Es ist so weit: Ich schaffe meine Fotokamera ab

Aktuelle Smartphones machen mittlerweile erstaunlich gute Fotos. Können sie auch gute Digitalkameras ersetzen?

Es ist so weit: Ich schaffe meine Fotokamera ab

Vielleicht liegt es an der dunklen Jahreszeit. Aber als ich neulich bei schlechtem Licht Bilder für den Test des iPhone 12 Pro Max knippste, dachte ich immer wieder: Wow, das macht aber schöne Fotos! Ganz egal, ob die besten Vertreter der Android-Fraktion auf Augenhöhe liegen: Smartphone-Kameras werden Jahr für Jahr erheblich besser.

Und meine Systemkamera? Die leidet gerade im Dezember besonders unter den schlechten Lichtverhältnissen. Immer wieder kommt es vor, dass ich drinnen oder abends draußen etwas fotografieren möchte und die Bilder der Kamera stark rauschen oder leicht verwackeln. Ich könnte sie auf ein Stativ stellen, mehrere Sekunden belichten. Dann käme auch ein ordentliches Bild dabei heraus. Aber nicht immer habe ich die Zeit. Und warum eigentlich, wenn das mit dem Smartphone doch auch so geht?

Langzeitaufnahme mit einer Spiegelreflex? Nein, Nachtmodus an einem Smartphone

Warum eine Kamera, wenn es doch auch ohne geht?

Ganz fair ist der Vergleich freilich nicht. Das iPhone 12 Pro Max ist taufrisch, während ich diese Zeilen schreibe. Meine Systemkamera ist mittlerweile vier Jahre alt und mit einem Standard-Zoomobjektiv ausgestattet. Tausche ich das gegen eine moderne, lichtstarke Vollformatkamera mit einem ebenso lichtstarken Objektiv, dann sähe der Vergleich anders aus.

Aber das würde mich ein paar tausend Euro kosten, und auch hier stellt sich wieder die Frage: Warum eigentlich, wenn es doch auch so geht? Ich brauche kein Stativ, zu wenig Licht gibt es nicht mehr. Kauft ihr euch eine Smartphone-Kamera der aktuellen Spitzenklasse, könnt ihr eigentlich immer davon ausgehen, dass lichtstarke Objektive, künstliche Intelligenz und Rechenpower im Hintergrund ein helles Bild für euch herauszaubern. Nehmt die beiden Bilder oben als Beispiel, oder dieses:

Auch hier wieder kein fairer Vergleich, nicht the real deal? Es stimmt natürlich: Smartphones machen schöne Bilder nur mit Hilfe kluger Algorithmen. Gute Fotografen schwören auf den manuellen Modus einer Kamera, bei dem ihr wirklich zu fotografieren lernt, etwa mit den wichtigen Metriken wie Blende, Verschlusszeit, Lichtempfindlichkeit und Weißabgleich.

Manueller Modus geht auch beim Smartphone

Aber was ist, wenn ihr das gar nicht wollt? Oder wenn ihr genannte Größen nur manchmal einstellen wollt? Die Verschlusszeit, die Lichtempfindlichkeit und – temperatur könnt ihr mit der passenden App auch bei einem Smartphone verändern. Einige Geräte erlauben auch das Variieren der Schärfentiefe über eine virtuelle Blende.

Unschärfe-Effekte könnt ihr auch mit einem guten Smartphone (hier: Porträtmodus am iPhone) erzeugen

Die künstliche Unschärfe ist keinesfalls so gut wie die, die ihr mit einer guten Spiegelreflex- oder Systemkamera und einem gescheiten Objektiv erzielen könnt. Aber vielen Betrachtern wird der Unterschied erst auf dem zweiten Blick auffallen.

Im iPhone 12 Pro Max ist außerdem eine sehr gute Videokamera gleich an Bord, die auf Wunsch auch Dolby-Vision-Videos in 4K mit 60fps aufnimmt:

Ich will aber auch gar niemandem seine schöne Kamera ausreden. Wie gesagt: Wenn ihr wisst wie, und wenn ihr die beste Technik habt, macht ihr damit die besseren Fotos. Ich spreche hier für mich selbst. Ich veröffentliche Bilder hauptsächlich online: Hier auf dem Trendblog, auf meinem Privatblog und hin und wieder bei Instagram. Einige Bilder drucke ich aus, um sie in meine Wohnung zu hängen. Aber tatsächlich hängen da schon jetzt mehr Bilder, die ich über die Jahre mit dem Smartphone statt mit der Kamera geschossen habe.

Schlicht, weil ich das Smartphone in den letzten Urlauben und Wochenendausflügen immer dabei hatte. Auch dabei haben wollte. Es war für mich die bessere Wahl. Wenig Gewicht, sowieso immer dabei, fast alles an Effekten möglich, was ich wollte. Bereut habe ich nie etwas.

Das Experiment: Solange wie möglich ohne eine weitere Kamera

Und deswegen probiere ich das jetzt. Meine alte Systemkamera von 2016 hat mich jetzt lange genug geärgert. Ich probiere einmal, wie das ist, nur noch mit dem Smartphone zu fotografieren. Auch hier auf dem Trendblog.

Wenn ihr einen massiven Qualitätsabfall bei meinen Bildern feststellt, meldet euch bitte! Denn ich sage nicht, dass meine Entscheidung in Stein gemeißelt ist. Ich mag aktuelle Kameras, die Sony Alpha 7c ganz besonders. Ich mag auch die Richtung, in die sie sich in den letzten Jahren entwickelt haben. Aber brauche ich sie zwingend?

Das wird die Frage sein, die ich 2021 klären möchte. Seht das hier also auch als ein Experiment. Schlägt es fehl, werde ich keine Probleme haben, das zuzugeben. Aber vielleicht geht es auch mit einem Smartphone sehr gut und dann mit der folgenden Generation noch einmal besser. Wir werden sehen.

Könntet ihr euch vorstellen, ganz auf eine DSLM/DSLR zu verzichten und nur noch mit dem Smartphone zu fotografieren? Sagt es uns in den Kommentaren!

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5 Kommentare zu “Es ist so weit: Ich schaffe meine Fotokamera ab

  1. Ich gebe ja gern zu, daß ich meine letzten Indoor Fotos anläßlich des Jahreswechsels auch mit dem Smartphone gemacht habe, einfach weil ich es halt dabei hatte. Trotzdem hat es mich heute bei einer Schneewanderung wieder geärgert, weil es mit meinen klammen Fingern einfach nicht auslösen wollte.
    Zum Glück hatte mein Mann seine SONY Systemkamera dabei, so sind doch noch schöne Bilder entstanden…
    Alles Gute für 2021!

    1. Hallo Ann-Kathrin. Und mit klammen Fingern hat sich die Systemkamera wirklich besser bedienen lassen? Das wundert mich ja fast. Ich wollte aber auch nicht gegen Spiegelreflex- oder Systemkameras werben, sondern FÜR das System, das gerade am praktischsten ist. Ich hoffe auf jeden Fall, es kamen schöne Fotos dabei heraus. 🙂 Frohes neues Jahr! Jürgen

  2. Ja, kann ich mir vorstellen. Ich habe eine NEX von Sony. Die ist schon in die Jahre gekommen. Aber seit dem Pixel 2 habe ich die eigentlich fast nicht mehr benutzt. Als zusätzlichen Ballast sehe ich Systemkameras schon immer an. Die habe ich nicht täglich im Urlaub dabei. In der Heimat sowieso nicht. Ich bevorzuge die Bequemlichkeit, die mir ein Smartphone bietet. Daher, ja: ich verzichte schon auf richtige Kameras und bereue es nicht.

    1. Sony Nex ist aber in der Tat schon was alt. So eine hatte ich auch sehr lange und vermisse sie auch ein bisschen. Leider hat selbst Sony danach den Pfad dieser Ultrakompaktkameras wieder ein wenig verlassen. Die Alpha A7c geht allerdings wieder ein wenig in die Richtung. Für mich bleibt’s aber auch dabei: Das Smartphone reicht in den allermeisten Fällen.

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