Das ist das HDR+ - Logo, auf das ihr achten solltet.

Was ist eigentlich HDR+?

HDR, Dolby Vision und… HDR+?! Die Funktionen, die uns ein besseres Bild versprechen, können aber auch verwirren. Was sich hinter dem noch jungen Standard HDR+ verbirgt? Sagen wir euch.

Es ist kompliziert. Gerade beim Fernsehkauf wird man regelrecht mit Features erschlagen. Soll’s ein neues TV-Gerät mit UHD-Auflösung von Samsung sein, werdet ihr vermutlich mit der Bezeichnung HDR+ konfrontiert. Vor allem der koreanische Hersteller treibt diesen Standard voran und konkurriert hier in erster Linie mit dem technisch sehr ähnlichen Dolby Vision.

Dolby Vision vs. HDR+

Für uns Konsumenten ist es nicht praktisch, dass es neben dem bereits seit einigen Jahren relevanten Dolby Vision seit 2017 auch HDR+ (auch HDR10+ genannt) gibt. Denn der von Dolby entworfene Standard wird unter anderem von LG, Loewe, Sony und Studios wie Sony Pictures, Universal und Disney unterstützt. HDR+ wiederum stammt von Samsung. Der Konzern konnte als Partner bereits Panasonic, Amazon, Warner Bros. und 20th Century Fox gewinnen.

Dolby Vision - der Konkurrent von HDR+ (Foto: Dolby)

Dolby Vision – der Konkurrent von HDR+ (Foto: Dolby)

Ein erster großer Unterschied ist: Bei HDR+ handelt es sich um einen offenen Standard, den jedes Unternehmen ohne Kosten lizenzieren kann, abgesehen von verhältnismäßig kleinen Summen für Produzenten von Displays. Das steigert das Interesse bei Medienkonzernen und Herstellern, die womöglich vor den Lizenzgebühren zurückschrecken, die für Dolby Vision fällig werden. Wohl aus diesem Grund gewinnt HDR+ zunehmend an Bedeutung und zum größeren Konkurrenten für Dolby Vision.

Einen Vergleich mit weiteren HDR-Techniken findet ihr in unserem Artikel:
HDR, HDR+, Dolby Vision, HLG: Das verbirgt sich hinter den Abkürzungen

So funktioniert HDR+

Interessanterweise baut HDR+ sogar auf Elementen von Dolby Vision aufbaut – genauer auf dem standardisierten Verfahren SMPTE- ST-2084. Das muss euch nicht weiter interessieren, spannender sind die damit verbundenen Vorteile. Video-Inhalte, die HDR10+ unterstützen, erhalten dynamische Metadaten (dynamisches Tone-Mapping), in denen Informationen zu optimalen Farbwerten, Kontrasteinstellungen und Helligkeiten gespeichert sind – und das zu jeder Szene oder gar einzelnem Bild.

Was bedeutet das? Jeder Fernseher mit HDR+ bekommt stets die korrekten Einstellungen passend zu dem, was gerade dargestellt wird. Dies ermöglicht im besten Fall eine tatsächlich optimalere Präsentation von Filmen oder Serien. Zum Vergleich: Das „normale“ HDR erhält nur statische Metadaten, die jeweils zur Verfügung gestellten Informationen gelten für einen kompletten Film. Dass dies bei wechselnden Szenen (hell zu dunkel…) nicht die perfekte Lösung sein kann, ist naheliegend.

Auf die Inhalte kommt’s an

Die Chancen stehen gar nicht so schlecht, dass sich HDR+ gegenüber Dolby Vision behaupten kann, denn das Lizenzmodell ist für Firmen eben attraktiver. Andererseits besitzt der Mitbewerber einen gehörigen Vorsprung: Apple setzt zum Beispiel beim Apple TV (und iTunes-Inhalten) auf Dolby Vision, genauso Netflix. Der Streaminganbieter plant immerhin, auch HDR+ zu berücksichtigen. Nur wann? Unklar.

Apple TV der 4. Generation mit 4K unterstützt auch Dolby Vision.

Apple TV der 4. Generation mit 4K unterstützt auch Dolby Vision.

Bei Amazon sind die hauseigenen Film- und Serienproduktionen bereits in HDR+ verfügbar. Vermutlich in den kommenden Monaten wird das Angebot deutlich steigen.

Der Vollständigkeit halber sollte erwähnt werden, dass HDR+ eine Farbtiefe von 10 Bit besitzt, während Dolby Vision zu 12 Bit in der Lage ist und mehr Metadaten übertragen kann. Bezogen auf die Möglichkeiten ist Dolby Vision also seinem Mitbewerber überlegen, technisch reizt noch kein TV-Gerät oder Beamer das Potential von Dolby Vision aus. Das wird auch noch einige Jahre so bleiben.

Ist eine Koexistenz möglich?

Schön. HDR+ besitzt also eine Zukunft, aber das gilt auch für das ähnlich geartete Dolby Vision, das auch über HDMI 1.4 funktioniert. HDR+ wiederum setzt das noch lange nicht übliche HDMI 2.1 voraus.

Der Samsung UE65NU7459 besitzt HDR+ (Foto: Samsung)

Der Samsung UE65NU7459 besitzt HDR+ (Foto: Samsung)

Dass der Fernseher HDR+-fähig sein muss, versteht sich von selbst. Hier sind freilich die aktuellen TVs von Samsung Vorreiter. Ein exemplarisches Beispiel wäre der Samsung UE65NU7459. Im Bereich der UHD-Blu-ray-Player könnte Panasonic mit dem DP-UB820 eine interessante Richtung andeuten: Koexistenz von HDR+ und Dolby Vision, was für Konsumenten wünschenswert wäre. Denn so müsste man sich nicht für einen Standard entscheiden. Besagter Player soll im Juli 2018 erscheinen.

Schauen wir in die Zukunft, werden vermutlich weitere Hersteller HDR+-Produkte anbieten oder „zweigleisig“ mit HDR+/Dolby-Vision-Geräten fahren. Auch im Bereich UHD-Blu-rays ist damit zu rechnen, dass bald erste HDR+-Discs in den Handel kommen, sobald geeignete Abspiel-Lösungen verfügbar sind.

Nicht zu verwechseln ist HDR+ in der Fernsehtechnik übrigens mit einem gleichlautenden Standard, den Google in seinen Pixel-Phones für die Fotokamera verwendet. Google wertet Fotos mit Hilfe eines Coprozessors und Machine Learning auf, so dass ein noch besseres HDR-Bild enstehen soll, eben HDR+.

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