(Foto: Sven Wernicke)

Günstig und gut? Yi 4K Action Camera & Yi 4K+ Action Camera im Test

„Die beste Action-Kamera aller Zeiten“ – so beschreibt Yi Technology die eigene Yi 4K Action Camera. Wir haben diese und die 4K+ Action Camera ausprobiert.

Der Hersteller Yi Technology gibt sich überaus selbstbewusst bei seinen Actioncams. Und er stellt seine Yi 4K Action Camera dem Marktführer GoPro und dessen Hero4 Black Edition gegenüber. Zumindest laut der Yi Hersteller-Webseite sei der prominente Konkurrent in einigen Bereichen unterlegen. Die neue Yi 4K+ (wichtig ist das Plus im Namen!) sei sogar die erste Action-Kamera, die 4K-Aufnahmen mit 60 Bildern pro Sekunde verspricht. Ich habe mir beide Geräte einmal genauer angeschaut.

Yi 4K Action Camera vs. Yi 4K+ Action Camera

Da ist sie mal wieder – die sprichwörtliche Lupe, mit der ihr die Unterschiede zwischen zwei Produkten suchen könnt. In diesem Fall geht’s um die 4K Action Camera und die 4K+ Action Camera. Abgesehen von einem minimal veränderten Gehäusedesign fallen die Differenzen kaum auf. Aber es gibt sie, wie die Tabelle zeigt:

 Yi 4K Action CameraYi 4K+ Action Camera
Bildsensor:SONY IMX377 1/2.3”12 MP CMOS Bildsensor mit Exmor RSONY IMX377 1/2.3”12 MP CMOS Bildsensor mit Exmor R
Prozessor:Ambarella A9SE Chipsatz & Dualcore Cortex-A9 ARM CPUAmbarella H2 Chipsatz & Quadcore ARM Cortex-A53 64-bit CPU
Display:2.2 Zoll Touchscreen mit 640x360 Pixeln2.2 Zoll Touchscreen mit 640x360 Pixeln
Linse:Glaslinse mit sieben Ebenen, 155° FOV, F2.8, f=2.66±5%mmGlaslinse mit sieben Ebenen, 155° FOV, F2.8, f=2.66±5%mm
Videomodi:Videos in maximal 4K mit 30 Bildern / Sekunde
Time Lapse 4K mit 30 Bildern / Sekunde
Slow Motion maximal 720p bei 240 Bildern pro Sekunde
Videos in maximal 4K mit 60 Bildern / Sekunde
Time Lapse 4K mit 30 Bildern / Sekunde
Slow Motion maximal 720p bei 240 Bildern pro Sekunde
Besonderheiten:Electronic Image Stabilization dank Gyroskop und Accelerometer (bis 2,7K)
Auto Low Light
Live-Streaming-Option
Fotos im RAW-Format
Electronic Image Stabilization dank Gyroskop und Accelerometer (bis 4K)
Auto Low Light
Live-Streaming-Option
Fotos im RAW-Format
USB-Type-C-Anschluss

Die Yi 4K+ ist im Grunde ein dezentes Update der Yi 4K: Sie besitzt einen USB-Type-C-Port statt eines normalen USB-Anschlusses. Und sie ist in der Lage, 60 statt bisher 30 Bilder pro Sekunde bei Videos in 4K-Auflösung aufzunehmen. Dies ermöglicht der verbesserte, leistungsstärkere Chipsatz mit dem Quadcore-Prozessor. Der schafft auch eine elektronische Bildstabilisierung bis 4K (bei 30fps) statt sonst „nur“ 2,7K (60fps).

Schöne Verpackung, wenig Zubehör zum Start. (Foto: Sven Wernicke)

Schöne Verpackung, wenig Zubehör zum Start. (Foto: Sven Wernicke)

Es ist gut möglich, dass es hier und da noch weitere Unterschiede existieren. Aber ganz ehrlich: Bei meinen ausführlichen Tests konnte ich keine feststellen. Weder in den Optionen, noch bei der Funktionsweise generell. Sowohl bei den Vorteilen, als auch bei den Makeln sind 4K und 4K+ quasi identisch.

Lieferumfang und nötige Speicherkarte

Yi Technology verkauft beide Kameras in Form von Waterproof Case Kits, die ein wasserdichtes Gehäuse samt Standard-Befestigung (1/4-Zoll-20-Gang-UNC-Gewinde) mitbringen. Hinzu gesellen sich eine Anleitung und ein USB-Kabel zum Aufladen des wechselbaren Akkus. Der Plus-Kamera liegt noch ein Type-C-to-Microphone-Convert-Kabel bei. Ihr dürft so also ein externes Mikrofon anschließen.

Die Yi 4K Action Cam bietet im Grunde fast identische Features im Vergleich zur Yi 4K+ Action Cam. (Foto: Sven Wernicke)

Die Yi 4K Action Cam bietet im Grunde fast identische Features im Vergleich zur Yi 4K+ Action Cam. (Foto: Sven Wernicke)

Zum Start benötigt ihr eine ausreichend schnelle microSD-Speicherkarte. Yi Technology empfiehlt eine mit UHS Speed Class 3 (U3), beispielsweise eine SanDisk Extreme Pro (Shoplink). Ich verwendete eine Samsung SD Evo Pro+ (Shoplink). In jedem Fall wichtig: die hohe Schreib-Geschwindigkeit der Speicherkarte, da bei 4K-UHD-Auflösungen schnell große Datenmengen anfallen. Spart also nicht an der falschen Stelle und wundert euch dann über ruckelige Aufnahmen.

Einfache Einrichtung und Probleme

Was mir bei der Yi 4K(+) Action Camera gut gefällt: Die Anleitung braucht ihr nicht zwingend. Die Kamera ist selbsterklärend, nach dem ersten Einschalten werdet ihr in ein paar Schritten eingeführt. Die Touchscreen-Bedienung ist simpel, eingängig und logisch. Mir persönlich gefällt die Navigation insgesamt besser als zum Beispiel bei der GoPro Hero 2018.

Der 2,2 Zoll große Touchscreen bietet eine gute Bedienung. (Foto: Sven Wernicke)

Der 2,2 Zoll große Touchscreen bietet eine gute Bedienung. (Foto: Sven Wernicke)

Clever: Steckt ihr die Kamera in das schützende Gehäuse, lässt sich ein spezieller Modus nutzen, bei dem der Wechsel zwischen den Modi (Foto, Zeitraffer, Zeitlupe etc.) mit nur einer Taste erledigen lässt. Das ist sehr praktisch.

Verbindungsabbrüche bei den Yi 4K-Kameras

Trotzdem musste ich schnell ein Problem feststellen, das mich die gesamte Zeit meines Tests begleitete: Immer wieder Verbindungsabbrüche zwischen Smartphone und Kamera. Via Yi-App könnt ihr theoretisch komfortabel auf die Actioncams zugreifen – sogar die Wahl zwischen dem schnelleren 5-GHz- und dem Standard-2,4-GHz-Netz steht zur Auswahl. Eine WiFi-Verbindung baut die Kamera selbst auf.

Oft wird allerdings die „Connection“ beendet, der Transfer aufgenommener Videos will nicht klappen, manchmal wird die Kamera beim Herstellen einer Verbindung nicht erkannt. Irgendetwas scheint da im Zusammenspiel zwischen der App und der Software der Kamera(s) nicht reibungslos zu verlaufen.

Probleme mit der App. Immer wieder. (Foto: Screenshot / Sven Wernicke)

Probleme mit der App. Immer wieder. (Foto: Screenshot / Sven Wernicke)

Für mich war und ist dies der einzige echte Kritikpunkt bei der Yi 4K+ Action Camera und der Yi 4K Action Camera. Yi sollte hier nachbessern. Versucht hatte ich es mit einem Samsung Galaxy S8 und einem Galaxy S9. Vielleicht klappt es mit einem iPhone und der iOS-App ja besser?

Yi 4K+ Action Camera und 4K Action Camera im Alltag

Nach und nach arrangierte ich mich mit diesen Verbindungs-Macken und entdeckte die Stärken der Actioncams. Sie wirken erstaunlich robust, wertig und liegen gut in der Hand. Auch die Gehäuse (sie sind übrigens identisch) hinterlassen einen hervorragenden Eindruck.

Die Unterschiede sind gering. (Foto: Sven Wernicke)

Die Unterschiede sind gering. (Foto: Sven Wernicke)

Zwar waren manche Aufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen trotz „Low Light“-Feature nicht überragend, aber ich sehe bei Actioncams eh eine Verwendung vorrangig bei Tageslicht. Und hier spielte ich vor allem mit den Zeitraffer-Elementen herum. In 4K kommen da meiner Auffassung nach richtig schöne Aufnahmen heraus, die Bildqualität gefällt mir sehr.

Hier ein Beispiel eines Zeitraffer-Videos mit der 4K+. Na, was koche ich da?

Einstell-Vielfalt

Apropos Spielereien: 4K, 4K mit Weitwinkel, 2,7K, 1080p bei 120 Bildern pro Sekunde, Timelapse mit Intervallen von 0,5 bis 60 Sekunden, Slow-Motion-Videos (maximal 720p, 240fps), Video/Foto-Kombination (Video-Aufnahme und Timelapse gleichzeitig) in 1080p, Loop (Dashcam lässt grüßen) – an Modi gibt’s eine echte Vielfalt und für jeden erdenklichen Zweck die passende Einstellung.

Im Foto-Modus könnt ihr bis 4000 x 3000 Pixel Bilder knipsen (12 Megapixel), Serien- und Shutter-Aufnahmen bekommt ihr außerdem. Wer mag, stellt noch Weißabgleich, ISO (100 – 6400) oder Art der Messmethode manuell ein.

Der Akku lässt sich wechseln. (Foto: Sven Wernicke)

Der Akku lässt sich wechseln. (Foto: Sven Wernicke)

Der elektronische Bildstabilisator leistet gute Arbeit, die verbauten Mikrofone sind für die kleinen Kameras völlig in Ordnung. Immerhin sind zwei Stück für Stereo-Sounds (48kHz) verbaut. Sogar die Sprachsteuerung funktioniert tadellos, sofern sich die Actioncams nicht in dem dicken Plastikgehäuse befinden. Schade nur, dass ihr auf die englischen Standard-Befehle wie „Yi Action Take Photo“ oder „Yi Action Begin Recording“ zurückgreifen müsst. Ein individuelles Anpassen wäre sinnvoll gewesen.

Unterschiede zwischen Yi 4K Action Cam und Yi 4K+ Action Cam

Aktuell ist die Yi 4K Action Cam rund 60 Euro günstiger als die Yi 4K+ Action Cam. Für diese Summe bekommt ihr neben besagtem USB-Type-C-Port und dem Mikrofon-Adapter noch eine einzige Verbesserung: 4K-Videos mit 60fps. Das ist tatsächlich eine große Besonderheit, die sich Yi Technology bezahlen lässt. Ist euch diese nicht allzu wichtig, reicht das 4K-Modell vollkommen.

Etwas Mut zum Risiko - hier am Volvo 240 befestigt. (Foto: Sven Wernicke)

Etwas Mut zum Risiko – hier am Volvo 240 befestigt. (Foto: Sven Wernicke)

Ich jedenfalls konnte keine weiteren und wirklich gravierenden Unterschiede erkennen, die den höheren Preis rechtfertigen würden. Aber so ist das eben mit dem Nachfolger – teurer und etwas besser. Andererseits muss der bessere Prozessor auch deutlich größere Datenmengen verarbeiten können. Und das führt womöglich zu dem höheren Preis.

Hier noch ein weiteres Zeitraffer-Video, das von der Yi 4K Action Camera stammt:

Fazit: Wären da nicht die Verbindungsprobleme…

Die Yi 4K Action Cam (ohne das wasserdichte Gehäuse) konkurriert preislich schon mit der GoPro Hero 2018, die ja eigentlich das Einsteigermodell des bekannten Actioncam-Herstellers ist. Yi Technology bietet bezogen auf die technischen Daten und die Leistung dahinter eine ganze Ecke mehr – nämlich 4K-Videos mit 30 Bildern pro Sekunde und wirklich guter Qualität dank hochwertiger Komponenten. Das ist schon eine Ansage.

Schön, kompakt und zum Kampfpreis. (Foto: Sven Wernicke)

Schön, kompakt und zum Kampfpreis. (Foto: Sven Wernicke)

Die Hero6 Black wiederum ist deutlich teurer als die Yi 4K+ Action Cam, bietet aber auch HDR, GPS, HDMI-Ausgang und einige Software-Elemente, die der chinesische Gegner nicht im Angebot hat. Yi 4K und 4K+ konkurrieren vorrangig mit der Hero5 Black (Shoplink) sowie besagter Hero 2018 (Shoplink) und können dem Platzhirsch Paroli bieten. Mir haben beide Kameras überaus gefallen.

Vergesst nicht die Speicherkarte! (Foto: Sven Wernicke)

Vergesst nicht die Speicherkarte! (Foto: Sven Wernicke)

Aber! Es muss auch hier ein Aber geben. Und das sind die WiFi-Verbindungsabbrüche, die ich einfach nicht beheben konnte. Auch die Yi-App könnte überarbeitet werden, um den Bedienkomfort zu erhöhen und die Stabilität zu steigern. Mit einem Firmware-Update ließen sich wohl weitere Makel in diesem Bereich beheben.

Wie gesagt: Ihr könnt euch damit arrangieren, doch die WiFi-Anbindung bekommt GoPro derzeit noch besser hin. Beim Rest ist Yi Technology aber schon echt stark.

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