Motorola One Hyper im Test: Pop-up-Traum und Weitwinkel

Das Motorola One Hyper ist ein erstaunlich wuchtiges Smartphone mit Pop-up-Kamera und Schnelllademodus. Was es sonst noch bietet? Tolle Fotos!

Motorola One Hyper im Test: Pop-up-Traum und Weitwinkel
Fazit: Das Motorola One Hyper ist auf den ersten Blick kaum von einem Highend-Smartphone zu unterscheiden. Auf den zweiten Blick offenbart sich ein Telefon, das bis auf die Kamera ohne besondere Eigenschaften auskommt. Und das geht in Ordnung.

Würdet ihr nicht so genau hinschauen, könntet ihr das Motorola One Hyper für ein Highend-Smartphone halten. Toll verarbeitet, groß, bunt, vielseitig. Das Display hat kaum Rand und ist klar und scharf, der Sound ist gut.

Motorola One Hyper: Optisch nah an der Spitze

Es sind mehr die Details, die das Mittelklasse-Smartphone One Hyper von der Spitze unterscheiden. Ein langsamerer Prozessor, ein LED-Display, kein OLED. Und nur eine Dualkamera ohne Zoom. Die Spitze ist meist bei mehr Objektiven pro Kamerasystem und besserer Tiefenwirkung angelangt. Neuester Trend scheint außerdem Zoom zu sein. Das Huawei P40 Pro etwa bringt einen 50x-Hybridzoom mit, das Samsung Galaxy S20 gar einen 100x-Zoom.

Schönes Smartphone: Das Motorola One Hyper
Schönes Smartphone: Das Motorola One Hyper

Hier kann und will Motorolas neuestes Gerät nicht mithalten. Das One Hyper hat eine Dualkamera verbaut, die ihr zwischen Weitwinkel und Ultraweitwinkel (118°) umschalten könnt. Dank einer aus dem Gehäuse fahrender Pop-up-Frontkamera kommt das Display ohne Punch-Hole oder Notch aus.

Im Trend: Die Pop-up-Frontkamera
Im Trend: Die Pop-up-Frontkamera

Das funktionierte bei uns im Test gut. Selfies mit der Frontkamera sehen okay aus, allenfalls etwas weitwinklig. Probleme hatte ich nur bei Videoaufnahmen unter schlechten Lichtverhältnissen. Ignoriert getrost, was ich im folgenden Beispielvideo erzähle. Aber ihr seht, dass wenig Licht hier für die Frontkamera des Smartphones bei der Videoaufnahme gar kein Licht bedeutet:

Die Bildqualität der rückwärtigen Kamera ist für die Mittelklasse erstaunlich gut, egal ob bei Tag oder bei Nacht. Wer von einem Smartphone mit Dreifachkamera kommt, wird einen Zoom und eine Normalbrennweite schmerzlich vermissen. Denn, das sei gesagt: Selbst das Standardobjektiv ist bereits sehr weitwinklig.

Viel Weitwinkel, großer Sensor

Die Wirklichkeit wirkt dadurch verzerrt. Als ich damit durch die Straßen meines Wohnorts gezogen bin, habe ich diese Eigenschaft aber nach einiger Zeit tatsächlich zu schätzen gelernt. Eine sehr weitwinklige Kamera könnt ihr selbst aus nächster Nähe noch mit dem ganzen Motiv füllen. Für Städtetouristen (sobald das wieder möglich ist) also eine durchaus lohnenswerte Eigenschaft.

Formatfüllend: Die Weitwinkelkamera kriegt alles drauf.

Die Details der Hauptkamera lassen aufhorchen. Motorola hat sie nicht nur mit 64 Megapixeln und damit einhergehend einer Quadpixel-Technik ausgestattet (was vier Pixel zu einem kombiniert und damit für höhere Lichtempfindlichkeit sorgen soll). Der Hersteller hat nämlich auch noch einen erstaunlichen großen 1/1.72-Zoll-Sensor verbaut. Der ist fast so groß wie in Huaweis „Fotowunder“ P30 Pro vom vergangenen Jahr. Die große Megapixel-Anordnung geht allerdings zu Lasten der Pixelgröße von wiederum recht kleinen 0,8 µm. Insgesamt kommt aber eine für die Mittelklasse erstaunliche Bildqualität heraus.

Tags wie nachts sehr ordentliche Fotos mit der Hauptkamera

Größere Pixel (1.12 µm) aber dafür einen mit 1/4.0 Zoll erheblich kleineren Sensor bekommt ihr in der Zweitkamera mit Ultraweitwinkel. Motorolas Werbeversprechen ist, dass ihr damit viermal so viel auf die Linse bekommt wie mit anderen Kameras. Das geht natürlich zu Lasten gerader Linien und eines klaren Bildfokus‘. Das eigne sich besonders für Landschafts- und Architekturaufnahmen, schreibt Motorola. Nach meinem Test bin ich der Meinung, dass selbst dafür die weitwinklige Hauptkamera völlig ausgereicht hätte. Aber das mag der/die geneigte LeserIn anders sehen.

Aufnahme mit Weitwinkel und Ultraweitwinkel

Ideal zum YouTube-Schauen

Was beim Gehäuse des Motorola One Hyper auffällt: Es groß, richtig groß. Mein Samsung Galaxy S10 ist geradezu winzig dagegen. Während ich damit auch einige Dinge mit einer Hand erledigen kann, ist das beim Motorola kaum möglich. Es ragt aufgrund seiner Länge auch etwas aus meiner Hosentasche heraus.

Groß und wuchtig
Groß und wuchtig

Der Vorteil ist ein besonders großer Bildschirm, 6,5 Zoll auf fast der gesamten Gehäusebreite. YouTube-Videos darauf zu schauen, ist detailreich und macht Spaß. Wenn ihr wollt, könnt ihr Videos im 16:9-Format mit einem Pinch-to-Zoom auf die volle 19:9-Breite aufziehen. Das Bild ist dann entsprechend skaliert. Gerade bei kürzeren Videos wie auf YouTube ohne allerhöchsten Qualitätsanspruch wirkt das aber kaum störend. Der mit Dolby Audio versorgte Lautsprecher unten bietet den – überdurchschnittlich guten – Sound dazu.

Matti Haapoja auf YouTube

Oben das Orignal, darunter die gezoomte Darstellung. Bildquelle: Matti Haapoja auf YouTube
Oben das Orignal, darunter die gezoomte Darstellung. Bildquelle: Matti Haapoja auf YouTube

Wenige Highlights und kaum Ausreißer nach unten

Sonstige Highlights des One Hyper: eher wenig. Und das macht nichts, denn Ausreißer nach unten gibt es so gut wie nicht. Schon fast traditionell, dass Motorola weiterhin einen 3,5-mm-Klinkenanschluss für Kopfhörer anbietet. Der integrierte 27-Watt-Turbopower-Schnelllademodus soll 10 Stunden Akkulaufzeit nach nur 10 Minuten Laden erreichen. Benannter Akku hielt im Test bei normaler Nutzung gut und gerne 2 Tage durch, was sehr löblich ist. Eine Möglichkeit des drahtlosen Aufladens hat das Smartphone nicht; in dieser Preisklasse wäre das aber auch recht viel verlangt.

Tags wie nachts schöne Bilder

Wie immer verwendet Motorola für den „Wasserschutz“ die eigene abweisende Nano-Beschichtung (gegen Schweiß oder Regentropfen), aber nach wie vor leider keine IP-Zertifizierung. Recht großzügig war Motorola beim Flash-Speicher von 128 GB. Die 4 GB RAM würde ich allerdings auch in der Mittelklasse mittlerweile bestenfalls als zufriedenstellend bezeichnen.

Motorola verwendet als Chipset den schon zum Zeitpunkt des Marktstarts gut 1 Jahr alten Snapdragon 675. Im neuen Schwestermodell Moto G8 ist es der neuere 665, dem Notebookcheck allerdings etwas schlechtere Performance-Werte attestiert. Der SD 675 liegt auf Augenhöhe mit dem SD 712 der eigentlich etwas höher eingestuften Snapdragon-700-Serie.

Android 10, aber kein One

Die Benachrichtigungs-LED im Fingerabdrucksensor auf der Rückseite kann beim Wunsch nach Digital Detox helfen, darf aber getrost als Spielerei abgetan werden. Zumal Motorolas eigentlich hübsche Nutzeroberfläche standardmäßig von der eher aufdringlichen Sorte ist, an allen Ecken und Enden piept, blinkt oder im Akkord wenig dringende Benachrichtigungen aufpoppen lässt.

Motorolas bekannte „runde“ Oberfläche für Android 10 und viel Platz für Inhalte auf dem großen Display

Schön, dass Motorola das Smartphone, das im Dezember auf den Markt kam, direkt mit Android 10 ausgestattet hat (was selbst ein Vierteljahr später noch keine Selbstverständlichkeit ist). Erste Sicherheits-Updates kamen bereits. Hier führt Motorola die mit dem „One“ begonnene Android-One-Update-Politik fort. Im One Hyper allerdings möchte sich der Hersteller trotz des Namens nicht mehr auf die recht hohen Auflagen für Android One (unter anderem mindestens 2 Jahre Updates) festlegen.

Viele Smartphones mit kurzer Halbwertszeit

Viel mehr gibt es über das Motorola One Hyper auch gar nicht zu sagen: Es tut, was es soll, sieht gut dabei aus, macht für die Preisklasse wirklich schöne, wenn auch nur weitwinklige Fotos, hat ein paar Eigenschaften, die Geschmackssache sind, und ansonsten gar nicht so viele Schwächen.

Hinterfragen würde ich deswegen auch gar nicht das Gerät, sondern ein Stück weit Motorolas Produktpolitik. Das One Hyper ist das mittlerweile fünfte Gerät der aktuellen One-Generation, von denen jedes nur eine herausstechende Eigenschaft hat. Hätte man aus den One Zoom, Hyper und Vision, die sich ansonsten sehr ähnlich sind, nicht ein Gerät machen können? Zumal es mit der gerade neu aufgelegten G8-Familie eine konkurrierende Mittelklassen-Serie aus eigenem Hause gibt.

Motorola One Action ausprobiert: Actioncam-Smartphone mit Aha-Effekt

Denn so ordentlich die Geräte sind, so schnelllebig wirken sie auch. Das gerade einmal gut 1 Jahr alte, ursprüngliche Motorola One wirkt bereits jetzt im Vergleich zum One Hyper hoffnungslos veraltet. Wird man über das Hyper in anderthalb Jahren genau das gleiche denken? Aktuell auf jeden Fall ist es ein sehr ordentliches Smartphone zu einem fairen Preis (UVP 299 Euro).

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