LAN-Kabel (Bild: Pixabay/www_slon_pics)

Docsis 3.1 bringt 10 Gbit/s über das TV-Kabel – mit etwas Glück

Das Gigabit-Internet soll auch über das Kabelnetz in Haus kommen. Docsis 3.1 beschleunigt zuerst auf 1 Gbit/s, dann sogar auf 10 Gbit/s. Doch die Streams profitieren auch von der niedrigeren Latenz.

Wenn der Stream mal wieder stockt, wünscht ihr euch dann auch einen Internetanschluss mit mehr Bandbreite? Die Bundesregierung verspricht euch Gigabit bereits in wenigen Jahren. Dennoch ist es utopisch zu glauben, dass die Provider Glasfaser bis in jedes Haus legen werden. Die Kabelnetzbetreiber werden deshalb den Standard Docsis 3.1 einsetzen, um die Geschwindigkeit auf Gigabit zu pushen.

Voraussetzung dafür ist aber die Abschaltung des analogen Kabelfernsehens, denn dadurch werden Kapazitäten frei, die nicht nur für die digitale Technik genutzt werden (mehr Sender und das in HD). Auch die Internetverbindungen über das TV-Kabel werden in den nächsten Jahren besser. Daher sind beide Umstellungen zeitlich aneinander gekoppelt, obwohl sie technisch nicht voneinander abhängen.

Neues Modem reicht für Umstieg auf Docsis 3.1

Docsis 3.1 ist ein Übertragungsstandard, der das Frequenzspektrum des aktuellen Docsis 3.0 nutzt, dieses aber auch ausweiten kann. Im ersten Schritt ist wohl nur eine Erhöhung von 862 MHz auf 1,2 GHz geplant. Theoretisch wäre dies bis 1,7 GHz möglich.

Der parallele Betrieb beider Standards in einem Kabelnetz ist möglich, allerdings müsst ihr das Modem tauschen, wenn ihr umsteigen wollt. Den Zeitpunkt könnt ihr selbst bestimmen. Zu einem bestimmten Stichtag muss dies jedenfalls nicht geschehen.

10 Gbit/s für Downloads und Uploads

Mit dem ersten Ausbauschritt werden wohl die Download-Geschwindigkeiten von aktuell 400 Mbit/s auf 1 Gbit/s steigen. Wenn an allen verfügbaren Rädchen gedreht wird, sollen sogar 10 GBit/s im Downstream möglich sein und 1 Gbit/s im Upstream. Die Umstellung auf Full Duplex schließlich soll im letzten Schritt auch den Upload auf 10 Gbit/s hinaufschrauben.

In den Haushalten wird gestreamt, was das Zeug hält. Es gibt immer etwas Neues zu entdecken. (Bild: Netflix)

In den Haushalten wird gestreamt, was das Zeug hält. Es gibt immer etwas Neues zu entdecken. (Bild: Netflix)

Full Duplex verteilt die beiden Datenrichtungen nicht mehr auf zwei Frequenzbereiche. Stattdessen wird dasselbe Spektrum genutzt, sodass beide Geschwindigkeiten auch gleich groß sein können (symmetrische Nutzung). Diese Erweiterung wird aber erst in einigen Jahren kommen – wenn überhaupt.

Sind die Kabelnetze modern genug?

Doch das sind erst einmal nur die technischen Möglichkeiten, die die Provider bestimmt in vollmundige Versprechen packen werden. So einfach ist es aber nicht. Um hohe Frequenzen von bis zu 1,7 GHz nutzen zu können, müssen alle Netzkomponenten wie Verstärkerpunkte und Abzweige entsprechend ausgebaut sein.

Doch derzeit ist das Kabelnetz an vielen Stellen sehr, sehr alt. Für die Übertragung von Fernsehen und Radio hat das die ganzen Jahre über gereicht, aber mit dem Gigabit-Internet kommt die Infrastruktur an ihr Limit.

Weniger Ruckler im Stream

Hinzu kommt noch, dass in den oberen Frequenzbereichen die Kabeldämpfung zunimmt. Wie bei der DSL-Technik wird mit der Kabellänge das Signal schlechter. Daher bietet sich auch hier die gleiche Lösung an: Das Glasfaser muss möglichst nah an die Häuser heran. Auf den letzten Metern wird dann ein Kabel genutzt, das bereits vorhanden ist – Koaxial für den Kabelanschluss oder Kupfer für DSL.

Die Glasfasernetze reichen immer weiter bis an die Häuser heran. Auf den letzten Metern geht es dann meist per Koaxialkabel oder Kupfer weiter (Bild: Telekom)

Die Glasfasernetze reichen immer weiter bis an die Häuser heran. Auf den letzten Metern geht es dann meist per Koaxialkabel oder Kupfer weiter (Bild: Telekom)

Docsis 3.1 bringt jedoch auch das Modulationsverfahren OFDM (Orthogonal Frequency-Division Multiplexing), das ein bessere Steuerung der Netzkapazitäten zulässt und damit auch der Engpässe. Zusammen mit dem Fehlerschutz LDPC (Low Density Parity Check) führt dies zu einer besseren Übertragungsqualität und somit auch zu spürbar geringeren Latenzzeiten. Das dürfte sowohl die Streamer als auch die Gamer freuen: Das Bild stockt seltener.

Bochum die erste Gigabit-Stadt Deutschlands?

Doch erst einmal zurück zum Anfang: Unitymedia hat bereits das analoge Kabelfernsehen komplett abgeschaltet. In den Regionen Landshut und Dingolfing hat Vodafone Kabel damit Anfang des Jahres begonnen. Am 15. Mai führt das ehemalige Kabel Deutschland dies in Nürnberg fort. Bis Ende 2018 wird das analoge TV-Signal voraussichtlich in ganz Deutschland abgeschaltet sein.

Mit dem Einsatz von Docsis 3.1 will Unitymedia noch im Februar in Bochum beginnen. Vodafone hat noch keine konkreten Pläne genannt, will anfangs aber 1 GBit/s im Downstream und 100 MBit/s im Upstream bieten. Die Aufrüstung des kompletten TV-Kabelnetzes soll bis 2021 erfolgen. Ein Drittel aller deutschen Haushalte soll dann über den Kabelanschluss Gigabit-Internet buchen können.

Erster Fritzbox-Kabelrouter mit Docsis 3.1 erhältlich

Fraglich ist jedoch, ob ihr den hohen Datendurchsatz auch dann nutzen könnt, wenn ihr ihn braucht – nämlich in den Abendstunden. Dann brechen bereits jetzt regelmäßig die Datenraten ein, wenn viele Haushalte gleichzeitig ihren Netflix-Stream in 4K und HDR starten. Offenbar hängen an den meisten Netzknoten zu viele Kunden. Sie alle müssen sich die dort vorhandene Bandbreite teilen.

Neue AVM-Fritzboxen auf Speed: DSL mit G.fast, Kabel mit Docsis 3.1

Auf den Ausbau der Netze warten wir noch, den ersten Fritzbox-Kabelrouter mit Docsis 3.1 hat AVM bereits herausgebracht: die AVM Fritzbox 6591 Cable. Die Kabelnetzbetreiber werden sicherlich auch einfache Modems von unbekannten Herstellern anbieten, an denen ihr dann euren eigenen WLAN-Router anschließen könnt.

Docsis 3.1 im Kabelnetz wird schnelle Downloads ermöglichen, aber voraussichtlich nicht alle Probleme beheben. Glasfaser ist dafür viel besser geeignet. Es müsste nur bis in die Wohnung liegen. Vor der Entscheidung stehend würde ich aber in dem meisten Fällen einen Internetanschluss über das TV-Kabel der VDSL-Technik vorziehen – auch wenn die Bandbreite über Vectoring auch hochgepimpt wurde.

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2 Kommentare zu “Docsis 3.1 bringt 10 Gbit/s über das TV-Kabel – mit etwas Glück
  1. Ich habe seit 3 Wochen den 1 Gigabit Kabelanschluss von Vodafone und bin damit sehr gut versorgt. Leider hat dieser nur 50 MBit/s an Upload Geschwindigkeit und nicht 100 wie oben beschrieben… Hoffentlich gibt’s bei Vodafone bald die FritzBox 6591 denn der Kabelrouter ist einfach nur Schrott…

    • Oben steht gar nichts von 100 Mbit/s im Download. 😉 In dem Artikel geht es eigentlich um Docsis 3.1. Der neue Standard soll 1-10 Gbit/s bringen. Aber erst einmal abwarten, wie die Kabelnetzbetreiber diesen umsetzen.

      Das scheint dann auch Ihr konkretes Problem zu sein. Auch wenn Vodafone Kabel (ehemals Kabel Deutschland) derzeit an vielen Anschlüssen 100 Mbit/s im Downstream-Richtung anbietet, so leider doch nicht an allen. Mir persönlich würden 50 Mbit/s allerdings schon reichen. Eine niedrige Latenz wäre mir da schon wichtiger.

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