Dacia Spring im Test: Das 11.000-Euro-Elektroauto überzeugt

Der Dacia Spring bringt einen flotten Look und eine kleine Batterie für rund 11.000 Euro mit. Aber der E-Dacia kann noch mehr.

Dacia Spring im Test: Das 11.000-Euro-Elektroauto überzeugt

Der Dacia Spring ist das günstigste Elektroauto in Deutschland. Wenn ihr den Umweltbonus wahrnehmt, bekommt ihr den E-Flitzer schon ab 10.920 Euro. Zusätzlich spart ihr gegenüber einem Verbrennungsmotor an Treibstoff und Wartungskosten. Günstiger als mit dem Dacia Spring könnt ihr wahrscheinlich nicht Auto fahren. 

Das ist Grund genug für uns, den kleinen Stadtflitzer einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich nutze den E-Dacia bereits seit einigen Wochen und habe damit sogar schon einen längeren Roadtrip von über 650 Kilometern bis nach Dänemark hinter mir. Langstrecke ist also mit einer kleinen Batterie möglich, wenn auch nicht ideal. Wir haben die Comfort-Plus-Variante des Spring getestet, die ihr für 21.790 Euro bekommt. Mit Abzug der 9.000 Euro Umweltprämie landet ihr in dieser Version bei 12.790 Euro. Was bekommt ihr für das Geld?

Batterie und Reichweite: 100 bis 300 Kilometer 

Bei dem Preis für ein Elektroauto solltet ihr euch erst einmal fragen: Wie groß ist die Batterie und wie weit komme ich damit? Die Batterie des Spring fasst 27,4 kWh, womit ihr laut kombiniertem WLTP-Zyklus 230 Kilometer weit kommt. Der kombinierte Zyklus setzt sich zusammen aus 57 Prozent Stadtfahrten, 25 Prozent Überlandfahrten und 18 Prozent Autobahnfahrten. Die reale Reichweite ist darum stark davon abhängig, wo ihr fahrt, wie ihr fahrt und auch wie das Wetter gerade ist. 

Der Dacia Spring ist für die Stadt gemacht.

Seid ihr mit dem Auto nur in der Stadt unterwegs, schafft ihr laut Dacia sogar knapp über 300 Kilometer. Bei meinem Roadtrip habe ich den Akku auf der Autobahn meist von rund 80 Prozent Ladung auf 20 Prozent bis zum nächsten Lader heruntergefahren. Damit habe ich etwas mehr als 100 Kilometer pro Streckenabschnitt geschafft. Dazu muss ich erwähnen, dass ich selten schneller als 100 km/h gefahren bin. Der Spring ist auf 125 km/h gedrosselt, schafft sogar etwas mehr. Allerdings leert sich der Akku rapide, wenn ihr voll durchdrückt. 

Ladezeiten und Leistung: Geladen in 30 Minuten, bis zu 45 PS 

Wenn ihr viel in der Stadt unterwegs seid, bietet sich der Eco-Modus an. Der reduziert die Leistung des ohnehin schon schwachbrüstigen Elektromotors weiter, wodurch ihr weniger Energie verbraucht. Mit voller Leistung bringt der Motor 33 kW (44 PS) Leistung; im Eco-Modus ist er auf 23 kW (31 PS) gedrosselt. Auch mit der reduzierten Leistung könnt ihr einwandfrei im Stadtverkehr mitfahren. Auf 50 km/h beschleunigt der Spring auch im Eco-Modus flott. Nur wenn ihr mehr als 80 km/h fahren möchtet, solltet ihr den Stromsparmodus ausschalten, da hier die Beschleunigung nicht verkehrsüblich ist. 

Nachdem ihr dann die Batterie leer gefahren habt, ist es Zeit zum Laden. Das geht beim E-Dacia über einen Typ-2-Anschluss mit bis zu 6,6 kW und Wechselstrom. Alternativ könnt ihr den CCS-Anschluss nutzen und wesentlich schneller, mit bis zu 30 kW und Gleichstrom laden. Den Ladeanschluss zum CCS-Schnellladen gibt es leider nur gegen Aufpreis für 600 Euro. 

Die 45 PS reichen dem Dacia Spring vollkommen aus.

Auf der Autobahn habe ich mit dem CCS-Anschluss geladen. Hier ladet ihr die Batterie von rund 20 auf 80 Prozent in ungefähr einer halben Stunde. An öffentlichen Ladesäulen abseits der Autobahn ladet ihr meistens mit dem Typ-2-Stecker. Damit kann es gut und gerne 2 Stunden dauern, bis das Auto von 20 auf 80 Prozent kommt. 

Optik und Verarbeitung: Ganz schicke Blechbüchse

Neben den E-Auto-spezifischen Merkmalen sind natürlich auch Optik und Verarbeitung entscheidend. Vor allem zu dem Preis könnte man schlechte Verarbeitung erwarten. Der Dacia Spring ist ein elektrischer Kleinstwagen mit SUV-Optik. Gerade die winzig erscheinenden Reifen auf dem kleinen SUV-Aufbau geben dem Auto einen sehr süßen Look. In der Comfort-Plus-Variante bekommt der Spring dazu noch farbliche Highlights spendiert. Mir gefällt dieser Look insgesamt sehr gut. Weitere Eindrücke seht ihr im kurzen Vorstellungsvideo:

Die Verarbeitung und die Materialien sind genau das, was ihr zu dem Preis erwarten würdet. Schon wenn ihr die Tür öffnet, habt ihr das Gefühl, nicht sehr viel in der Hand zu haben. Auch der Sound beim Schließen gibt euch das Gefühl, in einer Blechdose zu sitzen. Die Soundkulisse ist auch beim Fahren sehr interessant. Ihr hört Geräusche beim Bremsen, wenn ihr über ein Mini-Schlagloch fahrt und allgemein, wenn irgendetwas das Auto berührt. Und zwar sind diese Sounds recht laut. Auch der Wind bei schnelleren Geschwindigkeiten, vor allem auf der Autobahn, ist unangenehm laut. Eine gemütliche Fahratmosphäre ist das nicht. Hier wird klar, wo Dacia gespart hat. 

Die Armaturen im Innenraum sind aus Hartplastik aber schlicht und ganz gut anzusehen. In der Comfort-Plus-Version bekommt ihr auch hier farbliche Akzente und einen 7-Zoll-Touchscreen, mit dem ihr das Infotainment-System bedient. Am besten lässt sich der Innenraum wahrscheinlich als funktional beschreiben.

Innenleben und Entertainment: Ich vermisse keine Extras

Ihr bekommt im Dacia Spring definitiv nicht das Gefühl, in einem futuristischen Elektroauto zu sitzen. Alles ist irgendwie manuell und mit physischen Buttons bedienbar. Ich habe eher das Gefühl, in einem Neuwagen von vor zehn Jahren gelandet zu sein. Versteht mich nicht falsch: Alles funktioniert einwandfrei und ich vermisse keine wichtigen Funktionen. Es fühlt sich aber einfach altbacken an. Auch das Infotainment-System auf dem 7-Zoll-Bildschirm trägt dazu bei. 

Wie ein Tesla sieht das nicht aus.

Obwohl der Screen überraschend reaktionsschnell ist, scheint das Design der Menüs doch eher in 2010 stecken geblieben zu sein. Den Screen nutzt ihr hauptsächlich für das Radio, die Rückfahrkamera und für Android Auto und Apple CarPlay. Weitere Komfortfunktionen des Spring sind: 

  • Lichtautomatik
  • LED-Tagfahrlicht 
  • Tempomat
  • DAB+-Radio
  • Bluetooth-Schnittstelle
  • USB-Anschluss

Im Cockpit, direkt vor dem Fahrer, befindet sich noch ein weiterer 3,5-Zoll-Bildschirm der euch den aktuellen Ladestand, die verbleibende Reichweite, eure Geschwindigkeit und die Gesamtkilometer anzeigt. Links davon habt ihr eine halbrunde Skala, die anzeigt, wie viel Gas ihr gerade gebt oder ob ihr rekuperiert. Rechts des kleinen Displays ist euer Ladestand noch einmal in einer halbrunden Skala visualisiert.

Eine Mittelkonsole sucht ihr im Dacia Spring vergebens. Hier befindet sich das Schaltrad der Automatik mit den Stufen “R”, “N” und “D”. Eine Parkeinstellung gibt es bei Dacia nicht. Zum Parken schaltet ihr auf “N” und zieht die manuelle Handbremse. Gute alte Zeiten. Vor dem Schaltrad findet ihr ein relativ großes Fach, in dem ihr zum Beispiel euer angeschlossenes Smartphone verstaut. 

Fazit: Perfekt für alle, die günstig in der Stadt fahren möchten

Der Dacia Spring ist ein sehr gutes Elektroauto für seinen Preis. Wenn ihr ihn als Stadtauto nutzt, habt ihr mehr als genug Reichweite für kleine Fahrten zum Supermarkt, zur Arbeit, zum Arzt und so weiter. Wenn ihr das Auto dann nicht braucht, könnt ihr es zu Hause an der Wallbox oder am öffentlichen Lader auftanken. Das geht sogar, während ihr beim Einkaufen oder beim Arzt seid. 

Die Langstrecke ist definitiv keine Stärke des Spring. Hier könnt ihr nur relativ langsam fahren und müsst viele Stopps einplanen, aber es geht. Wenn ihr oft weite Strecken zurücklegen möchtet, solltet ihr euch nach einem Modell mit einer größeren Reichweite umsehen. 

Auch das Heck kann sich sehen lassen.

Von der Ausstattung her, den Materialien und der Verarbeitung solltet ihr selbstverständlich kein Luxusauto erwarten. Ihr bekommt alle wichtigen Funktionen wie ein Infotainment-System mit Touchscreen (nur in der Comfort-Plus-Variante), elektrische Fensterheber, Tempomat, Android-Auto- und Apple-CarPlay-Kompatibilität und mehr. Für Stadt- und Kurzstreckenfahrer, die günstig in die Elektromobilität einsteigen möchten, ist der Dacia Spring perfekt.

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Ein Kommentar zu “Dacia Spring im Test: Das 11.000-Euro-Elektroauto überzeugt

  1. Danke für den sachlich formulierten Artikel ohne die üblichen Testkriterien wie max Beschleunigung, Höchstgeschwindigkeit und sonstigen Quatsch. Wer sich wie ich
    (Rentner) für so ein 44 PS Auto entscheidet will keine Rallys fahren, sondern nur Kurzstrecken im täglichen Umfeld. Für mich war wichtig die etwas höhere Sitzpostion zum bequemen ein und aussteigen, vorne ausreichend Platz für 2 Erwachsene sowie ein großer Gepäckraum für die Einkäufe. Notfalls können sogar auch die Enkel hinten drin mitfahren. Als Techniker schätze ich den Verzicht auf elektronischen Schnickschnack und freue mich über solide Technik wie Zündschlüssel mit Lenkradschloß und Handbremse, elektrischen Fensterhebern, Rückfahrkamera und Navi sowie Verknüpfung mit Handy.
    Der Preis liegt inkl. Überführung und Zulassung bei ca 24.000€ abzüglich Umweltprämie.
    Einen Verbrenner für 14.000€ mit vergleichbarer Ausstattung , also mit Automatikgetriebe, Standheizung,Lederausstattung und und und, findet man nicht so leicht. Spätestens bei den Betriebskosten ( Versicherung, Steuer und Werkstattkosten) wird das Auto im Vergleich sogar wirtschaftlich. Ich lade übrigens nur an meiner normalen Haushaltssteckdose, möglichst mit Solarstrom oder über Nacht. Jetzt im Winter schätze ich die Fernbedienung der Heizung, über die Dacia App gestartet. Ok, alle 120 km kommt er ans Netz, denn das Risiko des Leerfahrens gehe ich nicht ein.
    Wenn mein Dacci solange durchhält, wird er an meinen Enkel in 10 Jahren vererbt.
    (Übrigens, für grössere Strecken habe ich natürlich noch einen modernen Diesel in der Garage)

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