Foto: Sven Wernicke

TomTom Go Premium im Test: Mehr Navi geht nicht

Sprachsteuerung, Anbindung zum Smartphone, IFTTT, Wi-Fi, lebenslange Updates und vieles mehr – das TomTom Go Premium bietet unglaublich viel für ein Navi. Und es ist echt gut. Wir haben es getestet.

Stellt euch ein Feature vor, das ihr für ein Auto-Navi gerne hättet. Gut möglich, dass das TomTom Go Premium mit diesem längst ausgestattet ist. Das Wort „Premium“ hat der Hersteller sichtlich bewusst gewählt, was auch für den Preis gilt. Bei unverbindlichen 329 Euro geht’s für das 5-Zoll-Modell los. Das ist ein stolzer Preis.

Und es stellt sich im Jahr 2019 freilich die elementare Frage…

Wer braucht noch ein Navi-Gerät?

Google Maps. Alle benutzen Google Maps, auch als Navi. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mich nervt die Gratis-Navisoftware ziemlich oft. Zwar liebe ich einige Funktionen wie das Speichern von Orten, das Recherchieren nach neuen Cafés und das Erkunden der Umgebung, doch meine Freundin und ich ärgern uns häufig über die vorgeschlagenen Routen – wenn wir mit dem Auto bewusst nicht auf der Autobahn fahren wollen.

Das TomTom Go Premium im Zeiten von Google Maps. (Foto: Sven Wernicke)

Das TomTom Go Premium im Zeiten von Google Maps. (Foto: Sven Wernicke)

Ein für mich weiterer Punkt, der für ein Navi wie das TomTom Go Premium spricht: Im Volvo 240 meiner Partnerin gibt’s keine moderne Technik. Es existiert in dem 30 Jahre alten Wägelchen kein Bordcomputer oder anderer Luxus. Von daher ist ein Navi hier eine echte Aufwertung. Zudem ist mein Smartphone zwar immer dabei, doch als Navigationsgerät im Auto strengt es mich an. Weil es irgendwo platziert wird, die Ablenkung (Benachrichtigungen, Messenger…) groß ist und Google Maps den Akku leersaugt.

Der Gedanke, ein separates und aufs Navigieren spezialisiertes Gerät zu verwenden, ist zumindest in meinem konkreten Fall ein verlockender. Für andere könnte sich ein Navi natürlich auch lohnen: Wenn das in die Jahre gekommene Auto mit integriertem Navi beispielsweise nicht mehr aktualisiert werden kann – oder wenn ihr die kreativen sowie modernen Elemente des TomTom Go Premium braucht.

TomTom Go Premium im Test: Ihr sollt auf nichts verzichten

Es ist imposant, was TomTom in das Go Premium integrierte. Als Highlight wird besagtes IFTTT genannt, was für ein Navi ein Novum ist. Dazu später mehr. Darüber hinaus bietet das Gerät dank Bluetooth eine Anbindung zum Smartphone und kann als Freisprecheinrichtung eingesetzt werden. Oder ihr lasst euch Benachrichtigungen und Erinnerungen vom Mobiltelefon anzeigen.

Ein schön großes Display. (Foto: Sven Wernicke)

Ein schön großes Display. (Foto: Sven Wernicke)

Zwar verfügt das TomTom Go Premium über eine eigene Sprachsteuerung, doch auf Wunsch geht’s auch mit Google Now und Siri. Lebenslang Staumeldungen bekommt ihr dank einer fest verbauten SIM-Karte – und das ohne zusätzliche Kosten. Via WIFI haltet ihr das Navi auf dem aktuellen Stand.

Richtig interessant ist die Anbindung zur MyDrive-App fürs Smartphone. Plant Routen am Telefon und schickt sie zum Go Premium, entdeckt besonders hübsche Orte (wobei ich für Deutschland keine relevanten Road Trips fand) oder findet durch „Find my Car“ euer Auto immer wieder.

Simple Einrichtung

Der „Feature-Overkill“ ist schon beeindruckend, aber nicht nur auf dem Papier liest sich das gut. Bevor ihr alles ausprobieren könnt, installiert ihr das Stück Technik. Als sehr hochwertig und stabil empfinde ich die mitgelieferte Halterung für die Windschutzscheibe, die ihr über einen Dreh-Mechanismus gut anbringen und entfernen könnt. Das Kabel zum Zigarettenanzünder ist ausreichend lang bemessen. Und das Navi selbst steckt ihr über eine magnetische Fläche bequem auf die Halterung. Schön gelöst, keine Frage.

Ansonsten empfiehlt es sich, wie heutzutage bei nahezu jedem elektronischen Gerät, vor der ersten Fahrt ein Update durchzuführen. Eine Aktualisierung stand zu Beginn natürlich bereit. Das klappt über Wi-Fi flott und unkompliziert.

Was mich dagegen irritierte: Bei der ersten Route hatte das TomTom Go Premium Schwierigkeiten, GPS zu finden. Die Konsequenz: Ich fuhr neben der Straße und in die angeblich falsche Richtung. Das war ein einmaliges Ereignis, seitdem gibt’s keine Schwierigkeiten mehr.

Von Google Maps zum klassischen Navi: Etwas Umgewöhnung nötig

Es wäre gelogen, würde ich behaupten, der Wechsel von Google Maps zum TomTom Go Premium wäre ohne Umgewöhnung möglich. Denn tatsächlich hinterlässt das Navi einen fast nostalgischen Eindruck. Routen berechnet das Gerät innerhalb von rund 30 Sekunden – da ist Google Maps sehr viel flotter. Auch ist die Bedienung insgesamt klassisch und nicht im Stil aktueller Smartphone-Konventionen. Das Hangeln durch die Menüs fühlt sich schwerfällig an, manche gewünschten Optionen muss ich immer wieder suchen.

Nervt nicht bei der Fahrt und lenkt weniger ab - ein klassisches Navi. (Foto: Sven Wernicke)

Nervt nicht bei der Fahrt und lenkt weniger ab – ein klassisches Navi. (Foto: Sven Wernicke)

Aber: Auch hier findet ihr euch mit der Zeit zurecht und das Go Premium offenbart schnell seine Stärken: Die Straßen, Abbiegungen, Kreuzungen, Kreisverkehre und Nebenstraßen sind sehr viel besser zu erkennen als bei Google Maps. Wie häufig schon bin ich bei Maps zu spät oder in die falsche Straße abgebogen, weil ich es nicht gut erkennen konnte – so etwas gibt’s hier nicht mehr.

Prima ist auch das Darstellen alternativer Routen, was ich als großen Mehrwert empfinde. Klar, das kann Google Maps freilich auch, ist beim Go Premium aber hübsch präsentiert und zeigt mir aufschlussreich an, wie viel Zeit ich spare oder für längere Strecken „vergeude“. Praktisch generell ist das Zoomen bis zu einer 3D-Sicht.

Ein entscheidender Vorteil gegenüber Google Maps: Ich habe viel weniger Ablenkungen als auf dem Smartphone-Display. Das Navi macht während der Fahrt das, was es soll: mich navigieren. Und ob ihr es glaubt oder nicht – genau das ist es, was ich nach einigen Fahrten schnell wieder zu schätzen lernte.

So richtet ihr IFTTT am TomTom Go Premium ein

Habt ihr euch bereits mit dem Dienst IFTTT (If This Than That) beschäftigt, könnt ihr euch gut vorstellen, welche Rolle das TomTom Go Premium spielen kann. Dazu müsst ihr das Navi erst einmal mit den Online-Angebot koppeln, was nicht kompliziert ist:

  1. Erstellt ein TomTom-Konto und achtet darauf, dass ihr im Navi unter Einstellungen -> MyDrive eingeloggt seid
  2. Aktiviert den Service unter Einstellungen -> System -> IFTTT
  3. Startet am besten die IFTTT-Smartphone-App (geht aber auch unter ifttt.com), erstellt dort ggf. ein IFTTT-Konto und wählt My Applets -> New Applet
  4. Beim Erstellen einer ersten Anwendung müsst ihr euch mit eurem TomTom-Konto verbinden

Tipp: Als Gerät wählt ihr bei +this oder +that TomTom SatNav aus. Das ist das mit eurem TomTom-Konto verbundenes Navi, in dem Fall also das TomTom Go Premium.

Zur Wahl stehen allerlei Elemente. Ihr könnt abhängig von der zurückgelegten Strecke, der Richtung oder einer vorgegebenen Zeit eine Aktion auslösen. Und spätestens hier wird’s individuell. Ich probierte es mit meinen Hue-Leuchten, die sich kurz vor dem Erreichen meiner Wohnung selbständig einschalteten. Lustig und gerade im Winter nicht unpraktisch, würde ich meinen. Sehr viel sinnvoller: Alle Hue-Lampen in den eigenen vier Wänden ausschalten lassen, wenn ihr mit dem Auto wegfahrt.

Viele Möglichkeiten mit IFTTT

Aufgrund der Tatsache, dass zahllose Anbieter IFTTT unterstützen, dürft ihr sehr flexibel Funktionen programmieren. Garagentor kurz vor eurer Ankunft öffnen? Eine Email an Freunde, wenn ihr zufällig in der Gegend seid? Beliebige Smart-Home-Devices ansprechen, die mit IFTTT kompatibel sind? Einen Tweet absetzen, sobald ihr nach Berlin fahrt? Ach, ihr seht schon – alles, was ihr mit IFTTT anstellen könnt, steht euch zumindest als Aktion zur Verfügung.

Für Tüftler gut zu wissen: Bei bestimmten Auslösern (Kalender-Eintrag, eine Benachrichtigung in den sozialen Netzwerken etc.) kann auch etwas zu eurem Navi gesendet, also eine Aktion auf dem TomTom Go Premium ausgeführt werden. Unter anderem das Übertragen eines Ortes.

Persönlich reduziere ich mich im Alltag auf wesentliche Funktionen, meine Wohnung und mein Leben sind also gar nicht soooo extrem verspielt. Das gilt auch für die Verwendung von IFTTT. Und trotzdem ist genau das Feature echt toll. Die Verbindung mit Philips Hue ist für mich eine grandiose Bereicherung. Und was ihr daraus macht – das kommt ganz darauf an, was ihr wichtig findet.

Es ist nicht alles perfekt

Abgesehen von dem GPS-Problem zu Beginn fielen mir weitere Schwächen auf: Eine Baustelle wurde mal nicht erkannt, genauso war das Navi der Auffassung, eine für den landwirtschaftlichen Verkehr freie Straße wäre für die Allgemeinheit offen. Und es ist schade, dass das Go Premium offenbar keinen Unterschied macht, auf welcher Seite einer Straße die Radarfalle steht. Fahrt ihr also in die entgegengesetzte Richtung, erhaltet ihr trotzdem eine Warnung. Das ist unnötig.

Bei der Fahrt. (Foto: Sven Wernicke)

Bei der Fahrt. (Foto: Sven Wernicke)

Und ja – im Vergleich zu einer modernen Smartphone-App wirkt die Bedienung schwerfällig und antiquiert. Die zur Verfügung stehenden Sprecher klingen alle ausnahmslos schlechter und maschineller als Alexa oder der Google Assistant. Wieso muss das im Jahr 2019 noch so sein? Immerhin klappt es mit der Sprachsteuerung solide.

Trotzdem gefällt mir das System sehr gut: Es bringt Moderne in das uralte Auto meiner Freundin und fügt dem Oldtimer Features zu, die ich als nützlich wahrnehme. IFTTT ist prima, darüber hinaus ist das Navigationssystem sehr zuverlässig. Speichert eure Lieblingsziele, lasst euch alternative Routen anzeigen oder wählt euch schnell zu einem POI. Und sei es nur eine Tankstelle. Fahrerstatistiken gibt’s auch. Dinge wie das Teilen der Ankunftszeit mit Freunden sind nett, aber ich vermute, dass das die wenigsten regelmäßig nutzen. Sehr viel spannender ist die Anbindung ans Mobiltelefon via MyDrive.

Fazit: Ist das TomTom Go Premium besser als Google Maps?

Ob wir es wollen oder nicht: Jedes Navi muss sich mit Google Maps messen, das für alle mobilen Geräte erhältlich ist und von Monat zu Monat weitere Funktionen erhält. Quasi kostenlos. Es stellt sich zwangsläufig die Frage, wieso ich dann zu einem über 300 Euro teuren Navi wie dem TomTom Go Premium greifen sollte, wenn ich Ähnliches auch gratis haben kann. Die Antwort lautet in diesem Fall: Weil ihr hier ein stimmiges Paket bekommt, das sehr viel zu bieten hat und bei dem ihr nicht zwingend ein Smartphone benötigt.

Eine gute Wahl. (Foto: Sven Wernicke)

Eine gute Wahl. (Foto: Sven Wernicke)

Am Anfang störte mich die verhältnismäßig sperrige Bedienung, bei der ich mich nach wie vor frage, wieso diese nicht so intuitiv sein kann wie bei modernen Smartphones. Doch mit etwas Eingewöhnung wisst ihr die Eigenheiten zu schätzen: Das Gerät braucht kein Internet und serviert euch trotzdem die neuesten Stau- und Radarmeldungen. Immer das neueste Kartenmaterial, ein hoher Grad an Flexibilität, wenig Ablenkung, nützliche Informationen – mich hat das TomTom Go Premium überzeugt.

Bei den zahlreichen Fahrten der letzten Wochen stellte ich fest, dass mich das TomTom Go Premium sehr viel weniger nervt als das Smartphone. Womöglich ist das eine Frage des Geschmacks und der eigenen Vorlieben. Aber nach dem Test bevorzuge ich wieder ein klassisches Navi statt ein Mobiltelefon bei der Fahrt in meinem Auto…

Das TomTom Go Premium ist auch bei Euronics erhältlich.

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6 Kommentare zu “TomTom Go Premium im Test: Mehr Navi geht nicht
  1. Ein weiterer Vorteil eines klassischen Navis: der Datenschutz und die Privatsphäre. Geht doch Google & Co. nichts an, wo ich hinfahre.

    • Das ist korrekt (darauf geh ich in einem anderen Artikel auch noch ein. 🙂 ). Wobei da wohl auch die Navi-Hersteller arbeiten – Anbindung zum Smartphone ermöglicht ja auch neue Möglichkeiten für die. Im Großen und Ganzen aber ist das ein großer Vorteil, der durchaus den Preis eines Navis rechtfertigt. Andererseits hast du bei der Autofahrt dein Handy ja sicher dabei? Google erfährt so oder so, wohin du fährst. 🙂

  2. Hallo, ich wollte nur einen Punkt bezüglich des Radarwarners anmerken. Mittlerweile gibt es neue Messstellen die in beide Richtungen blitzen können. Also finde ich die Warnung geht bei diesem Gerät okay. Lieber einmal zu viel als zu wenig. Den Bericht fand ich richtig gut. Grüße Gunter

    • Vielen Dank für das Feedback. Hast natürlich Recht – lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig. Bei meinen Fahrten war das aber schon auffällig und etwas lästig. Wäre an sich perfekt, wenn das Navi wüsste, welche Art Messstelle da zum Einsaz kommt…

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