Variable Brennweiten wie im Sony Xperia 1 III: Das nächste große Ding in Smartphones?

Das Sony Xperia 1 III hat variable Brennweiten in einer Kameralinse. Das ist sowohl Wiederentdeckung als auch Anfang einer neuen Art von Smartphones.

Variable Brennweiten wie im Sony Xperia 1 III: Das nächste große Ding in Smartphones?

Sony ist immer für ein Highlight gut. Zwar erregen andere Smartphone-Hersteller mittlerweile meist mehr Aufmerksamkeit, aber bei einzelnen Details liegen die Japaner immer wieder vorne. Wie aktuell mit einer verstellbaren Blende und variablen Brennweiten in der Periskopkamera des Xperia 1 III.

Das Sony Xperia 1 III mit variablen Brennweiten entstand in Zusammenarbeit mit Sonys Kamerasparte.
Das Sony Xperia 1 III mit variablen Brennweiten entstand in Zusammenarbeit mit Sonys Kamerasparte.

Eine kurze Geschichte variabler Brennweiten

Moment mal, wird die eine oder der andere sagen, gab’s variable Brennweiten nicht schon mal? Gehen wir die Timeline der Smartphone-Kameratechnik dazu noch einmal durch:

  • Bereits 2015 setzte Asus im Zenfone Zoom eine Periskopkamera mit einem 3x optischen Zoom ein. Prismen leiten das Licht hier durch einen langen, horizontal eingebauten Zylinder zum Sensor. Das Zenfone Zoom erlaubte dadurch Brennweiten zwischen 24 und 84mm. Im Grunde war die Periskopkamera dem des Xperia 1 III sehr ähnlich, allerdings scheint die Technik noch nicht ganz ausgereift gewesen zu sein. In Deutschland etwa kam das Zenfone Zoom nie auf den Markt, offizieller Marktstart war fast 1 Jahr nach der Ankündigung im Januar 2015.
  • 2016 war das LG G5 wohl das erste Smartphone, das eine Dualkamera für „optischen Zoom“ einsetzte. Nutzer*innen konnten zwischen zwei Kameras mit verschiedenen Brennweiten hin- und herschalten.
  • Das Samsung Galaxy S9 arbeitete 2018 mit einer – wie Samsung es nannte – variablen Blende. Je nach Lichtverhältnissen stellte die Hauptkamera auf eine Blende mit f/1.5 oder f/2.4 um.
  • Etwa um das Jahr 2019 haben die Hersteller die Periskopkamera wiederentdeckt. Eine solche kommt etwa 2020 beim Samsung Galaxy S20 Ultra und dessen optischen 10x-Zoom wieder zum Einsatz.
  • Sony erweitert eine solche Periskopkamera im Xperia 1 III nun um die Möglichkeit zweier Brennweiten. Es schaltet dabei nicht nur zwischen zwei Blenden mit f/2.3 und f/2.8 um, es erreicht dabei auch variable Brennweiten. Ein Zoom zwischen 70 und 105mm ist möglich – mit demselben Objektiv.
Schon das Asus Zenfone Zoom setzte 2015 eine Periskopkamera ein, die variable Brennweiten und einen 3x-optischen Zoom bot.
Schon das Asus Zenfone Zoom setzte 2015 eine Periskopkamera ein, die einen 3x-optischen Zoom bot.

Wirklich variable Brennweiten?

Das Oxford-Online-Wörterbuch beschreibt „variabel“ als „so, dass man es ändern kann; nicht auf eine Möglichkeit beschränkt“. Und so habt ihr in der Periskoplinse des Sony Xperia 1 III die Möglichkeit, zwischen zwei Brennweiten zu wählen. Ist das variabel? Ja, aber nicht in dem Sinne, dass ihr stufenlos zwischen den Brennweiten zoomen könntet, wie mit einem Vario-Teleobjektiv an einer System- oder eine kompakten Zoomkamera.

Sony Xperia 1 III und Xperia 5 III: Die Highlights

Die beiden neuen Smartphones von Sony verwenden beide das System mit variablen Brennweiten. Der Hauptunterschied zwischen den Geräten ist die Größe. So ist das Xperia 1 III das große Flaggschiff, während das Xperia 5 III das handliche Flaggschiff sein soll – sofern man bei einem 6,1-Zoll-Display von „handlich“ sprechen kann.

Xperia 1 IIIXperia 5 III
6,5-Zoll-OLED-Display im 21:9-Formfaktor mit „4K“ (3840 x 1644 px), HDR und 120 Hz Bildwiederholrate, DCI-P3-Farbraum6,1-Zoll-OLED-Display im 21:9-Formfaktor mit FHD+ (2520 x 1080 px), HDR und 120 Hz Bildwiederholrate, DCI-P3-Farbraum
Qualcomm Snapdragon 888 Octacore-ProzessorQualcomm Snapdragon 888 Octacore-Prozessor
Triple-Kamera mit Time-of-Flight-Sensor und 3 Objektiven:

Hauptkamera (Weitwinkel, 24mm Brennweite) mit 12 Megapixeln, 1/1,7“-Sensor, Blende f/1.7

Tele-Periskopkamera mit 70 und 105mm, 12 MP, 1/2,9“-Sensor, f/2.3 und f/2.8

Ultraweitwinkelkamera mit 16mm, 12 MP, 1/2,5“-Sensor, f/2.2
Triple-Kamera mit 3 Objektiven (kein ToF):

Hauptkamera (Weitwinkel, 24mm Brennweite) mit 12 Megapixeln, 1/1,7“-Sensor, Blende f/1.7

Tele-Periskopkamera mit 70 und 105mm, 12 MP, 1/2,9“-Sensor, f/2.3 und f/2.8

Ultraweitwinkelkamera mit 16mm, 12 MP, 1/2,5“-Sensor, f/2.2
Videoaufnahme bis zu 4K-HDR mit 60 fpsVideoaufnahme bis zu 4K-HDR mit 60 fps
Frontkamera mit 8 MP, 1/4,0“-Sensor, f/2.0Frontkamera mit 8 MP, 1/4,0“-Sensor, f/2.0
Stereo-Lautsprecher, 3,5-mm-Klinkenanschluss, 360 Reality AudioStereo-Lautsprecher, 3,5-mm-Klinkenanschluss, 360 Reality Audio
5G, LTE, WiFi 6, Bluetooth 5.2, USB 3.1 Gen 1 (Typ-C), Fingerabdrucksensor, Gehäuseschutz nach IP65/68, Gorilla Glass 7 (Victus)5G, LTE, WiFi 6, Bluetooth 5.2, USB 3.1 Gen 1 (Typ-C), Fingerabdrucksensor, Gehäuseschutz nach IP65/68, Gorilla Glass 6
Akku: 4.500 mAh, USB-PD für schnelles LadenAkku: 4.500 mAh, USB-PD für schnelles Laden
Android 11Android 11
Speicher: 256 GB (aufrüstbar) / 12 GB RAMSpeicher: 128 GB (aufrüstbar) / 8 GB RAM

Unterschiede zwischen Xperia 1 III und Xperia 5 III

Zwar ist auch das kleinere Xperia 5 III gut ausgestattet – erstaunlicherweise etwa ist der Akku gleich groß wie im größeren Xperia 1 III. Ansonsten haut die Idee von einem großen und einem kleinen Flaggschiff aber nicht ganz hin. Denn das Xperia 1 III hat ein höher auflösendes Display, zusätzlich zum Triple-Kamera-System noch einen Time-of-Flight-Sensor zur genaueren Abstandsmessung und vor allem mehr Speicher.

Nicht nur kleiner, auch in puncto Ausstattung leicht abgespeckt: das Xperia 5 III.
Nicht nur kleiner, auch in puncto Ausstattung leicht abgespeckt: das Xperia 5 III.

Das Xperia 5 III verwendet ansonsten aber die gleiche Triple-Kamera mit dem Periskopsystem und variablen Brennweiten. Nur der Time-of-Flight-Sensor fehlt.

Variable Brennweiten: Bald stufenlos?

Wir hatten es hier bei Zeiten einmal verglichen: Smartphone oder System-/Spiegelreflexkamera: Wer macht eigentlich die besseren Bilder? Natürlich haben große Kameras gegenüber den kleinen Smartphones vor allem zwei entscheidende Vorteile: größere Sensoren und mehrere Blendenstufen. Letzteres erlaubt unter anderem auch die Steuerung der Schärfentiefe. Je nach Objektiv kann die Blende in einer Spiegelreflexkamera sogar stufenlos sein.

Das Flaggschiff Sony Xperia 1 III und das leicht im Umfang reduzierte Xperia 5 III
Das Flaggschiff Sony Xperia 1 III und das leicht im Umfang reduzierte Xperia 5 III

Und Smartphones? Da haben wir jetzt im Sony Xperia 1 III ähnlich wie schon im Samsung Galaxy S9 vor drei Jahren immerhin zwei Blendenstufen – nun noch ergänzt um variable Brennweiten. Es wäre der große Traum von Smartphone-Fotografen, auch mit einer Smartphonekamera stufenlos zoomen und abblenden zu können.

So weit sind wir noch nicht, aber Sony zeigt aktuell, wohin der Weg geht. Und vielleicht müssen wir auf stufenlose und damit „echte“ variable Brennweiten und Blenden gar nicht mehr so lange warten.

Von den großen Smartphone-Herstellern fehlt in diesem Jahr noch das neue Flaggschiff von Huawei. Vorab-Gerüchte zeigen ein ähnliches System mit flüssigen Linsen und vielleicht ebenfalls variablen Brennweiten. Wir sind gespannt!

Bilder: Sony, Asus

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