LTE-U nutzt WLAN-Frequenzen für schnelle Downloads – US-Start angekündigt

T-Mobile USA beschleunigt das ohnehin schon schnelle LTE und nutzt dafür Frequenzen aus dem lizenzfreien 5-GHz-Band. Einziges Problem dabei: Da funken auch WLAN und Bluetooth.

LTE-U nutzt WLAN-Frequenzen für schnelle Downloads – US-Start angekündigt

Die Federal Communications Commission (FCC) hat ihre Erlaubnis erteilt: In den USA dürfen Smartphones von Nokia und Ericsson nun auch über LTE-U funken. Noch im Frühjahr 2017 will T-Mobile dies seinen Kunden regulär anbieten. Doch was bringt das? Erst einmal schnellere Downloads über LTE. Doch alle, die zuhause ein WLAN-Netz betreiben, müssen mit Beeinträchtigungen rechnen, auch wenn die FCC genau das ausschließen wollte.

Mehr Bandbreite durch Kombination von Frequenzen

Bei LTE-U (LTE Unlicensed) funken Smartphone und Basisstation weiterhin über die regulär zugeteilten LTE-Frequenzen, aber zusätzlich noch über lizenzfreie Frequenzen im 5-GHz-Band, das auch von anderen Funktechniken genutzt wird: WLAN ac, Bluetooth und viele der zahlreichen Smart-Home-Standards. Daher sind auch neue Geräte notwendig, die LTE-U beherrschen. Bei einigen neuen Qualcomm-Prozessoren ist das bereits der Fall, zum Beispiel beim Snapdragon 835, der voraussichtlich in der internationalen Version des Samsung Galaxy S8 stecken wird. (In Europa wird es der Exynos 8895).

Wie LTE-U funktioniert (Bild: Washington Post)
Wie LTE-U funktioniert (Bild: Washington Post)

Nun zu dem Problem: Wenn schon die WLAN-Netze meiner Nachbarn regelmäßig bei mir zu Einbrüchen im Datenstrom führen, wie will LTE-U das vermeiden? Ganz einfach: Es wird ständig nach dem Kanal gesucht, die am wenigsten ausgelastet ist. Dort werden dann die Daten übertragen und auch nur, wenn die WLAN-Verbindungen einen Moment Ruhe geben. Ericsson nennt seine Variante LAA (Licensed Assisted Access), die auf dem Listen-Before-Talk-Protokoll (LBT) basiert.

Fair use: Lässt sich den Mobilfunkern trauen?

Wenn ich mir allerdings anschaue, welche Kanäle nur wenig augelastet sind, dann findet mein Laptop in einem ganz normalen Wohnviertel von Hannover keinen einzigen. Zeitweise empfange ich hier die Signale von knapp 20 Netzen (allerdings auch im 2,4-GHz-Band). Der Einsatz von LTE-U würde aber nur in den dichtbesiedelten Städten einen Sinn ergeben. Die Technik soll schließlich dort für schnellere Download-Geschwindigkeiten sorgen, wo die Bandbreite eh schon knapp ist und wo sich die Kunden aufhalten, die bereit sind, für Downloads mit bis zu 1 GBit/s und Uploads mit bis zu 150 Mbit/s zu zahlen.

Dieser Engpass könnte zu zwei Szenarien führen: 1. LTE-U hält sich tatsächlich zurück. Dann wäre die Technik nicht das Geld wert, das die Kunden dafür zahlen. 2. LTE-U schnappt sich einfach einen Datenkanal, der zweite Mobilfunkprovider einen zweiten, der dritte einen dritten. Die WLAN-Netze würden sich die verbliebenen Kanäle teilen mit der Folge, dass mein heimischer Internetanschluss schlechter würde. – Beides nicht schön.

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