Joyn

Joyn ausprobiert: Neuer Streaming-Dienst mit einer faustdicken Überraschung

Joyn heißt der neue Streaming-Dienst von ProSiebenSat.1. Er verbindet Live-TV mit Mediatheken-Inhalten. Und er ist zum Start gänzlich kostenlos. Wir haben ihn ausprobiert.

An Streaming-Diensten herrscht kein Mangel in Deutschland. Wer online live fernsehen möchte, kann sich etwa bei Zattoo oder Waipu registrieren. Er hat mit MagentaTV oder GigaTV Net kostenpflichtigen Zugriff zu Live-TV und Mediatheken, und er hat mit reinen Online-Videotheken wie Netflix oder iTunes gegen einen Monats- oder Einzelgebühr exklusive Filme und Serieninhalte. Hier kommt Joyn noch obendrauf, der neue Streaming-Dienst von ProSiebenSat.1.

Moment mal? Gar keine Anmeldung notwendig?

Joyn ist gewissermaßen der Hauptbahnhof der Inhalte von ProSiebenSat.1. Der Dienst ersetzt zwar 7TV, geht aber noch ein ganzes Stück weiter. Die Live-Programme von ProSiebenSat.1 fahren hier ebenso ein und aus wie zahlreiche öffentlich-rechtliche Sender von ARD und ZDF. Daneben gibt es eine Mediathek mit früheren Inhalten aus dem ProSiebenSat.1-Universum und einige exklusive Inhalte.

Neue Folgen der Comedy Jerks laufen exklusiv auf Joyn

Neue Folgen der Comedy Jerks laufen exklusiv auf Joyn

Als ich mich auf Joyn umschaue, springen mir etwa Grey’s Anatomy oder Germany’s Next Topmodel ins Auge. Von Staffel 2 bis 14 können die NutzerInnen beliebigen Folgen der Castingserie streamen und darin vor- und zurückspulen. Neue Folgen der deutschen Comedy Jerks mit Christian Ulmen und Fahri Yardim laufen hier exklusiv. Auch die vierstündige, hoch gelobte Doku „Leaving Neverland“ ist dort vertreten. Okay, denke ich, Grund genug, sich das mal anzuschauen. Wo muss ich mich anmelden?

Und hier kommt die große Überraschung: muss ich nicht. Joyn ist ohne Anmeldung zugänglich. Ihr öffnet die Seite im Browser und los geht’s. Keine Registrierung, keine Kosten, keine Beschallung mit nervigen Newslettern. Einen solchen freien Zugang habe ich allenfalls noch mit dem Live-Programm des Fernsehers. Aber selbst andere kostenlose Alternativen wie Zattoo Free verlangen erst einmal eine Registrierung.

Joyn: Handhabung ausbaufähig aber in Ordnung

Meine ersten Gehversuche auf Joyn sind nicht ohne Probleme. Um einen Livestream von Kabel 1 zu starten, braucht die Seite eine halbe Minute, für den des ZDF etwa 5 Sekunden. Vor- und Zurückspringen im Stream etwa von GNTM geschieht etwas verzögert. Zappen dauert; immer wieder muss ich warten, bis das neue Programm gestartet ist. Während meines Tests läuft mein MacBook Air ganz schön heiß, der Lüfter springt an. Verlasse ich das Browser-Tab, stoppt das laufende Programm und setzt sich fort, wenn ich das Tab wieder aufrufe.

Das habe ich doch gar nicht gesehen? Eigentlich sollte jetzt Futurama laufen. Joyn aber spielt eine andere Sendung ab.

Das habe ich doch gar nicht gesehen? Eigentlich sollte jetzt Futurama laufen. Joyn aber spielt eine andere Sendung ab.

Streame ich eine Sendung aus der Mediathek, ist diese automatische Pause sogar recht angenehm. Verlasse ich das Tab während des Live-TV-Empfangs, passiert Sonderbares: Statt der Sendung, die ich gerade noch gesehen habe und die eigentlich noch laufen müsste, zeigt Joyn mir nun eine andere. Als ich etwa zu Big Bang Theory zurückkehren will, läuft plötzlich (entgegen des TV-Programms) eine Familienserie; von Futurama schaltet Joyn auf eine Kochshow um. Ich vermute hier eine Kinderkrankheit.

ProSiebenSat.1 will Joyn sukzessive ausbauen

Werbung habe ich während meines Tests keine gesehen – ich vermute entweder einen Anfangsbonus oder den eingebauten Adblocker im Chrome-Browser dahinter. Allerdings schreibt Joyn im offiziellen „Tech Blog“ auf Medium auf Englisch (warum?), dass der Anbieter es bei wenig Werbung belassen wolle. Eine Chance lässt Joyn in meinen Augen verstreichen: Die öffentlich-rechtlichen Sender erhalte ich in guter HD-Bildqualität, die eigenen Sender der ProSiebenSat.1-Gruppe empfange ich in schlechterer SD-Qualität. Hier könnte die Sendergruppe mehr Werbung in eigener Sache betreiben.

Ein weiterer Wermutstropfen: Die Privatsender der rivalisierenden RTL-Gruppe fehlen natürlich. Insgesamt bietet Joyn nach eigenen Angaben über 50 Live-TV-Sender, wobei viele regionale öffentlich-rechtliche Sender dazu zählen (etwa WDR Essen, WDR Aachen, WDR Münster, …).

Joyn-Mediathek: Einige Sendungen laufen auch vor dem Free-TV-Start

Joyn-Mediathek: Einige Sendungen laufen auch vor dem Free-TV-Start

Die Vorzüge von Joyn? Einmal aufgerufene Sendungen der Mediatheken speichert der Dienst im Cookie. Beim nächsten Besuch seht ihr sie direkt auf der Startseite, und ihr könnt den Stream dort wieder aufnehmen, wo ihr ihn verlassen habt. Es ist kein Plugin notwendig. So wie jetzt ist Joyn die beste, frei zugängliche Sammlung von Live-TV-Sendern und Mediatheken-Inhalten.

Weitere Joyn-Apps folgen

Letztere beschränken sich bei Joyn auf Sendungen aus dem Universum von ProSiebenSat.1. Fans können also verpasste Sendungen hier nachholen und auch einige Inhalte vorab sehen. Die Sendergruppe möchte die Plattform nach und nach erweitern. Später soll auch ein kostenpflichtiges Angebot hinzukommen, in das etwa der Eurosport-Player integriert ist, ProSiebenSat.1-Sender in HD vorliegen und weitere Premium-Inhalte zur Wahl stehen. Etwas Anderes hätte aber auch verwundert.

Joyn gibt es auch für Fire TV und bald auf Android und iOS

Joyn gibt es auch für Fire TV und bald auf Android und iOS

Zum Start lagen uns die Apps für Android und iOS noch nicht vor. Auf dem Fire TV ist die Bildqualität des ARD-Steams (obwohl es HD sein soll) deutlich schlechter als auf dem Browser. Das Umschalten und Einschalten von Streams dauert ähnlich lang wie im Browser. Ansonsten: eine schöne, übersichtliche App.

Fazit zu Joyn

Bloß eine weitere Streaming-Plattform? Nein, Joyn hebt sich dank des frei zugänglichen Live-TV-Programms von ähnlichen Mediatheken und Konkurrenzangeboten wie RTL TV Now ab. Mit der Möglichkeit, mehr als 50 Sender ohne Registrierung direkt aufzurufen, ist das neue Angebot derzeit sogar konkurrenzlos. Interessant außerdem, dass die Privatsendergruppe ProSiebenSat.1 dabei den Schulterschluss mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen wagt.

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Dass sich die Mediatheken-Inhalte dabei auf wenig exklusive und vor allem eigene Formate beschränken, dass das Umschalten einige Sekunden dauert und noch einige Kinderkrankheiten auskuriert werden müssen: geschenkt. Ich hoffe, Joyn bleibt in der Form auch mit wenig Werbung erhalten.

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Ein Kommentar zu “Joyn ausprobiert: Neuer Streaming-Dienst mit einer faustdicken Überraschung
  1. Joyn wäre wirklich keinen Cent wert!! Es ruckelt alle zwei Sekunden und von einem Stream über Chromecast o. Ä. Ist definitiv abzuraten! Das macht absolut keinen Spaß. Vor allem weil die Werbung immer die gleiche ist. Es nervt einfach schon nach zwei Tagen!! Großer Mist!!!

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