Der persönliche Assistent Google Home soll bald Sprachen erkennen können (Bild: Google)

Einspruch: Sprachassistenten gehört die Zukunft – zumindest ein Teil davon

Trendblog-Redaktionsleiter Jürgen Vielmeier hält Sprachassistenten für ziemlich dumm. Er scheint davon auszugehen, dass sie allwissend sein müssen. Das kann ja nur schiefgehen.

Innovationen haben ein Problem: Wenn erst einmal verstanden wurde, wie sie prinzipiell funktionieren und was damit alles möglich ist, steigen die Erwartungen schnell ins Unermessliche. Darauf kann nur eine Enttäuschung folgen – bis schließlich die Anfangsprobleme gelöst wurden und das Produkt langsam alltagstauglich ist. So gab es schon vor dem iPhone Smartphones mit Touchscreen, doch Apple erst hat etwas in Rollen gebracht. Plötzlich war es normal, mit dem Finger auf den Bildschirm zu schreiben. Ironischerweise haben die eifrigsten Facebook-Chatter sich vor fünfzehn Jahren noch am meisten aufgeregt, wenn in der Öffentlichkeit der Nokia-Klingelton zu hören war. Early Adopters werden nicht selten von den Massen überholt, wenn diese erst einmal kapiert haben, wo es langgeht.

Smart-Home-Steuerung per Sprache

Ich persönlich würde mir nie eine Box mit Sprachassistenten ins Wohnzimmer stellen, um das Licht zu dimmen. Und erst recht nicht in der Öffentlichkeit ins Mikrofon des Smartphones sprechen, um nach einem Fußballergebnis zu fragen. Notebook und Smartphone sind bei mir immer in Reichweite, und ich kann darüber verdammt schnell Texte eingeben. Einen Sprachassistenten benötige ich nicht, aber andere benutzen ihn bereits – und zwar gerne und häufig. Wie kommt das?

Ich muss es mal ganz offen sagen: Ich halte Sprachassistenten für ziemlich dumm

Die unterschiedliche Wahrnehmung wird an den Fragen liegen – beziehungsweise an dem Umstand, das gerade kaum Fragen gestellt, sondern meist Anweisungen gegeben werden. Bereits vor Erscheinen des Smartphones ließen sich die Handys per Sprache steuern. Autofahrer konnten sich SMS vorlesen lassen, was zugegeben nur wenige taten. Aber es war ungemein praktisch, jemanden anzurufen, ohne das Handy zu berühren und damit vielleicht sogar gegen die Straßenverkehrsordnung zu verstoßen. Ebenso einfach funktioniert die Steuerung von Geräten nun auch in den eigenen vier Wänden – vorausgesetzt man hat alles passend gekauft und korrekt miteinander verbunden. Das mag im Einzelfall ein wenig tricky sein, aber es funktioniert, wie das Beispiel unserer Kollegin Corina Maly zeigt. Sie hat ihre Wohnung komplett automatisiert.

Konkrete Antworten auf konkrete Fragen

Was ein Sprachassistent dagegen nie zur Zufriedenheit beantworten können wird, ist die Frage nach dem Sinn des Lebens. Auch mit Ironie sollte man es nicht versuchen. Und Fragen, deren Antworten am besten als Bild gezeigt werden oder lange Listen erzeugen, sollten ebenfalls besser anders gestellt werden. Wobei der Amazon Echo Show aus diesem Grund bereits über ein Display verfügt und jedes Smartphone auch. Sprachassistenten werden am besten Fragen gestellt, auf die es auch eine Antwort gibt. Lieber Jürgen, du schreibst: „Und genau das ist eben das Problem: Im Moment sind Sprachassistenten nicht viel mehr als gezottelte Wiederkäuer der Google-Suchergebnisliste.“ Das ist aber nicht das Problem, sondern bereits die Lösung.

Google arbeitet schon seit Jahren am Knowledge Graphen, der eben nicht nur Links zu Suchanfragen liefert, sondern konkrete Antworten auf konkrete Fragen. Wer bei Google eintippt: „Wann wurde Konrad Adenauer geboren?“, erhält über den herkömmlichen Suchergebnissen in Form von Links bereits die Antwort: „5. Januar 1876“. Ein Sprachassistent kann diese Frage verstehen und auch die Antwort geben. Jürgen schreibt weiter: „Und wenn die Assistenten diese nicht konkret liefern können, dann werden wir uns ziemlich schnell von ihnen abwenden, fürchte ich. Zumindest da, wo wir Google auch genauso gut von Hand bedienen können.“

Genau aus diesem Grund, werden Jürgen und ich so schnell keinen Sprachassistent nutzen – mag er nun Google Assistant, Amazon Alexa, Microsoft Cortana, Apple Siri oder Samsung Bixby heißen. Viele andere aber schon – ob zur Steuerung des Eigenheims oder um die Antwort auf eine einfache Frage zu erhalten.

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2 Kommentare zu “Einspruch: Sprachassistenten gehört die Zukunft – zumindest ein Teil davon
  1. Ich hab den Google Assistant gerade gebeten, mir meine letzte GMail-E-Mail vorgelesen. Er hat mir Google-Ergebnisse zu den besten Sprachbefehlen für OK Google geliefert. Ich habe ihn gefragt, wann meine aktuell georderten Bestellungen ankommen, die Google Now mir schon aufgelistet hat. Er hat mit Google-Suchergebnissen geantwortet. Ich habe ihn gebeten, ein Foto zu machen. Er hat behauptet, es wäre keine Kamera-App installiert…

    Was bisher funktioniert hat: Mir die Einwohnerzahl Australiens vorlesen lassen oder aus dem Assistant heraus eine andere App öffnen.

    Wenn der Knowledge Graph erst einmal für die allermeisten Fragen zur Verfügung steht, dann kann das was taugen. Aber es deckt immer noch zu wenig der notwendigen Funktionen ab und ich habe keinerlei Zeitersparnis dadurch. Ich bleibe dabei: In der Form ist das auf absehbare Zeit keine Hilfe.

    • Avatar

      Was ich versucht habe zu beschreiben, ist das „valley of disillusionment“:
      https://en.wikipedia.org/wiki/Hype_cycle

      Die ersten Nutzer verwenden bereits Sprachassistenten. Mit Verbesserungen werden sich auch weitere Nutzer finden. Aber in diesem Punkt stimme ich dir zu: Die ursprünglichen Erwartungen werden wahrscheinlich nie erfüllt werden.

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