OnePlus Nord 2 im Test: Flaggschiff-Killer aus der Mittelklasse?

Das OnePlus Nord 2 präsentiert sich bei uns im Test als Rundum-Sorglos-Paket mit schnellem Chip und guter Kamera.

OnePlus Nord 2 im Test: Flaggschiff-Killer aus der Mittelklasse?

1000 Euro für ein Top-Smartphone? Geht’s nach OnePlus, bekommt ihr alle wirklich wichtigen Funktionen mitsamt einer hochwertigen Kamera für sehr viel weniger Geld. Das OnePlus Nord 2 ist zwar preislich und bezogen auf manche Komponenten in der (oberen) Mittelklasse einzuordnen, möchte es aber dennoch mit der Oberklasse aufnehmen. Nach dem Test kann von Flaggschiff-Killer zwar nicht unbedingt die Rede sein, normalsterbliche Nutzer bekommen allerdings ein sehr stimmiges Rundumsorglospaket.

Das ist das OnePlus Nord 2 - wie immer schick verpackt. (Foto: Sven Wernicke)
Das ist das OnePlus Nord 2 – wie immer schick verpackt. (Foto: Sven Wernicke)

Das, was Kunden wirklich wollen?

Vielleicht sollte ich mich nicht zu sehr über die Äußerung „Flaggschiff-Killer“ echauffieren, der bei den Top-Modellen von OnePlus durchaus angebracht war. Beim Nord 2 sehe ich das nicht, denn auch das bereits seit über einem halben Jahr erhältliche OnePlus 9 (Pro) ist technisch deutlich überlegen – in nahezu jedem Bereich. Vielmehr könnte es das Nord 2 mit dem OnePlus 8 oder 8T aufnehmen – also den Premium-Smartphones aus dem Jahr 2020.

Ist das OnePlus Nord 2 wirklich ein Flagship Killer, wie es der Hersteller beschreibt? Nein! (Foto: OnePlus)
Ist das OnePlus Nord 2 wirklich ein Flagship Killer, wie es der Hersteller beschreibt? Nein! (Foto: OnePlus)

Technische Daten OnePlus Nord 2

ProzessorMediaTek Dimensity 1200-AI
Hauptbildschirm6,43 Zoll Fluid AMOLED-Display im 20:9-Format mit 90Hz (Auflösung 2400 x 1080 Pixel)
SpeicherRAM: 8GB/12GB LPDDR4X
ROM: 128GB/256GB UFS3.1
BetriebssystemOxygenOS basierend auf Google Android 11
Akku4.500 mAh mit WarpCharge 65
HauptkameraTriple-Kamera:
– 50 MP Weitwinkel (F1.88, Sony IMX766)
– 8 MP Ultra-Weitwinkel (F2.25)
– 2 MP Farbfilter (F2.5)
Frontkamera32 MP (F2.45. Sony IMX615)
USB-AnschlussUSB 2.0, Type-C
Extras5G-Konnektivität, Bluetooth 5.2, NFC, Fingerabdruck-Sensor unter dem Display, Wi-Fi 802.11 a/b/g/n/ac/ax, Stereo-Lautsprecher, Dual-SIM

Sei’s drum: Es geht preislich bei unverbindlichen 399 Euro für das Modell mit 8GB RAM und 128GB ROM los, was verdeutlicht, in welchem Segment das Nord 2 angesiedelt ist. Obere Mittelklasse also. OnePlus bietet euch dennoch eine ganze Menge, darunter den attraktiven Bildschirm und die Rückseiten-Triple-Kamera. 4500 mAh Akku und Schnellladefunktion fehlen nicht. Da stellt sich schon zu Recht die Frage: Was braucht’s eigentlich mehr?

Etwas kleiner, anderer Prozessor und KI

Beim Vergleich der technischen Daten ist auch klar: Das OnePlus 8 könnte die Vorlage für das Nord 2 gewesen sein. Art des Speichers, 90Hz-Display, WarpCharge 65 – das ist sicher nicht zufällig identisch, gab es aber zum Teil auch schon beim ersten OnePlus Nord.

Neu ist die dezent gesunkene Bildschirmgröße von 6,43 Zoll und der Verzicht auf einen Chip von Qualcomm. Stattdessen setzt OnePlus auf den MediaTek Dimensity 1200, der eigenen Aussagen zufolge einige KI-Anpassungen erhielt. Allen voran für die Kamera mit optischem Bildstabilisator. 32 Szenen kann das Nord 2 automatisch erkennen und das geschossene Bild somit optimal präsentieren.

Schön anzusehen ist das OnePlus Nord 2 auf jeden Fall auch. (Foto: Sven Wernicke)
Schön anzusehen ist das OnePlus Nord 2 auf jeden Fall auch. (Foto: Sven Wernicke)

Besagtes WarpCharge 65 ist, wie schon bei den „großen“ OnePlus-Modellen, kein Hexenwerk, aber clever: Das Nord 2 lädt mit dem beiliegenden Netzteil zwei voneinander getrennte Akku-Zellen gleichzeitig auf, eine Armada von Sensoren überwacht das Gerät und verhindert so eine Überhitzung. In etwas über 30 Minuten können so 4500 mAh vollständig aufgeladen sein – und das ist nicht nur theoretisch beeindruckend, sondern diese Tatsache imponierte mir auch bei meinen Tests.  Andererseits kommt ihr bei normaler Verwendung ohne Probleme über den Tag mit einer Akkufüllung.

Vergleich OnePlus Nord 2 vs. OnePlus Nord

OnePlus Nord 2OnePlus Nord
Prozessor:
MediaTek Dimensity 1200-AI
Prozessor:
Qualcomm Snapdragon 765 5G
Speicher:
RAM: 8GB/12GB LPDDR4X
ROM: 128GB/256GB UFS3.1
Speicher:
RAM: 8GB/12GB LPDDR4X
ROM: 128GB/256GB UFS2.1
Frontkamera:
32 MP (F2.45. Sony IMX615)
Frontkamera:
32 MP (F2.45. Sony IMX616)
Hauptkamera:
Triple-Kamera:
– 50 MP (F1.88, Sony IMX766, OIS)
– 8 MP Ultra-Weitwinkel (F2.25)
– 2 MP Farbfilter (F2.5)
Hauptkamera:
Quad-Kamera:
– 48 MP (F1.75, Sony IMX586, OIS)
– 8 MP Ultra-Weitwinkel (F2.25)
– 5 MP Tiefenobjektiv (F2.4)
– 2 MP Makroobjektiv (F2.4)
Display:
6,43 Zoll Fluid AMOLED-Display im 20:9-Format mit 90Hz (Auflösung 2400 x 1080 Pixel)
Display:
6,44 Zoll Fluid AMOLED-Display im 20:9-Format mit 90Hz (Auflösung 2400 x 1080 Pixel)
Akku:
4500 mAh
WarpCharge 65
Akku:
4115 mAh
WarpCharge 30T
Connectivity:
USB 2.0, Type-C
LTE/5G
WiFi 2×2 MIMO, 802.11
a/b/g/n/ac/ax
Bluetooth 5.2
NFC
Dual-SIM
Connectivity:
USB 2.0, Type-C
LTE/5G
WiFi 2×2 MIMO, 802.11
a/b/g/n/ac
Bluetooth 5.1
NFC
Dual-SIM
Maße:
Höhe: 158.9 mm
Breite: 73.2 mm
Dicke: 8.25 mm
Gewicht: 189 g
Maße:
Höhe: 158,3 mm
Breite: 73,3 mm
Dicke: 8,2 mm
Gewicht: 184 g
OS:
OxygenOS 11 (basierend auf Android 11)
OS:
OxygenOS 10 (Update auf OxygenOS 11 erhältlich)

Das OnePlus Nord 2 fühlt sich wie ein „großes“ OnePlus an

Zugegeben: Ich bin ja nach wie vor ein wenig in das OnePlus 9 Pro verliebt. Bei dem passt einfach alles zusammen – von der tollen Kamera bis zum Design und der Verarbeitung. Aber: Das Nord 2 fühlt sich auch erstaunlich wertig an und erinnert mich immer wieder an das ebenfalls erstklassige OnePlus 8T.

Das 90Hz-AMOLED-Display ist zwar mit 2400 x 1080 Pixeln nicht so hoch aufgelöst wie das des OnePlus 9 Pro (oder das meines Galaxy S20), doch es bietet auch ohne HDR-Support einen klasse Kontrast und fühlt sich beim Scrollen „butterweich“ an. Die Stereo-Lautsprecher klingen für die Ausmaße des Telefons mehr als ordentlich. Wieder gut spüren lassen sich die Vibrationseffekte.

Und besonders wichtig: Das Nord 2 liegt richtig gut in der Hand. Der Fingerabdrucksensor reagiert flott und präzise – das bekommt mein S20 so nicht hin. Oder anders gesagt: Das Nord 2 macht einfach Spaß, wenn ihr mit ihm rumspielt und Apps aufruft, surft oder spielt. Hier überrascht mich dann sogar der verbaute Prozessor.

MediaTek statt Snapdragon

Ehrlich gesagt bin ich kein Fan von MediaTek-Prozessoren. In der Vergangenheit testete ich viele Smartphones, Mediaplayer und Tablets mit den SoCs des taiwanischen Produzenten. Meist stimmte etwas mit der Performance und/oder der Stabilität nicht.

Anders sieht’s tatsächlich beim MediaTek 2100 aus, der sich – mit Blick auf Benchmark-Ergebnisse – irgendwo zwischen dem 2019er-Highend-SoC Qualcomm Snapdragon 855 und dem Samsung Exynos 990 aus der Galaxy-S20-Reihe angesiedelt ist. Die Performance kommt also nicht an den Qualcomm Snapdragon 888 aus dem OnePlus 9 heran, aber das OnePlus 8 (T) ist fast erreichbar. Mal gibt sich der MediaTek 2100 stärker (3DMark), mal dezent schwächer (GeekBench) – aber stets auf einem erstaunlich hohen Niveau. Fakt ist: Das ist mehr als „nur“ Mittelklasse.

Viel entscheidender für all diejenigen, die nicht das Schnellste und Beste verlangen, ist die Alltagsperformance, also die gefühlte Geschwindigkeit. Mit der bin ich persönlich überaus zufrieden. Schnell wechselt ihr zwischen Apps, ruft flott die Kamera-Anwendung auf (das ist mir sehr wichtig) und knipst Schnappschüsse. Wirkliche Performance-Schwächen konnte ich nicht feststellen.

Anders gesagt: Das Gebotene sollte für alles genügen, auch für anspruchsvolle Spiele. Dafür sorgen zusätzlich der ausreichend bemessene Arbeitsspeicher, der flotte Flash-Speicher und sicherlich auch das auf Android 11 basierende OxygenOS.

Wie gut ist die Kamera des OnePlus Nord 2?

Machen wir uns nichts vor: Die Kamera gehört mittlerweile zu den wichtigsten Funktionen eines guten Smartphones. Eine miese Cam verbinden wir meist mit einem unattraktiven, schlechten Smartphone. Das wissen auch die Techniker bei OnePlus, die fürs Nord 2 eine Triple-Kamera auswählten.

Die Triple-Kamera des OnePlus Nord 2. (Foto: Sven Wernicke)
Die Triple-Kamera des OnePlus Nord 2. (Foto: Sven Wernicke)

Herzstück ist die 50 Megapixel-Kamera mit einem Sony IMX 766-Sensor und einer Brennweite von f/1.88. Unterstützung erhält diese von einer Ultraweitwinkel-Linse (119,7 Grad) und einer Mono-Linse. Ein optischer Bildstabilisator kommt bei Foto- und Videoaufnahmen zum Einsatz. Euch selbst setzt ihr mit einer 32-Megapixel-Frontkamera (Sony IMX 615) in Szene. Kamera-Komponenten stammen zum Teil aus dem OnePlus 9, was ihr qualitativ auch bemerkt.

Das hört sich nicht nur gut an, auch in der Praxis gefallen mir die Resultate des Nord 2. Die KI-Funktionen, die man einfach ausgedrückt als zu Szenen passende Filter bezeichnen könnte, dürft ihr freilich jederzeit ausschalten. Doch gerade bei schwächeren Lichtverhältnissen können diese Elemente noch etwas aus den Bildern „herausholen“. Auf jeden Fall lässt euch OnePlus jede Menge Freiraum zum Experimentieren – im Zweifel über den Experten-Modus der Kamera-App.

Was mir generell sehr zusagt, das ist die schnelle Auslösezeit ohne relevante Verzögerungen beim Sichern der Aufnahmen. So muss das sein.

Etwas zu viel Weitwinkel

Wiederum eine Frage des Geschmacks ist die Tatsache, dass die Standard-Kamera etwas zu weitwinkelig ist, ihr also häufiger auf den Zoom zurückgreift oder an Objekte näher herangeht. Auch überraschend ist es, was das Nord 2 aus Nachtaufnahmen herausholt. Bei manchen Ergebnissen hatte ich das Gefühl, als hätte ich die Bilder an einem späten Nachmittag geschossen. Hier holt die KI vielleicht etwas zu viel heraus, was ihr freilich noch nachträglich korrigieren könnt.

Fazit: Das OnePlus Nord 2 ist kein Flaggschiff-Killer, aber…

Das Nord 2 zeigt auf mehr als ansprechende Art, wo sich die Smartphone-Mittelklasse längst befindet: Auf einem Niveau, bei dem man sich zu Recht fragt, wer noch die Oberklasse benötigt. Klar, für 1000 Euro gibt’s meist vier Kamera-Linsen und allerlei Schnickschnack, doch ob das noch den deutlich höheren Kaufpreis im Gegensatz zum Beispiel zum Nord 2 rechtfertigt? Ich finde nicht, denn die hier verwendete Triple-Kamera bietet alles, was ihr für gute Fotos und Videos braucht. Und auch bei Leistung und Ausstattung gibt kaum etwas zu bemängeln.

Fünf Features, die dem OnePlus Nord 2 fehlen

– Wi-Fi 6
– USB-3.1-Port
– Dolby Atmos für Lautsprecher
– HDR-Support des Displays
– WarpCharge Wireless (schnurloses Laden via Induktion)

Das Nord 2 ist ein Allrounder zum fairen Preis. Über den Prozessor mögen Kenner streiten, doch der ist potent genug für alle wesentlichen Aufgaben, die ihr mit einem Smartphone heutzutage erledigen wollt. Die Kompromisse, die ihr im Vergleich zu einem 1000-Euro-Smartphone eingehen müsst, sind so minimal (nicht der schnellste Prozessor auf dem Markt, kein 120Hz-Display, keine Quad-Kamera, kein induktives Laden…), dass sie letztlich nicht bis kaum ins Gewicht fallen. Dafür überwiegen ganz klar die Stärken: Preis, Verarbeitung, sauberes OxygenOS, besagte Kameras, Akku & WarpCharge 65 – was wollt ihr noch mehr?

Ein Telefon, das einfach Spaß macht. (Foto: Sven Wernicke)
Ein Telefon, das einfach Spaß macht. (Foto: Sven Wernicke)

Klar, das OnePlus 9 Pro ist natürlich noch eine andere Liga, auch bezogen auf das Design, aber wer sich scheut, so viel Geld für ein Telefon auszugeben, findet mit dem Nord 2 einen tollen Kompromiss, der in dieser Preisklasse keine ernsthaften Schwächen besitzt. Ein schönes Ding!

Das OnePlus Nord 2 ist ab dem 28. Juli 2021 erhältlich. Für 399 Euro (UVP) erhaltet ihr das Modell mit 8GB RAM und 128GB ROM in den Farben Blue Haze und Gray Sierra. Für 100 Euro mehr bekommt ihr 12GB RAM und 256GB ROM.

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