Neue Mini-Konsolen kommen: Invasion der kleinen Retro-Kisten

Ihr habt geglaubt, dass nach SNES Mini und PlayStation Classic nicht mehr viele Mini-Konsolen erscheinen? 2019 und auch kommendes Jahr erwartet euch eine Flut an Retro-Spaß.

Welche Mini-Konsolen erscheinen 2019 und 2020?

Auch wenn’s aktuell Sommer ist – die Hersteller bereiten sich längst auf das ertragreiche Weihnachtsgeschäft vor. Etliche Unternehmen möchten gerade Spieler mit einem Hang zu Nostalgie und Retro-Charme begeistern. 2019 und 2020 können wir mit einer großen Anzahl an weiteren Mini-Konsolen im Stil von NES Mini, SNES Mini und PlayStation Classic. Dies haben wir wohl vor allem den Erfolgen der Neuauflagen der legendären Nintendo- Konsolen zu verdanken. Jetzt ziehen SEGA, Konami, Capcom und andere Firmen nach.

SEGA Mega Drive Mini: Mini-Konsole erscheint noch 2019

Ursprünglich wollte SEGA den Mega Drive Mini bereits vergangenes Jahr veröffentlichen. Geklappt hat’s nicht, dafür bietet die verkleinerte Fassung der beliebten 16-Bit-Konsole mehr als ursprünglich gedacht. Denn die erfahrenen Entwickler von M2 sorgen für eine hochwertige Emulation der Spieleklassiker. Gegenüber dem seit 2017 erhältlichen Mega Drive Flashback HD erwartet euch auch ein schöneres Angebot an echten Spieleperlen, darunter „Monster World IV“, „Strider“, „TomJam & Earl“, „Earthworm Jim“, Castle of Illusion“, „Castlevania Bloodlines“, „Phantasy Star IV“ oder „Thunder Force III“.

Sieht fast wie damals aus. (Foto: SEGA)

Sieht fast wie damals aus. (Foto: SEGA)

Der SEGA Mega Drive Mini kostet rund 80 Euro und enthält zwei typische Controller. Die Mini-Konsole könnt ihr ab dem 19. September 2019 hierzulande kaufen. Etwas Skepsis bleibt dennoch: Die Hardware stammt von Atgames. Das Unternehmen verantwortete in der Vergangenheit wenig wertige Mega-Drive-Neuauflagen mit der Lizenz von Sega.

Capcom Home Arcade: Arcade-Joystick oder Mini-Konsole?

Die Idee stammt von dem Konzern KochMedia, der gemeinsam mit dem japanischen Spielehersteller Capcom den Capcom Home Arcade entwarf. Das ist ein eigenen Aussagen zufolge professioneller Arcade-Controller mit Sanwa-Sticks und Druckknöpfen für zwei Teilnehmer. Die dürfen sich im besten Fall auf eine spaßige Spielhallen-Atmosphäre vor dem Fernseher freuen.

Wie kann es anders sein – beim Capcom Home Arcade bekommt ihr passende Urgesteine spendiert. „1944“, „Final Fight“, „Ghouls’n Ghosts“, „Mega Man“, „Street Fighter II” oder “Super Puzzle Fighter II Turbo” gibt’s zum Zocken. Gegenüber den meisten Mini-Konsolen könnt ihr den Capcom Home Arcade via WIFI mit dem Internet verbinden, um so Highscores mit anderen Spielern weltweit auszutauschen.

Mit einem Preis von zirka 230 Euro ist der Capcom Home Arcade nicht gerade ein Schnäppchen. Aber wenn die Qualität stimmt, dürften Liebhaber von Capcom ab dem 25. Oktober 2019 zugreifen.

TheC64: Der legendäre Brotkasten kehrt (wieder) zurück

Genau genommen ist TheC64 natürlich weder eine Konsole, noch besonders „Mini“. Denn es erwartet euch ein „neuer“ Commodore 64 in originaler Größe – also so, wie der „Brotkasten“ in den 1980ern erschien. Sogar eine vollwertige Tastatur, ein normales C64-BASIC zum Programmieren und Funktionen zum Verwenden eigener Games (vom USB-Stick) sind vorhanden. Wenn ihr es noch nostalgischer mögt, schaltet ihr auf den VIC20-Modus um.

Das ist fast Retro pur. (Foto: KochMedia)

Das ist fast Retro pur. (Foto: KochMedia)

Eher Konsolen-Atmosphäre entsteht beim sogenannten Spiel-Karussell. In dieser Betriebsart stehen euch 64 Spiele zur Verfügung, beispielsweise Hits wie „California Games“, „Paradroid“, „Boulder Dash“ oder „Attack oft he Mutant Camels“. Sogar die völlig neuen Titel „Galencia“ und „Planet of Death“ sind mit dabei.

Sozusagen ist der TheC64 eine deutlich verbesserte und größere Fassung des TheC64 Mini, der 2018 in den Handel kam. Der Nachfolger kostet unverbindliche 119,99 Euro und steht ab dem 5. Dezember 2019 in den Ladenregalen.

Die Unbekannte: PC Engine Core Grafx Mini

1987 versuchten der Spielehersteller Hudson Soft und der Elektronikriesen NEC eine Konsole zu etablieren. Die PC Engine, in den USA auch als TruboGrafx-16 bekannt, war trotz spannender Spiele und einer starken Technik eher eine Randerscheinung in Europa. Und trotzdem kommt die PC Engine Core Grafx Mini vermutlich noch 2019 in hiesige Gefilde. Das Gehäuse ist kleiner als damals, die Controller wiederum ändern sich glücklicherweise nicht.

Bisher kündigte das verantwortliche Unternehmen Konami nur einige erste, vorinstallierte Spiele an, beispielsweise „R-Type“, „New Adventure Island“ und „Dungeon Explorer“. Geht davon aus, dass auch „Bonk’s Adventure“ und „Bomberman“-Episoden folgen – und genau darauf freue ich mich persönlich sehr.

Evercade: Keine Mini-Konsole, dafür Retro-Handheld

Evercade sieht sich als Comeback der guten, alten Handheld-Konsole. Reizvoll ist hierbei die Idee, dass ihr nicht einfach nur vorinstallierte Games nutzen könnt, sondern neue auf Cartridge erwerbt. Offiziell lizenzierte Klassiker wie „Pac-Man“, „Earthworm Jim“, „Burgertime“ oder „Centipede“ kauft ihr in Form von „Collections“ mit den bekanntesten Hits von Atari, Namco oder Interplay.

Evercade ist auf gewisse Weise auch eine klassische Handheld-Konsole. (Foto: Evercade)

Evercade ist auf gewisse Weise auch eine klassische Handheld-Konsole. (Foto: Evercade)

Evercade selbst verfügt über einen 16:9-Bildschirm mit einer Größe von 4,3 Zoll. Alternativ schließt ihr das Gerät via HDMI an einen großen Fernseher an. Ab dem 4. Quartal 2019 möchte der Anbieter die Konsole verkaufen – preislich geht’s ab knapp 70 Euro los. Für ein Modul nach Wahl müsst ihr an die 18 Euro investieren. Für dieses Sümmchen bekommt ihr zwischen 6 und 20 Games.

Atari VCS: Neue Konsole lässt weiter auf sich warten

Ataris erste völlig neue Konsole seit über 20 Jahren lässt sich Zeit. Nach der Crowdfunding-Kampagne im Sommer 2018 und einer Umbennennung von Ataribox in Atari VCS soll das System erst im März 2020 erscheinen. Geplant sind, das ist seit der E3 2019 bekannt, mehrere Modelle der Konsole. Das Einsteigermodell (VCS 400) verfügt über 4GB RAM und kostet 249 US-Dollar. Die Variante mit 8GB (VCS 800) ist 30 US-Dollar teurer. Controller müsst ihr extra kaufen. Der klassische Joystick liegt bei 49 US-Dollar, ein zeitgemäßes Gamepad 59 US-Dollar. Das läppert sich.

Ist das Atari VCS eigentlich noch eine Konsole oder ein PC fürs Wohnzimmer? (Foto: Atari)

Ist das Atari VCS eigentlich noch eine Konsole oder ein PC fürs Wohnzimmer? (Foto: Atari)

Letztlich ist Atari VCS eine Linux-basierte Spielemaschine mit 100 vorinstallierten Retro-Titeln, AMDs Ryzen-Prozessor und einem angepassten Betriebssystem. Wenn ihr wollt, installiert ihr auf der hübschen Konsole im Stil des Atari 2600 sogar Windows und nutzt Zubehör von eurem PC. Das klingt alles ganz nett, aber irgendwie auch nach „nichts Halbes und nichts Ganzes“.

Intellivision Amico: Bekannter Name für neuartige Mini-Konsole

Intellivision? Klingelt bei euch etwas? Früher einmal konkurrierte die Konsole mit dem NES, war aber nicht so erfolgreich wie Nintendo. Jetzt wagen die Entwickler Tommy Tallarico und David Perry (u.a. Erfinder von Gaikai) einen Neustart der ehemals bekannten Marke. Für 2020 ist Intellivision Amico angedacht, das Moderne und Retro miteinander verbinden möchte.

Wie soll das gehen? Einerseits erhaltet ihr zig überarbeitete Intellivision-Spiele zum sofortigen Loslegen. Zusätzlich aber integrieren die Verantwortlichen zum Beispiel einen Online-Store zum Kaufen neuer Retro-Spiele und Online-Mehrspieler-Optionen. Auffällig sind ferner die schnurlose Controller mit Touchscreen, QI-Ladetechnologie und interaktiver LED-Leiste.

Überraschend dürfte es sein, dass Intellivision Amico auch mit exklusiven Spielen locken möchte. So arbeiten die Programmierer des legendären „Earthworm Jim“ an einer Fortsetzung – ausschließlich für Amico.

Im Oktober 2020 soll Intellivision Amico für maximal 180 US-Dollar erscheinen. Spiele kosten zwischen 2,99 US-Dollar und 7,99 US-Dollar – DLCs oder Ingame-Käufe soll es grundsätzlich nicht geben. Dazu passt, dass die Erfinder Wert auf familienfreundliche Unterhaltung legen. Ob’s klappt?

Playdate: Mal eine ganz andere Mini-Konsole

Zum Schluss mein persönliches Highlight: Playdate ist mal eine ganz andere Idee von dem Unternehmen Panic, das durch das Spiel „Firewatch“ Bekanntheit erlangte. Nun wagt sich das Studio an eine Handheld-Konsole, die 2020 für Aufsehen sorgen möchte. Der Clou: Hightech spielt überhaupt keine Rolle.

Playdate - eine ungewöhnliche Konsole. (Foto: Panic)

Playdate – eine ungewöhnliche Konsole. (Foto: Panic)

Playdate verfügt über ein Monochrom-Display, ganz im Stil des ersten Nintendo Gameboy. Skurril ist vor allem der Analog-Stick auf der rechten Seite das „Gadgets“, denn dieser lässt sich wie eine Kurbel bedienen. Das soll in den exklusiv entwickelten Spielen von besonderer Bedeutung sein.

Gegen das heutige Überangebot an Spielen geht Playdate auch vor, denn jede Woche erscheint nur ein einziges Spiel. Das erscheint digital und gewissermaßen automatisch, schließlich verfügt die Konsole dann doch über moderne Elemente wie WIFI, Bluetooth und USB-C.

12 Wochen lang möchte Panic wöchentlich ein Game für Playdate anbieten. Das erinnert nicht zufällig an eine Staffel einer Serie. Eine weitere Season folgt, sollte sich Playdate gut verkaufen. Bei einem Preis von 149 US-Dollar ist das noch fraglich. Trotzdem ist das Konzept unkonventionell und durchaus verlockend.

Hört das jemals wieder auf?

Vor fast zwei Jahren freute ich mich sehr auf weitere Retro-Konsolen, die nach dem Mini NES und dem Mini SNES noch erscheinen würden. Mittlerweile bin ich etwas unsicher, ob die Entwicklung jetzt gut oder doch übertrieben ist. Einerseits bin ich gespannt auf PC Engine Mini, Playdate, Capcom Home Arcade, Evercade und Atari VCS. Andererseits frage ich mich, ob die Hersteller eine Kuh nicht etwas zu sehr melken. Wer soll sich denn all die Konsolen kaufen? Retro-Liebhaber dürfte das bald massiv überfordern. Und so viel Platz hat doch niemand vor seinem Fernseher.

Letztlich kann ich nur hoffen, dass die Hersteller auf qualitativ überzeugende Produkte achten und gute Ideen einfließen lassen. Die PlayStation Classic bewies, dass solche Mini-Konsolen ohne Herz auch bei der Zielgruppe nicht gut ankommen. Aber ich will nicht negativ klingen: Eigentlich ist es sehr cool, wie so manche Firmen die Videospiel-Vergangenheit feiern. Wenn dann auch noch schöne Mini-Konsolen 2019 und 2020 herauskommen, wartet auf uns in den kommenden Monaten sehr viel Retro-Entertainment. Oder wie ich es nenne: Retrotainment.

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