Trendcast #20: Digitalisierung – Erfahrungen aus zwei Welten

Im Stadtstaat Singapur klappt das mit der Digitalisierung. Trendblog-Redaktionsleiter Jürgen Vielmeier berichtet Daniel im Podcast von seinen Erfahrungen dort.

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Singapur ist berühmt für das erste Nachtrennen in der Formel 1, für das Riesenrad Singapore Flyer und für das ikonische Dreisäulenhotel mit einem Surfbrett als Dach, den Marina Bay Sands. Singapur ist aber auch technikverliebt. Behördengänge online sind hier kein großes Problem mehr, Restauranttische bucht man auf Knopfdruck, und Freunden Geld zu überweisen ist so einfach wie eine WhatsApp-Nachricht zu schreiben.

Ich bin für drei Monate dort unten, um dem grauen deutschen Winter zu entfliehen und einen alternativen Reiseführer über das kleine Land zu schreiben. Leider geht meine Zeit hier langsam zu Ende. In unserem Trendcast #20 sprach ich mit Daniel darüber, was Singapur beim Thema Technik anders macht als Deutschland.

Maßnahmen gegen Corona? Alles in einer App

Aus dem Cast zusammengefasst und um einige Stichwörter ergänzt, die es nicht mehr in die Sendung geschafft haben:

Singapur hat die Maßnahmen gegen Covid 19 technisiert. Die TraceTogether-App ist das Pendant zur deutschen Corona-Warn-App – noch ergänzt um eine Safe-Entry-Funktion. Vor Betreten eines Geschäfts, Restaurants oder öffentlichen Gebäudes checkt ihr mit Hilfe der App ein, in welcher der Impfnachweis hinterlegt ist. Die App begrüßt einen bei der Erstinbetriebnahme übrigens mit einem „Mit Liebe, für die Bürger Singapurs“.

Die Singapurer Corona-Warn-App versprüht Liebe.

Die Kontaktverfolgung über die App funktioniert so gut, dass sich in Singapur der Staat bei den Bürgern meldet und nicht etwa anders herum, wenn eine Corona-Infektion wahrscheinlich und eine Selbstisolation daher notwendig ist. Wie das in Deutschland in vielen Landkreisen vielfach abläuft, wisst ihr – oder wisst ihr eben nicht so genau. In vielen Kreisen müsst ihr dem völlig überlasteten Gesundheitsamt hinterhertelefonieren, wo nie einer rangeht oder sich keiner zuständig fühlt. In anderen Kreisen ist es wieder ganz anders.

Eine Impfpflicht gibt es in der konstitutionellen Einparteien-Republik zwar nicht, allerdings hat Singapur es den Menschen sehr schwer gemacht, einer Impfung zu entgehen. Geraten wird sie allen Bürgern ab 5 Jahren, auch Schwangeren oder Menschen mit Immundefizienz. Ohne doppelte (und bald dreifache) Impfung ist der Zugang zu einem Arbeitsplatz praktisch nicht mehr möglich. Mehr als 98 Prozent der impffähigen Singapurer über 18, die sich gerade auch in dem Land aufhalten, sind daher mittlerweile geimpft. Leichte Rückstände gibt es noch bei der jüngeren Bevölkerungsgruppe, für die eine Impfung noch nicht so lange empfohlen wird.

Zur Impfung registrieren sich Singapurer – anders als das in Deutschland der Fall ist – über ein einheitliches Online-Anmeldesystem. Wer den Impfstoff Moderna nicht scheut, kann auch einfach ohne Termin in eins der staatlichen Impfzentren gehen.

Singapur ist technikverliebt. Da verwundert es kaum, dass hier die ersten Roboter unterwegs sind.

Auch andere Terminregistrierungen sind in Singapur denkbar einfach, etwa die Reservierung in einem Restaurant. Sehr viele Lokalitäten haben eigene Services oder Drittdienste wie Chope in ihr Google-Maps-Profil integriert. Restaurant auf Maps auswählen, Reservierung aufrufen, Tag und Uhrzeit auswählen – fertig.

Grab, eine App für beinahe alles

Nicht erst seit der Pandemie boomen in Singapur allerdings auch Lieferdienste. Der beliebteste und vielseitigste ist Grab, eine Art Mischung aus Uber und Lieferheld. Singapurer nutzen den Dienst gerne als Taxiersatz, der einen Wagen an einen beliebigen Ort bestellt und den exakten Preis bereits vor der Fahrt nennt. Überraschungen gibt es dann keine, auch kein Gewusel mit Bargeld oder Karte nach der Fahrt – sie ist dann bereits über die App bezahlt.

Diese Möglichkeiten gibt es auch in anderen Ländern. Grab geht aber noch einen Schritt weiter. Es ist möglich, Geld auf dem Account aufzuladen und damit in beliebigen Geschäften zu bezahlen. Also eine Art eigene Währung: Grab Pay. Auch Punktesammeln ist hier beliebt, so dass dann die nächste Fahrt gerne mal 30 Prozent weniger kostet.

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PayNow macht mobiles Bezahlen kleiner Beiträge kinderleicht

Wenn es um Geld im Privaten geht, hat sich aber eine andere Zahlungsmöglichkeit im Eiltempo durchgesetzt: PayNow. Hier gibt man einfach in der App einen kleinen Betrag und eine beliebige achtstellige Telefonnummer ein (alle Singapurer Mobilfunknummern sind achtstellig) und die Empfängerin erhält das Geld in wenigen Augenblicken.

Singapurer sind aber auch im Privaten sehr technikverliebt. Beinahe jeder trägt ein Wearable wie die Apple Watch ums Handgelenk, beim Sport nicht selten sogar mehrere davon. Schaue ich im Imbiss den Leuten beim Daddeln auf dem Handy zu, sind es nicht selten die neuesten Smartphones und vielfach die nicht gerade günstigen Samsung-Faltsmartphones, mit denen sie aktiv sind. Ähnlich, wie wenn ich in der Metro die Leute und ihre kabellosen Earbuds sehe. Hier überwiegt das Bild der neuesten AirPods der 3. Generation.

Deutsche Innovationen – 20 Jahre nach Singapur

A propos Metro: Kürzlich haben die Stadtwerke meiner Heimatstadt Bonn als erste Stadt in Deutschland ein System eingeführt, mit dem ihr ganz einfach eure Fahrt kontaktlos bezahlt. Ihr haltet eine Chipkarte beim Einsteigen über ein Lesegerät und tut das noch einmal, wenn ihr wieder aussteigt.

Warum ich das hier erwähne? Weil das in Singapur mit der EZ-Link-Karte bereits seit 20 (!) Jahren möglich ist. Als Stadtstaat hat Singapur es vielfach einfacher, Dinge einfach umzusetzen. Trotzdem ist dieser Zeitunterschied enorm und hat auch damit zu tun, dass man hier Neuem gegenüber irgendwie aufgeschlossener zu sein scheint.

Der neue „floating“ Apple Store in der Marina Bay

Nicht in allem rangiert Singapur technisch vor Deutschland. Zwar recyceln die Menschen in dem kleinen Land mittlerweile auch recht kräftig, mit der Müllvermeidung ist es aber nicht weit hin. Westliche Besucher wundern sich manchmal, dass jeder Einkauf ungefragt doppelt und dreifach in Plastiktüten eingeschweißt wird. Solarzellen auf Dächern sieht man in dem Sonnenstaat (Singapur liegt fast am Äquator) nur ganz selten. Und Radwege entlang der Straßen? Findet ihr ebenfalls so gut wie nie.

Radwege sind im Kommen

All das ändert sich aber langsam. Geschäfte sind mittlerweile angehalten, Plastiktüten nur noch auf Nachfrage herauszugeben, Singapur baut zusammen mit Australien und Indonesien gigantische Solarfarmen auf, die künftig einen signifikanten Anteil des drastischen Energiebedarfs decken sollen. Und während sich viele Radfahrer in Singapur mittlerweile auf die Straße trauen, eröffnet die Regierung die erste Hälfte eines Radschnellwegs, mit dem sich in einigen Jahren die ganze Stadt umrunden lassen soll.

Wir müssen nicht darüber diskutieren, dass in Singapur auch nicht alles Gold ist, was glänzt (wo ist es das schon?). Aber dass hier sehr viel in die richtige Richtung passiert, vor allem was Digitales angeht. Dass Singapur ganz nebenbei auch ein Startup-Mekka ist, versteht sich beinahe von selbst.

Das Land ist immer wieder eine Reise wert. Ich freue mich natürlich auf die Rückkehr nach Deutschland, aber gehen tue ich tatsächlich mit zwei weinenden Augen – nicht nur wegen dem grauen deutschen Winters.

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