Canon EOS R

Canon EOS R: Vollformat-Systemkamera nun auch vom zweiten Kamerariesen

Nach Nikon vergangene Woche zieht nun auch Canon mit einer Systemkamera fürs Profis nach. Wir sagen euch, was die EOS R ausmacht und vor allem: warum die Kameraschwergewichte nun plötzlich Lust auf Systemkameras haben.

Canon hat heute in Tokyo die EOS R vorgestellt, eine spiegellose Systemkamera mit einem Vollformatsensor. Die verfügt auch über ein neues Objektivsystem und siedelt sich technisch und preislich in der Profiliga an. Erst vorvergangene Woche hatte der große Nebenbuhler Nikon mit der Z6 und der Z7 ganz ähnliche Profi-Systemkameras vorgestellt.

EOS R: Dual-Pixel-Autofokus, 4K-Video, Vollformatsensor

Die EOS R verfügt über besagten Vollformatsensor mit einer Auflösung von 30,3 Megapixeln. Vollformatsensoren sind so groß wie bei analogen Kameras ein Bild im Kleinbildformat. Damit sind sie größer als die in preiswerteren Kameras eingebauten APS-C-, 4/3- oder 1-Zoll-Sensoren. Sie können mehr Details einfangen und so schärfere und ausgewogenere Bilder liefern.

Bildsensoren grafisch dargestellt: Vom Mini-Smartphone-Sensor bis zur Vollformatkamera

Die EOS R verfügt über einen Dual-Pixel-Autofokus. Der elektronische Verschluss ermöglicht geräuschlose Aufnahmen, der Digic-8-Prozessor schafft bis zu 8 Bilder pro Sekunde. Die Lichtempfindlichkeit reicht von ISO 100 bis 40000. Der elektronische Sucher wird über einen Mini-OLED-Bildschirm (0,5-Zoll) mit 3,7 Millionen Bildpunkten realisiert. Der LCD-Monitor misst 3,15 Zoll. Der Akku soll für mindestens 350 Fotos durchhalten.

Canon EOS R Gehäuse

Canon EOS R Gehäuse

Auch als Videokamera soll sich die EOS R eignen. 4K-Aufnahmen beherrscht sie allerdings nur mit 30 Bildern pro Sekunde. Andere Kameras schaffen eine flüssigere 4K-Aufnahme mit 60 fps. Dafür verfügt die EOS über ein eingebautes Stereo-Mikrofon. Auch ein externes Mikrofon und ein Kopfhörer lassen sich an die Kamera anschließen. Was dem Kameragehäuse dafür leider fehlt, ist eine optische Bildstabilisierung.

Touchbar in der EOS R

Touchbar in der EOS R

Interessant ist außerdem ein neues Bedientouchfeld am Gehäusekopf, das jeweilige Einstellungen mit einem Wisch erledigen lässt. Das erinnert an die Touchbar im Apple MacBook Pro.

Neues Objektivsystem, mit Adapter kompatibel zu EF-Objektiven

Passend zur EOS R hat Canon auch das neue RF-Mount-Objektivsystem vorgestellt und die ersten passenden Objektive: 35 mm f/1.8 Makro, 50 mm f/1.2 sowie die Variotele 28-70 mm f/2 und 24-105 mm f/4. Mit einem EF-EOS-R-Adapter lassen sich auch EF-Objektive an die Kamera anschließen, die für Canons Spiegelreflexkameras konzipiert sind. Auch Nikon hatte für die Z6 und Z7 einen passenden Adapter vorgestellt.

Beispielbild Nachtszenerie mit der EOS R

Beispielbild Nachtszenerie mit der EOS R

Die EOS R orientiert sich technisch an Canons Premium-Spiegelreflexkamera EOS 5D Mark IV. Sie ist allerdings etwas kleiner und etwas preisgünstiger. Verfügbar ab dem 9. Oktober soll sie das Gehäuse der Kamera alleine UVP 2.499 Euro kosten. Die Kombi mit dem 24-105-mm-Varioobjektiv schlägt mit 3.499 Euro zu Buche. Damit ist die EOS R etwas teurer als die Nikon Z6 (2.449 Euro mitsamt Adapterring), aber preiswerter als die Nikon Z7 (3.849 Euro).

Nikon und Canon: Genug vom lästigen „Eindringling“ Sony

Dass Nikon und Canon, also die beiden Schwergewichte der Kameraindustrie, nun mit einer ähnlichen Entwicklung zeitlich so nah beieinander liegen, dürfte kein Zufall sein. Geheimniskrämerei in der Branche ist wegen ähnlicher Einkaufs- und Vertriebswege kaum noch möglich. Wer immer zuerst die Idee hatte: der andere wird schnell davon Wind bekommen und in die gleiche Richtung entwickelt haben.

Vor allem aber war wohl der Erfolg eines Dritten den beiden Branchengrößen schwer aufgestoßen. Sony ließ neulich verlauten, zumindest in den USA die meisten Vollformatkameras zu verkaufen. Vor allem die vergleichsweise erschwingliche Alpha-7-Serie wurde für die Fotosparte des Elektronikgroßkonzerns zu einem riesigen Erfolg. Dass Profifotografen also typunabhängig heute am liebsten zu Sony greifen, das kann Nikon und Canon nicht gefallen haben.

Nahaufnahme mit der EOS R. Bilder: Canon

Nahaufnahme mit der EOS R. Bilder: Canon

Canon und Nikon setzten seit dem Siegeszug der Digitalfotografie vor allem auf digitale Spiegelreflexkameras. Ein Schwenkspiegel vor dem Sensor leitet das Bild vor dem Auslösen zum Sucher um; bei der Aufnahme klappt der Spiegel hoch und gibt den Weg zum Sensor frei.

Bei Systemkameras fehlt dieser Spiegel, mit dem Vorteil, dass diese Kameras kompakter gebaut werden und theoretisch schneller auslösen können. Der Sucher in diesen Geräten muss allerdings elektronisch und mit Hilfe eines Mini-Bildschirms realisiert werden, was zu Lasten der Akkulaufzeit geht.

Spiegellose Systemkameras setzen sich zunehmend durch. Die wichtigsten Hersteller sind hier neben Sony vor allem Fujitsu, Panasonic und Olympus. Aber auch Canon und Nikon haben im Einsteigersegment (eher halbherzig) bereits mit spiegellosen Systemkameras (EOS M und Nikon „1“) experimentiert.

Welche der beiden Kamera-Arten nun besser ist, daran scheiden sich die Geister. Zumindest bei Euronics sind Spiegelreflexkameras und spiegellose Systemkameras schiedlich-friedlich in der gleichen Kategorie einsortiert.

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Ein Kommentar zu “Canon EOS R: Vollformat-Systemkamera nun auch vom zweiten Kamerariesen
  1. Für mich gibt es zwei Interpretationsmöglichkeiten des Phänomens „Canon EOS R“:
    1.
    Bei Canon hat man sich allzulange auf der Erfolg bei Profikameras ausgeruht. Dieser Erfolg macht konservativ (Management), das mit seiner Selbstüberzeugtheit groosse Widerstände gegen Neues und Innovatives haben; deswegen kommt bei Canon die DSLM so spät und so wenig überzeugend.
    2.
    Es gibt bei Canon heftige Zwistigkeiten, bei denen sich zwei Gegner (Management-Gruppen) gegenseitig blockieren, so dass kaum noch eine Entwicklung möglich ist, sowohl bei DSLR als auch bei DSLM.

    Solche Situationen / Szenarien sind nicht neu; die frühere deutsche Kameraindustrie hat auch alle solche Fehler gemacht und ist daran zugrundegegangen. Die Nachfolger waren schon in den Startlöchern (Japan) und haben den gesamten Markt übernommen. Diese Gefahr besteht auch heute mit Nikon und Canon, wobei Nikon wohl schon wirtschaftliche Probleme hat und Canon o.g. narzisstische.
    Nikon scheint aus seiner Not aber etwas besser zu machen mit der Z6/7 als Canon mit einer weniger überzeugenden Kamera.
    Sony hat einige Jahre früher seine wirtschaftliche Krise gehabt und daraus rasch gelernt und die überzeugenderen Produkte entwickelt und macht damit den beiden richtig Druck, aber die genauso ‚gefährliche‘ Konkurrenten scheinen Panasonic, Samsung, Fuji und im asiatischen Bereich Ricoh/Pentax zu sein, diese haben alle ihre eigenen, unabhängigen Konzepte und keine erkennbaren inneren Hemmungen im Entwicklungsbereich, da sie sich auf keinem so groossen Erfolg wie Nikon und Canon ausruhen können.

    Für Canon und Nikon gilt folglich: Achtung, Vorsicht, die Konkurrenz schläft nicht! Wenn ihr schlaft, dann seid ihr bald Geschichte!

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