Google Home und Amazon Echo: Die Vor- und Nachteile eines Sprachassistenten zuhause

Keine Lust aufzustehen, wenn ihr auf dem Sofa liegt und das Smartphone auf dem Tisch? Sprachassistenten dirigieren bereits das Smartphone, Amazon Echo und Google Home ersparen euch auch noch das Aufstehen. Doch die Bequemlichkeit hat Folgen.

Was ist eigentlich so praktisch daran, dem Smartphone Sprachbefehle zu erteilen? Im Auto wird das schon lange genutzt: „Ruf Mama an“ oder „Schick eine SMS an meine Frau. Verspäte mich um 15 Minuten“. Die fortschrittlicheren Sprachassistenten eröffneten dann sogar neue Möglichkeiten: Zugriff auf alle Apps, vor allem aber auf das gesamte Internet. Mindestens. Also alles, was sich auch per Touchscreen erledigen lässt. Damit ist der Sprachassistent nicht mehr bloß eine Hilfe beim Autofahren, sondern ein weiteres, voll funktionsfähiges Interface zum Internet.

Ein Assistent, der jedes Wort im Raum mitbekommt

Deshalb sieht man auch immer wieder Leute, die pausenlos in ihr Gerät sprechen. So leise, dass nur mithören kann, wer direkt daneben sitzt. Und mit einem Knopf im Ohr, um die Antworten mitzubekommen. Mit dem Airpod hat Apple einen solchen Kopfhörer geschaffen, der nicht nur zum Musikhören gedacht ist. Dennoch empfiehlt es sich nicht, diesen ständig im Ohr zu tragen. Und in der eigenen Wohnung wird auch schnell die maximale Reichweite von Bluetooth überschritten, wenn das Smartphone irgendwo abgelegt wird.

Sprachassistenten wie der Amazon Echo werden meist von mehreren Personen genutzt (Bild: Amazon)

Sprachassistenten auf dem Smartphone sind deshalb in den eigenen vier Wänden nicht mehr allgegenwärtig. Wie oft vergesst ihr, wo ihr es liegengelassen habt? Amazon hat das Problem erkannt und gelöst. Der Sprachassistent Alexa sitzt in einem Lautsprecher, dem Amazon Echo, der einen festen Platz im Raum hat. Mehrere leistungsstarke Mikrofone sorgen dafür, dass jedes Wort erfasst wird. Auf dem Sofa oder sonstwo im Raum könnt ihr ein Gespräch mit dem Echo führen wie andere, die das Smartphone direkt bei sich tragen. Während Amazon die Personen im Raum ortet, versucht Google sie beim Google Home an den Stimmen zu erkennen.

Wie sich die Antworten auf eine Frage wandeln

Dass nun mehrere Personen mit einem Gerät sprechen, ist kein Bug, sondern ein Feature. Während Persönliches auf dem Smartphone bleibt, wird über den Echo oft ausgehandelt, was alle betrifft: das Netflixprogramm, die Heizung, das Licht. Aber auch die Termine in einem Kalender, auf den alle in der Familie Zugriff haben. Oder klassisches Klugscheißen: Bei Meinungsverschiedenheiten wird Alexa einfach gefragt, wer recht hat, also was in der Wikipedia steht. Das kann dann in diesem Moment ein großer Spaß sein, doch die Art und Weise, wie Fragen beantwortet werden, führt zu Problemen, an die kaum einer denkt.

LG Smart Fridge 2017: Kühlschrank mit Alexa und WebOS. Bild: LG

LG Smart Fridge 2017: Kühlschrank mit Alexa und WebOS (Bild: LG)

Kollege Jürgen Vielmeier hat in einem Beitrag kürzlich ausgeführt, dass Voice first dabei ist, Mobile first abzulösen. Doch was bedeutet das überhaupt: Voice first? Vor zehn Jahren blickten wir bei der Suche auf einen Bildschirm, der zehn Ergebnisse auflistete, vielleicht mit ein, zwei Werbungen an der Seite. Heute ist alles ein Stream oder Feed. Bei Google sieht das so aus: Ganz oben erst einmal ein paar Werbeplätze, dann eine Begriffserklärung aus der Knowledge Graph, Ergebnisse der Bilder- und der Shoppingsuche – früher oder später dann auch die organischen Treffer. Oft fallen sie nicht mehr ins Auge. Facebook und Twitter haben die Werbung in den Stream eingebettet.

Wo wird die Werbung platziert?

Doch bei einem Sprachassistenten wie dem Google Home ist das anders: Niemand will sich zehn mögliche Antworten anhören, erst recht nicht um drei Werbungen ergänzt. Auf eine Frage sollte schon eine passende Antwort folgen – und zwar genau eine. Mehr wird nicht akzeptiert. Niemand möchte dann noch sagen: Die nächste Antwort bitte. Google arbeitet schon seit Jahren an dieser einen, perfekten Antwort. Ihr könnt sie auch bei immer mehr Suchen auf einem Bildschirm sehen. Es ist die Antwort aus dem Knowledge Graph, die wie ein Lexikoneintrag erscheint. So kurz und knackig, dass sie sich auch verstehen lässt, wenn sie vorgelesen wird.

Doch jetzt die 1.000-Euro-Frage: Wie finanzieren sich die neuen Sprachassistenten? Google macht seinen größten Umsatz bekanntlich mit der Werbung in den Suchergebnissen. Wenn der verloren ginge, müsste das Geld woanders verdient werden. Viele Nutzer haben Angst, dass ständig eingeschaltete Mikrofone in den digitalen Assistenten ihre Privatsphäre verletzen. Bei Google ist sogar der Druck vorhanden, die Nutzerdaten zu Geld zu machen. Und wer will überprüfen, ob der Datenschutz eingehalten wird?

Am Nadelöhr wird abkassiert

Bei Amazon Alexa ist das anders. Die Geräte Echo und Echo Dot sind bereits so günstig, dass Amazon daran kaum etwas verdient. Auch mit dem Sprachassistenten selbst muss Amazon kein Geld verdienen. Ich erwarte nicht, dass dort Werbung eingestreut wird. Amazon profitiert davon, dass Alexa zwischen dem Nutzer und allen verbundenen Geräten und Diensten liegt. Alexa ist das Nadelöhr. Kein Problem ist dies, wenn jemand seine Heizung anstellen oder Musik über Spotify auf seinen Sonos Play:1 streamen möchte. Hier wurde eine offener Standard geschaffen, um möglichst viele Nutzer ins Boot zu holen.

Aber spätestens wenn über den Sprachassistenten eingekauft werden soll, kassiert Amazon ab. Das muss nicht einmal ein Produkt aus dem eigenen Sortiment sein. Da Alexa zu dem oben beschriebenen Nadelöhr wird, das auf eine Frage nach Möglichkeit nur eine Antwort liefert, werden immer mehr Händler ihre Waren über den Amazon Marketplace anbieten – weil Alexa dort nach einem günstigen Angebot schaut. Amazon verdrängt also nicht andere Händler, was immer alle befürchten. Amazon zwingt diese dazu, bei jedem Kauf einen Teil ihres Gewinns abzuführen. Marktbeobachter nennen diesen Anteil bereits die Amazon-Steuer.

Allgemein wird das Datensammeln als größte Gefahr der Sprachassistenten gesehen. Dass Amazon zu einem exklusiven Zugang zu einigen Händlern wird und sich dafür bezahlen lässt, ist aus meiner Sicht genauso bedenklich. Am besten steuert ihr den Onlineshop eures Vertrauens direkt an und sucht auch mal einen Händler vor Ort auf, um euch kompetent beraten zu lassen. Dann gebt ihr gleichzeitig auch weniger Daten von euch preis.

Wie gefällt Dir dieser Beitrag?
Bewertung wird geladen …
Nichts mehr verpassen!

Bleib immer auf dem neuesten Stand mit unserem Newsletter! Täglich um 17:00 Uhr frisch in deinem Postfach.

Newsletter abonnierenRSS-Feed abonnieren
2 Kommentare zu “Google Home und Amazon Echo: Die Vor- und Nachteile eines Sprachassistenten zuhause
  1. Danke! Stimme dem vollständig zu, dieser Aspekt ist ebenso wichtig, es werden ganz nebenbei Monopolkanäle für Versorgung geschaffen. Wir kaufen schon jetzt bei großen Händlern ein, die kaum noch Steuern in LUX zahlen, und schleichend in viele Lebensbereiche vordringen. Da müsste einem doch der Händler in der Nähe viel wichtiger sein, aber man will ja nicht aus dem Haus raus. Dabei hätte es doch so viele Vorteile, das Geld bleibt in der Region, mit den hohen Steuern wird etwas in der Region gemacht, man behält die Hoheit über seine Daten, und, und, und…

  2. … und daran hängen dann wieder Arbeitsplätze, die Ausstattung in den Schulen und das eigene Lebensumfeld.

    Mit der Hoheit über die eigenen Daten ist es aber wohl für immer vorbei. Wir werden immer eine Spur hinterlassen. Wichtig ist mir dabei nur, dass ich nicht alle Daten bei einem Dienst lasse. Sie auch beim Shoppen auf mehrere Anbieter zu verteilen, finde ich richtig. Und bei besonderen Dingen darf es auch gerne ein spezialisierter Onlineshop sein – z.B. tortissimo für Kuchenformen. 😉

Schreibe einen Kommentar

Hinterlasse hier deinen persönlichen Kommentar. Wir freuen uns über deine Meinung.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*