlich befeuchten, dabei ist er im Vergleich zum Dyson PH01 Pure mit bis zu 47 dB deutlich leiser. Venta gibt die genaue Leistung leider nicht an, spricht aber von einer Luftreinigung bis 45 m² oder Befeuchtung bis 95 m² bei einem Raumhöhe von maximal 2,50 Meter.

Philips AC3033/10

Philips AC3033/10
Philips AC3033/10

Der Philips AC3033/10 filtert nach Herstellerangaben 99,97 Prozent von luftübertragenen Viren, Aerosolen und Schadstoffen bis 0,003 µm. Dabei soll er die Luft in einem 20 m² großen Raum mit 2,4 Metern Deckenhöhe binnen 8 Minuten komplett austauschen können, würde also den geforderten 6-fachen Luftaustausch pro Stunde schaffen. Dabei ist der Philips AC3033/10 mit 36 dB Geräuschentwicklung im Regelbetrieb eher leise.

Weitere Modelle auch der schon genannten Hersteller findet ihr im EURONICS-Online-Shop in der Rubrik Lüften. Achtet beim Durchstöbern aber bitte darauf, dass hier nicht alle aufgeführten Luftreiniger dazu konzipiert sind, auch kleinste Partikel wie Aerosole herauszufiltern.

Luftreiniger können richtig hübsch sein, wie hier der Bluair Classic 405.
Luftreiniger können richtig hübsch sein, wie hier der Bluair Classic 405.

Wenn die Pandemie übrigens eines Tages vorbei sein sollte, ist eure Investition noch nicht abgeschrieben. Denn gut filternde Geräte befreien euch auch im Alltag großenteils von Feinstaub, Pollen und eventuellem Schimmel in der Raumluft.

Studien zu Luftreinigern gegen das Corona-Virus

Verschiedene Studien, etwa von J. Curtius, M. Granzin und J. Schrod haben nachgewiesen, wie effektiv Luftreiniger in einem geschlossenen Raum das SARS-CoV-2-Virus filtern können. Im Mittelpunkt dieser Studie standen Aerosol-Partikel, die das Virus über die Luft transportieren können.

Monoblock-Klimaanlage im Wohnzimmer
Nur besonders leistungsfähige mobile Luftreiniger können Aerosol-Partikel filtern.

Dazu haben sie insgesamt vier mobile Luftreiniger in einem geschlossenen Klassenraum während des Unterrichts platziert. Zum Vergleich haben sie den Aerosol-Anteil in einem vergleichbaren Raum ohne Luftfilter gemessen. Die Tests ergaben, dass im Klassenzimmer mit den mobilen Luftreinigern die Aerosol-Konzentration bereits nach weniger als 30 Minuten um mehr als 90 Prozent verringert war.

Das legt den Schluss nahe, dass die Ansteckungsgefahr in einem Raum mit mobilen Luftfiltern deutlich geringer ist. Sie ist allerdings immer noch vorhanden. Ein Allheilmittel sind diese Filter nicht.

Dank seines geringen Betriebsgeräuschs lässt sich der Luftreiniger auch im Schlafzimmer einsetzen.
Die Luftreiniger gibt es in verschiedenen Größen

Außerdem muss die Reinigungsleistung des Luftreinigers zu Raumgröße und Personenanzahl passen. In einer anderen Studie haben deutsche Forscher einen Luftreiniger mit einem Volumenstrom von bis zu 1500 Kubikmetern pro Stunde genutzt, um einen Raum von 80 Quadratmetern damit zu reinigen. So konnten sie über 99 Prozent der Aerosol-Partikel mit dem kritischen Durchmesser von 0,1 bis 0,3 Mikrometern entfernen.

Ich müsst euch aber nicht auf die Zahlen aus dieser Studie verlassen, sondern könnt selber messen – zwar nicht den Aerosol-Anteil direkt, mit einem CO2-Sensor aber immerhin den CO2-Wert. Dieser gilt als Kennwert für verbrauchte, also ausgeatmete Luft.

Für wen eignen sich die mobilen Luftreiniger?

Wie das Beispiel der Forscher zeigt, können die Reiniger zum Beispiel in Schulen angewendet werden, um das Ansteckungsrisiko dort zu verringern. Gerade in der kalten Jahreszeit ist es nicht nur unangenehm, mehrmals die Stunde durchzulüften. Es sorgt auch für zu trockene Luft im Raum, dadurch für ein Austrocknen der Schleimhäute der Personen, die sich dort aufhalten, und auch dadurch eine höhere Ansteckungsgefahr bei jedem Einzelnen. Mobile Luftreiniger können schädliche Aerosole wirksam vermindern, ohne dass ihr ständig im Kalten sitzt.

Luftreiniger, Luftbefeuchter und Luftmischer in einem: Der Dyson PH01
Das Filtern der Aerosol-Partikel ist vor allem im öffentlichen Raum sinnvoll

Einige Geräte befeuchten die Luft auch noch zusätzlich, was einerseits die Schleimhäute nicht austrocknet und zum anderen die Aerosole beschweren soll, auf dass die schneller zu Boden sinken und weniger lange in der Luft stehen.

seminarraum
In Büros sind oft viele Menschen an einem Ort

Fazit

Es bleibt dabei: Regelmäßig durchlüften, Abstand wahren, Hygieneregeln beachten und Masken tragen. AHA+L lautet die Zauberformel gegen Corona. Zuhause kann ein leistungsfähiger Luftreiniger aber dabei helfen, die Gefahr vor ansteckenden Covid-19-Viren in der Luft zu verringern. Das eignet sich in Schulen und Büros genauso wie in Privaträumen.

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Die passenden Geräte müssen dann allerdings sehr viel Luft pro Stunde umwälzen können und über einen HEPA-H13- oder H14-Filter verfügen, der die Aerosole zuverlässig herausfiltert. Einige hundert Euro werdet ihr dafür mindestens investieren müssen. Die Luftreiniger können aber auch nach der Pandemie im Einsatz bleiben, um Luft zu befeuchten, Pollen, Feinstaub oder Schimmel aus der Luft zu filtern.

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4 Kommentare zu “Mobile Luftreiniger gegen Corona: Geeignete Modelle und korrekte Anwendung

  1. Es gibt Geräte, die nur mit UV-C Strahlung arbeiten. https://raumdesinfektion-uv.de ! UV wird schon lange wirksam zur Entkeimung von Wasser und Abwasser eingesetzt. Gegen Viren und Bakterien wirkt es schon in geringen Dosen 10mJ/qcm. Dann ist kein Filterwechsel mehr nötig und die Lüfter brauchen keine so starke Leistung, was sie leiser macht. Mich wundert es, dass in dieser Richtung nicht mehr geschieht.

    1. Tag Herr Maier. Danke für die Ergänzung! Wie genau arbeitet Ihre Maschine, also wie lange muss ein (umgangssprachlich formuliert) Quäntchen Luft mit UV-C bestrahlt werden, damit es keimfrei ist? Sie geben an, dass Ihr System 99% der Partikel herausfiltern kann, ein HEPA-14-Filter schafft über 99,9 Prozent, was schon ein Unterschied ist. Kann eine Kombination aus HEPA und UV-C in Ihren Augen nicht moch mehr leisten? Über welche Art von Zertifikat garantieren Sie den Abscheidegrad und welche verlässlichen Studien können wir hierzu einsehen?

  2. Hallo,
    ich möchte auf falsche Angaben von Ihnen hinweisen.
    Das erwähnte Gerät von Dyson hat nicht 350 l/min sondern 350/320 l/s somit ist der Rückschluss auf die Raumgröße falsch. Deshalb wäre er für größere Räume geeignet.
    Bitte um Korrektur.

    Vielen Dank.

    Thomas Mikuta

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