Stadia: Googles kleine Gaming-Revolution

Googles neue Gaming-Plattform Stadia soll für Spieler, Entwickler, Streamer und Zuschauer gleichermaßen sein. Wenn Google alles umsetzt wie geplant, wird Gaming einfacher und schneller als je zuvor.

Der Vorhang ist gefallen: Googles neue Gaming-Plattform heißt Stadia. Frisch auf der diesjährigen Game Developers Conference (GDC) vorgestellt, könnte das feuchte Traum aller Gamer werden. Große Vorteile kommen dabei vor allem auf Spieler und Entwickler zu. Aber auch an Streamer und deren Zuschauer hat Google gedacht.

Für Spieler

Google Stadia ist eine Cloud-Gaming Plattform wie zum Beispiel Blade Shadow oder PlayStation Now. Das Besondere dabei ist allerdings, dass ihr für Stadia keine extra Software benötigt. Triple-A-Spiele, wie zum Beispiel Assassins Creed: Odyssey, könnt ihr ganz einfach im Google Chrome Browser spielen, und das in 4K mit 60 fps, HDR und Surround-Sound. In Zukunft sollen bis zu 8K und 120 FPS möglich sein.

Um ein Spiel zu starten, benötigt ihr einzig einen Link zum gewünschten Spiel. Diesen können Publisher zum Beispiel am Ende eines Trailers einbauen oder auf der Webseite des Entwicklers. Zu den Spielen gelangt ihr weiterhin auch über Shops wie den Play Store, Stadia-Shop oder die Webseite der Entwickler. Laut Google seid ihr nach dem Klick auf diesen Link innerhalb von fünf Sekunden im Spiel, ohne Download, Installation, Updates oder sonstiges.

Da Stadia eine Cloud-basierte Lösung ist, könnt ihr interessanterweise auf jedem Gerät spielen, das über einen Bildschirm verfügt: Desktop, Laptop, Tablet, Smartphone oder Fernseher. Ihr müsst euch also keine Sorgen mehr über Hardwareanforderungen machen, da Googles Server diese Arbeit übernehmen. Selbst ein laufendes Spiel könnt ihr zwischen Geräten wechseln. Ihr könnt also im Wohnzimmer auf dem Fernseher anfangen zu zocken und, falls ihr los müsst, direkt auf dem Tablet weitermachen.

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Bereits letztes Jahr hat Google, in einem Test, Assassins Creed: Odyssey in einem Chrome-Browser gespielt.

Ein großes Problem beim Cloud-Gaming war bisher die Latenz. Es kann zu Input-Lags oder Grafikverlust bei schlechter Internetverbindung kommen. Aber auch dafür hat Google eine Lösung vorgestellt. Da der Internetprovider direkt mit dem Google Datacenter verbunden ist, in dem die Berechnungen stattfinden, verspricht Google eine sehr kurze Latenz. Genaue Zahlen hat Google nicht genannt, auch keine empfohlene Internetgeschwindigkeit für ein reibungsloses Erlebnis.

Passende Hardware: Der Stadia Controller

Mit Stadia möchte Google auch gleich einen passenden Controller auf den Markt bringen, der dem Xbox-One-Controller auf den ersten Blick sehr ähnlich sieht. Das Besondere ist aber, dass sich der Stadia Controller über WiFi mit dem Gerät verbindet, auf dem ihr gerade spielen wollt. Automatisch. Dank WiFi ist er auch in der Lage, sich mit Tablets, Smartphones oder TVs zu verbinden.

Dazu verfügt der Controller über einen Capture-Button, mit dem ihr ganz einfach Clips aufzeichnet, die Stadia dann bei YouTube für späteres Bearbeiten und Veröffentlichen speichert. Über einen Google-Button aktiviert ihr Googles Sprachassistenten.

Allerdings ist der Stadia-Controller kein Muss für Stadia. Ihr könnt auch, wie gewohnt, Maus und Tastatur oder jeden anderen beliebigen Controller verwenden, der am jeweiligen Gerät angeschlossen ist.

Für Entwickler

Aber Stadia soll nicht nur eine Plattform für Spieler, sondern auch für Entwickler werden. Ihnen sollen mit mehr Rechenpower weitaus mehr Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Vor allem Entwickler für Konsolen-Spiele sind bei der Entwicklung durch die limitierte Rechenpower der Konsolen oft eingeschränkt. Bei PC-Spielen haben sie schon etwas mehr Freiheit, müssen aber in Kauf nehmen, dass Spieler mit schwächeren PCs die Spiele dann eventuell nicht spielen können.

Die PlayStation 4 Pro arbeitet mit 4,2 Teraflops Rechenpower, während die Xbox One X immerhin schon auf 6,0 kommt. Eine GPU der Stadia-Plattform soll mit 10,7 Teraflops arbeiten, was mehr ist, als die beiden Konsolen zusammen. Googles Cloud-basierter Ansatz kann für noch mehr Rechenpower sogar mehrere der Stadia-GPUs zusammenschalten. Theoretisch ist die Skala für eingesetzte Rechenpower also nach oben offen.

Aber was bedeutet das? Erstmal können die Entwickler so ihren Ideen freien Lauf lassen, da sie bei der Entwicklung für die Stadia-Plattform weitaus weniger Einschränkungen haben. So ist es laut Google zum Beispiel vorstellbar, dass mehrere hundert bis tausende Spieler in der gleichen Battle-Royale-Partie in einem Spiel zusammenspielen können.

Googles Technologie erlaubt es ebenfalls, Split-Screen-Spiele ohne Ressourcenverlust darzustellen, da diese auf unterschiedlichen GPUs und Prozessoren berechnet und per Stream zusammengeführt werden können. Bisher war es so, dass das gleiche System zwei oder mehr Instanzen des Spiels berechnen musste.

Ein weiteres cooles Feature nennt sich State Share. Mit diesem könnt ihr ein laufendes Spiel anhalten und von der Stelle einen Link erstellen. Den könnt ihr dann zu einem Kumpel senden, der dann an genau der gleichen Stelle auf seinem Gerät weiterspielen kann.

Für Zuschauer

Da Google mit YouTube Gaming auch seine eigene Streaming-Plattform besitzt, hat Stadia auch für diese ein paar Features parat. Dort gibt es zum Beispiel das Crowd-Play. Damit können sich Zuschauer eines Streams per Link in das Spiel des Streamers einloggen oder einen Platz für die nächste Runde reservieren. So sollen die Zuschauer ihren Lieblingsstreamern noch näher kommen.

Auch Streamer können das bereits erwähnte State-Share-Feature nutzen. Besonders spannend: So können die Spieler direkt an der Stelle weiterspielen, an der der Streamer scheitert. Oder der Streamer ruft für die Zuschauer von einem beliebigen Punkt im Spiel eine Challenge aus.

Zu guter Letzt ruft Google noch mit Stadia Games and Entertainment sein hauseigenes Entwicklerstudio ins Leben. Google will hier zukünftig exklusive Spiele für die Plattform entwickeln. Stadia soll bereits 2019 starten. Die komplette Ankündigung könnt ihr euch hier noch einmal in Videoform ansehen:

Fazit

Ich persönlich bin sehr gespannt auf Stadia, da die Plattform den Gaming-Markt umkrempeln könnte. Die Voraussetzung dafür ist selbstverständlich, dass das Cloud-Gaming-Erlebnis so reibungslos funktioniert, wie Google es verspricht. Das bedeutet einen konstant niedrigen Input-Lag und ein flüssiges Spielerlebnis. Die wichtigste Frage wird hier sein, wie schnell die Internetverbindung sein muss, um das Erlebnis zu gewährleisten. Gerade in Deutschland könnte das mancherorts ein Problem werden.

Fraglich ist ebenfalls, ob das Ganze auch unterwegs im Mobilfunknetz funktioniert. Zumindest werdet ihr dabei viele Daten verbrauchen. Und weil echte mobile Flatrates noch selten und teuer sind, könnte das kritisch werden.

Trotzdem steht für mich das Versprechen an erster Stelle, Gaming in alle Haushalte zu bringen, was Stadia hoffentlich erfüllen kann. Keine Hardwareanforderungen, Spiele per Link in unter fünf Sekunden starten, auf jedem Gerät – das wäre schon eine kleine Revolution in der Gaming-Welt.

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2 Kommentare zu “Stadia: Googles kleine Gaming-Revolution
  1. Also für mich klingt das mega spannend! Wie du schon schreibst: Wenn der Input Lag passt (meine Internetleitung sollte passen), dann wäre das eine echte Alternative für mich und ich müsste mir nicht ständig neue Hardware zulegen. Geil.

    Die Frage ist nur: Wie viele und welche Games gibt es dort dann? Alle relevanten?

    • Hi Dom,

      Die Frage dürfte noch nicht geklärt sein. Die Entwickler müssten ihre Spiele für Stadia portieren, so wie sie auch eine Xbox oder PlayStation-Version machen. Im Endeffekt kommt es also auf die Entwickler drauf an. Mit Ubisoft und id haben sie auf jeden Fall schon Mal zwei große an Bord, dort steht aber auch noch offen ob alte Spiele portiert werden.

      Da müssten wir also erstmal abwarten. Ich denke die Spieleauswahl wird ein wichtiges Kriterium für viele Zocker sein.

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