Google Home Mini

Von Kaufrausch zu „Weniger ist mehr“: Meine 2010er-Jahre im Rückblick

Was hat die 2010er-Jahre ausgemacht? Die Trendblog-Redaktion hält Rückschau. Jürgen Vielmeier nimmt dabei seine eigene Wohnung als Gradmesser – dafür dass sich so viel gar nicht verändert hat, aber fast alles besser geworden ist.

Hier sitze ich nun und soll einen Rückblick auf das vergangene Jahrzehnt schreiben. Für mich waren es eigentlich zwei Jahrzehnte in einem, so sehr unterschied sich die zweite Hälfte von der ersten. Und so klar zeigt sich auch, dass sich zumindest augenscheinlich so viel gar nicht verändert hat. Lasst mich euch das erklären.

Black Friday als Gradmesser

Ich schreibe diese Zeilen am Black Friday 2019, und was ich mit den zwei Jahrzehnten in einem meine, zeigt sich vor allem hier. Es ist genau fünf Jahre her, da war ich an eben diesem Black Friday 2014 vom Schnäppchenwahn befallen. Ich kaufte alles, was ich schon immer einmal haben wollte oder auch nur irgendwie brauchen konnte. Zusammen mit einem recht teuren Schreibtischstuhl gab ich insgesamt hunderte Euro aus. Stative, Speicherkarten, Trinkwasserspender, Bluetooth-Lautsprecher, Akkupacks, Selfie-Sticks… Viel Nippes, jedes für sich für wenig Geld.

Anker Selfie Stick

Der Selfie-Stick: Ein praktisches – aber auch stilloses – Gimmick der 2010er-Jahre

Das fasst für mich die ersten Trends der 2010er-Jahre zusammen: Online-Shopping ist die Regel geworden und wunderbar einfach. Immer bessere Technik wurde unfassbar günstig. Für unseren Komfort haben wir heute alles Denkbare zur Verfügung. Die wirklichen Probleme der Welt haben wir aber nicht gelöst.

Kamera? Weniger ist mehr. Fernseher? Immer noch der alte

Am Black Friday 2019 kaufte ich nichts. Man könnte meinen, es läge daran, dass meine Schränke noch von Zeugs voll wären, die ich an früheren Black Fridays, Cybermondays oder ähnlichen Rabattschlachten gekauft hatte. Die Wahrheit ist, dass ich mich längst vom meisten Kram getrennt habe, weil er mir die Luft zum Atmen nahm. Und erstaunlicherweise bin ich dabei fast wieder da, wo ich vor Kaufrauschphase war. Nur sind meine heutigen Geräte besser als damals. Ein paar Beispiele:

Gleich mehreren mittelmäßige Systemkameras, Objektive, eine Kompaktknippse, zwei Stative, Softboxen, Extra-Akkus, mehrere Taschen füllten bei mir einen halben Schrank. Davon ist nun 1 Kamera mit 1 guten Objektiv und ein klein wenig Zubehör geblieben. Meine Hauptkamera ist jetzt mein Smartphone, und allem Widerstand „echter“ Fotografen zum Trotz bin ich sehr glücklich mit der Entscheidung. Möchte ich etwas bessere Fotos machen, Schärfe und Licht genauer steuern, krame ich die genannte Kamera raus, eine Canon EOS M6 (Mark I).

Canon EOS M6

Kleine Kamera, eigentlich alles drin: Canon EOS M6

Streaming? Vor 10 Jahren noch nicht möglich

Ich wollte einen neuen Fernseher, und es hätte mit OLED, HDR oder modernen Smart-TV-Systemen genug Gründe für einen Kauf gegeben. Am Ende hat mich mein 40-Zoll-Philips aus der Kaufrausch-Zeit nicht genug genervt, als dass ich ihn drangegeben hätte. Egal ob Chromecast, Fire TV Stick oder Playstation: ich kann alles daran anschließen und meine Lieblingsserien darüber streamen. Groß genug ist er eigentlich auch. Ich muss nur etwas näher ran gehen… Video on Demand, was heute „Streaming“ heißt, ist übrigens so alltäglich geworden, dass wir heute kaum noch wissen, dass das vor 10 Jahren nur schwer möglich und alles andere als nutzerfreundlich war.

Streaming, wie hier auf Netflix, ist in den 2010er-Jahren zum Alltag geworden.

Streaming, wie hier auf Netflix, ist in den 2010er-Jahren zum Alltag geworden.

Mein Laptop ist jetzt wunderbar flach. Apple hat das MacBook Air zwar schon 2008 vorgestellt, aber erst in diesem Jahrzehnt zogen die anderen Hersteller so wirklich nach. 2013 hatte ich mir endlich das Geld für ein Air zusammengespart, das ich bis heute verwende. Eigentlich gehört es längst ersetzt. Aber ich habe schlicht noch keinen Nachfolger gefunden, der meinen Wünschen entspricht. Immerhin: Es ist deutlich flacher als sein Vorgänger-Ungetüm „MacBook“ aus dem Jahr 2008. Und mein nächstes würde kaum noch flacher werden können.

Microsoft Surface-Reihe: Einige der innovativsten Hybrid-Geräte der 2010er-Jahre

Microsoft Surface-Reihe: Einige der innovativsten Hybrid-Geräte der 2010er-Jahre

Die echte Notebook-Innovation dieses Jahrzehnts geht derweil eigentlich von Microsoft aus: das Pro-Tablet Surface Pro, das mitsamt seinem Betriebssystem Windows 10 beim Andocken einer Tastatur zum Notebook wird. Und das wiederum eher ein Trend der zweiten Hälfte des Jahrzehnts: Wir kaufen nicht mehr aufs Geratewohl fünf Geräte, sondern überlegen uns eher, was wir wirklich brauchen und was länger hält.

Smartphones? Nicht mehr wegzudenken

Dazu passt, was Apple erst mit dem iPhone X und mittlerweile mit dem Nachfolger iPhone 11 Pro vorgestellt hat: Smartphones, die zwar etwas mehr kosten, von denen ihr aber länger etwas habt.

Smartphones sind das Schweizer Taschenmesser des digitalen Zeitalters geworden. Teurere Geräte, wie hier das iPhone X, begleiten uns idealerweise ein paar Jahre länger als Billigmodelle.

Smartphones sind das Schweizer Taschenmesser des digitalen Zeitalters geworden. Teurere Geräte, wie hier das iPhone X, begleiten uns idealerweise ein paar Jahre länger als Billigmodelle.

Ohnehin sind Smartphones – obwohl auch schon davor erfunden – für mich das Ding dieses Jahrzehnts. Eine Topkamera immer in der Hosentasche, das gesamte Wissen der Welt jederzeit verfügbar. Theoretisch muss niemand mehr dumm sterben. Der Umgang mit diesem Überfluss an Wissen und Möglichkeiten hat uns zu Weilen überfordert. Fake News grassieren, Cybermobbing wurde zum Thema, ebenso wie die totale Überwachung. Wir lernten die Schattenseiten dieser vernetzten Welt kennen und finden erst so langsam heraus, wie wir damit umgehen können.

Vieles ausprobiert, wenig blieb dauerhaft: Fitnesstracker, VR

Eine neue Erfindung dieses Jahrzehnts waren Sprachassistenten wie zunächst Siri und dann Amazons Alexa und der Google Assistent. Ich sträubte mich lange, dann wollte ich doch irgendwann einen Echo Dot und einen Google Home Mini testen. Beide sind immer noch in meiner Wohnung im Einsatz. Der Home Mini ist für mich der perfekte Badezimmerlautsprecher. Morgens und abends liest er mir die Nachrichten vor. Entspanne ich mal in der Badewanne, kann ich auf Zuruf die Musik auswählen, die Lautstärke ändern und das Programm jederzeit beenden. Eine Art von Musikquelle war eigentlich immer schon in meinem Bad, aber keine derart praktische.

Google Home Mini: für mich der perfekte Badezimmer-Lautsprecher

Google Home Mini: für mich der perfekte Badezimmer-Lautsprecher

Ohnehin, Musik! Auch Spotify gab es schon im vergangenen Jahrzehnt, in Deutschland startete der Dienst erst 2012. Für mich hat er das Musikhören verändert, auch weil er auf praktisch allen Endgeräten, wie auch auf genannten Sprachlautsprechern, verfügbar ist. An illegale Downloads ist heute beim Thema Musik eigentlich kaum noch zu denken. Selbst die Musikindustrie hat sich damit arrangiert. Musikflatrates sind heute ebenso Alltag wie WhatsApp, YouTube, Instagram und Netflix.

Kabellose "True Wireless"-Kopfhörer wie hier die Sennheiser Momentum machen endlich Schluss mit dem Kabelsalat.

Kabellose „True Wireless“-Kopfhörer wie hier die Sennheiser Momentum machen endlich Schluss mit dem Kabelsalat.

Erfindungen dieses Jahrzehnts sind auch Smartwatches, Fitness-Armbänder und Virtual-Reality-Brillen. Habe ich bei Zeiten ausprobiert, aber dann doch wieder drangegeben. Für mich war es nichts, aber es hängt davon ab, was ihr damit macht. Für mich nützlicher sind True-Wireless-Kopfhörer, endlich Musik ohne störende Kabel. Wobei, ganz nebenbei: nicht nur für Musik. Auch mein Staubsauger ist in den 2010er-Jahren „true wireless“ geworden. Eine echte Befreiung und Motivation, den ollen Hausputz viel früher in Angriff zu nehmen.

Mein Staubsauger ist jetzt kabellos, mein Drucker nicht

Schaue ich mich in meiner Wohnung um, ist allerdings noch längst nicht alles kabellos. Antennenkabel ragen von der Kabeldose in den Fernseher und den Router, Netzteile mit Kabel laden meinen Laptop und mein Smartphone. Aus dem Fernseher hängen Kabel. Mein Drucker, der eigentlich WLAN-fähig ist, das aber immer wieder vergisst, hat mich irgendwann so genervt, dass ich nun wieder ein USB-Kabel daran angeschlossen habe. Selbst Bilder und Videos zwischen Smartphone und Laptop übertrage ich mittlerweile mit einem USB-Stick, weil das schneller und zuverlässiger funktioniert als „kabellose“ Cloud-Dienste. Immerhin: Meine Maus ist jetzt kabellos.

Kabellos: Auch für Haushaltsgeräte wie hier den Staubsauger Dyson V6 ein Riesengewinn.

Kabellos: Auch für Haushaltsgeräte wie hier den Staubsauger Dyson V6 ein Riesengewinn.

Wenn es ein Gerät gäbe, dass ich am liebsten heute als morgen in den Wind schießen würde, dann wäre das übrigens besagter Drucker oder Drucker generell, die auch heute noch unter Papierstau leiden. Papierlos bin ich in diesem Jahrzehnt nicht geworden. Angesichts der Entwicklungen der letzten Jahre, von denen ich viele einfach nur annehmen müsste, bin ich aber optimistisch, das im kommenden Jahrzehnt zu werden.

Wie kann ich das jetzt zusammenfassen? Bei mir geht der Trend ganz klar hin zu: weniger ist mehr. Bessere Technik, die dafür auch länger hält. Ich tue das gar nicht mal aus ökologischen Gründen, aber es passt eigentlich ganz gut dazu. Green Tech wird nachhaltigere Elektronik in den 2020er Jahren noch ergänzen. Es wird mehr auf recycelte, recycelbare, human geförderte und ökologisch nachhaltige Produkte ankommen.

Mit einem Tesla in Stuttgart: „Sind die da drüben alle verrückt?“

Lust auf eine Wette? Elektroautos werden gewinnen!

Zum Abschluss eine Wette: Ich wette, dass im Jahr 2030 Autos mit Benzin- oder Dieselmotor in der Minderheit sein werden. Viele Menschen werden ihr Auto ganz abschaffen, die überwiegende Mehrheit wird mit einem Elektroauto durch die Straßen rollen. Tesla und Co. werden ähnlich gute 2020er-Jahre erleben wie Smartphones im ablaufenden Jahrzehnt. Lacht mich aus, wettet meinetwegen ein ganzes Königreich dagegen. Aber wir sprechen uns in 10 Jahren wieder. 🙂

Dieser Beitrag ist Teil eines umfassenden Rückblicks auf die 2010er-Jahre und darauf, wie sich unser Leben seit der Jahrtausendwende verändert hat. Weitere Beiträge dazu findet ihr in unserer Übersicht. Welche Meinung habt ihr zu dem Thema? Sagt es uns in den Kommentaren!

Bilder: Hersteller

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Ein Kommentar zu “Von Kaufrausch zu „Weniger ist mehr“: Meine 2010er-Jahre im Rückblick
  1. Streaming ist das neue Fliegen
    https://www.nzz.ch/wirtschaft/streaming-ist-das-neue-fliegen-wie-der-digitale-konsum-das-klima-schaedigt-ld.1474563
    [Ich bin] ein Teil von jener Kraft,
    Die stets das Böse will und stets das Gute schafft. …
    Ich bin der Geist, der stets verneint!
    Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
    Ist wert, daß es zugrunde geht;
    Drum besser wär’s, daß nichts entstünde.
    So ist denn alles, was ihr Sünde,
    Zerstörung, kurz das Böse nennt,
    Mein eigentliches Element.

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