Canon und Nikon auf der CES 2020: Spiegelreflexkameras für Profis

Der Aufstieg spiegelloser Systemkameras belebte die träge Fotoindustrie. Canon und Nikon halten aber auch der Spiegelreflexkamera die Treue und präsentierten auf der CES 2020 neue Highendmodelle.

Glaubenskriege in der Foto-Community

Systemkameras wie die Canon EOS R sind kompakter und leichtgewichtiger als ihre DSLR-Pendants. Die Bildqualität ist gleichwertig, auf dem Markt verfügbare Objektive sind dank Bajonettverschluss kompatibel. Preislich unterscheiden sich beide Geräteklassen geringfügig voneinander.

Canon EOS R im Test: Das Schwergewicht unter den Profi-Systemkameras

Digitale Spiegelreflexkameras schienen bereits wie antiquierte Geräte, unter die der Wandel der Zeit einen Schlussstrich zog. Was sie bei Fotografen hoch im Kurs hält? Die griffigen Gehäuse, der optische Sucher und die längere Akkulaufzeit. Viele schwören außerdem auf das höhere Gewicht.

Die auf der CES 2020 vorgestellten DSLR-Spitzenmodelle Canon EOS-1D X Mark III und Nikon D780 gehören zur Pemium-Elite. Preistechnisch adressieren vor allem erstgenanntes Modell Profi-Fotografen, die bereit sind den Wert eines Kleinwagens zu investieren.

Canon EOS 1D X Mark III: Premium für Profis

Das aktuelle Flaggschiff EOS 1D X Mark III entwickelte Canon eigenen Aussagen nach mit dem Feedback der weltweiten Foto-Community. Die Japaner verbesserten Bildqualität, Datenaustausch, Autofokus und die Schnelligkeit. Man könnte die Ambitionen auch anders zusammenfassen. Man runderneuerte die EOS-1-Serie.

Herzstück des Systems ist der neue Digic X-Bildprozessor. Dieser verfügt über eine optimierte Rauschreduzierung, ein auf Schärfe basierende Bildberechnung, sowie gesteigerte Rechenleistung.

In der Praxis profitieren Fotos neben dem Digic X vom verbauten Vollformat-Bildsensor der nächsten Generation. Die Bildauflösung liegt bei 20,1 Megapixeln. Das ist nicht sensationell, die 28-fach höhere AF-Auflösung in der Sensormitte bei dreifacher Anzahl der AF-Positionen schien in der Community bedeutsamer zu sein. Interessant: Der Autofokus greift auf einen eigenen Digic-8-Prozessor zu.

Eindeutig eine Canon! Das Design bleibt grundlegend gleich, innovativ wird es im Inneren. (Fotos: Canon)

Die 5-achsige Movie Digital IS-Stabilisierung minimiert die EOS 1D X Mark III die Verwacklungsunschärfe bei aus der Hand geschossenen Aufnahmen. Canon setzt bei der AF-Implementierung auf Deep Learning. Die Canon 1D X Mark III erkennt Szenen automatisch, trackt Gesichter und Augen unter einem Helm.

Erstaunliche Leistungsdaten

Apropos: Ein Gros der 1D-Nutzer betätigt sich in der Sport- und Tierfotografie. Dem flotten Autofokus beigestellt sind Serienaufnahmen von bis zu 16 Bildern mit mechanischen Verschluss. Löst ihr über Live View aus, schießt ihr bis zu 20 Fotos in Serie. Die Speicherkarten im CFexpress-Format könnten theoretisch bis zu 1.000 RAW-Fotos in 12 Bit Farbtiefe in Serie aufnehmen.

Detail Canon 1D X Mark III CES 2020

Dank CFexpress schreibt die Canon-Kamera noch schneller die Fotos auf Speicherkarten. (Foto: Canon)

Die ISO reicht bis zu wahnwitzigen 819.200. Die Foto-Dateien sind im High Efficiency Image File Format (HEIF) codiert. Gegenüber dem 25 Jahre alten JPEG-Standard erreicht HEIF eine signifikant höhere Bildqualität bei gleicher Dateigröße.

Die 1D X Mark III orientiert sich an Fotografen. Wollt ihr mit dem Premiummodell filmen, bietet sie eine tolle Videoqualität in 4K60fps im H.265-Codec. Neu im EOS-1-Segment ist die WLAN- und Bluetooth-Integration samt Anbindung zur App Canon Camera Connect.

Neue Technik für bessere Fotos! Von links nach rechts: AF-Sensor, Verschlussmechanismus und die gepimpte AF-Unit. (Fotos: Canon)

 

Die Canon EOS 1D X Mark III ist voraussichtlich ab Februar 2020 erhältlich. Der Body inklusive CFe 64 GB und Reader kostet 7.299 Euro (UVP).

Canon EOS 1D X Mark III

Bildsensor und LeistungsdatenDigic X Vollformat-Sensor; 20,1 MP für Fotos, 191-Fokuspunkte, AF mit Deep Learning; CFexpress; WLAN, Bluetooth
Bilder/Sekunde, ISO, Video16 Bilder/s (mech.), 20 Bilder/s (LiveView); ISO 100-819.200; 4K60fps-Video
Maße und Gewichtca. 158 x 163,6 x 82,6 mm; 1.250 Gramm
Preis zum Start (UVP)7.299 Euro

Spiegelreflexkameras: Ein Kaufratgeber für die beliebteste Kameraklasse

Nikon: Vollformat-Sensor zum günstigen Preis

Gegenüber Canons Spitzenmodell ist die brandneue Nikon D780 ein Schnäppchen. Mit 2.500 Euro in der UVP entspricht der Preis zwar einem Monatsgehalt, dafür bietet Nikon feinste Technik. Auffällig ist das überarbeitete Design mit klaren, scharfen Kanten. Angesichts der Tatsache, dass die Vorgängerin D750 im Jahr 2014 auf den Markt kam, ist das Facelifting erwartbar. Was hat sich unter der Haube getan?

Die D780 ist ausgestattet mit einem Vollformat-Sensor, der mit 24 Megapixeln auflöst. Das neue Autofokus-System mit 273 AF-Punkten bewährte sich in der spiegellosen Nikon Z6. Die Hybrid-Autofokussierung kombiniert bei Live-View-Aufnahmen über den klappbaren 3,2-Zoll-Bildschirm Phasen- und Kontrastmethode miteinander. Fotografiert ihr mit Hilfe des optischen Suchers, arbeitet das D780 mit Phasenerkennung und 51 Messfeldern der 15 Kreuzsensoren.

Die Gemeinsamkeiten reichen weiter. Sowohl Z6, Z7 als auch D780 teilen sich mit dem Expeed 6 den gleichen Bildprozessor. Die wesentlichen Leistungsdaten sind ebendeshalb ähnlich. Bis zu 7 Bilder mit mechanischer, satte 12 Fotos mit elektronischer Auslösung sind ein guter Wert im Mittelpreissegment.

Nikon überarbeitete das Gehäusedesign. Toll: Das klappbare Touch-Display für Live-View-Aufnahmen. (Fotos: Nikon)

Exzellentes Preis-Leistungsverhältnis

Die kürzeste Verschlusszeit stauchte Nikon von 1/4000 s auf 1/8000 s. Die D780 bringt sich damit als Kamera für Sport- und Tierfotografie ins Spiel. Videoseitig schießt ihr Clips mit 4K30fps oder 1080p120fps in 10-Bit-HDR (N-Log oder HLG HDR). USB-C-Konnektivität, Wi-Fi- und Bluetooth-Unterstützung sind ebenfalls an Bord.

Nikon D780 UHS-II

Zwei Speicherkarten-Slots? In der Nikon D780 vorhanden. Sie sind UHS-II-kompatibel. (Foto: Nikon)

Die Nikon D780 verzichtet auf einige Features, die Canon in der EOS 1D X Mark III aufbietet. Das Preis-Leistungsverhältnis tröstet darüber hinweg. Die D780 ist vielseitig, robust und für alle Arten der Fotografie geeignet.

Ab Ende Januar 2020 bietet Nikon die D780 im Handel an. Für das Gehäuse ruft Nikon eine UVP von 2.499 Euro auf. Im Bundle mit Objektiv (AF-S NIKKOR 24-120 mm) kostet die Neuerscheinung 2.999 Euro (UVP).

Nikon D780

Bildsensor und LeistungsdatenExpeed 6-Sensor; 24 MP für Fotos, 273-Fokuspunkte, SD-Karten (UHS II); WLAN, Bluetooth
Bilder/Sekunde, ISO, Video7 Bilder/s (mech.), 12 Bilder/s (LiveView); ISO 50-204.800; 4K30fps-Video
Maße und Gewichtca. 115,5 x 143,5 x 76 mm; ca. 840 Gramm
Preis zum Start (UVP)2.499 Euro

Voller Fokus auf spiegellose Systemkameras? Mit den neuen Modellen halten Canon und Nikon klassischen Spiegelreflexkameras die Treue. Die kommenden Jahre werden zeigen, in welchem der beiden Bereichen die beiden Schwergewichte emsiger aktiv sind. Noch kommen beide Lager auf ihre Kosten.

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