Sorry, Samsung: Mein Galaxy S10 gebe ich nicht mehr her

Muss es wirklich immer das Neueste vom Neuen sein? Jürgen Vielmeier entdeckte seine Leidenschaft für das Galaxy S10 erst spät und lehnt Samsungs gut gemeinte Angebote zum Upgrade ab.

Sorry, Samsung: Mein Galaxy S10 gebe ich nicht mehr her

Kollege Sven Wernicke ist kürzlich leichter Kritik zum Trotz auf das Samsung Galaxy S20 umgestiegen. Und auch mir rät Samsung alle paar Tage dazu. Nachdem ich mir vergangenes Jahr das Galaxy S10 gekauft und es bei Samsung registriert habe, macht mir das Unternehmen zuletzt mehrmals die Woche per E-Mail eine Offerte. Ich solle doch auf ein neues Gerät der S20-Serie umsteigen und könne dafür das S10 sogar in Zahlung geben.

Das ist ein faires Angebot – über das ich sogar nachdenken würde, wenn ich mit dem S10 nicht zufrieden wäre. Das „Problem“ ist nur: Ich bin’s.

Das Galaxy S10 nie gewollt, aber dann plötzlich gehabt

Das Galaxy S10 hatte ich damals eigentlich nur gekauft, um es hier fürs Trendblog zu testen und gleich danach wieder zu verkaufen. Die Versuche, es bei eBay wieder loszuwerden, scheiterten allerdings an sonderbaren Gründen. Gleich zweimal hintereinander drückten Bieter aus England kurz vor Auktionsende auf „Sofort kaufen“, nur um anschließend zu bedauern, dass sie es nicht bezahlen würden.

Schönes Design, immer noch: Das Samsung Galaxy S10
Schönes Design, immer noch: Das Samsung Galaxy S10

Dadurch zogen Wochen ins Land, das S10 verlor schnell an Wiederverkaufswert, und für eine weitere Auktion kam mir mein eigener Urlaub in die Quere. Kurzerhand nahm ich das S10 einfach dahin mit.

Und schon in dem Urlaub überraschte mich das S10 mit tollen Fotos. Am besten davon in Erinnerung geblieben, ist mir dabei ein Sonnenuntergangsbild, das ich damals auf Bali aufnahm. Ein Rauschen ist hier nicht wegzuleugnen, aber die Farben sind wunderbar:

Sonnenuntergangsbild am Strand: Geschossen mit dem Galaxy S10
Sonnenuntergangsbild am Strand: Geschossen mit dem Galaxy S10

Als Samsung das Galaxy S10 im vergangenen Jahr vorstellte, da war ich anfangs nur mäßig begeistert. Die Ausstattung klang zwar sehr gut, aber es gab nichts, was offensichtlich herausstach. Huawei etwa stellte wenige Wochen später im P30 Pro eine Vierfach-Kamera mit 5-fach optischem Zoom vor, mit einer Time-of-Flight-Kamera, und versprach taghelle Bilder bei nur 1 Lux Lichtstärke. Samsung hatte dagegen fast durchweg weniger anzubieten: „nur“ eine Dreifach-Kamera, 2-fach optischen Zoom, kein Time-of-Flight und keine derart herausragende Lichtstärke.

Ein Vergleich der Daten sagt nicht alles

Im Vergleich zum P30 Pro schien das Galaxy S10 also klar abgehängt, die technischen Daten im Vergleich zum Galaxy S9: kaum verbessert. Es gab zu dem Zeitpunkt eigentlich wenig, was für das S10 sprach.

Aber, und das sehe ich im Nachhinein so: Vielleicht vergleichen wir auch zu viel. Ein P30 Pro bekam ich im gleichen Jahr nicht zum Testen. Vielleicht ein Glücksfall, denn: Vergleiche machen nicht glücklich und täuschen über andere Dinge hinweg, auf die Samsung im S10 klaren Wert gelegt hat: die Nutzerfreundlichkeit.

Erfahrungsbericht Samsung Galaxy S9+: Zweites Auge, zweiter Sieger

So fiel mir eigentlich erst nach ein paar Monaten mit dem Galaxy S10 auf, dass ich kein einziges zu dunkles Bild damit geschossen hatte. Das war im Galaxy S9 noch anders gewesen. Beinahe egal wo, egal wie hell: Das S10 zauberte ein schönes Foto. Hohe ISO-Werte erlauben eine hohe Lichtausbeute, künstliche Intelligenz rechnet das Rauschen herunter. Kürzlich verglich ich für mein Privatblog einmal Bilder vom iPhone X und dem Galaxy S10. Zugegeben: kein fairer Vergleich, das iPhone X ist fast anderthalb Jahre älter. Aber: das Galaxy S10 machte fast durchgehend detailreichere Fotos, die Bilder wirken erheblich farbenfroher.

Mag sein, dass das P30 Pro da noch mehr liefern konnte, aber dadurch dass mir der Vergleich fehlte, versäumte ich nichts. Ich wusste nur, dass ich mich bei Bildern auf das S10 eigentlich immer verlassen konnte. Mittlerweile hat Samsung sogar Software-Updates für die Kamera nachgereicht und sie in meinen Augen noch weiter verbessert.

Schönes Licht ist natürlich ein Heimspiel für eine Smartphone-Kamera. Aber das Samsung Galaxy S10 holt hier immer noch mehr heraus als viele andere Smartphones.
Schönes Licht ist natürlich ein Heimspiel für eine Smartphone-Kamera. Aber das Samsung Galaxy S10 holt hier immer noch mehr heraus als viele andere Smartphones.

Wenn Hintergrundbilder Kult werden

Aber eigentlich schon vorher entwickelten das S10 und das große Modell S10+ zum ersten Mal Kultpotenzial. Es gab plötzlich Hintergrundbilder, die das eigentlich umstrittene Punch-Hole-Display mit einer Lochaussprarung für die Frontkamera, kreativ nutzten.

Kameras und Hülle des S10
Kameras und Hülle des S10

Vergangenen Sommer begann ich, etwas mehr mit Videos und Audio-Aufnahmen zu experimentieren. Ich nahm eine Zeitlang jeden Tag ein Video auf, in dem ich etwas in die Kamera erzähle. Anfangs probierte ich das noch mit einer „echten“ Kamera, in meinem Falle der Canon EOS M6 (Mark I). Irgendwann fiel mir aber auf, dass mir die Ergebnisse des S10 noch besser gefielen. Selbst die Frontkamera nimmt detailreiche, scharfe Bilder in Full HD auf, und anders als mit der Canon-Kamera war beim Ton keinerlei Brummen oder Rauschen zu hören, egal ob mit externem Mikro oder ohne.

Bei meinen Audioaufnahmen war und bin ich vom integrierten Diktiergerät begeistert, das Samsung im One UI mitliefert. Das lässt euch ohne viel Schnickschnack einfach direkt aufnehmen, wahlweise auch mit einem externen Mikrofon. Und die Aufnahmequalität ist ganz einfach gut.

Tolles Display, immer noch handliches S10

Recht schnell war ich auch von der Bildqualität des Displays angetan, auf dem selbst geschossene Bilder und Videos gar noch ein bisschen besser aussahen als später auf dem Rechner. So oder so eignete es sich gut dafür, das eine oder andere YouTube-Video oder unterwegs in der Bahn oder im Flugzeug gar ein paar Netflix-Folgen zu gucken. Dass das Display des S10 HDR+ beherrscht, ist dabei sicher kein Nachteil. Aber auch der Ton unterstützt das gelegentliche Videogucken sehr gut.

Dann freute mich nach einiger Zeit auch, dass das S10 mit seinem 6,1-Zoll-Display zwar im Vergleich zu früher gängigen Maßen gigantisch klingt, das Gerät aber im Alltag erstaunlich handlich ist. Vieles lässt sich mit einer Hand erledigen, auch ohne den verfügbaren Ein-Hand-Modus. Auf die Schräge im abgeschrägten Display tippe ich eigentlich kaum noch versehentlich. Das war etwa im Galaxy S8 noch anders. Das kann natürlich auch an der Hülle liegen, die ich mir dazu bestellte, die mir auch optisch von Anfang an gefiel, und die gleichzeitig als Ständer des Geräts dienen kann.

Eine optionale Hülle schützt das Galaxy S10 sicher und kann auch als Ständer dienen.
Eine optionale Hülle schützt das Galaxy S10 sicher und kann auch als Ständer dienen.

Die mitgelieferten AKG-Kopfhörer waren tatsächlich die ersten In-Ear-Buds, die ich bei einem Smartphone gerne genutzt habe. Sie wirkten einfach angenehm zu tragen und im Gegensatz zu anderen Earbuds nicht unangenehm im Ohr. Mittlerweile bin ich auf kabellose Apple AirPods umgestiegen – die sich dank Bluetooth 5.0 mit dem S10 problemlos verbinden.

Schwächen? Nein, Charakterzüge!

Das durchgängige Lob wundert mich ein wenig selbst, denn das Galaxy S10 hat Schwächen, und die fielen mir ziemlich schnell auf. Da wäre zum einen die längst nicht immer zuverlässige Gesichtsentsperrung zu nennen, die ich benutze, weil mich der schwer bedienbare Fingerabdrucksensor im Display so sehr störte, dass ich ihn schnell ausschaltete.

Erfahrungsbericht: Drei Wochen mit dem Samsung Galaxy S10

Weil ich insgesamt sehr zufrieden war, ertappte ich mich dabei, unliebsame Schwächen des Geräts sogar zu verteidigen. „Der Akku? Neinein, der ist gar nicht so schlecht. Das Gerät muss eben häufiger an den Strom, aber das ist es mir wert. Und der Energiesparmodus holt bestimmt noch 10 Prozent mehr raus.“

Galaxy S10 und alle anderen: Gebt euren Smartphones eine Chance

Denke ich zurück an die Mobiltelefone, die mir in meinem Leben am besten gefielen, dann hatten natürlich alle davon einzelne Schwächen. Aber um die herum ließen sich Wege finden, teilweise sogar drüber hinweg sehen, weil das Gesamtkonzept stimmte. Beim Samsung Galaxy S10 tut es das auch.

Und die Moral von der Geschicht? Holt euch jetzt alle das Galaxy S10? Könnt ihr machen. Es ist weiterhin ein tolles Smartphones, es ist mittlerweile deutlich im Preis gefallen und es dürfte vielen von euch gefallen. Aber eigentlich geht es mir um etwas Anderes: Es geht mir darum, dafür zu werben, länger an euren Geräten festzuhalten. Sicher ist neuer meistens besser, das S20 wird auch besser sein als das S10. Aber nur selten macht ein neues Gerät so viel Freude wie eins, das ihr liebgewonnen habt.

Samsung Galaxy S20: Warum ich mir das Smartphone trotz Kritik gekauft habe

Ich werbe also lieber dafür: Geht euren Smartphones eine Chance, auch über einen längeren Zeitraum. Oft ist es nicht sofortige Leidenschaft, aber es kann über die Zeit eine werden. Und wenn es euch gefällt, dann bleibt durchaus mal etwas länger dabei.

Ich werde Samsungs gut gemeinte Angebote ablehnen und sicher noch eine ganze Weile beim S10 bleiben.

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3 Kommentare zu “Sorry, Samsung: Mein Galaxy S10 gebe ich nicht mehr her

  1. Ich fahre hier immer noch auf einem Pixel 2 XL seit Dezember 2017. Bekommt im Herbst noch das neue Android. Darauf (garantierte OS-Updates für einige Jahre) und auf die Kamera, schaue ich am meisten.

  2. Das S10 ist meines Erachtens das deutlich ausgewogenere Smartphone im Vergleich zu P30Pro. Das P30 Pro hat ein schlechteres Display mit geringerer Auflösung, keine Stereolautsprecher, keinen Kopfhöreranschluss und selbst die Kamera ist nur beim Zoom und Nachtmodus besser ansonsten kann das S10 locker mithalten im Kamerabereich. Also hast du nichts falsch gemacht mit S10 im Gegenteil:-)

  3. Hallo liebe Samsung-Freunde!

    Ich brauche dringend und bitte höflichst um Hilfe durch eine, möglichst schrittweise Erklärung, was ich wo genau tun muss, so dass mein neues S10+ Handy alle, auf die ebenso neue 128 GB SD-Card übertragenen 150 Apps, auch wieder angezeigt werden und somit auch geöffnet werden können. Nach Übertragung derer wurden auch alle sofort angezeigt. Übertragung klappte problemlos und schnell.
    Danach habe ich ein paar Updates d.Samsung-Apps installiert, doch seither scheinen die Apps auf der SD-Karte im Menü lediglich als „graue SD-Karte-Icons“ auf. Öffnen und benutzen kann ich sie nicht!

    Selbstverständlich habe ich in d. Einstellungen versucht zB. „externe Speicher“ oder SD-Card zu finden, doch leider vergeblich. Ich fand keinen einzigen Punkt dazu!

    Samsung schrieb mir, dass ich die SD Karte mit dem Handy erst noch verknüpfen müsse. Einerseits wäre dies zwar logisch, doch warum musste ich nach Einsetzen der SD-Karte nichts weiter tun, zumal sie ohnehin sofort erkannt wurde, u.ich sämtliche Apps auch problemlos übertragen konnte…?? Doch jetzt müsste ich sie mit dem Android-Betriebssytem des Handys verknüpfen?? Gut. Ok. Doch wie, wenn man in d. Einstellungen dazu nichts findet….

    Ich habe in den letzten Jahren das Samsung S7 Handy genutzt und war damit äußerst zufrieden! Wäre vielleicht eine nochmalige Lösung, wenn ich die Smart Switch App nochmals verwende, das neue S10+ zurück setze und alles nochmal mache?

    Ich bitte die Samsung bzw. S10+ Community vielmals um weiterführende Hilfe, ich bin für jeden Ratschlag dankbar, da mir die Zeit schon davon läuft….!

    ICH DANKE allen im Voraus, wenn mir jemand eine Anleitung geben könnte, wie ich das Problem beheben könnte.

    Vielen herzlichen Dank im Voraus!! LG aus Österreich

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