Bei der Fahrt. (Foto: Sven Wernicke)

Liebe Navi-Hersteller: Da geht noch mehr!

Immer mehr Menschen setzen Google Maps als Navi ein. Dabei haben klassische Navigationsgeräte unbestreitbare Vorteile. Die Hersteller müssten nur mehr aus ihren Möglichkeiten machen, findet Trendblogger Sven Wernicke.

Erst kürzlich war bei mir das TomTom Go Premium im Test. Das ist ein hochwertiges Navigationsgerät aus der preislichen Oberklasse, das mit einigen frischen Ideen wie IFTTT glänzen kann und das mir alles in allem gut gefiel. Woran liegt es dann, dass immer mehr Menschen Google Maps als Navi benutzen?

Die Hersteller von Navigationsgeräten lassen einiges Potential ungenutzt. Und sie treten natürlich gegen ein Google Maps an, das kostenlos ist. Wollen sie dagegen bestehen, müssen sie einige Dinge besser machen als Google. Ich hätte da vier Ideen, wie Navi-Hersteller ihre Trümpfe ausspielen könnten.

1. Geht mit der Zeit!

Träge Displays, das endlose Hangeln durch Menüs und Untermenüs, 30 Sekunden Warten auf eine Routenberechnung. Das ist das, woran sich viele Menschen erinnern, wenn sie an ihre letzte Begegnung mit einem Navigationssysteme denken.

Hat sich bei der Technik aktueller Navis die letzten Jahre etwas getan? (Foto: Sven Wernicke)

Hat sich bei der Technik aktueller Navis die letzten Jahre etwas getan? (Foto: Sven Wernicke)

Und das muss doch alles nicht mehr sein. Leistungsfähige Prozessoren, reaktionsschnelle Displays, ein modernes User Interface. Das ist heute kein Hexenwerk mehr. Die Leute haben ein Jahrzehnt Smartphone-Erfahrung hinter sich. Versucht, dieses Erlebnis auch auf euren Geräten abzubilden!

2. Ihr seid besser – also kommuniziert eure Stärken!

Nicht nur bei TomTom schätze ich eines sehr: Ein Navi konzentriert sich auf das Wesentliche. Es möchte mich ohne große Ablenkungen bestmöglich zum Ziel geleiten. Beim Go Premium bemerkte ich (wieder), wie gut das funktioniert und sogar Google Maps in den Schatten stellt. Ich sehe Kreuzungen und Abbiegungen viel besser, die Präsentation nötiger Details ist nahezu perfekt.

Klassische Navis sind auf ihr Einsatzgebiet vollständig ausgelegt. Gut so! (Foto: Sven Wernicke)

Klassische Navis sind auf ihr Einsatzgebiet vollständig ausgelegt. Gut so! (Foto: Sven Wernicke)

Auch wenn sich Google Maps fortlaufend verbessert, favorisiere ich die Professionalität eines konventionellen Navis. Der Experte kann’s eben besser als der Allrounder, der auch noch eure Daten sammelt. Das Navi funktioniert autonom und ohne Internet-Anbindung. Der höhere Anschaffungspreis führt dazu, dass ich nicht mit Informationen über mich bezahle.

Das sind nur zwei von sicherlich vielen weiteren Stärken, die Navis bieten. Als Hersteller solltet ihr diese Vorteile klar kommunizieren. Wieso soll ich viel Geld für ein Stück Hardware ausgeben, wenn ich einen Routenplaner kostenlos haben kann? Garmin und TomTom – sagt es mir und anderen potenziellen Kunden. Weil ihr da besonders gut seid, wo Google schwächelt! Und das sogar schon viel länger als der Software-Gigant.

3. Seid kreativ und mutig!

Sucht euch Nischen, entwickelt eigene Ideen, schafft neue Mehrwerte für mobile Menschen des 21. Jahrhunderts. E-Mobilität ist stark im Kommen – gibt’s schon Navis für E-Scooter mit einer stets aktuellen „Tankstellen“-Liste und Routenplanung unter Berücksichtigung des Akkuverbrauchs? Wie sieht’s mit Apps und AppStore für zusätzliche Funktionen und Erweiterungen aus? Könnten Nutzer ein Navi daheim nicht auch als Smart Display einsetzen?

IFTTT ist zum Beispiel mal eine gute Idee. (Foto: Sven Wernicke)

IFTTT ist zum Beispiel mal eine gute Idee. (Foto: Sven Wernicke)

Sicherlich existieren viele spannende Ansätze rund um Mobilität, Bewegung und Sport. Und ich sehe natürlich auch, dass es manche Firmen probieren (Geocaching-Navi – super, aber kann es wirklich gleichermaßen mit einer App konkurrieren oder gar mehr bieten?).

IFTTT-Anbindung wie beim Go Premium oder Outdoor-Profis wie das Garmin Oregon 700 sind klasse, keine Frage. Aber da ist sicher noch mehr möglich. Denn es geht letztlich darum, sich von Google Maps klar abzuheben und ein weiteres Gerät neben dem Smartphone zu rechtfertigen. Und dazu muss man auch mal Vorreiter sein und nicht nur nachziehen. Mehr Mut bitte!

4. Lernt aus Fehlern und unzufriedenen Kunden

Der Kauf von Navigon durch Garmin gefiel vielen Nutzern nicht. Vor allem, weil Garmin zahlreiche Navigon-Apps einstellte. Auch hier im Trendblog beklagten sich Anwender darüber, was ihnen dadurch „weggenommen“ wurde. Das waren teils kleinere Funktionen, teils grundsätzliche Ansätze. Vollwertige Alternativen gab es für die Verärgerten nicht.

Navigon verabschiedete sich. (Foto: Navigon)

Navigon verabschiedete sich. (Foto: Navigon)

Es gibt viele Gründe, die zu unbequemen Entscheidungen führen – ganz klar. Aber es gibt auch Gründe, wieso Kunden zum Beispiel zum Smartphone mit Google Maps wechseln. Oder wieso sie einem Hersteller den Rücken kehren. Spätestens hier findet sich gewiss viel Potential, um die Fehler der Vergangenheit in Produkte mit Mehrwert zu verwandeln.

Ganz ehrlich: Ich mag Navis, denn sie konzentrieren sich auf eine Kernfunktionalität. Und die beherrschen sie verdammt gut. Aktuellstes Kartenmaterial, optimale Integration von Stauwarnungen, Baustellen oder Radarfallen bieten sie neben einer stimmigen Darstellung der zu fahrenden Route. Und das auch ohne Internetverbindung.

Aber ich brauche Argumente, um Geld für etwas auszugeben, was es anderswo kostenlos gibt. Liebe Navi-Hersteller: Überrascht mich, findet zu euren Stärken zurück und aktualisiert eure Hardware. Dann führt ihr mich auch in Zukunft noch zum Ziel und überlasst das Feld nicht einer App…

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