Wallboxen: E-Mobilität aus der heimischen Steckdose

Wer mit der Anschaffung eines Elektroautos liebäugelt, dem stellen sich ganz praktische Fragen. Etwa die, wie das Fahrzeug daheim geladen werden kann. Und wie ihr bares Geld sparen könnt. Wallboxen können dabei helfen.

Mag sein, dass Elektroautos gegenüber Verbrennungsfahrzeugen erst mit sehr langer Laufzeit eine positive Ökobilanz aufweisen. Ansonsten aber sind ihre Vorteile nicht von der Hand zu weisen: Ihr Wirkungsgrad ist so hoch wie bei keiner anderen Antriebsform. Sie können geräuschlos durch die Straßen gleiten, und zumindest im innerstädtischen Bereich genügt ihre Reichweite für den Alltag. Zumal die öffentliche Ladeinfrastruktur kontinuierlich (wenn auch nicht besonders schnell) ausgebaut wird.

Die öffentliche Lade-Infrastruktur für Elektrofahrzeuge wird kontinuierlich ausgebaut, doch nicht überall sind Ladesäulen vorhanden. (Foto: Pixabay)

Zudem sind E-Fahrzeuge, die bis zum 31.12.2020 zugelassen werden, für zehn Jahre von der KfZ-Steuer befreit. Eine zentrale Frage, die sich vor dem Erwerb aufdrängt, ist eher organisatorischer Natur: Wo und wie lade ich mein E-Auto zuhause eigentlich auf?

Von ICCBs, Wandladestationen und Wallboxen

Die naheliegendste Antwort wäre, das Auto einfach an die heimische Steckdose zu hängen. Entsprechende einfache Ladelösungen, sogenannte ICCBs (was für In-Kabel-Kontrollbox steht) sind günstig zu haben, schnell eingerichtet, haben aber eine ganze Reihe an Nachteilen. Sie laden langsam und belasten über die Dauer des Ladevorgangs das heimische Stromnetz über Gebühr. Ihre Konstruktion mit der schweren, freihängenden Kabelbox, fehlende Überfahrsicherheit und das größere Kabelbrandrisiko infolge der hohen Stromstärke sprechen bei ICCBs eher für eine Not- denn Dauerlösung.

Wallboxen sind in allen Belangen den ICCBs überlegen – und sehen mitunter richtig schick aus. (Foto: Pixabay)

Hier kommen Wandladestationen ins Spiel, die auch als Wall Connector (eine Bezeichnung von Tesla) oder Wallboxen (BMW-Marke) vermarktet werden. Vereinfacht gesagt verbergen sich hinter diesen Wortkonstruktionen Schnellladegeräte für daheim. Gegenüber den ICCBs besitzen sie eine höhere Ladeleistung und entsprechend kürzere Ladezeiten, sie werden fest an der Wand montiert und am Dreiphasenwechselstrom angeschlossen, der in den meisten Haushalten als Anschluss für den Herd bereits vorhanden ist. Da eine Ladeautomatik integriert ist, wird von der Wand nur noch das Ladekabel weggeführt, einen Klotz wie bei den ICCBs gibt es hingegen nicht.

Typische Ladezeiten für E-Autos

Üblicherweise werden die Wandladestationen mit 11 kW oder 22 kW betrieben, sie sind aber im selben Maße von Phasenzahl und der Akku-Kapazität des Fahrzeuges abhängig. Wie sich das konkret auf die Ladezeit auswirkt, zeigt die folgende Tabelle:

Modell mit AkkukapazitätPhasenDauer in Stunden bei 2,3 kW (ICCB)Dauer in Stunden bei 11 kW (Wallbox)Dauer in Stunden bei 22 kW (Wallbox)Maximale Reichweite in km
BMW i3 (22 kWh)1863190
BMW i3 (33 kWh)3124,53312
Renault ZOE (22 kWh)31032210
Renault ZOE (41 kWh)3254,53400
VW e-Golf (24 kWh)1117190
VW e-Golf (35 kWh)21310300
VW e-up! (19 kWh)18,55,5160
Nissan Leaf (24 kWh)1107,54199
Nissan Leaf (30 kWh)113105,5250
Smart 451 ED (18 kWh)3821145
Hyundai Ioniq (28 kWh)1127,54,5250
Kia Soul EV (27 kWh)1127,54,5250

(Quelle: Newcarz.de)

Nutzt ihr 22 kWh zum Laden, ist der Akku schnell wieder auf 100 Prozent – während bei 11 kWh nur die Hälfte und über die normale Schukodose lediglich ein Drittel der Menge im gleichen Zeitraum in die Batterie gepumpt wurden. (Quelle: Euronics)

Wallboxen zum Laden von E-Fahrzeugen folgen der internationalen Norm IEC 62196 bzw. DIN EN 62196. Diese Richtlinie gewährleistet eine standardisierte Steckverbindung, eine sichere Kommunikation mit dem Elektroauto und einen elektrischen An/Aus-Schalter samt Schutzeinrichtung. Kurzum: Eine nach dieser Norm zertifizierte Wallbox lädt euer Elektroauto sicher auf, unabhängig von welchem Hersteller sie produziert wurde.

Darauf müsst ihr achten – die schwarzen Schafe

Wallboxen kosten je nach Modell zwischen 500 Euro und 2.500 Euro – es kann aber durchaus sein, dass euch die Wallbox vom Automobilhersteller, der Kommune oder dem Land subventioniert oder gar als kostenlose Dreingabe angeboten wird. Qualitativ gute Wallbox-Bausätze für Privatkunden, beispielsweise die Heidelberg Wallbox Home Eco, finden sich auch für den schmaleren Geldbeutel.

Je mehr Geld ihr investiert, desto mehr Komfortfunktionen und Schutzeinrichtungen werden euch angeboten. Ganz gleich, wie viel ihr für die Wallbox ausgebt, immer sollte sie über einen An/Aus-Schalter, ein Modul für die Kommunikation zwischen Ladestation und Auto und einen Schutz gegen Wechsel- (FI A) und Gleichstromfehler (FI B) verfügen.

Generell sind die sich im Umlauf befindlichen Devices sichere Systeme. Der ADAC rät jedoch davon ab, Ladestationen einiger Billighersteller zu kaufen, die in einem umfangreichen Test mit zwölf Wandladestationen durchfielen. Aber auch einige hochpreisige Modelle sind weniger empfehlenswert, wenn ihnen der Gleichstromfehlerschutz (FI B) fehlt. Denn diesen müsstet ihr mit einer Investition in höhe mehrerer hundert Euro nachrüsten.

Die Folgekosten für Installation und Laden

Als Käufer einer Wallbox solltet ihr die unmittelbaren Folgekosten beachten. Die Hersteller raten unisono von einer Eigeninstallation ab, den gültigen Rechtsvorschriften nach darf nur eine Elektrofachkraft den Anschluss und die erstmalige Inbetriebnahme vornehmen. Wie hoch die Kosten dafür sind, hängt stark von den baulichen Gegebenheiten und dem zu erwartenden Aufwand ab. Es lohnt allerdings, den Kontakt zum Handwerker bereits vor dem Erwerb zu suchen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kann euch auch euer auf Elektroinstallationen spezialisierter Euronics-Fachbetrieb hier weiterhelfen.

Nach einer ersten Inspektion erfahrt ihr, ob die Wallbox mit 11 kW oder 22 kW laden kann und welche baulichen Voraussetzungen möglicherweise noch geschaffen werden müssen. Besonders interessant sind die Fördermöglichkeiten der KfW für umfassendere Sanierungen (KfW-Programm 430), über welches ihr einen Zuschuss oder günstigen Kredit bei der Nachrüstung einer Wallbox erhalten könnt. Auch lohnt es, in der eigenen Kommune nach einem Zuschuss anzufragen. Die Stadt München etwa bietet von der Beratung über den Kauf bis zur Installation noch bis Ende Dezember 2020 ein lukratives Förderprogramm an.

Die KfW, Kommunen und manche Bundesländer bieten attraktive Förder- und Zuschussmöglichkeiten beim Kauf eines Elektrofahrzeugs und der Wallbox. (Foto: KfW.de)

Günstiger als Diesel oder Benzin

Bliebe noch zu klären, wie viel eigentlich eine komplette Akkuladung daheim kostet. Hier ist wie zuvor keine allgemeingültige Aussage möglich. Sollte euer Stromanbieter günstigere Nachttarife bieten, lohnt es jedoch, das Fahrzeug in dieser Zeit zu laden. Als grober Richtwert gilt, dass für 100 km etwa 15 kWh aufgewendet werden und diese Strommenge zwischen vier und fünf Euro kostet. Die exakten Kosten lassen sich erst nach einigen Monaten seriöser eingrenzen. Günstiger als die klassischen Brennstoffe ist der Strom allemal.

Wallboxen sind unterm Strich die ideale Lösung für Privatpersonen, die ihr E-Fahrzeug zuhause laden und sich von der noch unzureichenden öffentlichen Infrastruktur abkoppeln wollen. Der Anschaffungspreis mag hoch erscheinen und die unmittelbaren Folgekosten für Installation und Inbetriebnahme ebenfalls abschrecken, die langfristigen Einsparnisse rechtfertigen diese Investitionen jedoch. Viele Kommunen, Bundesländer und die KfW bieten außerdem eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten an, so dass ein Elektroauto noch einmal um einiges attraktiver wird.

Aufmacherbild via Pexels

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