Smarte Steckdosen: ZigBee, Bluetooth, WLAN oder DECT?

Smarte Steckdosen dürfen in einem modernen Smart Home nicht fehlen. Doch beim Kauf gibt es einiges zu beachten. Das müsst ihr über Standards, Funktionen und mögliche Probleme wissen.

Smarte Steckdosen: ZigBee, Bluetooth, WLAN oder DECT?

Mit smarten Steckdosen seid ihr in der Lage, klassische Lampen oder Küchen- und andere Elektrogeräte clever und zeitgemäß zu steuern. Dazu müsst ihr kein komplexes Smart Home mit zahllosen Sensoren besitzen, manchmal kann auch schon eine Steckdose genügen. In der Garage, im Partykeller oder Kinderzimmer zum Beispiel. Doch das Angebot an solchen Lösungen ist groß. Und nicht immer ist das womöglich günstige Angebot das beste. Vor dem Kauf solltet ihr einige Aspekte beachten.

Inhaltsverzeichnis

Unterschiedliche Konzepte und Standards

Viele Hersteller, viele Technologien und damit auch Standards. In erster Linie gibt’s Unterschiede bei der Art der Übertragung – vom Schalter oder Smartphone zur Steckdose. Und wie kann es anders sein: Oftmals sind Geräte unterschiedlicher Anbieter nicht miteinander kompatibel.

Mittlerweile sind sehr viele smarte Steckdosen erhältlich. (Foto: Sven Wernicke)
Mittlerweile sind sehr viele smarte Steckdosen erhältlich. (Foto: Sven Wernicke)

Ein weiterer Aspekt: Der Funkstandard entscheidet über die (un-)flexible Verwendung einer Dose und Kompatibilität zu anderen Produkten aus dem Segment Smart Home. Manche Devices verlangen einen speziellen, meist separat erhältlichen Hub zur Ansteuerung, was zu zusätzlichen Kosten führt.

Eher losgelöst davon, ob wir über die auch aus anderen Bereichen bekannten Standards WIFI, Bluetooth, DECT oder ZigBee sprechen, finden sich weitere Unterschiede bei den Funktionen. Eignen sich die smarten Steckdosen für eine Steuerung via Sprachassistent? Könnt ihr an ihnen gar den Energieverbrauch messen? Lassen sie sich mit anderen Komponenten wie Bewegungssensoren kombinieren? Es stellt sich vor dem Erwerb also die Frage: Was wollt ihr (kurz- und mittelfristig) anstellen?

Smarte Steckdosen mit ZigBee

ZigBee ist gegenwärtig der populärste Funkstandard fürs Smart Home. Er ist offen, für Hersteller frei nutzbar und damit für uns Konsumenten vielfältig einsetzbar. Aber: Eine zentrale Steuereinheit, also ein Hub, ist nötig. Das kann zum Beispiel ein Echo-Lautsprecher mit integriertem ZigBee-Hub von Amazon sein, aber auch viele Anbieter von Smart-Home-Lösungen (Bosch Smart Home, Philips Hue, Magenta Smart Home) haben solche Gateways parat.

Vorteile von smarten Steckdosen mit ZigBee

Der größte Vorteil von ZigBee ist die Erweiterbarkeit. Lampen, Sensoren, Garagentor-Motoren, Schalter oder Heizungsthermostate können so miteinander kommunizieren. Eine Steckdose mit diesem Standard ist also ein Teil eines größeren Systems, quasi ein Baustein im großen Ganzen.

Steckdosen mit ZigBee sind teils auch schon für wenig Geld zu haben, zum Beispiel diese von Innr. (Foto: Sven Wernicke)
Steckdosen mit ZigBee sind teils auch schon für wenig Geld zu haben, zum Beispiel diese von Innr. (Foto: Sven Wernicke)

Was ich persönlich besonders gut finde: Sehe ich auf meiner Steckdose ein ZigBee-Logo, dann weiß ich: Es funktioniert auch mit ZigBee-Steckdosen ganz anderer Hersteller. Und: Anbindungen zu Google Assistant, Alexa und Siri sind in der Regel vorhanden.

Nachteile von ZigBee bei Funksteckdosen

Braucht ihr nur ein, zwei smarte Steckdosen, könnte ZigBee im Vergleich etwas aufwändiger und teurer ausfallen. Denn ein geeigneter Hub ist meist teurer als eine Dose. Aufwand und Nutzen stehen demnach in einem schlechten Verhältnis .

Smarte Steckdosen mit ZigBee: Die wichtigsten Geräte

Philips Hue gehört zu den bekanntesten ZigBee-Systemen mit dem Fokus auf Licht. Seit geraumer Zeit lassen sich auch smarte Steckdosen mit ZigBee verwenden, darunter die Ledvance Osram Smart+ oder die Innr Smart Plug. Oder ihr greift gleich zur offiziellen Philips Hue Smart Plug.

Besagte Steckdosen brauchen wie gesagt einen Hub, also die Philips Hue Bridge, einen Amazon Echo der 4. Generation oder andere Lösungen wie Homee, Logitech Harmony Hub, Samsung SmartThings und viele weitere.

Smarte Steckdosen mit DECT (ULE)

DECT kennt ihr sicherlich aus dem Bereich der schnurlosen Festnetztelefone. Explizit fürs Smart Home gedacht ist DECT ULE, was für „Ultra Low Energy“ steht. Im Vergleich zu ZigBee und WIFI ist die Verbreitung relativ gering, doch Hersteller wie Gigaset, AVM, Magenta Smart Home (QIVICON) und Panasonic nutzen diesen. DECT erlaubt das Ansteuern von Lampen, Sensoren und natürlich Steckdosen – hier seid ihr nicht eingeschränkt bei der Auswahl.

Vorteile von DECT ULE

Besitzt ihr einen aktuellen Router von AVM, stehen die Chancen gut, dass ihr bereits über eine DECT-Basis verfügt. Denn DECT ULE verlangt wie bei ZigBee einen Hub zur Kontrolle der Komponenten. Das kann ein Router von AVM sein, alternativ die Gigaset Smart Home Base oder ein QIVICON-Gateway. Diese sind dann mit weiteren Kosten verbunden.

Weitere Vorteile:

  • DECT verspricht höhere Sicherheit durch Verschlüsselung
  • Reserviertes Frequenzband und damit weniger störanfällig (als z.B. WIFI und ZigBee)
  • Im Vergleich zu ZigBee oftmals höhere Reichweite

Nachteile smarter Steckdosen mit DECT ULE

Die größte Schwierigkeit, die ich bei DECT sehe: Nicht einmal die Produkte der Hersteller, die auf diesen Standard setzen, sind untereinander vollständig kompatibel. Greift ihr zu Funksteckdosen von Gigaset, solltet ihr im „Mikrokosmos“ von Gigaset bleiben – wenn ihr Probleme vermeiden wollt. Das ist der Tatsache geschuldet, dass DECT eine offene Plattform ist, die Unternehmen nach eigenen Vorstellungen modifizieren können. Und das machen sie auch, was letztlich nicht im Interesse der Kunden ist.

Immerhin: AVM und Qivicon/Magenta unterstützen mehrere DECT-Funkstandards, allen voran den neuen DECT ULE HAN FUN. Dieser verspricht künftig eine höhere Kompatibilität von DECT-Produkten unterschiedlicher Hersteller.

DECT-Steckdosen bietet vor allem AVM an. (Foto: AVM)

Weiterhin ist das Angebot an Zubehör mit DECT ULE im Vergleich zu ZigBee sehr viel geringer, auch wenn es für den Alltag mehr als ausreichen sollte. Gerade Magenta Smart Home, AVM und Gigaset sind bemüht, ihre Smart-Home-Systeme so attraktiv wie möglich zu gestalten.

Beispiele für smarte Steckdosen mit DECT

Die smarten Innen- und Außensteckdosen von AVM, genauer die Fritz Direct 200 und Fritz Direct 210 dürften die bekanntesten Vertreter sein. Und sie harmonieren mit weit verbreiteten AVM-Routern wie zum Beispiel die Fritz!Box 7490.

Magenta SmartHome und Gigaset haben ebenfalls passende Steckdosen auf Lager. Die Gigaset Plug lässt sich via App auch ohne Basis ansteuern.

Smarte Steckdosen mit Bluetooth

Wenn ihr Kopfhörer, Smart Speaker und allerlei andere Geräte simpel via Bluetooth mit eurem Smartphone koppeln könnt, wieso nicht auch smarte Steckdosen? Da Apples Smart-Home-Plattform HomeKit neben WIFI auf Protokollen von Bluetooth aufbaut, sind diese Dosen oftmals auch mit HomeKit kompatibel.

Vorteile von Bluetooth-Steckdosen

Wichtigster Vorteil von Steckdosen mit Bluetooth: Das Verbinden mit Mobiltelefonen oder Tablets ist in der Regel einsteigerfreundlich und unkompliziert.

Ebenfalls nützlich:

  • Sie benötigen keinen Hub oder Gateway
  • Kontrolle mehrerer Steckdosen und anderer Smart-Home-Geräte möglich
  • Etablierter, bekannter Standard

Nachteile smarter Bluetooth-Steckdosen

Ähnlich wie bei DECT gilt für Bluetooth: Die Anzahl passender Steckdosen (und anderer Smart-Home-Gerätschaften) ist gering. Es fehlt also an Vielfalt und Lösungen, die sich auch wie ein vollwertiges Smart-Home-System anfühlen – abgesehen von Apple HomeKit.

Oftmals ist der Funktionsumfang bei Bluetooth-Steckdosen eingeschränkt, wie speziell Philips Hue verdeutlicht: Die neueren Produkte von Signify, darunter auch die Smart Plugs, verfügen über ZigBee und Bluetooth gleichermaßen, ohne Hub aber könnt ihr maximal 10 Geräte bedienen (mit ZigBee und Hue Bridge 50), ebenso ist eine Fernsteuerung über das Internet nicht möglich. Automatisierungen (z.B. Zeitsteuerung) funktionieren bei den meisten Vertretern nicht.

Empfehlenswerte Steckdosen mit Bluetooth

Obwohl Bluetooth-Steckdosen Einschränkungen haben, sind sie empfehlenswert. Gerade dann, wenn ihr nur wenige Dosen mit dem Smartphone bedienen möchtet. Und hier seien die aktuellen Steckdosen (und Lampen) von Philips Hue empfohlen: Wenn ihr später doch auf ZigBee umsteigt, um ein komplexeres Smart Home aufzubauen, könnt ihr die Bluetooth-Dosen problemlos integrieren.

Sehr praktisch: Die Hue Smart Plug lässt sich via ZigBee oder Bluetooth steuern. (Foto: Signify)

Auch die Ledvance Smart+ ist als Bluetooth-Variante erhältlich. Und Hersteller wie Teckin haben ganz ähnliche Geräte parat. Wichtig zu wissen: Smarte Steckdosen unterschiedlicher Firmen sind nicht zwangsläufig miteinander kompatibel. Im schlimmsten Fall müsst ihr mehrere Apps verwenden.

Smarte Steckdosen mit WiFi/WLAN

WLAN-Steckdosen (gerne auch quasi-synonym WiFi-Steckdosen genannt) unterscheiden sich kaum von Alternativen mit DECT oder Bluetooth, sie übertragen Informationen allerdings über das herkömmliche WLAN-Netz. Das erlaubt dadurch eine Kontrolle aus der Ferne. Meist konzentrieren sie sich auf die Basisfunktion einer smarten Steckdose: Das Ein- und Ausschalten herkömmlicher Geräte, Kaffeemaschine, Omas alte Stehlampe oder die die 30 Jahre alte Retro-Konsole.

Vorteile smarter Steckdosen mit WLAN

Ein wesentlicher Vorteil aktueller WLAN-Funksteckdosen: Sie sind teils sehr preisgünstig zu haben. Das macht den Einstieg verlockend. Weiterhin:

  • Benötigen keinen Hub oder Gateway
  • Mehrere Steckdosen (eines Herstellers) lassen sich via App oder Schalter steuern
  • In der Regel mit Anbindung an bekannte Sprachassistenten
  • Einfache Installation
  • Idealer Einstieg und für Nutzer, die nur eine smarte Steckdose brauchen

Nachteile smarter WLAN-Steckdosen

In manchen Fällen könnte der Frequenzbereich, in dem die WLAN-Steckdosen Informationen austauschen, mit dem heimischen WLAN kollidieren – das führt zu Schwierigkeiten.

Die besten Funksteckdosen mit WLAN

Gerade aus China kommen sehr viele WLAN-Steckdosen, die ähnlich oder gar identisch sind. Bekannt und beliebt sind in dem Bereich die Angebote von TP-Link, genauer die Tapo P100 und die HS110. Diese verfügen außerdem über stimmige Apps und zahlreiche Komfortfunktionen.

WiZ ist ein komplettes Smart-Home-System mit Lampen, Sensoren und…Steckdosen. (Foto: Signify)

Neu am Markt ist WiZ Connected. Hersteller Signify liefert ein komplettes Smart-Home-System auf WLAN-Basis mit Bewegungssensoren, Schaltern, Fernbedienungen und Steckdosen. Auch hier ist kein Hub nötig.

Kann ich unterschiedliche Steckdosen miteinander kombinieren?

Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, denn manche Hersteller geben sich offener als andere. Und wiederum Gateways/Hubs wie die von Magenta Home verarbeiten mehrere Standards. Aber in einem Bereich könnt ihr alle smarten Steckdosen auf jeden Fall zusammenbringen: Wenn sie den oder die gleichen Sprachassistenten unterstützen. Das setzt voraus, dass ihr eine solche Art der Steuerung wünscht. Eine App für die unterschiedlichsten smarten Steckdosen dagegen dürfte schwierig bis unmöglich sein. Leider.

Welche smarte Steckdose soll ich kaufen?

Die Qual der Wahl – bei der Menge an smarten Steckdosen verliert man schnell den Überblick. Und doch ist die Entscheidung gar nicht so schwierig: Möchtet ihr mit einer Funksteckdose beginnen, eure gesamte Wohnung in Zukunft intelligent zu gestalten, rate ich zu einer mit ZigBee. Hier seid ihr schon in einem Bereich, der euch große Flexibilität erlaubt. Der Einstieg ist aufgrund eines nötigen Hubs zwar kostspieliger, doch mit diesem seid ihr bestens gerüstet.

Wenn es wirklich nur ein paar Steckdosen sein sollen, die ihr über App oder Sprachassistenten bedienen wollt, sind alle anderen Funk-Standards geeignet. WIFI-Steckdosen sind günstig, Bluetooth unkompliziert, DECT zwar speziell, aber mit einem vorhandenen sowie geeigneten Router eine nicht minder komfortable Sache.

Ich selbst nutze übrigens die Smart Plugs von Innr und Osram/Ledvance, die dank ZigBee hervorragend mit dem Rest meiner Philips-Hue-Systems harmonieren.

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