Leap Motion Project North

Augmented Reality: Apps, wir brauchen Apps!

Augmented Reality droht zu einem endlosen Hype zu verkommen. Noch eine Plattform, noch ein Entwicklerkit. Verzweifelt gesucht: bahnbrechende Anwendungen vom Schlage eines Pokémon Go.

Dass Tüftler sich seit Jahren an einer viel versprechenden Technik wie Augmented Reality abarbeiten, ist eigentlich löblich. Ein wenig konsterniert ist man nur, wenn man wieder etwas über eine weitere, unfertige Plattform liest. So wie über das Projekt North Star des hippen Startups Leap Motion in dieser Woche.

Geschenkt, dass man mit dem Gestell so aussieht, wie eine dem nördlichen Amazonasgebiet entstiegene Riesenlibelle. Es ist eben ein Prototyp für ein neues Augmented-Reality-System, und die Technik dahinter soll Tüftlern weltweit frei zugänglich werden. Kollege Sven Wernicke hat in seinem Beitrag zu Project North zu Recht viele positive Ansätze gesehen.

Auch Virtual Reality fehlte am Ende die Inspiration

Und doch klingt das alles so erschreckend bekannt: Wieder eine neue Plattform, wieder einmal nur eine Ankündigung, wieder einmal haben kreative Köpfe keine Ideen für das, was eigentlich verzweifelt gesucht wird: spannende Anwendungen. Und so droht sich auch North Star in die mittlerweile lange Liste der Projekte einzureihen, die sich darum drehen, dass die Krone der Schöpfung einen schweißtreibenden Guckkasten auf dem Kopf tragen soll.

Bei der Vorgänger-Technik Virtual Reality war es im Grunde so. Selbst Google hat sich mit Projekten wie Cardboard und Daydream daran versucht und sich letztlich, wie auch Oculus, Samsung, Sony und HTC im Consumer Bereich damit verhoben. Es gibt fantastische Spiele wie Farpoint VR, aber davon eben einfach zu wenige. Microsofts Mixed-Reality-Brille Hololens droht derweil – auch nicht besser – zur unendlichen Geschichte zu werden.

Virtual Reality, Augmented Reality, Mixed Reality: Was sind die Unterschiede?

Und nun Augmented Reality? Sowohl Apple mit dem ARKit als auch Google mit dem ziemlich ähnlich klingenden ARCore haben schon einmal ein Entwicklerkit bereitgestellt, um mit dabei zu sein. Das bedeutet im Falle der beiden Branchenschwergewichte bislang nicht mehr als: Wir haben selbst keine Ideen, aber wir wollen auf keinen Fall einen möglichen Trend verschlafen. Die kreativen Ideen dürfen dann gerne von Drittentwicklern kommen.

Ein halbes Jahr nach dem Start verzeichnet Apples ARKit laut den Marktforschern von SensorTower 13 Millionen Downloads von passenden AR-Anwendungen. Die beiden davon meist genutzten Apps sind eine Möbel-App und eine App, um einen knuffigen Drachen in der Umgebung zu positionieren. Bahnbrechend ist was Anderes.

Mehr Plattformen als Apps

Das ist deswegen ernüchternd, weil Apple selbst bei der Vorstellung von ARKit im vergangenen Herbst genial klingende Kooperationen vorgestellt hat. Etwa das Spiel Warhammer 40.000 AR (bisher nicht erschienen) und die Baseball-App MLB At Bat (für Herbst 2018 geplant), die im Stadion einen Spieler samt Live-Statistiken erkennen soll, wenn man das iPhone in seine Richtung hält.

Dauert, kommt später, verzögert sich. Die Rhetorik scheint für Technologien wie VR und AR mittlerweile usus zu sein. Möglicherweise ist der Bedarf nach AR-Anwendungen gar nicht so hoch wie angenommen. Selbst brauchbare Lösungen wie ein Live-Möbelplaner versprechen keine besonders lange Dauernutzungszeit. Mehr als das scheinen aber wirklich attraktive Ideen vom Schlage eines Pokémon Go zu fehlen. Was bloß soll die nächste Killer-App werden, die einen ähnlichen Erfolg bescheren könnte wie der Sensationshit vor zwei Jahren?

Es schmerzt, weil man weiß, dass das schon mehrfach schief gegangen ist. Auch bei der 3D-Technik für zuhause und letztlich bei Virtual Reality überstieg die Projektion am Ende den Nutzen. Viel wäre möglich gewesen, aber am Ende haben schlicht Angebot und Nachfrage gefehlt. Die Industrie muss jetzt aufpassen, dass sie bei Augmented Reality die gleichen Fehler nicht wiederholt. Noch mehr Plattformen und Entwicklerkits bringen da nichts. Die Nutzer brauchen Anwendungen, spannende Anwendungen.

Beitragsbild: Leap Motion

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2 Kommentare zu “Augmented Reality: Apps, wir brauchen Apps!
  1. Ich weiß nicht so recht. Gerade bei AR sehe ich so viel mehr Möglichkeiten als bei VR – eben weil Augmented Reality nicht auf die Notwendigkeit einer Brille angewiesen ist. Ich muss nicht daheim am Rechner oder an der Konsole sitzen, um eine interessante Immersion zu erleben. Das kann im kleineren Sinne so etwas wie Pokemon Go sein, im aufwändigeren Sinne ist es die Erweiterung des Gesehenen – im Auto in der Frontscheibe integriert, direkt in meiner Brille oder eben „nur“ am Smartphone.

    Gerade deswegen ist eigentlich eine einheitliche Plattform sinnvoll. Apple kocht ein eigenes Süppchen, wie gewohnt. Aber mit klaren Standards wäre AR eben nicht auf ein System und einen Hersteller festgelegt. Wenn jemand den Fortschritt aufhält, dann sind es die großen Konzerne, die alle ihre eigenen Lösungen entwickeln, statt zusammen eine Plattform zu entwerfen, für die jeder individuelle Produkte produziert. Ich würde behaupten, dass das auch bei VR ein Motivationskiller war: Oculus Rift, HTC Vive, Gear VR, PlayStation VR, Cardboard/Daydream. Wer soll da noch durchblicken? Ich behaupte, dass es nicht der Mangel an Kreativität ist. Gerade bei kleinen VR-Entwicklungen sieht man, was es da alles an spannenden Dingen gibt….

  2. Was es derzeit an AR-Apps gibt, ist die stecknadelgoße Spitze vom Eisberg. Die (noch) langsame Entwicklung liegt einerseits an der unausgereiften Hardware…. Ich sehe ptaktische Anwendungsbeispiele, bspw. zur Unterstützung der Reinigung im Haushalt oder im gewerblichen Bereich (www.ar-check.com)..

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