Smartwatch (Bild: Pixabay/Apichit)

Wie eine Smartwatch die Gesundheit schützt

Eine Smartwatch misst nicht nur den Puls, um die Gesundheit zu schützen. Sie kann auch Herzrhythmusstörungen erkennen und den Blutzucker im Blick behalten.

Eine Smartwatch mag erst einmal weniger können als ein Smartphone. Das Display ist kleiner und (fast immer) fehlt ein eigener Internetzugang. Doch der Sitz am Handgelenk hat einen Vorteil: Die in der Smartwatch eingebauten Sensoren liegen direkt auf der Haut und können Daten sammeln, auf die ein Smartphone so nicht zugreifen kann. Die Smartwatch ist das perfekte Gerät, um die eigene Gesundheit im Blick zu behalten.

Herzfrequenz mit Lichtsignalen erfassen

Der Pulsfrequenzmesser ist ein Sensor, der in jeder Smartwatch stecken sollte. Doch anders als bei der Optimierung des Trainings im Sport, geht es bei einer Smartwatch, die der Gesundheit dienen soll, um eine frühzeitige Erkennung von Herzrhythmusstörungen. Um den Puls genau zu messen, sollte die Smartwatch eng anliegen, jedoch nicht so eng wie beim Sport. Dort kann während der Trainingseinheit zusätzlich noch ein Brustgurt getragen werden, der direkt die Herzfrequenz misst. Bei einem Monitoring der eigenen Gesundheit rund um die Uhr wäre das jedoch weniger praktisch.

Die Apple Watch misst die Herzfrequenz per Licht (Bild: Ars Technica)

Die Apple Watch misst die Herzfrequenz per Licht (Bild: Ars Technica)

Stattdessen wird bei einer Smartwatch, die aus gesundheitlichen Gründen getragen wird, nicht mehr nur der Hautwiderstand gemessen, sondern auf feinere Methoden gesetzt. Die Apple Watch beispielsweise sendet Licht auf verschiedenen Wellenlängen (rot und grün), um die unterschiedlichen Reflexionen mit einem optischen Sensor zu erfassen. Daraus lassen sich dann Rückschlüsse auf Puls- bzw. Herzfrequenz und sogar auf den Blutdruck ziehen. Andere Geräte dagegen versuchen, mit Mikrofonen den Herzschlag zu erlauschen.

Zustand des vegetativen Nervensystems erfassen

Mithilfe des Lage- und des Beschleunigungssensors lassen sich zudem die Schritte zählen, die an einem Tag zurückgelegt wurden. Genau ist diese Methode jedoch nicht. Manchen Apps reicht es bereits, ein wenig mit der Smartwatch zu wackeln, um ein paar Schritte dem Tageskonto hinzuzufügen. Da die Schrittlänge von Mensch zu Mensch variiert, sollte man jedoch nicht der absoluten Zahl vertrauen, sondern auf die Veränderungen von Tag zu Tag schauen.

Die Gesundheits-Smartwatch von Empatica ist schon keine Uhr mehr. Dafür kann sie vor epileptischen Anfällen warnen (Bild: Empatica)

Die Gesundheits-Smartwatch von Empatica ist schon keine Uhr mehr. Dafür kann sie vor epileptischen Anfällen warnen (Bild: Empatica)

Gerne wird auch das Schlafverhalten beobachtet, um im richtigen Moment sanft zu wecken und einen nicht mitten aus einem Traum zu reißen. Der Sleeptracker versucht genauso den Zustand des vegetativen Nervensystems zu erfassen wie beim Monitoring des Stresslevels. Im Prinzip wird dabei auf den Wechsel von Anspannung und Entspannung geschaut. Etwas davon am Tag ist gut, aber bitte nicht rund um die Uhr und erst recht nicht auf hohem Niveau. Diese Vorhersagen sollen sogar so gut gelingen, dass Epileptiker vor Anfällen gewarnt werden können. Empatica hat ein solches Spezialgerät für das Handgelenk entwickelt, das noch eine Reihe weiterer Messpunkte einbezieht, zum Beispiel die Körpertemperatur per Infrarot misst.

Daten aus mehreren Quellen zusammentragen

Manche Apps errechnen auch den Kalorienverbrauch. Dabei verlassen sie sich nicht nur auf die Daten, die die Smartwatch liefert, sondern auch auf weitere Daten – beispielsweise das Gewicht. Alle Daten werden dann mit einem Smartphone, PC oder Webdienst abgeglichen, um dort die Daten grafisch aufzubereiten und einen Überblick über den gesamten Gesundheitszustand zu geben. Daher ist das kleine Display einer Smartwatch auch kein Nachteil, wichtiger beim Kauf jedoch ist ein Blick auf die Sensoren, die zur Verfügung stehen. Ebenfalls von Bedeutung ist eine lange Akkulaufzeit bzw. ein schnelles Aufladen, wenn die Uhr rund um die Uhr getragen wird – also ebenfalls nachts, um den Schlaf aufzuzeichnen.

Die Gesundheitsapp ist bereits Teil von watchOS (Bild: Apple)

Die Gesundheitsapp ist bereits Teil von watchOS (Bild: Apple)

Wenn auch eine Sport-Smartwatch gleichzeitig dem Monitoring der Gesundheit dienen kann, werden viele Sensoren und Funktionen nicht gebraucht: kein GPS, kein Höhenmesser, kein Kompass, keine Stoppuhr, keine autonome Musikwiedergabe und kein Schutz vor Wasser.

Krankenkassen unterstützen Anschaffung

Um dem menschlichen Körper weitere Geheimnisse zu entlocken, wird in Zukunft zusätzlich der Blutzucker gemessen, um Diabetes erkennen zu können, sowie die Ionenkonzentration im Schweiß, um Laktat- und Harnstoffwerte zu erfassen und damit weiteren Gesundheitsrisiken auf die Spur zu kommen. Viele betrachten die Smartwatch noch primär als Gerät für Kommunikation oder Sport. Und so wurde auch die erste Apple Watch präsentiert, doch mittlerweile legt auch der iPhone-Entwickler den Schwerpunkt auf das Monitoring der Gesundheit.

Die Apple Watch ist die erfolgreichste Smartwatch, doch sie wird mittlerweile als Fitness- oder Gesundheitsuhr vermarktet (Bild: Apple)

Die Apple Watch ist die erfolgreichste Smartwatch, doch sie wird mittlerweile als Fitness- oder Gesundheitsuhr vermarktet (Bild: Apple)

Dennoch sind Smartwatches kein Ersatz für eine gesunde Lebensführung. Es bedarf der eigenen Motivation, um Schlaf, Bewegung und Ernährung auf einem gesunden Maß zu halten. Eine Smartwatch kann aber helfen, den inneren Schweinehund zu überwinden und diszipliniert zu bleiben. Deshalb unterstützen auch einige Krankenkassen den Einsatz einer Smartwatch: So experimentieren die ersten Versicherungen damit, Gebühren zu erstatten, wenn die Gesundheitsdaten übermittelt werden, die eine Smartwatch erfasst. Auf diese Weise soll eine gesunde Lebensweise nachgewiesen werden. Doch wo der Datenschutz die Grenzen dafür setzt ist noch nicht ganz klar und bedarf einer Klarstellung per Gesetz. Einige Krankenkassen übernehmen aber jetzt schon gerne einen Teil des Kaufpreises bei Anschaffung einer Smartwatch. Eine Nachfrage könnte sich lohnen.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie zum Thema Smartwatch. In den kommenden Wochen werden weitere folgen.

Titelbild: Pixabay/Apichit

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