Unterwegs. (Foto: Sven Wernicke)

Das Tablet als Navigationsgerät fürs Auto. So geht’s für wenig Geld!

Nach wie vor besitzen viele Autofahrer ein separates Navigationssystem. Doch was, wenn dieses mal kaputt geht? Ein neues wollte zumindest ich mir nicht mehr kaufen. Und so wurde mein kaum genutztes Lowbudget-Tablet zum Multimedia-Gerät für den Urlaub.

Ausgangssituation

Zugegeben: Mein über sechs Jahre altes Garmin hatte schon viel durchgemacht. Es zu ersetzen, wäre eh bitternötig gewesen. Auch das Kartenmaterial war veraltet. Nur der Hersteller hätte fast 50 Euro für ein Update verlangt. Und eines Tages wollte es sich nicht mehr einschalten. Dumm, dass eine kleine Tour in die Brandenburgische Pampa anstand.

Obwohl mittlerweile viele Navis an die 100 Euro kosten und für diesen Preis sehr viel bieten, wollte ich so viel Geld – gerade vor dem Urlaub – nicht ausgeben. Schnell kam der Gedanke auf: Könnte ich nicht mit meinem alten 7-Zoll-Tablet, genauer ein Cat Helix, ein Navigationsgerät ersetzen? Eine wichtige Voraussetzung war schon gegeben: Der Touchscreen-Computer verfügte von Haus aus über einen GPS-Empfänger.

Unterwegs...mit dem Tablet als Navi. (Foto: Sven Wernicke)

Unterwegs…mit dem Tablet als Navi. (Foto: Sven Wernicke)

Doch das alleine genügte nicht. Aber der Reihe nach. Möchtet ihr es mir gleichtun, benötigt ihr folgendes…

Das Tablet

Nicht nur, weil ich selbst ein 7-Zoll-Gerät besitze, empfinde ich diese Größe als optimal. Denn so können Fahrer und Beifahrer gleichermaßen etwas erkennen, ohne dass die Sicht aus der Frontscheibe zu sehr versperrt wird. Gut geeignet sollten auch Geräte mit 6 oder 8 Zoll sein, 10 Zoll würde ich persönlich als zu wuchtig empfinden. Das ist freilich eine Frage des Geschmacks und des Platzes im Auto.

Weiterhin nötig ist ein GPS-Modul, das heutzutage in vielen Tablets auch im Niedrigpreissegment verbaut wird. Bluetooth (optional), WIFI, mindestens 2GB Flash-Speicher, 1GB RAM und ein halbwegs aktuelles Android (4.4 genügt völlig) sollten vorhanden sein. Ein gutes Display ist wünschenswert, um etwas bei Sonnenschein erkennen zu können. Aber auch hier leisten günstige Tablets eigentlich völlig ausreichende Dienste, zumal die Auflösung wohl in fast jedem Fall höher ausfällt, als bei höherpreisigen Navis.

Die Stromversorgung

Für schon unter 10 Euro könnt ihr regulär USB-Ladegeräte für den Zigarettenanzünder eures Autos erwerben. Eine wirklich praktische Angelegenheit, die ich erstaunlich oft nutze – zum Aufladen des Smartphones und anderer mobiler Devices – eben auch dem Tablet. Achtet unbedingt darauf, dass die Ausgangsspannung bei 2 Ampere (oder mehr) liegt. Sonst ist der Akku beim Verwenden der Navi-Apps schneller leer, als er aufgeladen werden kann.

Ich selbst nutze ein Ladegerät von tizi mit vier USB-Ports. (Foto: Sven Wernicke)

Ich selbst nutze ein Ladegerät von tizi mit vier USB-Ports. (Foto: Sven Wernicke)

Wenn ihr darauf verzichtet, funktioniert alternativ eine leistungsstarke Powerbank, die ebenfalls mindestens 2 Ampere abgeben muss. Wenn ihr eine solche bereits euer Eigen nennt, könnt ihr diese für eure ersten Versuche verwenden und später entscheiden, ob die Zigarettenanzünder-Lösung womöglich doch die bessere Idee wäre.

Die Halterung

Natürlich enorm wichtig: Ihr wollt das Tablet nicht die ganze Zeit in der Hand halten. Befestigt es mit einer geeigneten Peripherie an der Fensterscheibe. Es existieren zahllose Ansätze und Ideen, ich entschied mich für eine der günstigsten. 10 Euro kostete mich ein robustes, recht flexibles und sehr stabiles System, das auch die schlimmsten Holperstraßen ohne Schaden überstand.

Von solchen Halterungen gibt es viele.

Von solchen Halterungen gibt es viele.

Praktisch: Solche Halterungen sind durchaus auch für Smartphones und Phablets gedacht, ihr könnt also im Alltag euer Telefon auf dem Weg zur Arbeit hineinstecken.

Optional: Audio-Ausgabe

Die von mir verwendete Navigations-Software gibt auf Wunsch akustische Hinweise, wann man abzubiegen hat und dergleichen. Genügen euch die meist schwachen Lautsprecher eures Tablets nicht, stehen zwei Optionen zur Auswahl: Solltet ihr ein aktuelles Autoradio mit Bluetooth besitzen, koppelt das Tablet mit diesem und bringt so die Ansagen über die Boxen eures Vehikels zu euren Ohren.

Kleiner Bluetooth-Speaker. Der Token verfügt über rutschfeste Füße - praktisch. (Foto: Sven Wernicke)

Kleiner Bluetooth-Speaker. Der Token verfügt über rutschfeste Füße – praktisch. (Foto: Sven Wernicke)

Ich selbst entschied mich für eine andere Methode: Da ich mein uraltes Autoradio nicht auch noch tauschen wollte, verwendete ich einen kleinen Bluetooth-Lautsprecher von Speedlink. Der Token kostet regulär an die 30 Euro und ist sicherlich für die eigentliche Navigation nicht nötig. Aber er sorgte in meinem Urlaub nicht nur für eine bessere Verständlichkeit, sondern für jede Menge Musik. Dazu an anderer Stelle mehr.

Internet!

Grundsätzlich sei betont: Ihr braucht am Tablet nicht um jeden Preis Internet, da meine favorisierte Navi-App über einen Offline-Modus verfügt. Es erhöht zweifelsohne den Komfort, kann die Touchscreen-Maschine auf das Netz zugreifen. Wie? Das ist euch überlassen: Entweder, ihr nutzt euer Smartphone als Hotspot oder das Tablet verfügt über einen SIM-Kartenslot und ihr verwendet beispielsweise eine Prepaid-Karte mit Datentarif. Echtzeit-Staumelder, Verkehrswarnungen, Blitzer-Infos, Sehenswürdigkeiten, Cafés oder gar Hotels in der Nähe könnt ihr so ohne Umwege abrufen – zumindest 3G-Netz vorausgesetzt. Im ländlichen Bereich ist das nicht immer sichergestellt.

Ist euch das zu aufwändig, dann spart euch diesen Aspekt gänzlich. Mit einer Offline-Navi seid ihr gut bedient. Und möchtet ihr online Routen planen, zum Beispiel bei Google Maps, dann erledigt dies im Hotel oder in der Pension bzw. dort, wo ihr WIFI besitzt. Bei Starbucks oder McDonalds zum Beispiel.

Reale Kosten

Dieses gesamte Szenario funktioniert natürlich nur, wenn ihr ein vielleicht sogar ausgemustertes Tablet besitzt und dieses als vollwertiges Navigationssystem einsetzen wollt. Als ernsthaft wichtig sehe ich die Halterung und die Stromversorgung an, das kostet euch zusammen also 20 Euro. Alle weiteren Elemente sind nett, praktisch, für mich persönlich eine schöne Sache, nur kein Muss. Und das Ziel sollte es ja eh sein, vor allem eines gegenüber dem Neukauf eines Navis zu sparen: Geld.

Wieso nicht gleich das Smartphone nutzen?

Klar, wer kann und will, kann als Navigationsgeräte-Ersatz auch das eigene Smartphone verwenden. Mir ging es in erster Linie um einen großen Bildschirm und eine bequeme Bedienung. Das ist gerade mit kleineren Telefonen schwer gegeben, während der Fahrt ist dies außerdem nicht immer praktisch (und so gesehen auch nicht erlaubt bzw. mit Risiken verbunden). Setzt ihr sowieso auf wuchtige Phablets, könnte dies eine natürlich noch viel ansprechendere Variante sein – dann ist für Internetanbindung mit großer Wahrscheinlichkeit im Vorfeld gesorgt.

Welche Apps ihr bei meinem Navi-Ersatz nutze und was ich noch unterwegs anstellte? Das gibt’s im nächsten Teil der kleinen Tutorial-Reihe. Ein kleiner Spoiler vorweg: Vorrangig nutzte ich Nokia Here als Offline-Navi-App. Tipps zu den passenden Navi-Apps fürs Tablet oder Smartphone findet ihr im zweiten Teil.

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7 Kommentare zu “Das Tablet als Navigationsgerät fürs Auto. So geht’s für wenig Geld!
  1. Ich hatte im Urlaub keine Lust ein völlig überteuertes Navi zum Mietwagen hinzuzubuchen, daher entschied ich mich (nach Empfehlung eines Arbeitskollegen) eine Smartphone-Halterung zu kaufen und darauf die Nokia here App zu verwenden. Prinzipiell hat das auch gut funktioniert. Ich hatte als Stromquelle eine mächtige Powerbank dabei – die hat es aber auch gebraucht. Wahnsinn, wie schnell das Smartphone leergezogen war. Ein weiteres Problem: Die Nokia here App hat mich zum Teil sehr merkwürdig navigiert, so dass ich des öfteren in einer Sackgasse oder auf privaten Straßen samt Sackgasse landete. Wie sind deine Erfahrungen hierzu?

    • Im zweiten Teil gehe ich auf die App-Sachen ein. 🙂 Aber schon einmal vorweg: Here hat eigentlich gute Dienste verrichtet, zumindest bei meinen Routen. Ich hatte das auch mal mit Google Maps verglichen, kurioserweise fand ich gerade dort die Empfehlungen etwas seltsam. Vielleicht ist das auch abhängig von der Region und von der Qualität des GPS-Empfangs? Alles in allem war ich schon sehr positiv überrascht – und ich war in Brandenburg, also tiefste Pampa. 🙂 Wo warst du denn? Würde mich jetzt zum Vergleich schon mal interessieren!

      Bzgl. Akku: Ja, Nokia Here ist da schon sehr hungrig, Google Maps ebenfalls. Und wenn die Powerbank im schlimmsten Fall keine vollen 2 Ampere anbietet, bekommt man den Akku vermutlich nicht einmal voll. 🙂 Mein Zigarettenanzünder-Teil mit 2,6 Ampere war da schon echt super, der hat auch das Tablet trotz Navi aufgeladen.

      Ich hatte es nicht intensiv ausprobiert, eventuell könnten andere Navi-Apps weniger hungrig sein. Scout und Navmii machen da auch einen guten Eindruck….

    • Ah, okay. Vielleicht war das Kartenmaterial für Teneriffa nicht so gut wie für Deutschland? Das ist schwierig zu sagen, durchaus realistisch. Und ja…heißt ist natürlich nicht so toll. Beim Tablet ging das glücklicherweise, aber da ist die Hitzeentwicklung in der Regel nicht das Problem…

  2. Blödsin. Als Halterung eignet sich ein Klettband genausogut und sieht dann wesentlich besser aus.Für den Ton einen BT-FM Transmitter verwenden. Läuft dann übes Autoradio und ist sogar günstiger.

  3. Ich finde es sehr praktisch, dass man das Tablet auch als Navigationssystem benutzen kann. Ich habe öfter mal mein Handy benutz, aber eigentlich finde ich das Bildschirm zu klein. Es stimmt auch, dass die Bedienung besser ist.

  4. Also ich bin mir nicht sicher, ich hab ein 10 Zoll Tablet und dann an die Scheibe, würde das nicht zuviel von der Sicht verdecken?

    Kann mir da vlt jmd weiter helfen?

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