Innr im Test: Die Philips-Hue-Konkurrenz ausprobiert

Die Lampen von Innr sind mit Philips Hue kompatibel und zugleich günstigere Alternativen. Wir haben das smarte LED-System getestet und sind überrascht.

Auf dem Papier klingt Innr klasse: Das System ist dank ZigBee-Standard zu Philips Hue und Ikea Tradfri kompatibel, zugleich funktioniert es eigenständig mit der dafür notwenigen Bridge. Gegenüber der prominenteren Konkurrenz müsst ihr auf nichts verzichten, schließlich bekommt ihr auch hier ein vielfältiges Angebot an Leuchtmitteln (E27, GU10, Deckeneinbauleuchten, E14 Kerzenlampe, Lightstrips, Spots…) und sogar einige eigenständige Lösungen wie das Küchenlicht oder die smarte Disclampe. Das gesamte Portfolio entdeckt ihr auf der Hersteller-Webseite.

Ob Warmweiß- oder RGB-Licht – ihr habt die Wahl. Ach, smarte Steckdosen und eine Fernbedienung für die Bedienung ohne App sind auch erhältlich. Und das Beste: Preislich sind die Innr-Lampen attraktiv. Die Frage, die ich mir dennoch schnell stellte, dürfte naheliegend sein: Kann Innr dem Platzhirsch Philips Hue Paroli bieten? Ich hab’s ausprobiert.

Schnelle, fast unkomplizierte Einrichtung

Es passt auf einen dünnen Faltzettel, wie ihr Innr einrichtet. Dreh- und Angelpunkt ist, ähnlich wie bei Philips Hue, die Bridge. Das ist eine kleine Plastikbox mit einer Taste und mehreren LEDs. Verbindet diese mit eurem Router über das mitgelieferte LAN-Kabel und schließt sie an die Steckdose an.

Allzu schön ist die Bridge nicht. Aber es kommt ja auf die inn(e)ren Werte an. (Foto: Sven Wernicke)

Allzu schön ist die Bridge nicht. Aber es kommt ja auf die inn(e)ren Werte an. (Foto: Sven Wernicke)

Die eigentliche Installation erledigt ihr über die App für iOS und Android. Startet sie und folgt den Erklärungen, erstellt dann einen Innr-Account. Beachtet die Lämpchen, drückt im richtigen Moment den Button zum Koppeln. Fertig ist die erste Einrichtung des Herzstücks von Innr.

Aus unerfindlichen Gründen wurde meine Innr-Bridge beim ersten Versuch nicht erkannt, beim zweiten Anlauf klappte es problemlos. Und prompt wurde ich danach gefragt, Zimmer und entsprechende Innr-Lampen auszuwählen. Ihr solltet natürlich mindestens ein Leuchtmittel besitzen, für meinen Test standen drei Varianten mit E27-Fassung (RGB, Warmweiß- und Weiß-Lampe) sowie eine Steckdose zur Verfügung. Genügend also, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Zwar mag die App nicht so hübsch aussehen wie die von Philips Hue und auch die Innr Bridge nicht gerade die schönste Hardware sein, doch letztlich ist die Funktionsweise mit dem Platzhirsch in diesem Bereich identisch. Ich würde das Gebotene als zweckmäßig bezeichnen. Aber es geht ja eh um die Funktionalität und die Qualität der Lampen.

Lampen und Steckdosen hinzufügen

Was wäre ein Smart Home ohne Lampen? Innr ist erst dann sinnvoll, wenn ihr die eine oder andere LED in euren eigenen vier Wänden platziert. Ich stattete mein Schlafzimmer mit der Innr-Schaltsteckdose und der RGB-Bulb aus. Zwei weitere platzierte ich im Flur.

Auch hier muss ich sagen, dass die Verantwortlichen solide Arbeit geleistet haben: Nach dem Einschrauben beziehungsweise Einstecken (Steckdose) erkannte die App diese zügig, sodass ich sie konfigurieren konnte. Ihr ordnet die Geräte Zimmern zu und könnt – ebenfalls wie bei Philips Hue – flott Farbe, Intensität und Farbtemperatur auswählen. Die aktuelle Innr-Generation merkt sich übrigens stets den letzten gewählten Zustand, wenn ihr den normalen Lichtschalter betätigt. Ein Feature, das Signify für Hue erst nach Jahren nachlieferte. Die Wahl, ob ich das überhaupt will, lässt mir Innr nicht.

Interessant ist ebenfalls, dass die Innr Bridge bis zu 100 Lampen gleichzeitig verwalten kann. Die Hue Bridge (Shoplink) schafft gerade Mal die Hälfte. Für größere Wohnungen und Häuser könnte im Optimalfall also sogar nur eine solche Zentrale genügen.

Wenig schön ist bei Innr die App-Gestaltung im Bereich Automatisierung. Das Erstellen von Timern und Programmen (automatisierter Wochenplan, zum Beispiel wenn ihr im Urlaub seid) funktioniert zwar, ist jedoch kein Vergnügen. Generell sollten die zuständigen Entwickler die Anwendung mal auf Vordermann bringen.

Qualität der Lampen und Steckdose

Ehrlich: Die Innr-Lampen sehen den Hue-Konkurrenten nicht nur sehr ähnlich, ich persönlich kann auch keine Unterschiede bei der Qualität erkennen. Es ist sicherlich bedauerlich, dass die RGB-Leuchten nicht für Hue Entertainment genutzt werden können. Abgesehen davon bin ich von der Leuchtstärke, den Farben und der Verarbeitung überzeugt.

Die Innr-Lampen sehen den Hue-LEDs sehr ähnlich. (Foto: Sven Wernicke)

Die Innr-Lampen sehen den Hue-LEDs sehr ähnlich. (Foto: Sven Wernicke)

Mir gefällt auch die Innr-Steckdose sehr viel besser als die Osram Smart Plug+, da sie kleiner, schmaler und damit flexibler ist.

Subjektiv betrachtet denke ich, dass kaum jemand die Weißlicht-Lampe (2700K) dringend benötigt, wenn man die Comfort-Varianten (2200K bis 5000K) haben kann. Die machen sehr viel mehr her.

Die Warmweiß-Lampen besitzen ein gutes Spektrum. (Foto: Sven Wernicke)

Die Warmweiß-Lampen besitzen ein gutes Spektrum. (Foto: Sven Wernicke)

Bezogen auf die technischen Werte unterscheiden sich Hue und Innr kaum bis gar nicht: 25.000 Stunden, A+-Energieeffizienz, 806 Lumen, IP20-Schutz. Man könnte glauben, die Leuchtmittel kämen aus der gleichen Fabrik.

Die Steckdose ist schön klein - echt gut! (Foto: Sven Wernicke)

Die Steckdose ist schön klein – echt gut! (Foto: Sven Wernicke)

Innr mit Alexa verbinden – so geht’s!

Hier und da äußerten Käufer von Innr-Produkten Schwierigkeiten damit, die Sprachassistentin Alexa mit den Lampen zusammenzubringen. In der Tat ist es etwas irritierend, denn der Hersteller selbst gibt an, dass die Innr-Bridge bald ein Update für die Kompatibilität erhalten soll. Allerdings verspricht er diese Aktualisierung seit September 2018. Was also tun?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie ihr Innr mit Alexa zusammenbringt:

  1. Nutzt ihr eine Philips-Hue-Bridge, werden die eingebundenen Innr-Lampen über die Hue- und Alexa-App eingerichtet und konfiguriert – so, wie ihr es gewohnt seid
  2. Ein Echo Show der 2. Generation oder ein Echo Plus erkennen Innr direkt über die „Geräte hinzufügen“-Funktion der Alexa-App
  3. Möchtet ihr die Innr-Bridge mit Alexa verbinden, benötigt ihr den Innr-Skill

Die dritte Methode könnte für viele die wichtigste sein, doch überraschenderweise bekommt ihr kaum hilfreiche Details. Auch, weil die Alexa-App den Skill nicht findet. Daher folgende Tipps:

  • Ruft auf Amazon die Skill-Seite von Innr auf und aktiviert diesen dort
  • Verbindet euch mit eurem Amazon-Konto und dem Innr-Account, den ihr bei Installation der Bridge angelegt habt
  • Startet die Alexa-App, wählt die Option „Gerät hinzufügen“, schaltet alle Lampen ein und führt die Suche aus
  • Konfiguriert alle LEDs und Steckdosen so, wie ihr euch dies vorstellt. Vergebt ggf. neue Namen, um diese via Sprachsteuerung besser ansprechen zu können

Wichtig zu wissen: Ohne die Innr-Skill könnt ihr die Innr-Bridge nicht mit Alexa zusammenbringen. Zum Google Assistant und zu Apple HomeKit gibt’s leider noch keine Anbindung. Schade.

Fazit zum Innr-Test: Fast so gut wie Philips Hue

Im Direktvergleich zu Philips Hue schneidet Innr meiner Auffassung nach sehr gut ab. Ich bin nicht so recht zufrieden mit der spartanischen, wenig attraktiven App – hier bietet die Lösung des bekannten Mitbewerbers sehr viel mehr. Und vor allem Spielereien, die Spaß beim Ausprobieren bereiten. Innr konzentriert sich dagegen auf das Wesentliche, was sicherlich auch in Ordnung ist. Ich hatte kaum Schwierigkeiten mit der Einrichtung, die Lampen funktionieren und bieten meiner Meinung nach auch eine bessere Qualität als Ikea Tradfri.

Wirklich keine schlechte Wahl. (Foto: Sven Wernicke)

Wirklich keine schlechte Wahl. (Foto: Sven Wernicke)

Solltet ihr bereits ein auf ZigBee aufbauendes Smart-Home-System besitzen, könnt ihr dieses mit Innr-Lampen erweitern. Auch Einsteigern kann ich die Bridge zur Steuerung empfehlen, geht’s euch um Funktionalität und weniger um „Schnickschnack“.

Die teils eher negativen Rezensionen im Netz kann ich gar nicht nachvollziehen, denn nennenswerte Schwierigkeiten und Probleme fielen mir nicht auf. Woran die Techniker wiederum arbeiten sollten, das wäre eine bessere Unterstützung für Sprachassistenten. Das gehört im Jahr 2019 einfach zu einem Muss. Wieso Innr hier Google Assistant und HomeKit noch gänzlich ignoriert, kann ich nicht nachvollziehen.

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