Ankündigung des Amazon Fire TV Cube (Screenshot von amazon.com)

Der Fire TV Cube ist eine gute Idee – doch nicht für mich

Amazon kombiniert wohl seinen Echo-Lautsprecher und seine Streamingbox Fire TV in einem Gerät. Im Wohnzimmer entsteht eine neue Schaltzentrale. Das macht einiges einfacher. Aber ist das auch die beste Lösung?

Amazon Echo und Fire TV in einer Box – wäre das nicht eine geniale Kombination? Anscheinend arbeitet Amazon gerade daran. Der Fire TV Cube könnte schon bald in den USA erscheinen. Der kleine Würfel würde dann die Multimedia-Wiedergabe auf einem großen Bildschirm mit einem persönlichen Sprachassistenten und zahlreichen Skills für die Steuerung des Smart Homes vereinen.

Wenn ihr ins Wohnzimmer kommt, könntet ihr mit einer kurzen Anweisung an Alexa den Fernseher einschalten, die Wiedergabe eures Lieblingsserie starten, das Licht dimmen und die Jalousien herunterfahren lassen. Alles geschieht, während ihr euch auf das Sofa fallen lasst. Klar, das geht jetzt auch schon. Doch was aktuell zwei oder drei Geräte leisten, würde dann ein kleiner, unauffälliger Würfel übernehmen.

Der erste richtige Computer fürs Wohnzimmer?

Der Fire TV Cube würde keine Einzelaufgaben übernehmen, sondern gleich mehrere. In dem kombinierten Gerät wird deshalb auch mehr Rechenpower stecken als in einem allein. Immer wieder hieß es, der Computer werde ins Wohnzimmer einziehen. Die Frage war nur: Wie sieht er aus? – Es könnte ein Würfel sein.

So könnte er aussehen: AFTVnews.com hat bereits im letzten Jahr ein Bild des Amazon Fire TV Cube ergattert (Bild: AFTVnews.com)

So könnte er aussehen: AFTVnews.com hat bereits im letzten Jahr ein Bild des Amazon Fire TV Cube ergattert (Bild: AFTVnews.com)

Mit einem hässlichen Arbeitsrechner hat jedoch nie jemand gerechnet. Spielekonsolen entpuppten sich als gute Abspielgeräte für DVDs, als mehr aber auch nicht. Laptops werden auf dem Sofa nicht gerne aufgeklappt, so dass jetzt meist zum Tablet oder zum Smartphone gegriffen wird.

Mit dediziertem KI-Chip?

Der Fire TV Cube wird nicht als fertiger Computer ins Wohnzimmer gestellt werden, sondern lediglich in einem Gehäuse zusammenfassen, was sich dort oft schon befindet: Amazon Echo und Fire TV. Zusätzlich wird noch die Fernbedienung mit Tasten durch eine Sprachsteuerung ersetzt und im Hintergrund ein wenig künstliche Intelligenz hinzugefügt.

Auch die Hardware wird nicht der eines normalen PCs entsprechen. Der Fire TV Cube muss nicht einmal den stärksten Prozessor beherbergen. Jedoch ist ein guter Grafikchip unerlässlich, wenn Bilder in 4K und HDR erzeugt werden sollen. Vielleicht wird auch ein KI-Chip für die Spracherkennung und ähnliche Aufgaben hinzukommen. Der Amazon-Würfel soll auch über ein Fernfeld-Mikrofon-Array verfügen und über einen Infrarotsender.

Eigentlich von Apple erwartet

Solche Produkte kennt man bisher nur von Apple. Hardware und Software erscheinen wie aus einem Guss. Kein Nutzer wird sich dafür interessieren, welches Betriebssystem unter der Oberfläche läuft, solange es genug APIs gibt – also Schnittstellen, worüber sich andere Geräte und Apps andocken können.

4K und HDR sollte ein TV-Streaming-Box beherrschen – mit oder ohne integriertem smarten Lautsprecher  (Bild: Dolby)

4K und HDR sollte ein TV-Streaming-Box beherrschen – mit oder ohne integriertem smarten Lautsprecher (Bild: Dolby)

Tatsächlich traue ich nur noch Apple zu, ein vergleichbar integriertes Gerät zu schaffen – auf Basis des Apple TV. Doch das wäre noch ein langer Weg, denn der HomePod wirkt bereits seiner Zeit hinterher. Vermutlich würde es eher eine Luxusversion werden, ein Spielzeug für iPhone-Enthusiasten.

Wenn der Fire TV Cube Erfolg haben sollte, wird wahrscheinlich auch Google seinen Chromecast und seinen Home-Lautsprecher in eine Box packen, dem Ganzen eine unübersichtliche Android-Oberfläche geben – und damit vermutlich wenig Erfolg haben. Facebook soll zumindest an eigener Hardware arbeiten. Doch von dort müsste wohl zuerst ein smarter Lautsprecher kommen.

Was sind die Alternativen?

Ich persönlich würde mir keine dieser TV-Streaming-Lautsprecher-Boxen anschaffen. Auf die Sprachsteuerung kann ich schon mal verzichten, ich drücke lieber Tasten. Vor allem möchte ich kein Lauschgerät in meinem Wohnzimmer stehen haben. Damit meine ich nicht einmal die Mikrofone, sondern das Tracking meines Verhaltens. Google und Facebook sammeln Daten, um Werbung zu schalten. Amazon und Apple immerhin, um ihre Nutzer besser kennenzulernen.

Stattdessen würde ich mir einen Media Streaming Player wie den Nvidia Shield in Kombination mit der Sonos Playbar ins Wohnzimmer stellen. Die Hardware-Hersteller konzentrieren sich schließlich auf das, was sie am besten können: Hardware. Und ich habe mehr Kontrolle. Aber auch die Kabelnetzbetreiber und Streaminganbieter werden versuchen, eigene Boxen neben dem Fernseher zu etablieren – die Sky Q Box zum Beispiel. Durchaus eine Alternative.

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