Bildsensoren: Vollformat fängt deutlich mehr Details ein als APS-C- oder 1-Zoll-Sensoren.

Bildsensoren grafisch dargestellt: Vom Mini-Smartphone-Sensor bis zur Vollformatkamera

Eine Faustregel in der Fotografie besagt: Je größer der Bildsensor, desto besser. Aber wie groß ist eigentlich groß genug, wo steigen die Chancen für tolle Bilder und warum sind Smartphone-Sensoren keine echte Alternative? Wie erklären es euch mit Bildern.

Bilder sagen oft mehr als Worte. Kürzlich haben wir euch an dieser Stelle Bildformate grafisch dargestellt, also 16:9, 4:3 und Co. Heute ein artverwandtes Thema: die Größe von Bildsensoren für Digitalkameras. Wir kombinieren das Ganze mit einem kleinen Ratespiel, das am Ende aufgelöst wird: Was ist auf all den folgenden Fotos zu sehen?

Steigen wir erstmal ganz klein ein: Viele Smartphones haben einen Sensor von 1:3,2“. Und der ist so groß:

1:3,2''

1:3,2“

Wie ihr seht, seht ihr nicht viel. Da ist uns kein Fehler unterlaufen. Kleine Bildsensoren in einem Smartphone sind nur etwa so groß wie der Nagel eures kleinen Fingers. Zum Glück geben sich nicht alle Smartphone-Hersteller mit dem kleinsten Sensor zufrieden. Und so bauen sie Sensoren mit einer Größe von 1:2,5“ oder gar 1:1,8“ ein. Das ist dann so groß:

1:1,8''

1:1,8“

Gigantisch, oder? Nokia wollte sich vor ein paar Jahren nicht damit zufrieden geben und brachte ein Smartphone mit einem stattlichen 1:1,5“-Bildsensor heraus. Etwa so groß war er im Lumia 1020:

1:1,5'' oder 2/3''

1:1,5“ = 2/3“

Erscheint euch immer noch wenig? 1:1,5 ist aber gleich 2/3“. Tatsächlich hatte das Lumia 1020 damit einen ebenso großen Bildsensor wie viele Urlaubs-Kompaktkameras bis heute. Für Nokia übrigens fast schon ein Abstieg, denn ein paar Jahre zuvor brachten die Finnen das Smartphone 808 PureView heraus, das gar über einen 1:1,2“-Sensor verfügte:

1:1,2''

1:1,2“

Hier hatte tatsächlich ein Smartphone die ersten Kompaktknipsen überholt! Erkauft war das durch eine eher adipöse Bauweise des Telefon und zusätzlich einen deutlich herausstehenden Knubbel für die Optik. Außerdem fehlte im Vergleich zu Urlaubskameras ein optischer Zoom. Aber immerhin: ein Achtungserfolg! Gerade auch, wenn ihr das mit der Größe eines 1“-Sensors vergleicht:

1''-Sensor

1“-Sensor

Das ist die Sensorgröße, die noch heute in den meisten Kompaktkameras verwendet wird. Selbst Fotoriese Nikon verwendet die kaum größeren 1″-Bildsensoren in seiner Systemkamera-Reihe Nikon 1 (daher der Name). Das Maß „Zoll“, das bei Kamerasensoren verwendet wird, entspricht übrigens nicht dem gebräuchlichen Zollmaß, mit dem ihr eure Fernseher oder Smartphone-Displays messt. Der 1-Zoll-Sensor bei Bildsensoren misst nur 13,2 mal 8,8 Millimeter und besitzt eine Diagonale von 16 Millimetern. Das entspricht knapp zwei Dritteln des eigentlichen Zolls von 25,4 Millimetern. Die Definition davon geht auf die alte Vidiconröhre zurück, wo man statt des eigentlichen Durchmessers die real nutzbare Fläche maß, die entsprechend kleiner war. Klingt nicht logisch, müsst ihr auch nicht gut finden. Aber es ist gut zu wissen.

Die gute Nachricht: Bei 1 Zoll ist nicht Schluss, wie das Four-Thirds-Format beweist:

4/3''

4/3“

Four Thirds (= vier Drittel/ 4/3) bezieht sich auf den 1-Zoll-Sensor. Die Kantenlängen sind jeweils ein Drittel größer. Klingt wenig, ergibt allerdings schon eine Fläche, die fast doppelt so groß ist. Zum Einsatz kommt dieser Bildsensor in den Four-Thirds- oder Micro-Four-Thirds-Systemkameras vor allem von Fujitsu, Olympus und Panasonic. Noch etwas größer ist das APS-C-Format, die digitale Adaption des Advanced Photo Systems (APS), eine der letzten großen Innovationen der Analogfotografie in den späten 1990er Jahren. Die Maße von APS-C sind nicht identisch zu APS, aber auf jeden Fall kleiner als das Kleinbildformat:

APS-C

APS-C

Ein APS-C-Sensor wird vor allem in Spiegelreflexkameras und mittlerweile auch vielen Systemkameras eingesetzt. Nikon wiederum vertraut bei vielen Spiegelreflexkameras auf das etwas größere DX-Format:

DX-Format

DX-Format

Und jetzt geht es noch einmal ein richtiges Stück aufwärts. Das Kleinbildformat kommt in immer mehr teuren Spiegelreflex- oder Systemkameras zum Einsatz. Und mit einer Kantenlänge von 36 x 24 Millimetern erreichen diese Bildsensoren eine fast viermal so große Fläche wie Four-Thirds und mehr als sieben Mal so viel wie ein 1-Zoll-Sensor. Die digitalen Bildsensoren haben damit die volle Größe des Kleinbildformats aus der Analogfotografie erreicht. Wohl deswegen werden sie auch – etwas irreführend – Vollformatsensor genannt. Treffender wäre die Bezeichnung Kleinbildformat-Sensor:

Kleinbildformat

Kleinbildformat

Langsam erkennt man sogar ein bisschen was, oder? 🙂 Den Begriff „Vollformat“ halte ich deswegen für verwirrend, weil er suggeriert, das Ende des Spektrum wäre erreicht, mehr gehe nicht. Geht aber doch. Panasonic etwa stellte unlängst auf der Photokina 2016 eine Systemkamera mit Mittelformatsensor vor. Und dieser Mittelformatsensor ist noch einmal deutlich größer als ein Vollformatsensor, mit 48 x 36mm nämlich doppelt groß:

Mittelformatsensor

Mittelformatsensor

Zumindest in der Größe, die Panasonic und andere Hersteller für den Mittelformat-Bildsensor gewählt haben. Denn spätestens ab dieser Größe gibt es keine einheitliche Definition mehr. Manchmal werden auch das etwas kleinere 44,0 x 33,0-mm-Format oder auch das wesentlich größere Verhältnis von 45,0 x 60,0 Millimetern noch als Mittelformat bezeichnet. Die Bezeichnung leitet sich wieder von der Analogfotografie ab. Und da gab es mehrere große Formate, die als Mittelformat bezeichnet wurden.

Bildformate: Skala nach oben offen

Sicher ahnt ihr es schon: „Mittel“ deutet darauf hin, dass da es oberhalb noch mehr geben muss, und so ist es natürlich auch. Unter das Großformat fiele zum Beispiel die seit einigen Jahren entwickelten LargeScale-Kameras eines gleichnamigen US-Startups. Das arbeitet an Bildsensoren mit dem Großformat 4 x 5 Zoll bis 11 x 14 Zoll. 11 x 14 wäre also ähnlich groß wie ein DIN-A4-Blatt. Eine einheitliche Definition gibt es noch nicht, einige Jahre werden ins Land ziehen, bis ihr so etwas kaufen könnt, und noch mehr, bis ihr das nötige Kleingeld dafür habt. 😉 Aber ich vermute einfach mal, die Industrie wird sich irgendwie auf 72,0 x 48,0 mm für ein Großformat einigen, was doppelt so groß wäre wie das Mittelformat. Nämlich so groß:

Mögliches Großformat

Mögliches Großformat

Aber, wie gesagt: Das Großformat kann hier alles sein, was größer als ein Mittelformat ist. Gerne auch so groß wie hier fast in der derzeit maximalen Spaltenbreite unseres Layouts. Und damit habt ihr dann auch die Antwort auf die Frage, was auf unserem Beispielbild denn nun eigentlich zu sehen ist:

Auch so groß könnte ein Großformat sein.

Auch so groß könnte ein Großformat sein.

Wozu nun das Ganze? Vielleicht habt ihr euch schon selbst einen Reim darauf gemacht: Je größer der Bildsensor, desto mehr Details lassen sich damit einfangen; Bilder werden detailreicher und rauschärmer. Gleichzeitig sinkt die Schärfentiefe. Es wird eben nicht mehr alles scharf abgebildet (wie bei den meisten Smartphones), sondern es lässt sich Unschärfe erzeugen. Begehrt ist das vor allem bei Fotografen, die durch Schärfe und Unschärfe Details hervorheben wollen. Den Effekt, das zu erreichen, schaffen größere Sensoren leichter.

Beim Kauf auf die Sensorgröße achten!

Warum ihr mit euren Smartphones nicht so detailreich fotografieren könnt, erklärt sich dadurch: die Sensoren sind einfach zu klein dafür. Und vielleicht versteht ihr nun auch, warum es sich lohnt, beim Kamerakauf darauf zu achten, ob nur ein 1-Zoll-Sensor, wenigstens 4/3, lieber APS-C oder gar ein Vollformatsensor oder mehr verbaut ist. Erstaunlicherweise liegen die Preise von 1-Zoll-Kameras, Four Thirds und APS-C oft gar nicht so weit auseinander, während man Vollformatkameras derzeit kaum unter 1.500 Euro bekommt. Mittelformatkameras kosten noch einmal ein Vielfaches davon.

Bei der Kamerawahl berät euch natürlich auch euer Euronics-Fachhändler, oder ihr stöbert in der Beratungswelt oder dem Euronics-Onlineshop. Jetzt wisst ihr ja, worauf ihr achten müsst. Viel Erfolg beim Kamerakauf!

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Ein Kommentar zu “Bildsensoren grafisch dargestellt: Vom Mini-Smartphone-Sensor bis zur Vollformatkamera
  1. Auf diese Erklaerung der verschiedenen Sensorgroesen habe ich lange gewartet. Erst jetzt wird mir manches klarer (Zollmase) meiner 6 verschiedener Kameras ( von 1/32 bis APS-C Sensoren.

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