Leica M10

Vollformatkameras: Diese gibt es und das bringen sie euch

Spätestens seit auch Nikon und Canon plötzlich Systemkameras lieben und einen Vollformatsensor dort einbauen, ist klar: Vollformat ist das neue Schwarz. Wir sagen euch, welche Vorteile ein Vollformatsensor hat und welche Kameras einen beherbergen.

Pünktlich zur Photokina 2018 machten Canon und Nikon plötzlich mit spiegellosen Systemkameras auf sich aufmerksam. Aber nicht nur mit irgendwelchen: Die Canon EOS R und die Nikon Z7 und Z6 haben jeweils einen Vollformatsensor an Bord. Panasonic und Zeiss zogen ebenfalls mit Vollformatkameras nach. Aber was heißt Vollformat, wo liegen die Vorteile und: was kostet der Spaß eigentlich?

Was bedeutet Vollformat?

Ein Vollformatsensor (englisch: full frame) misst 24 x 36 mm. Das ist genauso groß wie zur Zeit der analogen Fotografie das gängige Kleinbild. Um die Digitalfotografie erschwinglich zu machen, waren Sensoren anfangs (und sind es in den meisten Fällen bis heute) deutlich kleiner als ein Kleinbild. Als dann kurz nach der Jahrtausendwende die ersten Digitalkameras mit Sensoren in Kleinbildgröße auf den Markt kamen, bürgerte sich der Name Vollformatsensor schnell ein.

Bildsensoren: Vollformat fängt deutlich mehr Details ein als APS-C- oder 1-Zoll-Sensoren.

Bildsensoren: Vollformat fängt deutlich mehr Details ein als APS-C- oder 1-Zoll-Sensoren.

Weil es mittlerweile aber auch noch größere Sensoren gibt – die neue Fujifilm GFX-50R etwa hat einen Mittelformatsensor verbaut – nennt man einen Vollformatsensor auch Kleinbildsensor.

Welche Vorteile hat ein Vollformatsensor?

Eine Faustregel in der Fotografie besagt: Je größer der Sensor, desto besser das Bild. Theoretisch zumindest. Es kommt natürlich auf die Qualität den Sensors, das Objektiv, die sonstigen Eigenschaften der Kamera und nicht zuletzt natürlich auch auf das Motiv und den Fotografen an.

Ein größerer Sensor bietet jedem Pixel mehr Platz. Dadurch – und wenn es vom Hersteller nicht mit den Megapixeln übertrieben wird – ist jedes Pixel eines Vollformatsensors größer als bei kleineren Sensoren und kann mehr Licht einfangen. So lässt sich auch mit hohen ISO-Werten rauschfrei fotografieren. Dass der Sensor insgesamt größer ist, erlaubt es ihm, mehr Details einzufangen.

Canon EOS R mit Blick auf den großen Vollformatsensor im Gehäuse.

Canon EOS R mit Blick auf den großen Vollformatsensor im Gehäuse.

Bei gängigen ISO-Werten fängt ein Vollformatsensor mehr Licht ein. Der/die Fotograf/in kann also mit kürzeren Verschlusszeiten arbeiten (wichtig etwa bei der Sportfotografie) oder bei schlechten Lichtverhältnissen besser rausch- und wackelfrei fotografieren. Aufgrund ihrer Konstruktion haben Vollformatkameras einen geringeren Schärfentiefebereich. Gerade Porträtfotografen lieben das, weil der es erlaubt, ihre Motive besser vom Hintergrund freizustellen.

Welche Vollformatkameras gibt es aktuell?

Vollformatkameras haben eins gemeinsam: Sie kosten eine Stange Geld. Ein Neugerät bekommt man in der Regel nicht unter 1.000 Euro, nach oben ist die Skala offen.

Spiegellose Systemkameras mit Vollformatsensor

Warum plötzlich die ganze Fotowelt am liebsten Systemkameras mit Vollformatsensor baut, könnte zwei Gründe haben. Im Falle von Canon und Nikon spielt auch ein wenig Marketing mit rein: mal was Neues für Massen!

Ganz nebenbei aber gelten Systemkameras als kompakter als Spiegelreflexkameras. Weil kein Klappspiegel verbaut werden muss, ließen sich bei den meist üppig portionierten Vollformatkameras im Prinzip noch ein paar Gramm und Zentimeter sparen. Ob die Hersteller von der Möglichkeit auch wirklich Gebrauch machen, steht auf einem anderen Blatt.

Canon EOS R

"<yoastmark

Canon ist das jüngste Mitglied der Vollformat-Systemkameras. Vorgestellt kurz vor der Photokina 2018 hinterlässt die Canon EOS R einen guten Eindruck, auch dank eines ausgeklügelten Bediensystems. Kosten soll sie rund 2.500 Euro ohne Objektiv.

Nikon Z7 und Z6

Großer Vollformatsensor im Gehäuse der Nikon Z7. Faustregel: Je größer der Sensor, desto mehr Details kann die Kamera einfangen.

Großer Vollformatsensor im Gehäuse der Nikon Z7. Faustregel: Je größer der Sensor, desto mehr Details kann die Kamera einfangen.

Kurz vor Canon bekundete auch Nikon das neue Gefallen an Systemkameras mit Vollformat. Die Z7 richtet sich mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von über 3.800 Euro vor allem an Vollprofis, die Z6 mit etwa 2.500 Euro könnte auch ambitionierte Amateurfotografen ansprechen.

Sony Alpha

Als erster Vertreter der spiegellosen Systemkamera-Fraktion brachte Sony 2011 eine Vollformat-Systemkamera auf den Markt. Mittlerweile hat der Hersteller hier gleich mehrere Geräte zur Auswahl und die alten bleiben teilweise im Angebot.

Sony Alpha 7R III

Sony Alpha 7R III

Sonys Highend-Vollformate findet man in der a9-Serie, aktuell mit der a9 und der a99 II für 4.200 respektive 3.600 Euro UVP. Die a7-Serie ist preislich darunter angesiedelt. Sony hat hier drei leicht voneinander abweichende Modelle im Angebot: a7, a7R und a7S, von denen mittlerweile die dritte Generation erschienen ist. Als beste und teuerste stuft Sony hier die a7R III für 3.300 Euro ein. Die a7 der ersten Generation ist mit UVP 1.200 Euro deutlich erschwinglicher.

Panasonic

Auf der Photokina 2018 nur hinter einem Glaskasten zu betrachten – und ziemlich wuchtig aussehend: die Panasonic Lumix S1. Bild: Jürgen Vielmeier

Auf der Photokina 2018 nur hinter einem Glaskasten zu betrachten – und ziemlich wuchtig aussehend: die Panasonic Lumix S1. Bild: Jürgen Vielmeier

Panasonic hat auf der Photokina 2018 erstmals eine Systemkamera-Serie mit Vollformatsensor angekündigt und den Prototypen in einem Glaskasten ausgestellt. Erscheinen sollen die Lumix S1 und die Lumix S1R (mit mehr Megapixeln) Anfang 2019. Preise sind noch nicht bekannt.

Zeiss

Zeiss ZX1

Zeiss ZX1

Selbst Objektivspezialist Zeiss hat für 2019 eine Vollformat-Systemkamera angekündigt. Die mutet zwar etwas unkonventionell an. Ansonsten hat die Zeiss ZX1 mich am Rande der Photokina 2018 am meisten begeistert.

Fujifilm

Mehr geht immer: Die Fujifilm GFX 50R hat einen noch größeren Mittelformatsensor.

Mehr geht immer: Die Fujifilm GFX 50R hat einen noch größeren Mittelformatsensor.

Nur Vollformat? Da geht noch mehr! Fujifilm geht mit der GFX-Serie in die Vollen und hat mittlerweile zwei Mittelformatkameras im Programm: die GFX 50S und GFX 50R. Deren Sensor ist gar noch größer als ein Vollformatsensor, die Preise natürlich ebenfalls höher. Aber vielleicht gar nicht einmal so viel höher: die GFX-50R soll mit etwa 4.500 Euro zu Buche schlagen, die GFX 50S kostet um die 5.000 Euro.

Hasselblad

Hasselblad X1D

Hasselblad X1D

Auch Hasselblad übertrumpft mit der – wie ich finde wunderschönen – X1D das Vollformat mit einer Mittelformatkamera, die ein ausgeklügeltes Bedienkonzept verfolgt. Das hat allerdings seinen Preis: etwa 10.000 Euro werden dafür fällig.

Leica

Leica M10

Leica M10

Auch Leica bietet sehr ansprechende spiegellose Vollformatkameras an. Aktuell sind das die SL-Serie und die Leica M-Serie, etwa mit der M10. Leica ist eben die Leica unter den Kameras und entsprechend teuer. Ab 6.850 Euro ist eine M10 zu haben.

Spiegelreflexkameras mit Vollformatsensor

Vor allem Canon und Nikon haben sich als Ausrüster der Profis einen Namen gemacht. Schon vor den neuen Gehversuchen mit vollformatigen Systemkameras gab es natürlich bereits Spiegelreflexkameras mit Vollformatsensoren und gibt es bis heute. Für viele Fotografen wird es auch nie etwas anderes geben…

Canon

Canon EOS 5D Mark IV

Canon EOS 5D Mark IV

Die Canon EOS 5D ist eine Legende. Sie ist mittlerweile in der vierten Generation erschienen (EOS 5D Mark IV für um die 3.400 Euro ohne Objektiv) und beherbergt einen Vollformatsensor ebenso wie die Schwesterserie EOS 5DS und EOS 6D (Shoplink). Aber auch die EOS 1 DX aus Canons Sortiment ist eine Vollformat-Spiegelreflexkamera.

Nikon

Nikon Df

Nikon Df

Was bei Canon die EOS 5D, ist bei Nikon die ähnlich teure D850 mit Vollformatsensor. Jenen haben auch die D810, D750 (Shoplink), D610, D5 und die etwas kompaktere Df verbaut.

Pentax

Pentax K-1 Mark 2

Pentax K-1 Mark 2

Zu den Spiegelreflex-Vollformat-Vertretern gehört auch die Marke Pentax, die mittlerweile zu Ricoh gehört. Zwei Vollformat-Kameras hat der etwas geschrumpfte Traditionshersteller aktuell noch im Angebot: die Pentax K1 und den Nachfolger Pentax K1 Mark II. Preis ohne Objektiv: etwas unter 2.000 Euro.

Leica

Leica S

Leica S

Und noch einmal Leica: Neben Vollformat-Systemkameras hat der deutsche Hersteller auch noch Mittelformat-Spiegelreflexkameras im Angebot: die Leica S-Serie. Hier gehen die Preise erst ab etwa 15.000 Euro los. Neuester Zuwachs der S-Familie ist die Leica S3, die 2019 erscheinen soll.

Kompaktkameras mit Vollformatsensor

Ein riesiger Vollformatsensor in einer Kompaktkamera? Man könnte annehmen, das schließe sich aus. Aber doch, zwei Hersteller wagen diesen ungewöhnlichen Schritt und zeigen damit, dass Vollformatkameras nicht zwingend wuchtige Ungetüme sein müssen.

Sony

Sony RX1R II: Kompaktkamera mit Vollformatsensor

Sony RX1R II: Kompaktkamera mit Vollformatsensor

Sony ist schon lange Verfechter eines Vollformatsensors und kam so auf die Idee, einen solchen auch in einer Kompaktkamera einzubauen. Optisch unterscheidet die RX1 (Shoplink) (mit Tiefpassfilter; RX1R ohne) sich nicht von einer Systemkamera, das fest eingebaute 35mm-Objektiv lässt sich hier aber nicht tauschen. Rund 2.500 Euro werden dafür fällig. Für den Nachfolger RX1R II sind es rund 4.000 Euro.

Leica

Leica Q

Leica Q

Auch die Leica Q ist eine durchaus handliche Kompaktkamera, die einen Vollformatsensor beherbergt. Das Objektiv hat eine fest Brenntweite von 28mm. Kostenpunkt: rund 4.000 Euro.

Braucht ihr zwingend eine Vollformatkamera?

Es kommt darauf an, wer ihr seid und was ihr wollt. Geht es euch nur darum, euren 100 Instagram-Followern ein Mal im Jahr ein paar hübsche Urlaubsfotos zu zeigen, dann lautet die Antwort ganz klar: nein. Dafür ist eine Vollformatkamera überdimensioniert, zumal hier noch Folgekosten in Form von teuren Objektiven lauern.

Riesig: Ein Vollformatsensor in einem L-Mount-Bajonettsystem. Bild: Leica

Riesig: Ein Vollformatsensor in einem L-Mount-Bajonettsystem. Bild: Leica

Geht ihr täglich auf Fotosafari, kennt ihr alle Tricks und kommt ihr mit eurer Einsteigercam langsam an die Grenzen, dann wäre eine Vollformatkamera eine Überlegung wert. Ein Muss ist eine solche Kamera allerdings keinesfalls. Auch viele Profis setzen auf Kameras mit kleineren APS-C- oder sogar 4/3-Sensoren und machen atemberaubende Bilder damit.

Für viele ist deswegen der Mittelweg interessant. Formschöne System- oder Spiegelreflexkameras mit einem breiten und preislich überschaubaren Objektivangebot. Wenn ihr wirklich eine Vollformatkamera wollt, lohnt es sich, auf die älteren Generation zu schauen. Hier sind meist Schäppchen nicht all zu weit über der 1.000-Euro-Marke möglich, wie bei der Sony a7 Mark II (Shoplink).

Würden wir zu einer Vollformatkamera raten?

Ich bin Hobbyfotograf, viel auf Instagram unterwegs und immer wieder erstaunt, wie gut Smartphone-Kameras geworden sind. Nutze ich eine echte Fotokamera (ich besitze zwei Systemkameras), sind die Ergebnisse aber immer noch deutlich besser. Selbst wenn ich hier nur ein Standard-Telezoom-Objektiv verwende.

Als ich mit meiner damaligen Freundin auf Nordlichtjagd gegangen bin und mich für meine Kamera mit einem 4/3-Zoll-Sensor entschieden habe, war ich am Ende tatsächlich etwas enttäuscht von der Bildqualität. Und ich schaute neidisch rüber zu ihrer deutlich schwereren Canon-Spiegelreflex mit APS-C-Sensor. Zu APS-C würde ich heute in allen Fällen raten. Der Unterschied ist spürbar, die Kameras sind meist erschwinglich.

Nordlichter fotografieren: So geht’s

Vollformatkameras? Nur wenn ihr euch wirklich auskennt und wisst, was ihr machen müsst, um schöne Fotos zu schießen. Wenn nicht, übt besser erst noch und spart euch das Geld für die Profikamera zusammen. Denn die wird teuer und lohnt sich erst, wenn ihr die Vorteile auch zu schätzen wisst.

Wie gefällt Dir dieser Beitrag?
Bewertung wird geladen …
Schreibe einen Kommentar

Hinterlasse hier deinen persönlichen Kommentar. Wir freuen uns über deine Meinung.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*